Strahlungsfreie Zone dank Dental-MRT

1. Juni 2016
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Röntgenbilder von Kiefer und Zähnen können künftig durch strahlungsfreie Dental-MRTs ersetzt werden. Dabei kann nicht nur Hart-, sondern auch Weichgewebe wie Zahnfleisch dreidimensional dargestellt werden. Patienten können so besonders schonend operiert werden.

Häufiger als 90 Mal pro Minute werden in Deutschland Zähne oder Kiefer geröntgt. Ein Großteil dieser insgesamt etwa 48 Millionen Aufnahmen jährlich könnte in Zukunft durch die strahlungsfreie Magnetresonanztomografie (MRT) ersetzt werden.

Forscher und Ärzte des Universitätsklinikums Freiburg haben eine MRT-Methode entwickelt, mit der schnell hochauflösende dreidimensionale Bilder gemacht werden können. Im Unterschied zum Röntgen lässt sich damit nicht nur Hartgewebe wie Zähne und Knochen darstellen, sondern auch Weichgewebe wie Zahnfleisch und Nerven.

Zehnfache Verstärkung des MRT-Signals

Eine kleine kabellose Doppelspule aus Metall wird über die Zahnbereiche gestülpt und kann so das MRT-Signal bis zu zehnfach verstärken. Die Spule ist mit allen MRT-Geräten kompatibel und wird am Universitätsklinikum Freiburg bereits in der Operationsplanung eingesetzt. Die Wissenschaftler bezeichnen dieses Verfahren als Dental-MRT.

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Mit der Doppelspule aus Kupfer (links) sind deutlich präzisere MRT-Bilder als bisher möglich. Ein Silikonmantel macht die Verwendung für Patienten besonders schonend.

Die kabellose Spule wurde durch das Team um Dr. Jan-Bernd Hövener an der Klinik für Radiologie des Universitätsklinikums Freiburg, entwickelt. Ärzte um Prof. Katja Nelson, Oberärztin an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Freiburg, wiesen den Nutzen in der Diagnostik und Planung vor einer Operation nach.

Besonders schonend im OP

„Die neue Methode trägt wesentlich dazu bei, dass die Magnetresonanztomographie in Zukunft die konventionelle Röntgendiagnostik in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ersetzen wird“, sagt Prof. Nelson. „Vor einer Operation können wir Kieferknochen, Gefäß-Nerven-Stränge und das umgebende Weichgewebe darstellen und so bei der Operation besonders schonend vorgehen, ohne den Nerv zu treffen“, so Nelson weiter. Da für die Patienten keine Strahlenbelastung besteht, können Ärzte die Bildgebung auch erstmals zur regelmäßigen Kontrolle des Heilungsverlaufs einsetzen.

Kernstück der Dental-MRT-Methode ist eine etwa einen Zentimeter hohe Spule aus zwei parallel angeordneten Metallringen. Aufgrund ihrer elektrophysikalischen Eigenschaften verstärkt die Doppelspule die MRT-Signale des umschlossenen Gewebes. So wird eine Auflösungsgenauigkeit von etwa einem Drittel Millimeter erreicht, die der des Röntgens nahekommt. Die Spule funktioniert ohne Energie und ist für den Patienten absolut ungefährlich.

Höhere Bildqualität durch Doppelspule

„Unsere Lösung für ein altes Problem der Zahnheilkunde ist an sich technisch recht einfach und trotzdem eine echte Innovation“, sagt Studienleiter Dr. Hövener. In der Vergangenheit wurde schon versucht, das MRT-Signal mit Einzelspulen zu verstärken, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Die jetzt verwendete Doppelspule erlaubt Bilder von wesentlich höherer Qualität. Dass die Spule kein Kabel benötigt, erleichtert zudem den Einsatz für den Patienten.

Originalpublikationen:

Dental MRI using wireless intraoral coils
Ute Ludwig et al.; Scientific Reports, doi: 10.1038/srep23301; 2016

Magnetic resonance imaging of intraoral hard and soft tissues using an intraoral coil and FLASH sequences
Tabea Flügge et al.; European Radiology, doi: 10.1007/s00330-016-4254-1; 2016

14 Wertungen (4.57 ø)

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5 Kommentare:

Sieht ja faszinierend aus, dürfte aber wohl nur für Kliniken und poliklinikähnliche Großpraxen erschwinglich sein. Und die Krankenkassen??

#5 |
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HP Ingeborg Schauer
HP Ingeborg Schauer

Wann können Patienten mit dem Einsatz bei Zahnärzten rechnen – und werden die Kosten von den Krankenkassen eigentlich (oder wahrscheinlich nicht?) übernommen?

#4 |
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Dipl.-biol. Ulrike Schütt-Berg
Dipl.-biol. Ulrike Schütt-Berg

Sorry nicht Sinusitis sondern Sinuslift!

#3 |
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Dipl.-biol. Ulrike Schütt-Berg
Dipl.-biol. Ulrike Schütt-Berg

Funktioniert das auch im Oberkiefer zb wenn es um Sinusitis im Backenzahnbereich geht? Und ersetzt es auch die DVT?

#2 |
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Zahnarzt

Darauf haben wir schon lange gewartet. Eigentlich sollte man aus Gründen des Strahlenschutzes ein MRT-Gerät für jede Zahnarztpraxis vorschreiben … was kostet so’n Ding noch gleich ?

#1 |
  3


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