Antibiotika: Die dritte Generation schwächelt

7. Juni 2016
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Salmonelleninfektionen im Blut führen in südlichen Regionen vor allem bei Kleinkindern zu vielen Todesfällen. Die Behandlung ist problematisch, denn die Resistenzen gegen Antibiotika nehmen zu – selbst Antibiotika der dritten Generation wie Ciprofloxacin sind bereits weniger wirksam.

Salmonelleninfektionen im Blut, ausgelöst durch das Bakterium Salmonella enterica, führen etwa in Südostasien und Afrika nach wie vor zu vielen Todesfällen. Besonders betroffen sind Kinder zwischen zwei und fünf Jahren. Die Behandlung dieser Infektionen könnte immer mehr zum Problem werden, denn die Resistenzen gegen die eingesetzten Antibiotika nehmen zu. Wissenschaftler vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg konnten nun nachweisen, dass auch neuere Generationen von Antibiotika immer weniger wirksam sind.

„Wenn wir die Salmonellen im Blut nicht mehr mit den neuen Antibiotika wie Ciprofloxacin in den Griff bekommen, ist das ein großes Problem für die betroffenen Länder“, warnt Prof. Jürgen May, der zahlreiche Studien in Subsahara-Afrika und vor allem in Ghana zu Salmonellosen durchgeführt hat. Im dortigen Kumasi haben das Bernhard-Nocht-Institut und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung eine enge Partnerschaft mit den Forschern am Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine.

Blutvergiftungen durch Salmonellen der Art Salmonella enterica sind heute vor allem ein Problem der Entwicklungsländer; die Infektion des Darms erfolgt über verunreinigte Lebensmittel und verschmutztes Wasser. Jährlich erkranken weltweit etwa 22 Millionen Menschen an Typhus, der wohl bekanntesten Infektion, die diese Eindringlinge verursachen. Sie wird durch das Bakterium Salmonella Typhi ausgelöst, einer bestimmten Variante von Salmonella enterica.

Gleichzeitig tritt Malaria auf

Typhus führt zu Fieber, Bauchschmerzen und Darmverstopfung; unbehandelt kann die Infektion zum Tode führen. Hinzu kommen sogenannte nicht-typhoide Salmonelleninfektionen, ausgelöst durch andere Serotypen von Salmonella enterica. Sie können ebenfalls zu einer Blutvergiftung führen und, so die Schätzungen, treffen noch einmal über 90 Millionen Menschen pro Jahr. Es ist nicht bekannt, warum es in diesen Ländern so häufig zum Übergang der Erreger in das Blut kommt. Eine gleichzeitig auftretende Malaria scheint dies zu begünstigen.

Seit Anfang der 1990er Jahre tauchten in Asien und Afrika immer häufiger multiresistente Salmonellenstämme auf, denen die gängigen Antibiotika wie Ampicillin oder Chloramphenicol nichts mehr anhaben konnten. Empfohlen wurde daraufhin von der WHO der Einsatz von Antibiotika der dritten Generation, wie das Ciprofloxacin aus der Gruppe der Fluorchinolone. In einer Studie in Ghana untersuchten May und sein Team nun, ob dieses neue Antibiotikum dort auch bereits Resistenzen ausgelöst hat. Von 2007 bis 2012 konnten über 300 Isolate von invasiven Salmonellen aus Blutkulturen gewonnen werden, also solchen, die zu Blutvergiftungen führen können.

Reduzierte Empfindlichkeit für Ciprofloxacin

Die Ergebnisse der Studie sind eine erste Warnung: In einigen Varianten von Salmonellen konnte eine verminderte Empfindlichkeit auf Ciprofloxacin nachgewiesen werden; bei einem Serotyp war bereits die Hälfte der Isolate betroffen. Der Typhus-Erreger Salmonella Typhi wies bei diesen Isolaten noch keine verminderte Empfindlichkeit auf. Eine länderübergreifende Untersuchung zeigte aber auch für Salmonella Typhi bereits eine reduzierte Empfindlichkeit für Ciprofloxacin; besonders hoch war das Vorkommen in Kenia. „Das ist insofern bedenklich, als Ciprofloxacin häufiger eingesetzt werden wird, wenn die Kosten sinken“, erklärt May.

Die Wissenschaftler konnten darüber hinaus einzelne Mutationen im Erbgut der Erreger ausmachen, die für die geringere Empfindlichkeit verantwortlich waren.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass das Vorkommen von multiresistenten Salmonellenstämmen genauestens beobachtet werden muss, um die Last vernachlässigter Krankheiten wie Typhus und nicht-typhoide Fieber in den Griff zu bekommen“, betont May. Ein wichtiger Schritt für eine Verbesserung der Situation sei das multinationale Forschungsprogramm gewesen, das die Daten in Subsahara-Afrika unter Beteiligung des DZIF erhoben hat (TSAP, Typhoid Fever Surveillance in Africa Program). Im Rahmen dieses Programms haben May und andere Wissenschaftler auch Studien zu Hygienemaßnahmen und zur Ausbreitung, zu Impfstoffen und Diagnostika durchgeführt.

Originalpublikation:

The Emergence of reduced Ciproflaxihn Susceptibility in Salmonella enterica causing Bloodstream Infections in rural Ghana
Daniel Eibach et al.; Clinical Infectious Diseases, 2016, doi: 10.1093/cid/civ757

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1 Kommentar:

Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Die Suche nach billigen Antibiotikas ohne Resistenzen erscheint mir so sinnvoll, wie die Einrichtung von Wohnraum in unwirtlichen Weltraumgegenden. Bessere Lebensbedingungen auf unserem Planeten mittels Hygiene, Impstoffen und Diagnostika, ferner bessere Arbeitsbedingungen und Einschränkung von unsinnigen Inhalationen, Rekordgeschwindigkeiten, Waffenherstellungen usw. sind sicher erstrebenswerter, wenn auch nicht ausreizbar.

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