Krebs: Behandeln ist Silber, Reden ist Gold

23. Mai 2016
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Eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient steigert den Ergebnissen einer Studie zufolge deutlich den Erfolg einer Prostatakrebs-Therapie. Forscher aus Bonn und Köln werteten hierbei die Daten von fast 1.800 Männer mit operiertem Prostatakarzinom aus.

Alle untersuchten Patienten waren in einem spezialisierten Prostata-Zentrum operiert worden. Nach dem Eingriff wurden sie an ihren Urologen zurücküberwiesen, der dann die weitere Betreuung übernahm. In den drei Jahren nach der Operation erhielten sie alle sechs Monate einen Fragebogen, in dem sie unter anderem Auskunft zu ihrer Belastbarkeit,  konkreten Beschwerden und ihrer psychischen Befindlichkeit geben sollten.

Subjektive Wahrnehmung der Behandlung

Außerdem wurden sie zu verschiedenen Aspekten der Kommunikation mit ihrem Arzt befragt. In diesem Punkt fallen jedoch die Antworten erfahrungsgemäß häufig recht subjektiv aus: Manche Patienten sind besonders kritisch. Andere neigen eher dazu, etwaige Negativpunkte zum Beispiel mit seiner hohen Arbeitsbelastung zu entschuldigen.

„Wir haben daher noch zusätzlich untersucht, ob die Patienten von Urologe A in den drei Jahren nach der Operation häufiger oder seltener Beschwerden entwickelten als die Patienten von Urologe B“, erläutert Prof. Dr. Nicole Ernstmann vom Universitätsklinikum Bonn. „Der Eingriff selbst war ja extern durchgeführt worden. Daher lassen sich systematische Unterschiede nur durch die jeweilige ärztliche Betreuung nach der OP erklären.“

Prof. Ernstmann forscht unter anderem zu der Bedeutung einer guten Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Zusammen mit ihren Kollegen  stieß sie bei ihrer Analyse auf einen interessanten Zusammenhang: Je besser sich Arzt und Patient austauschten, desto seltener gaben letztere in den drei Jahren nach der OP eine Einschränkung ihrer Lebensqualität zu Protokoll.

Kommunikationstrainings für Ärzte

„Wenn der Arzt sich Zeit nimmt, auf die Sorgen und Bedürfnisse seines Patienten einzugehen, und ihn bei medizinischen Entscheidungen unterstützt, verbessert das spürbar das Therapieergebnis“, sagt Prof. Ernstmann. Zum Einen erkennt ein gut informierter Arzt schneller, wenn sich der Zustand seines Patienten zum Schlechten entwickelt. Er kann dann rasch mit entsprechenden Maßnahmen gegensteuern. Zum Anderen halten sich Patienten, die sich ernst genommen fühlen, eher an therapeutische Ratschläge.

Nicht umsonst lernen angehende Mediziner heute schon während ihres Studiums, wie sie mit ihren Patienten kommunizieren sollten. Angesichts der Studienergebnisse plädiert Prof. Ernstmann nun dafür, auch in Ärztefortbildungen vermehrt verpflichtende Kommunikationsschulungen aufzunehmen.

Original-Publikation:

Patient – physician communication and health-related quality of life of patients with localised prostate cancer undergoing radical prostatectomy – a longitudinal multilevel analysis
Nicole Ernstmann et al.; Nature Medicine, doi: 10.1111/bju.13495; 2016

19 Wertungen (3.89 ø)

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7 Kommentare:

Gast
Gast

Die Überschrift ist für Krebsbehandlung natürlich falsch!

#7 |
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Gast
Gast

Ich bin selbst Prostatakrebs-Patient. Ich stimme zu, ein fundiertes Gespräch mit dem Urologen ist viel wert. Das ist aber nicht nur an den Arzt gebunden.
Die Sekbsthilfegruppe mit vielen Vorträgen und Gesprächen hat mir viel Kraft gegeben. Man sollte das aber auch nicht überbewerten. Gerade die Krebstherapie ist viel Glücksache. We – wie ich – 1/2 Jahr nach der Op bereits wieder ein Rezidiv hat, kann nur auf Glück hoffen und eine Zeitgewinntherapie in Anspruch nehmen. Die unzulänglichen Diagnosemethoden – der Krebs ist nicht darstellbar und die Diagnose ist
auf den PSA-Wert angewiesen – tun ihr übriges.

#6 |
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Arzt
Arzt

#3 hat Recht! Ich kenne das leider aus Erfahrung mit dem Quatschen statt richtig behandeln bis zum frühen Tod DURCH Krebs. Kann man leider nichts machen, sagte mir die Ärztekammer, gerade weil der Quatsch-Therapeut kein Arzt war. Nur Ärzte kann man bestrafen.
Das man Krebs “psychologisch” behandeln könne, ist leider nicht auszurotten, aber falsch, auch wenn ganze Bücher drüber geschrieben wurden.
Der Krebs selbst ist leider zu dumm um Psychologie zu verstehen, er wächst einfach immer weiter bis zum Tod.

#5 |
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katja adam
katja adam

Stimmt! und dennoch ist auch “quatschen” behandeln, weil es dem Patienienten Orietierung und Kontrolle im Umgang mit seien Symptomen verschafft, damit die Lebensqualität und Selbstwirksamkeit verbessert und vlt. sogar deshalb auch lebensverlägernt wirkt.

#4 |
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Arzt
Arzt

einen Krebs kann man leider nicht wegquatschen, sagt Cochrane

#3 |
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katja adam
katja adam

Quatschen ist behandeln!

#2 |
  6
Gast
Gast

Der Trend ist doch klar,
Quatschen ist billiger als Behandeln.

#1 |
  4


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