AMVV: Apotheker am Rotstift

20. Mai 2016
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Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat bei der Novelle zur Arzneimittelverschreibungs­verordnung (AMVV) nachgebessert. Apotheker dürfen nun doch fehlende Kontaktdaten des Arztes auf GKV-Rezepten ergänzen, wie gefordert.

Verordnungen ohne Pflichtangaben des Arztes ärgern Apotheker seit Jahren. Schicken sie Patienten zurück in die Praxis, geht gerade an Wochenenden oder Feiertagen wertvolle Zeit verloren. Ohne korrekte Informationen drohen jedoch Retaxationen. In ihrer Stellungnahme fordern ABDA-Experten vom Bundesgesundheitsministerium deshalb, die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) anzupassen. Hermann Gröhes (CDU) geplante Novelle kam allzu gelegen.

„Ohne Rücksprache ergänzen“

Zum Hintergrund: Seit der Änderungsverordnung vom 19. Dezember 2014 müssen Ärzte eine Telefonnummer angeben, damit Apotheker sie bei Rückfragen leichter erreichen. Diese Anregung kam letztlich von Standesvertretern und wurde in Paragraph 2 AMVV umgesetzt. Vorname und Name des Arztes sind ebenfalls relevant. „Bei dieser Ergänzung, die von uns grundsätzlich befürwortet wurde, wurde übersehen, dass es Fälle gibt, in denen die geforderten Angaben zwar fehlen, allerdings vom Apotheker ergänzt werden könnten, da ihm der Vorname und die Telefonnummer der verschreibenden Person bekannt sind“, schreibt die ABDA. „In diesen Fällen erscheint es sachgerecht, dem Apotheker arzneimittelrechtlich die Möglichkeit zur Verfügung zu stellen, fehlende Angaben nach Paragraph 2 Absatz 1 Nummer 1 auch ohne erneute Rücksprache mit dem Arzt zu ergänzen, um die Arzneimittelversorgung der Patienten nicht aus rein formalen Gründen zu verzögern.“  Standesvertreter schlagen folgende Anpassung vor: „Fehlen Angaben nach Absatz 1 Nummer 1, die dem Apotheker bekannt sind, kann er sie auch ohne Rücksprache mit der verschreibenden Person ergänzen.“

Grünes Licht aus Berlin

Diese Empfehlung hat Gröhe jetzt in seiner AMVV-Novelle aufgegriffen: Fehlen auf dem Rezept Vorname oder Telefonnummer des Arztes, dürfen Apotheker entsprechende Angaben ohne vorherige Rücksprache ergänzen. Voraussetzung ist, dass die verschreibende Person bekannt ist. Als Kriterien kommen persönliche Kontakte, die räumliche Nähe oder auch regelmäßige Lieferungen infrage: zweifelsohne ein Graubereich. Apotheker hoffen trotzdem auf mehr Sicherheit gegenüber Krankenkassen, um Retaxationen zu vermeiden.

13 Wertungen (4.77 ø)

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4 Kommentare:

Gast
Gast

Das ist aber schön, dass man den Apothekern solch eine verantwortungsbewusste und überaus sensible Angabe auf dem Rezept zutraut, denn wer hätte gedacht, dass jemand nach einem 5 jährigen Pharmazie Studium zu solchen Ergänzungen in der Lage ist!

#4 |
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Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Auch der abgebende Apotheker hat wohl eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, die nicht unbedingt der Apothekenangabe entspricht. Aus Datenschutzgründen sollte die Abrechnungsstelle eine direkte Verbindung bevorzugen. Lückenlose Aufklärung sieht anders aus. Wem nützt eigentlich diese kleinkarrierte Verhaltensvorschrift? Ist ein Krankenkassenmitarbeiter nicht in der Lage -im Gegensatz zum Apotheker- eine Arzt-Telefonnummer zu ermitteln und sich dann zu informieren?

#3 |
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Angestellte Apotheker

Überfällig wäre ein Retaxausschluss gewesen, jetzt haben wir wieder nur zusätzliche Arbeit. Die Angaben sind für die Apotheke und nicht für die Kasse.

#2 |
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Apotheker

Das war überfällig. Ziel war ja, die Kontaktaufnahme mit dem Arzt zu erleichtern, damit in wichtigen Fällen schnell Rücksprache mit dem Arzt genommen werden kann. Erreicht wurde, dass in völlig unnötigen Fällen das Rezept wieder zur Arztpraxis musste, was die Versorgung des Patienten und das Arbeiten in der Apotheke erheblich verlangsamt hat.
Der erreichte Effekt war also genau der dem gewünschten entgegengesetzte.
Bürokratischer Unsinn auf dem Rücken der Patienten und der im Gesundheitswesen arbeitenden ausgetragen!

#1 |
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