Koronare Gesundheit: Herz neben dem Beat

31. Mai 2016
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Die Ausprägung der respiratorischen Sinusarrhythmie liefert Rückschlüsse auf die Lebenserwartung eines Menschen. Ein neues Messverfahren mittels EKG könnte schon bald in Arztpraxen eingesetzt werden und die Therapie von Herzinfarktpatienten ergänzen.

Bei jedem Einatmen schlägt das Herz eines gesunden Menschen geringfügig schneller, beim Ausatmen wird es wieder langsamer. Grund dafür ist, dass beim Einatmen ein Effekt abgeschwächt wird, der das Herz normalerweise auf ungefähr 60 Schläge pro Minute im Ruhezustand herunterregelt. Dieses Phänomen ist unter der Bezeichnung respiratorische Sinusarrhythmie bekannt, übersetzt etwa „durch Atmen ausgelöste Unregelmäßigkeit im Sinusknoten, dem Nervenbündel, das dem Herz den Takt vorgibt“.

Bekannt ist das Phänomen bereits seit dem 19. Jahrhundert. In der Vergangenheit wurde mehrfach versucht, aus der Ausprägung der Arrhythmie Rückschlüsse auf die Lebenserwartung von Patienten zu ziehen. Wenn der Körper geschwächt ist, etwa durch einen Herzinfarkt, sind die Unterschiede in der Herzfrequenz beim Ein- und Ausatmen nämlich deutlich geringer.

Bisher konnte aus den gewonnenen Daten jedoch kein Messwert gezogen werden, der für sich selbst genommen auf die Lebenserwartung schließen ließe. Wissenschaftlern um Prof. Georg Schmidt, Leiter der Arbeitsgruppe Biosignalverarbeitung am Klinikum rechts der Isar der TUM, ist jetzt genau das gelungen.

Atemzyklus und Herzfrequenz: Der entscheidende Moment

Während in den meisten früheren Studien der gesamte Atemzyklus in Bezug zur Herzfrequenz gesetzt wurde, konzentrierte sich das Team auf das Ausatmen, genauer: auf den Moment, in dem die Herzfrequenz normalerweise wieder heruntergebremst wird. „Mit unserem Ansatz greifen wir gewissermaßen chirurgisch den Moment heraus, in dem das Entscheidende stattfindet“, sagt Georg Schmidt.

Bei der Analyse der Herzfrequenzdaten half ein Algorithmus, den die Wissenschaftler bereits 2006 in einem Beitrag im Fachmagazin Lancet vorgestellt haben. Das Verfahren macht die respiratorische Sinusarrhythmie messbar, indem es – vereinfacht gesagt – andere Quellen für Variationen des Herzrhythmus aus den Daten herausrechnet, die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes gesammelt werden. Der Algorithmus bildet einen Mittelwert aus den Daten, der sich in einem Kurvendiagramm darstellen lässt.

„Durch unsere Methode wird unser Bild vom Funktionszustand des Körpers viel schärfer“, sagt Dr. Daniel Sinnecker, Erstautor der Studie. „Es gibt bisher keine andere Methode, die so spezifisch die vagale Funktion herausarbeitet.“ Die vagale Funktion, also die Aktivität des Vagusnerves, ist unter anderem dafür verantwortlich, dass die Herzfrequenz bei gesunden Menschen wie oben erwähnt heruntergeregelt wird. Der Vagusnerv beeinflusst viele weitere Prozesse im Körper, seine Aktivität lässt sich jedoch nicht direkt messen.

Mehr als 900 Patientinnen und Patienten untersucht

Im Rahmen der Studie, die im Journal of the American College of Cardiology erschienen ist, wurden bei fast 950 Herzinfarktpatienten wenige Tage nach dem Infarkt Atemzyklus und Herzrhythmus gemessen. Daraus wurden Werte für die respiratorische Sinusarrhythmie abgeleitet. Die Testpersonen wurden fünf Jahre lang alle sechs Monate erneut untersucht.

Das Ergebnis: Herzinfarktpatienten, deren Arrhythmie schwächer ausgeprägt war, liefen eher Gefahr, innerhalb des Beobachtungszeitraumes zu sterben. Bei den untersuchten Personen mit gering ausgeprägter Arrhythmie lag die Sterbewahrscheinlichkeit am Ende des Fünfjahreszeitraums fast fünf Mal so hoch wie bei Menschen mit stärkeren atembedingten Unregelmäßigkeiten.

Aktuell laufen zwei weitere klinische Studien unter Mitwirkung der TUM, in denen die respiratorische Sinusarrhythmie bei verschiedenen Personengruppen untersucht wird. In einer von ihnen (EU-Cert-ICD) werden verschiedene Behandlungsstrategien bei Menschen mit Herzschrittmachern untersucht, die andere (INVADE) begleitet ältere Menschen mit und ohne Herzkrankheiten. Deren Ergebnisse, so hoffen Schmidt und sein Team, werden bestätigen, dass ihre Methode einen verlässlichen und von anderen Werten unabhängigen Risikoindikator darstellt.

Alltägliche Anwendung nicht weit entfernt

Die neue Methode, so hoffen die Entwickler, könnte schon bald flächendeckend eingesetzt werden. „Wir sind von einer alltäglichen Anwendung nicht weit entfernt, das Verfahren ist weitgehend fertig“, sagt Georg Schmidt. Technische Hürden gebe es kaum: Da mittlerweile darauf verzichtet werden könne, neben der Herztätigkeit auch die Atemfrequenz zu messen, genüge im Grunde genommen ein modernes EKG-Gerät. „So könnte auch der Hausarzt innerhalb von zehn Minuten die Sinusarrhythmie untersuchen.“

Bei weit über 80 Prozent der Patienten lasse sich die Methode sinnvoll anwenden, sagt Schmidt. Unabhängig davon, ob die Untersuchten kürzlich einen Herzinfarkt erlitten hätten oder nicht, könne mit der neuen Methode – in Kombination mit anderen Indikatoren – das Gesundheitsrisiko bewertet werden. Bei manchen Betroffenen ließe sich so ein verstecktes Risiko erkennen und etwa ein Defibrillator einsetzen.

„Darüber hinaus verringert es die Kosten von Behandlungen, weil unter Umständen überflüssige Maßnahmen vermieden werden“, sagt Georg Schmidt Ein möglicher nächster Schritt sei es, mithilfe der Methode Behandlungsstrategien auf ihre Wirksamkeit zu untersuchen. Wenn sich im Laufe einer Behandlung die Werte eines Patienten oder einer Patientin verbesserten, könne man schlussfolgern, dass auf die richtige Therapie gesetzt wurde.

Originalpublikationen:

Expiration-Triggered Sinus Arrhythmia Predicts Outcome in Survivors of Acute Myocardial Infarction
D. Sinnecker et al.; Journal of the American College of Cardiology, doi: 10.1016/j.jacc.2016.03.484; 2016

Deceleration capacity of heart rate as a predictor of mortality after myocardial infarction: cohort study
A. Bauer et al.; The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(06)68735-7; 2016

 

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Kardiologie, Medizin

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3 Kommentare:

franz laudenbach
franz laudenbach

Herzrhythmusstörungen, etc., ist laut DGK (Presserklärung 02.09.2014) in 95,2% aller Fälle trotz Kardioversion nicht gelöst.
Problem: Schlafassoziierte Einatmungsstörungen!
Fehlbehandlung also!
Massenhafte Fehlbehandlung auf Basis; Essentielle Hypertonie.
‘Blutdrucksenkenden Medikamenten’ werden auf Grund nicht erkannter, bzw. nicht ausgeschlossener Grunderkrankung; Schlafapnoe Syndrom, verordnet.
Grunderkrankung; Schlafapnoe Syndrom, in Kombination mit sogenannten
‘blutdrucksenkenden Medikamente’, jeglicher Couleur, bewirken Dauerhöchstlast für Herz und Kreislauf (hoher bis höchster Blutdruck, hohe bis höchste Herzfrequenz), über die Gesamtzeit des Schlafes!
Blutdrucksenkende Medikamente sorgen für hohen bis höchsten AHI!
Aus einem AHI von 40 bis 100.
AHI 100 bedeutet; Bis zu 100 mal pro Stunde im Ersticken liegend, schlafen!
Gefolgt von Arousel (Not-geweckt), schläft der/die Betroffene sofort ein.
Niemals können es Betroffene selbst feststellen, dass sie an Schlafapnoe leiden.
Werden sogenannte Betablocker verordnet, steigt nicht nur der AHI;
Betroffene leiden in der Gesamtzeit ihres Schlafes an Herzvorhofflimmern,
Herz-Flattern. Dieses gravierend! 1000 Fische schnappen in Hemdtaschenhöhe nach Luft. Brustfleisch sprudelt so richtig (diese bei AHI 47 bis AHI 55!
Noch schlimmer ist die Wirkung wenn zu benannter Kombination; Cholesterinsenker, Alkohol, Narkotika, Opiate, Psychopharmaka, etc., einwirken.
Sämtliche Volkskrankheiten verbergen sich hinter erwähnten Kombinationen:
Herzflimmern, Herz-Flattern, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall, Thrombose, Nierendefekt, Diabetes Typ 2, Lebererkrankung, Depressionen, Orientierungslosigkeit, Gedächtnisschwierigkeiten, Demenz-Alzheimer, Tumor, Krebs, usw., Nervenerkrankungen aller Art wie; RLS, Sekundenschlafattacken, M&S, Parkinson, Morbus Bechterew, Morbus Rheuma, usw.

Wollen Sie mehr wissen?
Gerne; Franz Laudenbach, Mail: flc@live.de;

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SABINE Barz
SABINE Barz

Genau!Seit 1996 gibt es die HRV.Es ist also nichts Neues.Ich biete es auch in meiner Präventionspraxis an.Sabine Barz Ärztin

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Heilpraktikerin

Bei der HRV (Herzratenvariabilität) Messung wird doch ebenfalls dieses (Mess)-Verfahren angewendet und auf Grund dessen eine Berechnung über den Gesundheitszustand eines Patienten erstellt….

#1 |
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