Erinnerungen einfach weggespült

23. Mai 2016
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Unser Leben lang sind wir damit beschäftigt, Dinge zu lernen und zu behalten. Aber funktioniert der Mechanismus auch andersherum: Können wir aktiv vergessen, wenn wir wollen? Neue Untersuchungen sagen ja. Dabei ist wichtig, in welchem Kontext das Erinnerte stattgefunden hat.

Der Kontext einer Situation spielt eine entscheidende Rolle in unseren Erinnerungsprozessen. So können zum Beispiel Geräusche und Gerüche bestimmte Erinnerungen formen und später wieder hervorrufen. Eine von der Princeton University und dem Dartmouth College durchgeführte Studie bildete Erinnerungsprozesse mittels fMRT im Gehirn ab. Dabei sollten insbesondere die Gedanken, die mit dem Kontext der Erinnerung verbunden sind, nachvollzogen werden. Im Fokus stand diesmal ungewöhnlicherweise die Frage, wie und ob es möglich ist, Erinnerungen absichtlich zu vergessen.

Die Ergebnisse zeigten, dass es möglich ist, Erfahrungen zu vergessen, wenn man die Gedanken an den Kontext, in dem das Erinnerte stattgefunden hat, verändert. Dazu wurde eine traditionelle, psychologische Forschungsmethode benutzt, bei der die Probanden Dinge auswendig lernen, während sie eine Liste von nicht zusammenhängenden Wörtern abrufen sollen

Durch die funktionelle Magnetresonanztomographie konnte gezeigt werden, dass relevante Erinnerungen sofort „weggespült“ wurden, wenn der Befehl dazu kam. Etwas aktiv zu vergessen, kann hilfreich sein, wenn es zum Beispiel um die Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) geht, so Jeremy Manning, leitender Autor der Studie. Oder aber um „Platz“ für neue Informationen zu schaffen.

Lesen Sie weiter, warum das Vergessen an sich keine schlechte Eigenschaft ist.

23 Wertungen (3.22 ø)
Medizin, Neurologie, Psychiatrie

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4 Kommentare:

Gast
Gast

Naja, so ein Bildchen- und Worttest ist wohl relativ weit entfernt von der Realität des Vergessens im Fall einer posttraumatischen Störung. Das alles hat ja keine emotionale Ladung und das weiß der Körper des Menschen auch. Evolutionär macht es schlichtweg auch keinen Sinn, als Gefahr wahrgenommene Erfahrungen tatsächlich zu vergessen. Deshalb vergisst man Dinge, die Angst ausgelöst haben, weniger leicht als andere. Wetten dass die Probanden sich, wenn sie die in Angst und Schrecken versetzt hätten, schwerer getan hätten mit dem Vergessen? Der Geist hat natürlich seine Schutzmechanismen und das ist gut so. Die können aber im weiteren Verlauf, wenn sie eigentlich nicht mehr benötigt werden, aber noch aktiv sind, allerdings diverse Probleme verursachen. Bei dem Stand der Forschung bereits einen Bogen zu schlagen zu einem möglichen Nutzen für PTBS finde ich ja sehr gewagt…

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Gast
Gast

wieso will einer Schuld abschaffen?
Die Geschäftswelt ist schon viel zu brutal geworden!

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Weitere medizinische Berufe

Vergessen ist nicht immer gut oder angenehm, aber schlimmer noch finde ich das unabsichtliche Vergessen auch außerhalb dementiellen Geschehens. Warum habe ich z.B. nach meinem Herzinfarkt sehr viele wichtige Dinge und Geschehnisse total vergessen? Kann mir das jemand erklären?

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Christian Wolff
Christian Wolff

Da gibt es seit Jahren Techniken, die man per Funktions-Mrt versucht hat zu verifizieren, die in jedem Falle funktionieren (ich hab’s wiederholt ausprobiert). Die Erinnerung bleibt zwar, aber die “emotionale Aufladung” einschließlich aller zugeordneten Schutz- oder Agressionsmechanismen verschwindet, und darum geht es ja. Stichwort: EFT, emotional freedom therapy. Es geht aber auch ganz anders, der Phantasie sind (hoffentlich) keine Grenzen gesetzt. Warum das Ganze? Seit 2000 Jahren bleut man uns ein “vergib uns unsere Schuld”. Genial, nur keiner hat’s verstanden. Man kommt weiter bei Nietzsches Antichristen und dem ethisch fragwürdigen Wert der Schuld. Also: weg damit und damit mit der Negativität. Und was soll das MRT dabei? Immerhin eine nette Spielwiese. Irgendwann setzen wir auch bildgebende Verfahren ein, um festzustellen, warum eine Türangel quietscht. Ganz wissenschaftlich, versteht sich.

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