Psoriasis: Neue Details kratzen an der Oberfläche

7. Juni 2016
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Die B-Lymphozyten des Immunsystems spielen im Krankheitsgeschehen der Schuppenflechte eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen die Produktion des entzündungshemmenden Botenstoffs IL-10. Die Zellen eignen sich damit möglicherweise als Ansatz für eine neue Therapie.

„Eine krankhafte und sehr komplexe Immunreaktion der Haut“: So beschreiben Ärzte und Wissenschaftler eine Krankheit, von der zwischen ein und drei Prozent der Bevölkerung betroffen sind – die Schuppenflechte (Psoriasis). Zu ihren charakteristischen Merkmalen gehören eine beschleunigte Zellteilung in den oberen Hautschichten mit einer Vermehrung von Hautzellen und einer Entzündung der darunterliegenden Haut. In dem komplexen Geschehen spielen viele unterschiedliche Zellen eine Rolle: Keratinozyten und Zellen des Immunsystems, unter anderem T-Lymphozyten, Makrophagen und Mastzellen.

Jetzt haben Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg ihren Blick auf eine Zellart geworfen, die bisher im Zusammenhang mit der Schuppenflechte nur wenig Beachtung gefunden hatte: Die B-Lymphozyten. Sie konnten zeigen, dass diese Zellen über die Regulation des entzündungshemmenden Botenstoffs Interleukin-10 (IL-10) die Hautkrankheit beeinflussen können. Damit bieten sie sich möglicherweise als Angriffspunkt für eine neue Therapie gegen diese Krankheit an, die nach dem derzeitigen Stand der Forschung nicht heilbar ist.

Einfluss auf entzündungshemmenden Botenstoff

An der Studie federführend beteiligt waren die Professoren Matthias Goebeler, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie Würzburg, und Edgar Serfling, aktiver Seniorprofessor in der Abteilung für Molekulare Pathologie am Pathologischen Institut der Universität Würzburg, der die Studie initiiert hatte. „Wichtig war die neue Erkenntnis, dass die Produktion des entzündungshemmenden Botenstoffs IL-10 durch die B-Lymphozyten über eine Wechselwirkung mit dem Protein ‚Nuclear Factor of Activated T cells‘ (NFATc1), einem Transkriptionsfaktor, vermindert wurde“, schildert Matthias Goebeler das zentrale Ergebnis der Arbeit.

Bei der Schuppenflechte (A) zeigt sich im Vergleich zur gesunden Haut (B) eine vermehrte Schuppung (*) und Verbreiterung der obersten Hautschicht (**). Darunter eine Ansammlung von Entzündungszellen. © Universitäts-Hautklinik Würzburg

Bei der Schuppenflechte (A) zeigt sich im Vergleich zur gesunden Haut (B) eine vermehrte Schuppung (*) und Verbreiterung der obersten Hautschicht (**). Darunter eine Ansammlung von Entzündungszellen. © Universitäts-Hautklinik Würzburg

NFATc1 hemme die Ablesung des IL-10-Gens in B-Zellen und führe schließlich zu einer schlechteren Kontrolle des entzündlichen Geschehens in der Haut. „Die weitere Aufschlüsselung der Wechselwirkung könnte zukünftig zur Entwicklung von Medikamenten führen, die noch spezifischer die entzündlichen Prozesse bei der Psoriasis unterdrücken“, so die Wissenschaftler.

Originalpublikation:

NFATc1 supports imiquimod-induced skin inflammation by suppressing IL-10 synthesis in B cells
Hani Alrefai et al.; Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms11724, 2016

19 Wertungen (4.79 ø)

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3 Kommentare:

Ola Novak
Ola Novak

Es wäre wirklich interessant mehr darüber lesen zu können. Mein Bruder hat nämlich auch Schuppenflechte und im Alltag ist das wirklich sehr mühsam… Was ihm hilft ist ausreichende Bewegung, er passt auch beim Essen sehr auf, schmiert sich häufig Kokosöl auf die Haut und trägt halt unter der normalen Kleidung noch eine Spezialkleidung von Tepso, die weniger reibt. Das heilt einen zwar nicht, aber verschafft ihm zumindest eine Linderung der Beschwerden. Grundsätzlich wäre es aber natürlich toll, wenn mehr Schritte in Richtung Heilung getan werden würden…

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Gast
Gast

EBV (Epstein-Barr-Virus) z.B. produziert ein Interleukin- 10- like Interleukin, was zu chronischen Entzündungen führt …

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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

woher kommt die Entzündung ? Eine Überbeanspruchung oder allergische Reaktion, wenn man die Ursachen wüsste, man möchte ja keine Entzündungen bekommen .- Die Schuppenbildung und der Juckreiz sind ja eine Reaktion , eine sehr unangenehme, die man natürlich vermeiden möchte.

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