Arzneimittelrisiken: Alles Pille-Palle

7. Juni 2016
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In wenigen Monaten haben Versicherte Anspruch auf individuelle Medikationspläne. Apotheker bewerten das Konzept als „zu kurz gesprungen“ und fordern umfangreichere Leistungen. Angesichts der möglichen Kosten gehen GKVen lieber auf Tauchstation.

Primum non nocere – diese Maxime verletzen Ärzte bei so mancher Pharmakotherapie. Wie Professor Dr. Dr. Achim Schmidtko, Frankfurt am Main, auf der pharmacon berichtet, sterben Jahr für Jahr 2.000 Menschen an gastrointestinalen Komplikationen durch NSAIDs. Komedikationen und Komorbiditäten würden nicht ausreichend berücksichtigt.

Riskante Rezepte

Kein Einzelfall: Über wenig Arbeit braucht sich die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) nicht zu beklagen. Im Jahr 2015 haben Kollegen rund 8.400 Verdachtsfälle von Arzneimittelrisiken gemeldet, das sind fünf Prozent weniger als in 2014. Zirka 90 Prozent der Meldungen betrafen Pharmaka, allen voran Rx-Präparate (5.831 Berichte), gefolgt von OTCs (1.783). Medizinprodukte (476), Lebensmittel respektive Nahrungsergänzungsmittel (145), Teedrogen oder Chemikalien (82) rangierten unter ferner liefen. Etwa ein Drittel aller AMK-Meldungen entfiel auf unerwünschte Wirkungen. In diese Kategorie gehören auch Medikationsfehler.

Meldungen an die AMK

Quelle: AMK

Rolle des Apothekers nicht anerkannt

Dass pharmazeutische Leistungen die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern, ist mittlerweile auch in Berlin angekommen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat deshalb im E-Health-Gesetz eine umstrittene Maßnahme verankert. Versicherte, die drei oder mehr Arzneimittel als Dauermedikation einnehmen, erhalten ab Oktober 2016 regelmäßig ausgedruckte Medikationspläne. Ärzte haben hier die Federführung übernommen, während Apotheker Änderungen aufnehmen müssen. Anfang Mai verständigten sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Bundesärztekammer (BÄK) und der Deutsche Apothekerverband (DAV) über Details.

Kiefer_ABDA

Dr. Andreas Kiefer. Foto: ABDA

„Die Vereinbarung zeigt aber deutlich die bereits im Gesetz angelegte Schräglage: Die Aufgaben des Apothekers sind nicht ausreichend präzisiert und die zentrale Rolle des Apothekers bei der Arzneimitteltherapiesicherheit wird nicht ausreichend anerkannt“, kritisierte Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), vor wenigen Tagen auf der pharmacon.

Mehr Bürokratie ohne Nutzwert für den Patienten

Ein Medikationsplan ohne begleitende Medikationsanalyse und kontinuierliches Medikationsmanagement sei „zu kurz gesprungen“, so Kiefer weiter. Dies könne nur ein „erster Schritt sein“.  Zu den Unterschieden liegt mittlerweile ein Grundsatzpapier vor. Ab 2018 soll der Medikationsplan auch elektronisch von der Gesundheitskarte abrufbar sein, ohne dass weitergehende Leistungen in Planung wären. „Wenn es uns nicht gemeinsam gelingt, den elektronischen Medikationsplan besser als Werkzeug zur Herstellung von Arzneimitteltherapiesicherheit zu konzipieren als die Papierversion, ist das nur noch mehr Bürokratie ohne Nutzwert für den Patienten“, moniert der BAK-Präsident.

Kosten außer Kontrolle

Dass sich gesetzliche Krankenkassen mit dem kaum sinnvollen Medikationsplan zufriedengeben, hat möglicherweise rein ökonomische Gründe. Aktuelle Schätzungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen jetzt, wie viele Menschen Anspruch auf diese Leistungen haben. Dazu nahmen Versorgungsforscher Daten von mehr als 24 Millionen AOK-Versicherten unter ihre Lupe. Insgesamt zählen 30 Prozent aller Mitglieder, als 7,5 Millionen Personen, zur Zielgruppe des Medikationsplans. Bei Versicherten über 75 Jahren sind es sogar drei Viertel.

Die Zahlen weisen mehrere Schwachstellen auf. Aus Abrechnungsdaten folgt nicht zwangsläufig die Dosierung von Medikamenten. Unklar ist auch, wie viele Versicherte tatsächlich einen Medikationsplan wünschen – Verpflichtungen gibt es nicht. Trotzdem zeigen sie, wie groß die mögliche Zielgruppe ist. Gemessen an umfangreichen Leistungen zum Medikationsmanagement ist der Medikationsplan als kleine, wenn auch wenig sinnhafte Lösung eher preiswert. Dazu ein Blick auf mögliche Kosten.

Reden wir über Geld

Genaue Zahlen nennt derzeit niemand. Noch im Juni wollen die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband Regelungen zur ärztlichen Vergütung vorstellen. Hermann Gröhe verpflichtet Apotheker zwar, Daten zu aktualisieren. Ein Honorar sieht er aber nicht vor. Doch welcher Obolus wäre für Health Professionals generell angemessen?

Experten veranschlagen als grobe Schätzung eine Minute Zeit pro zu erfassendem Medikament und eine weitere Minute für teils automatisierbare Interaktionschecks. Bei einem Patienten mit vier Rx-Präparaten und drei OTCs führt das zu etwa 15 Minuten für die einmalige Erstellung seines Medikationsplans. Pro Quartal kalkulieren Gesundheitsökonomen mit maximal fünf Minuten, um Änderungen zu erfassen. Das führt in Summe zum Zeitaufwand von etwa 30 Minuten pro Kopf und Jahr. Bei einem apothekerlichen Brutto-Tarifgehalt von 3.600 Euro pro Monat und 40 Wochenstunden ergeben sich 45 Euro pro Patient und Jahr für einen Medikationsplan. Angestellte Fachärzte kommen im Geltungsbereich des Tarifvertrags auf deutlich höhere Bruttogehälter. Setzt man 6.000 Euro und 42 Wochenstunden an, kostet jeder Medikationsplan mehr als 70 Euro.

Alle Abschätzungen unterliegen großen Schwankungen. Bleibt zu hoffen, dass der GKV-Spitzenverband und die KBV eine Honorarstaffelung entwickeln, die sich am tatsächlichen Aufwand orientiert. Apotheker haben davon aber nichts.

17 Wertungen (4.82 ø)

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17 Kommentare:

Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Ad 7) : Warum mußte ich ein großes Latinum nachweisen und ein Hochschulstudium erfolgreich abschließen, damit Behörden “aut idem”- Ankreuzung mit der Übersetzung “NUR” titulieren. Warum lasen wir uns das schon so lange gefallen?

#17 |
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@ Gast #13 und #8 Bevor die Diskussion IQ-mäßig unter Raumtemperatur abgleitet, Kernpunkt meiner Kritik: “Nach einem von der Initiative ARZNEIMITTEL THERAPIESICHERHEIT in Deutschland öffentlich verbreiteten Medikationsplan mit 7 verschiedenen Generika-Präparaten…” geht es um Generika-Wirkstoffverordnungen! Das muss ich doch nicht in meinem Text ständig wiederholen? Wenn diese, wie alle Apotheken in meinem Praxis-Umfeld bestätigen und sie selbst umfänglich wiederholt schreiben, ständig ausgetauscht und durch verschiedene Generika oder auch Orginalprärate mit zusätzlich neuer Namensgebung ersetzt werden, verzweifeln unsere Patienten vollends. Und die Apotheker-nahe Initiative ARZNEIMITTEL THERAPIESICHERHEIT blamiert sich in Deutschland mit ihrem öffentlich verbreiteten Medikationsplan ebenso formal wie inhaltlich. Lassen Sie doch bitte diese unlogische Ärzte-“bashing” Attitüde. MfG

#16 |
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Apotheker

und @ gat mit “Ach kinners”

arbeiten sie mal ein monat in ner oeffentlichen apo und dann schreiben sie ihren text nochmal!

einfach nur nen kommentar absondern, oder trollen wollen…..ist zwar im internet oft vorhanden , aber muss ned sein!

wenns sie keine auhnung vom geschaeft haben,dann wuerd ich empfehlen eher die fuesse still zu halten!

mir freundlichen gruessem,

christian becker (apotheker)

#15 |
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Apotheker

Nun ja,

wir Apotheker sind halt die letzten in der Reihe und um ein “farbenfrohes” Beispiel zu zitieren: ” Scheisse rollt nach unten”!!!
Wir Apotheker sind die letzten, wir bekommen alles ab, obs der falsche Stempel des artzes ist (retax) – gottseidank mittleirweile etwas entschaerfrt.
Kontraindikationen…in miener Erfahrung immer Spironolacton + Kaliumtabletten! – immer nachfragen ob auch wirklich gewollt…..? oder Offensichtliche komplett uebertriebene Blutverduennungs-kombis, jedes mal nachfrage mit den Aertzen und jedes mal patzige antworten, will man dann aber eine unterschrift von den aerzten , dass sie das wirklich so wollen kommt oft nix, oder erst sehr spaet!

Den rest der zeit verbringen apotheker in kleinen landapotheken mit sachen bestellen! weil sich grosse lagervorhaltung bei staendig sich veraenderten Rabattvertraegen nimmer lohnen! Kleines beispiel gefaellig. AOK bayern hatte bis vor kurzen pantoprazol actavis als vertrag, also waren unsere schubladen voll davon, seit april ists von pensa…jetzt muss ma guecken das avtavis noch wegzubringen oder halt den lagerverlust schlucken! interessiert die kassen keine bohne , ist ja ned ihr geld!….

aber ich schweife ab, beratung in der apo waer schon immer ohne honorar! beratungsecken, lol, wer hat die jemals eingebaut, geschweigedenn genutzt….

und jetzt noch medikationsplaene, wieder ohne honorar, wobei eine richtige auseinandersetzung mit dem patienten und seiner medikation wuerde zugang zu wissen vorraussetzen, was wir als abotheker nicht haben und wozu uns auch kein zugang gewaeht wird! Es wuerde auch gehoerige zeit in anspruch nehmen das alles durchzugehen und diese zeit wird nich honoriert!

also lasst den scheiss……..

mit vielen gruessen,

christian becker (apotheker)

#14 |
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Gast
Gast

@ Dr. Schätzler,
Zitat von Ihnen unter #11 und #7 wird auch durch Wiederholung nicht besser, eher noch fehlerhafter:

“Denn die Apotheken müssen ohne “Aut idem”-Kreuz i r g e n d e i n zu der Wirkstoffverordnung des Arztes halbwegs passendes Billig-Präparat heraussuchen, um ein fiktives Einsparpotenzial zu erreichen.”

1. Eine Wirkstoffverordnung (-> nur der Wirkstoff ist verordnet, ohne Angabe irgendeiner Firma) wäre schon mal mit einem sogenanntem Aut-idem-Kreuz eine absolut sogenannte unklare Verordnung. Der Sinn eines solchen Kreuzes wurde damit nicht verstanden und man ist am Ziel perfekt vorbeigeschossen.

2. Trägt eine Wirkstoffverordnung (korrekterweise) kein Aut-idem-Kreuz, dann wird auch nicht ein halbwegs passendes, sondern ein für den Patienten passendes Präparat aus den rabattierten Medikamenten “herausgesucht”.
Und wie Gast #8 Ihnen bereits versuchte zu erläutern:
es sind darunter eben auch Originalprodukte rabattiert.

3. Würde ein Präparat auf den individuellen Patienten nicht “passen”, dann besteht immer noch die Möglichkeit pharmazeutische Bedenken anzuführen. Aber dieses Prozedere auch noch zu beschreiben, führt hier zu weit und viel zu weit vom Thema ab.

#13 |
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Gast
Gast

Und wieder Jammern auf hohem Niveau.

#12 |
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Apotheker

@Gast/PTA:

Es steht außer Frage, dass sie da stark eingebunden wären, aber wäre das so schlecht?
Schlecht ist zweifellos die unterirdische Bezahlung des Apothekenpersonals im Vergleich zu anderen Sparten der Gesundheitsbranche. Das gilt aber auch für die Apotheker;-)
Die deutsche Apotheke ist in einer schlimmen Lage, aber das muss man Schritt für Schritt angehen. Und dass die Apotheken in dieser Lage sind, ist nicht die Schuld der Ärzte, GKVen oder der Politik, sondern der Apotheker selbst.
Jetzt müssen mühsam Entwicklungen angestoßen werden, die man bereits Jahrzehnte vorher hätte einleiten müssen. Leider beschränkte sich die Innovationskraft der Apothekerschaft viel zu lange auf den eigenen Geldbeutel.

#11 |
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@ Gast #8 – Sie manipulieren mein Zitat durch absurd tendenziöses und gezieltes Weglassen! “Denn die Apotheken müssen ohne “Aut idem”-Kreuz i r g e n d e i n zu der Wirkstoffverordnung des Arztes halbwegs passendes Billig-Präparat heraussuchen, um ein fiktives Einsparpotenzial zu erreichen. Zugleich muss dann aber auch der Medikationsplan bis zu 28-mal im Jahr um- und neugeschrieben werden, weil jedesmal ein anderer, geheimer Rabattvertrag greift bzw. die Hersteller gar nicht immer liefern können!”
Dank jedoch an Sie, dass Sie im Folgenden meine “Irrtümer” durch Ihre Ausführungen auf der ganzen Linie bestätigen. MfG

#10 |
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Gast
Gast

Da es sonst niemand tut, erhebe ich hier das Wort für die PTAs.
Wo bleiben die in der Aufzählung der Pharmazeuten?
Hmm?
Sie werden wie immer ausgelassen, um die Berufsstand weiter zu diskreditieren, als es die neue ApoBetrOrdnung schon getan hat.
An jeden Pharmazeuten, der das liest: Packt eure Sachen und geht.
Dorthin, wo ihr gut behandelt werdet und von dem, was ihr verdient, leben könnt.
Wo euch keine Ärzte mehr dumm anblaffen und keine schwierigen Kunden mehr euren Feierabend versauern, so man denn überhaupt einen hat.
Keine missmutige und menschlich wie emotional völlig erfrorene Approbierte ohne jegliche Führungskompetenz.
Und nun auch noch der Schwachsinn mit den Medi-Plänen!
Wer glaubt denn hier allen Ernstes, dass der Apotheker höchstselbst die Arbeit macht?
Nein, da werden PTAs eingewiesen, die dann einen weiteren Frondienst leisten dürfen, während der Chef im Büro sitzt und über den Inko-Vorschriften brütet.
Ich erinnere gerne noch einmal daran, dass ein Großteil der Arzneimittel von PTAs abgegeben wird.
So dumm uns unsere Vorgesetzten auch hinstellen mögen, das sind wir nicht.
Es wird Zeit, zu kämpfen.
Für mehr Fachkompetenz und eine bessere Bezahlung.

#9 |
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Gast
Gast

Sehr geehrter Herr Dr. Schätzler,

ich zitiere Ihre Worte = Ihr Irrtum, dem eben leider sehr viele Ärzte und in der Folge auch Patienten unterlegen sind…:

“…Denn die Apotheken müssen ohne “Aut idem”-Kreuz i r g e n d e i n zu der Wirkstoffverordnung des Arztes halbwegs passendes Billig-Präparat heraussuchen, um ein fiktives Einsparpotenzial zu erreichen…”

Solche und ähnliche Irrtümer, Herr Dr. Schätzler, erschweren leider viel zu oft eine patientenorientierte Zusammenarbeit zwischen Arztpraxen und Apotheken.
Es handelt sich bei so manchem “herausgesuchtem Billigpräparat” nämlich oft sogar um das von der Krankenkasse rabattiertem Origninalprodukt…..

In der Apotheke wird auch mit großem pharmazeutischem Sachverstand das jeweilige rabattierte Produkt oder das zum Originalprodukt gehörende Importarzneimittel “herausgesucht” und zum Patientenwohl aus den Präparaten, sofern eine Wahl möglich ist, und jeweiligen austauschfähigen Darreichungsformen das für den Patienten passende abgegeben.

Dabei werden ganz “nebenbei” und ohne Bezahlung auch noch diverse Verordnungsfehler korrigiert, Daten ergänzt etc.; und dabei zugleich bis in jüngster Vergangenheit hoffend, keinen der Formfehler übersehen zu haben, weil dann eine Nullretax drohte usw.

Sie sehen, jeder Berufsstand hat seine ärgerlichen Ereignisse, alle Forderungen der Krankenkassen und der Politik korrekt zu erfüllen.
Um so mehr ist es wichtig, dass eine kollegiale, feundliche Zusammenarbeit erfolgt unter der Grundlage der Achtung des anderen Berufsstandes.

#8 |
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Nach einem von der Initiative ARZNEIMITTEL THERAPIESICHERHEIT in Deutschland öffentlich verbreiteten Medikationsplan mit 7 verschiedenen Generika-Präparaten, einem hoffnungslos unterdosierten Antibiotikum (hoffentlich nicht bei einer Virusinfektion!) und einem niemals doppelblind bzw. im “head-to-head” Vergleich geprüften Gelomyrtol mit unsinnig kostentreibender 3×2 Dosierung wirft dieser Mediplan zusätzliche formale und inhaltliche Probleme auf:
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/910704/medikationsplan-patient-redet.html?sh=3&h=-1022197746

Sieben Generika pro Quartal, morbiditäts- und leitliniengerecht bzw. evidenzbasiert für unsere GKV-Patienten verordnet, bedeuten je nach Marktlage bis zu a c h t u n d z w a n z i g verschiedene Verpackungen, Logos, Tabletten-Formen und -Farben, Herstellernamen oder Reimporte aus EU-Ländern in einem e i n z i g e n Behandlungsjahr.

Denn die Apotheken müssen ohne “Aut idem”-Kreuz i r g e n d e i n zu der Wirkstoffverordnung des Arztes halbwegs passendes Billig-Präparat heraussuchen, um ein fiktives Einsparpotenzial zu erreichen. Zugleich muss dann aber auch der Medikationsplan bis zu 28-mal im Jahr um- und neugeschrieben werden, weil jedesmal ein anderer, geheimer Rabattvertrag greift bzw. die Hersteller gar nicht immer liefern können!

Auf der beratungs- und versorgungs-fernen pharmazeutischen Suche nach tagesaktuellen Medikamenten-Höchstrabatten ist dies nichts weiter als ein “Medikations-Destabilisations-Management” (MDM) mit erhöhten Arzneimittelrisiken durch Verringerung von Compliance und Adhärenz bei unseren Patientinnen und Patienten.

Medikamente bzw. deren Umverpackungen und die verwirrenden Medikationspläne landen reihenweise im Haus-Müll, werden vorsorglich nicht eingenommen oder müssen kostentreibend mehrfach verordnet werden.

Wie gut,dass die “Versorgungs-Experten” von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Bundesärztekammer (BÄK) und Deutschem Apothekerverband (DAV) darüber mit den versorgungsnahen Patienten und Ärzten gar nicht erst wirklich gesprochen haben?
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/910475/medikationsplan-aerzte-apotheker-einigen.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

#7 |
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Apotheker

Auch herzliche Grüße an den Gast mit dem ersten Kommentar. Wenn Sie nicht nachvollziehen können, dass die Überprüfung einer komplexen Medikation auf Interaktionen (natürlich in enger Kommunikation mit den therapierenden Ärzten) in Apothekerhände gehört, haben Sie von der pharmazeutischen Ausbildung nicht den Hauch einer Ahnung.
Im Übrigen bin ich Industrieapotheker und somit nicht selbst (wirtschaftlich)betroffen. Ich schildere lediglich Tatsachen, die sich bspw. in den USA seit Jahrzehnten erfolgreich bewährt haben. Scheitern Sie in D an einer egoistischen Ärzteschaft zu Lasten des Patienten?

#6 |
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Gast
Gast

Die PTAs als unterbezahlte Handlanger der Apotheker haben aber auch nix davon werter Autor…

#5 |
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Roger Rissel
Roger Rissel

Danke für diesen interessanten Beitrag. Bei der Berechnung der Kosten für eine 30 minütige Leistung für einen Medikationschek durch den Apotehker, der 3600 Euro Brutto im Monat verdient kann ich nicht folgen. Bei 40 Wochenstunden (ca. 160 im Monat) hat er einen Brutto Stundenlohn von 22,50 Euro. Er kostet den Apothekeneigentümer also 11,25 die halbe Stunde (Lohnnebenkosten nicht mit eingerechent).

Roger Rissel (PTA)

#4 |
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Gast
Gast

Herzliche Grüße an den Gast mit dem ersten Kommentar. Ich als Apothekerin kann nur Romane über Fehlverordnungen, das Nicht Beachten von Interaktionen, Verordnungen von Erwachsenendosen für Kleinkinder etc schreiben. Komisch, dass man immer öfter in der Apohteke hört: “Bevor ich zum Arzt gehe komme ich lieber zu Ihnen, mein Arzt hört mir nicht zu und nimmt mich nicht ernst.” Und wir dürfen dann in der Apotheke alles gerade biegen, das OHNE entsprechende Vergütung, denn wir rechnen nicht 250€ für einmal kurz nicht zuhören ab!

Und noch vielleicht die Begriffserklärung Pharmazie: Die Wissenschaft, die sich mit der Beschaffenheit, Wirkung, Entwicklung, Prüfung, Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln befasst. Die Pharmazie vereint dabei Aspekte aus verschiedenen Naturwissenschaften, vor allem aus der Chemie, Biologie und Physik, mit MEDIZINISCHEN Themen.

Also kann man sich schon einiges herausnehmen, wenn man so ein langes Studium hinter sich hat und so viel Wissen mit sich trägt.

#3 |
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Andreas Keller
Andreas Keller

Wir freuen uns doch alle im Moment darauf, dass, und drücken die Daumen dabei so fest, dass ein kleines bisschen in der Hose landet, der größte Wunsch in Erfüllung geht und endlich, endlich, endlich demnächst die Preisbindung fällt … wer braucht denn da ein Honorar für Medikationsmanagement – es bestellt doch jeder Chroniker dann eh im Internet … und die dort vorhandenen willfährigen Diener werden für die zusäztliche Arbeit den GKVn gern noch Geld obendrauf legen …

Sollte dies noch nicht genug Sarkasmus sein: Es kann doch eine Schnittstelle nach Holland angelegt werden, so dass automatisch in den Apotheken abgegebene Rezepte für Chroniker dorthin übermittelt werden und nur noch die wirklich dringenden Notdienste vor Ort geleistet werden dürfen bzw. brauchen – und das natürlich zu doppeltem Tarifgehalt.

Es lebe Europa! Es lebe die Bürokratie! Es lebe die Deutsch Sowjetische Freundschaft! Immer bereit!

#2 |
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Gast
Gast

Ach Kinners, immer diese Jammerei der Apotheker.
Man kann es nicht mehr hören!
Ich finde, der Berufsstand nimmt sich einiges heraus, was weit über die Grenzen der Pharmazie herausgeht.
Davor gehört ein Riegel geschoben!
Immer dieses Mischen der Fachdisziplinen….

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