Tumorerkennung: Einmal in den Becher, bitte

30. Mai 2016
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Ein Protein, das in manchen Tumoren verstärkt gebildet wird, ist für die Entstehung einer Nierenerkrankung verantwortlich. Für Patienten mit vermehrt Eiweiß im Urin kann dies praktische Konsequenzen haben: Ein Tumor kann eventuell früher erkannt und therapiert werden.

Seit mehr als 50 Jahren ist bekannt, dass es im Rahmen von Krebserkrankungen – vor allem bei Prostata-, Lungen– und Darmkrebs – zum Auftreten von Nierenerkrankungen kommt. „Die Gründe für die Entstehung dieser Nierenerkrankungen lagen bisher im Dunkeln. Jetzt ist es uns gelungen, die Zusammenhänge zu entschlüsseln“, erklärt Prof. Dr. Rolf A.K. Stahl, Direktor der III. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Die beiden Nachwuchswissenschaftler Dr. Elion Hoxha und Dr. Nicola Tomas aus der Arbeitsgruppe von Prof. Stahl haben bei einer Patientin mit einem Karziom der Gallenblase nachgewiesen, dass in dem Tumor ein spezielles Eiweißmolekül, Thrombospondin Type 1 Domain Containing 7A, vermehrt gebildet wurde.

Die Patientin hat Autoantikörper gegen dieses Eiweißmolekül entwickelt, was in einer Nierenerkrankung, der sogenannten membranösen Glomerulonephritis, resultierte. Das Eiweißmolekül selbst hatten die Wissenschaftler bereits vor zwei Jahren als Ursache für die Entstehung der entzündlichen Nierenerkrankung, die chronisch verlaufen und zum Nierenversagen führen kann, charakterisiert.

Autoantikörper gegen Eiweißmolekül

In einer weiteren Serie von Experimenten haben die UKE-Forscher gezeigt, dass Antikörper gegen das Eiweißmolekül diese Nierenerkrankung bei Tumorpatienten auslösen kann. „Aus unseren Beobachtungen ergibt sich im Umkehrschluss für Patienten, die vermehrt Eiweiß im Urin ausscheiden, dass sie auf das Vorliegen dieser Autoantikörper untersucht werden sollten. Im Falle eines positiven Antikörpernachweises, sollte eine intensive Abklärung erfolgen, ob eine bisher nicht erkannte Krebserkrankung vorliegt, die dann unter Umständen früher erkannt und besser therapiert werden kann“, erklärt Prof. Stahl.

Originalpublikationen:

A Mechanism for Cancer-Associated Membranous Nephropathy
Elion Hoxha et al.; The New England Journal of Medicine, doi: 10.1056/NEJMc1511702; 2016

Autoantibodies against thrombospondin type 1 domain-containing 7A induce membranous nephropathy
Nicola Tomas et al.; The Journal of Clinical Investigation, doi: 10.1172/JCI85265; 2016

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2 Kommentare:

Gast
Gast

Versuch es mal in Hamburg Eppendorf, da arbeiten die Hauptautoren. Alternativ Charité oder Heinrich-Braun -Krankenhaus in Zwickau.

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Katja Weissenfeldt
Katja Weissenfeldt

Hallo….
Ich habe seit einiger Zeit Probleme mit dem Harnabsatz. Ich will immer aber es geht nicht immer. Kein Rückstau! Jetzt hat man nebenbefundlich vergrößerte Lymphknoten im Abdomen gefunden. Ich hatte auch ein paar Mal Wasser im Bauch. Und scheide Eiweiß aus mit dem Urin….
Ich habe das Gefühl, dass sich da iwas zusammenrauft….
Es ist leider so,dass sich nicht wirklich jemand dafür interessiert!
Ich habe u.a. Eine genetische Disposition und schon Brustkrebs und schwarzen Hautkrebs. Keiner hatte mir damals geglaubt als ich meinte, das wird Krebs. Denn Labor war immer in Ordnung. Erst die Gewebeprobe brachte es zum Vorschein! Mein Krebs geht auch in die Fläche und bildet keine Tumore. Ich sage Flächenbrand dazu!
Wenn ich das hier lese, dann fühle ich mich bestätigt mit meinem Gefühl…
Nur wo kann ich hin,dass man bei mir Untersuchungen macht?

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