Heuschnupfen: Die Aggro-Pollen kommen

9. Mai 2011
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Die Zahl der Pollenallergiker hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Forscher konnten nun nachweisen, wie Luftschadstoffe die allergene Wirkung von Blütenpollen erhöhen. Der Klimakiller Ozon spielt dabei eine zentrale Rolle.

Die Augen tränen und die Nase juckt. Wenn im Frühjahr die Pflanzen anfangen zu blühen und der Pollenflug einsetzt, leiden viele Menschen an lästigem Heuschnupfen. Zwar ist im Detail bekannt, wie das Immunsystem von Allergikern die eigentlich harmlosen Blütenpollen bekämpft, aber warum das passiert, ist nach wie vor ein Rätsel. Da in den Industrieländern Pollenallergien besonders häufig auftreten, gehen Wissenschaftler seit einiger Zeit davon aus, dass Luftschadstoffe die Aggressivität von potenziellen Allergenen steigern.

„Je mehr Ozon und Stickoxide durch Industrie- und Autoabgase entstehen, desto häufiger werden wahrscheinlich Proteine der Blütenpollen chemisch modifiziert, und das reizt unser Immunsystem“, sagt Privatdozent Ulrich Pöschl, der Leiter der Aerosol-Forschungsgruppe am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie ist. Er und seine Mitarbeiter konnten kürzlich zeigen, wie diese allergieauslösenden Stoffe in der Luft entstehen können.

Zwischenprodukte reagieren mit Stickoxiden

Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature Chemistry mitteilten, verbindet sich Ozon dabei mit Pollenbestandteilen zu reaktiven Zwischenprodukten, die mehr als hundert Sekunden beständig sind. „Das ist viel länger, als wir bisher annahmen“, berichtet Pöschl. „Die Zwischenprodukte zerfallen also nicht wieder, sobald sie entstanden sind, sondern reagieren schnell mit den Stickoxiden weiter.“ Ohne Ozon und nur mit den Stickoxiden alleine, so der Forscher, würde die Reaktion unmerklich langsam ablaufen.

Durch die Nitrierung, bei der an die Aminosäure Tyrosin eine Nitro-Gruppe angehängt werde, verändere sich das allergene Potenzial von Pollenproteinen, da das Immunsystem auf nitrierte Formen von Pollenproteinen heftiger reagiere als auf unveränderte Formen. Pöschl nimmt an, dass sich die Struktur des Proteins durch die chemische Modifikation wandelt: „Die veränderten Bereiche des Moleküls werden vom Immunsystem anders wahrgenommen und können allergische Reaktionen auslösen oder verstärken.“

Die Hauptrolle bei Heuschnupfen spielen IgE-Antikörper, die in den Schleimhäuten von Nase und Augen sitzen und an Mastzellen gekoppelt sind. Wenn Blütenpollen in die Schleimhäute eindringen, lagern sich diese Antikörper an die allergenen Bereiche der Pollenproteine an und die Mastzellen beginnen, entzündungsfördernde Substanzen wie Histamin freizusetzen.

Ausmaß der Veränderung noch unbekannt

Noch ist nicht endgültig klar, ob nitrierte Proteine tatsächlich für die wachsende Zahl an Pollenallergikern verantwortlich sind: „Wir wissen zwar, dass nitrierte Proteine Allergien verstärken können, und dass sie entstehen, wenn Ozon und Stickoxide vorhanden sind“, sagt Pöschl. Aber noch sei nicht bekannt, in welchem Ausmaß diese Reaktionen tatsächlich in schadstoffbelasteter Luft stattfinden.

Deswegen wollen Pöschls Mitarbeiter nun analysieren, in welchem Umfang Pollenproteine durch verkehrsbedingte Luftverschmutzung nitriert werden. Wenn sich der Verdacht der Mainzer Wissenschaftler bestätigt, wäre die menschliche Gesundheit durch Abgase stärker gefährdet als bisher vermutet. Vor allem an Hochsommertagen, wenn sich in der Luft die Menge an Ozon deutlich erhöht, könnten besonders viele nitrierte Proteine entstehen und die Beschwerden der Allergiker nochmals deutlich zunehmen.

Umweltfaktoren haben erheblichen Einfluss auf Pollenproteine

Auch andere Experten sehen diese Gefahr: „Wir atmen Proteine nicht in ihrer ursprünglichen Form ein“, sagt Professor Albert Duschl, Leiter einer Arbeitgruppe am Fachbereich für Molekulare Biologie der Universität Salzburg. „Umwelteinflüsse verändern Proteine auf vielfältige Weise und können unter Umständen deren allergene Wirkung drastisch verstärken.“ Die Ergebnisse der Mainzer Forscher gäben einen ersten Hinweis, wie die Luftverschmutzung womöglich entscheidend dazu beitrage, dass allergieauslösende Stoffe in der Luft überhaupt entstehen könnten. Dieser Aspekt, so Duschl, sei in der Vergangenheit unterschätzt worden.

Um die Reaktionsmechanismen der Nitirierung von Pollenproteinen und die Effekte der dabei entstehenden reaktiven Zwischenformen genauer zu untersuchen, werden Pöschl und sein Team weitere Experimente und umfangreiche Simulationen am Computer vornehmen. Außerdem wollen sie gemeinsam mit Partnern aus der biomedizinischen Forschung die physiologischen Effekte der nitrierten Proteine an Patienten erforschen.

125 Wertungen (4.29 ø)
Allgemeinmedizin, Medizin

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11 Kommentare:

Biologin

Bezug nehmend auf Nr 2 und Nr 3 kann ich nur bestätigen, dass die Supplementierung mit einem sehr hochwertigen Produkt aus Obst, Gemüse und Beeren helfen kann das Thema Allergien zu reduzieren. Ich selbst hatte als Kind sehr viele u starke Pollenallergien. Dank jahrelanger Desensibilisierung wurden diese weniger – mit 15 schlug es dann auf Nahrungsmittelallergien (insbesondere auch Obst, Gemüse, Nüsse) um. Nach einem Jahr Supplementierung mit Obst, Gemüse und Beeren-Kapseln kann ich seit letztem Jahr (nach 20 Jahren Allergie) wieder fast alles Obst essen…ein fabelhaftes neues Lebensgefühl!!

#11 |
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Naturwissenschaftler

Da wir gerade in unserem Zentrum für Therapiestudien (Zulassungsarzneimittelprüfung) solche klinische Studien durchführen, kann ich allgemein mitteilen, dass die wissenschaftliche Medizin in Not ist, neue Kenntnisse, neue Lösungen, neue Heilmittel und Heilmethoden gegen die Pollenallergie zu haben.

Denn wir sind dabei neuartigen IMPFSTOFF mit dem Erhalt der Bedarfsmedikation während der Studiendurchführung(Tabletten, Nasenspray, Augentropfen, Asthmaspray) zu prüfen.
Die Hyposensibilisierung einer Pollenallergie (Immuntherapie) für Patienten zwischen 18 und 60 Jahren unter Betracht der Einflußfaktoren der Umwelt-/ Luft-verschmutzung ist sehr wichtiger Beitrag in der Gewinnung neuer Kenntnis für Behandlung von Pollenallargie.

Denn der Ansatz der wissenschaftlichen Gedanken wie:
ist der Zusammenhang zwischen Ozon-Molekülen und Pollen-Allergenen, Zwischenprodukte, Zerfall, Wiederreaktion mit Stickstoffoxiden der verschmutzen Luft….etc ist hoch interessant!!!

Ich hoffe auf positive Ergebnisse und Anwendung einer neuer Applikation (z.B. Impstoff) gg. Pollenallrgie.
Danke.

#10 |
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Der Artikel bringt wenig Neues,dieProblematik der Klimakiller ist lang bekannt

#9 |
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diese Zusammenhaenge haben wir Aerzte aufgrund unserer Beobachtungen schon lange vermutet…um so erfreulicher, dass sich jetzt namhafte Forscherteams damit befassen.
Es wird mit Sicherheit hierbei noch einige Ueberraschungen geben!!!

#8 |
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Jetzt im Frühsommer stehe ich auf der Terrasse meines Hauses auf den Hängen des Rheintals (ca. 180m ü NN) und schaue über die Kölner Bucht (Köln ca. 46-50 m ü NN)

Und an so manchen Tagen sehe ich dann den Inversionsdeckel über Köln (genau von Bonn bis Neuss) liegen und darunter braut sich der braune phototoxische Los Angeles Smog zusammen. Manchmal akkumuliert das 5 Tage, sogar manchmal bis zu 10 Tagen. jeden Tag wird die Suppe brauner und trüber, bis ich die Domtümrme nicht mehr sehen kann, nur noch das “Restaurant” und die Spitze des Frensehturms schaut heraus. Manchmal auch die nicht mehr. Dann sieht man nur noch hinter der braunen Suppe den Wolkengeneratoren (Kühltürme) der Rheinischen Braunkohlekraftwerke – und ganz weit weg den Rand der Eifel, aber die ist da auch schon 500-600 Meter hoch.

Und dann denke ich mir immer: Smogalarm-Warnsystem ? Was soll daß, wenn man die Konsequenzen einfach nicht umsetzen daraus umsetzen will? Wenn man die Menschen schützen will (im Frühsommer/Sommer bei Inversionslagen) dann braucht man kein Netz von Ozonmess-Stationen sondern nur die Einsicht, das wir, wenn die Natur den Klimadeckel über der Stadt zu macht – also am Beginn der Austauscharmen Wetterlage – sofort aufhören Feinstaub und NOx zu emittieren. Solange – bis der Atlantische Wind den Dreck wieder weg trägt!

Und das heisst konsequent, daß wir die Stadt (fast) jedes Frühsjahr oder im Sommer ein paar Wochen in einen “vegetativen Zustand” versetzen müssten. Keine Straßenverkehr, Kein Hausbrand, Keine fossile Energieerzeugung. Und zwar nicht nur in Köln, sondern von Bonn und Brauweiler, Kerpen und Köln Leverkusen bis Neuss und Norf (Düsseldorf kann ich von hier aus nicht sehen, ist ein Berg davor, der Lüderich erspart mir den Anblick).

Und das glaubt doch wohl Niemand, daß wir mehrheitlich gewillt sind, aus gesundheitlichen Gründen einen großen Wirtschaftraum insgesamt mehrere Wochen im Jahr Stillzulegen – oder?

Und: Was ist mit Städten wie Würzburg, oder Stuttgard? (um nur zwei zu nennen, wo ich das Problem aus eigenen Ansicht kenne)

Machen wir uns nichts vor: Die ökonomischen Aspekte machen jedes gesundheitliche Argument platt. Alles andere ist unfromme Lebenslüge.

GS

#7 |
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Also für mich ist das (leider) ein uralter Hut. Ich bin heute 60 Jahre alt. In meiner Kindheit lebte ich an einer von Jahr zu Jahr (Aufschwung der Motorisierung in den 60ern) stärker befahrenen Bundesstraße. Mit 10 oder 11 Jahren war es dann genug. Eines Sommers war ich voll allergisch sensibilisiert gegen Birken, Ginster, – das ganze Grün, was in unserem Vorgarten stand. Na klar, ich wurde ja jeden Tag mit Ozon und NOx im Frühsommer 8 bis 10 Stunden begast.
Damit bekann meine Karriere als Atopiker, die in den folgenden Jahrzehnten Blut, Schweiss und Tränen gekostet hat.
Die Beeinträchtigung des Lebens durch diesen Schaden ist für Menschen, denen das erspart bleibt unvorstellbar. Ich habe für den Fortschritt und Wohlstand dieser Gesellschaft einen sehr hohen Preis mit meiner Gesundheit bezahlt.

Gott sei Dank wurde ich irgendwann 44, 45 Jahre alt.
>Da war ich dann schon 15 Jahre Arzt und mit diesem Thema gründlichst vertraut. Sie können sicher sein, das man als Betroffener keinen Stein nicht umgedreht sein lässt, um Ursachen und Hilfe zu finden. Ich bin – zusammengerechnet über die Lebenszeit bis dahin sicherlich mehr als 300 Tage nicht arbeitsfähig schwer allergisch erkrankt im dunkeln, im kühlen, unter der Dusche, mit hochentzündeten Schleimhäuten trotz intensivster medikamentöser Therapie im Bett gewesen!!!
Als ich dann Mitte 40 war, fand bei mir das bei vielen Menschen eintretenden (und auch noch nicht befriedigend erklärte TH2 -> TH1 switching statt. Da war es dann mit den IGE vermittelten Allergien vorbei. (Natürlich war durch die in dreissig Jahren verschärfte Immisionsschutzregelung die Luft im Sommer viel besser. das standige Boostering unterblieb dadurch weitgehend)
Nun habe ich TH1 vermittelte Probleme – aber das ist ein sehr viel moderateres Thema.

GS

#6 |
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der Ozongehalt der Luft ist in den Grüngürteln der Städte höher als in den Zentren. Als mögliche Ursache wird sogar ein katalytischer Abbaueffekt durch Autoabgase diskutiert. Aber sicher stellt dieses Forschungsergebnis eine weitere Hypothese neben Pestiziden in der Landwirtschaft als begünstigendes Agens einer Allergie dar.

#5 |
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Naturwissenschaftler

Sehr reißerich und teilweise wenig wissenschaftlich zumindest die Zusammenfassung. Was soll die bezeichnung “Klimakiller Ozon”? Klimakiller sind meiner Kenntnis nach Substanzen, welche den Treibhauseffekt erhöhen wie Beispielsweise Kohlendioxid. Ob das in der Nähe der Erdoberfläche durch intensive Sonnenstrahlung und Abgasbestandteile vermehrt gebildete Ozon hier eine Rolle spielt will ich sehr bezweifeln. Von Klimakillern könnte man sonst nur bei Substanzen, die ein Ozonabbaupotenzial besitzen wie FCKWs (bezieht sich nicht auf das erdoberflächennahe, der im Zusammenhang mit Pollen bechriebenen Effekte auslösende Ozon, sondern in der Troposphäre) sprechen. Sicher ist aber gerade Ozon dort kein solcher.

#4 |
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Was ist gemeint mit Hilfe für? Sagt der Zahnarzt tatsächlich, dass das Essen von Obst allergische Reaktionen auf Pollen intensiviert? Oder ging es hier nur um Hilfe für/ Hilfe bei/ Hilfe gegen?
Danke, mfg

#3 |
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Dr. med dent Hans Votteler
Dr. med dent Hans Votteler

Angenommen zwei Nasen liegen nebeneinander im Bett im Kornfeld u. das laue Lüftchen lässt die bösen Pollen vorbeiziehen, die eine Nase reagiert allergisch, die andere nicht.
Frage: sind es die Pollen oder die Nase, die ursächlich am Problem beteiligt sind.
Seltsamerweiße hilft sehr gut FÜR(nicht gegen) dieses Problem eine vermehrte Zufuhr von sekundären Pflanzenstoffen in Form von Obst u. Gemüs auch als Supplement.Nicht ganz neu aber das Immunsystem atmet auf…
Einen Versuch ist´s allemal wert

#2 |
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Es ist sehr schön, dass diese lange bekannten Zusammenhänge genauer untersucht werden. Eine weitere Ursache für bronchiale Hyperreagibilitäten stellen langandauernde und aufeinander folgende Atemweginfektionen z.B durch RSV oder Adenoviren dar. Insbesondere wenn mehrere dieser Faktoren zusammentreffen scheint die Situation zu eskalieren.

#1 |
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