Analgetika: Betäubungsrepublik Deutschland

25. Januar 2013
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6,3 Mio. Packungen starker Schmerzmittel wurden im Jahr 2011 abgegeben. Werden die Deutschen allesamt opioidsüchtig oder steckt eine verbesserte Behandlung von Schmerzpatienten dahinter?

Nach Informationen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA gaben im Jahr 2011 die Apotheken 6,3 Millionen Packungen starke Schmerzmittel an gesetzlich versicherte Patienten ab. Das ist eine Steigerung von etwa 50 % in den letzten sechs Jahren. Die Zahlen sind imposant. Doch was bedeuten sie genau? Haben immer mehr Deutsche starke Schmerzen? Oder nehmen sie die Medikamente länger ein? Werden immer mehr Deutsche opioidsüchtig?

Rein epidemiologisch betrachtet sind die Zahlen für chronische Schmerzpatienten in allen Ländern Europas mit 17 bis 23 % auf gleichbleibendem Niveau hoch. Die gestiegenen Zahlen – von 1 Mio. GKV-Patienten im Jahr 2005 auf 1,2 Mio. im Jahr 2009 – deuten darauf hin, dass sich die Diagnostik von Schmerzen und das Verständnis als eigenes Krankheitsbild geändert haben. Sicherlich gab es in der Vergangenheit und gibt es in Deutschland noch immer, eine Unterversorgung von Patienten, die eine vernünftige Schmerztherapie benötigen. Das sind Patienten, die nach dem WHO-Stufenschema für die Schmerztherapie mit Medikamenten der Stufe 3, also stark wirksamen Opioiden oder Nicht-Opioid-Analgetika, behandelt werden müssen.

Alles besser geworden?

Hierbei handelt es sich oftmals – aber nicht ausschließlich – um onkologische oder Palliativpatienten. Insofern scheinen die Zahlen der Apothekerverbände zu zeigen, dass vieles richtig gemacht wird und Patienten mit chronischen Schmerzen besser und zufriedenstellender behandelt werden. Diesen Trend sieht auch Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums Göppingen und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie: “Mich überrascht die Entwicklung nicht, weil sich die Diagnose und das Verständnis von chronischem Schmerz als wichtigem zu behandelndem Krankheitsbild verbessert hat. Immer mehr Ärzte haben bessere Kenntnisse über Chronifizierungsmechanismen und die Notwendigkeit einer frühen Intervention. Daraus ergibt sich auch ein geändertes Verordnungsverhalten”. In die Gruppe, die mit starken Analgetika behandelt werden muss, fallen unter anderem Patienten mit neuropathischen Schmerzen oder Rückenschmerzpatienten.

Kontinuierlich zugenommen hat aber auch die durchschnittliche Menge an Packungen pro Patient. Zurückzuführen sei das, so Dr. Müller-Schwefe, auf mehr Folgeverordnungen. “In der Vergangenheit gab es unter den Ärzten Vorbehalte, die Patienten ordentlich einzustellen. Daher wurde die niedrigste, mögliche Dosis verordnet und die oft nur einmalig”. Über die Etablierung von Schmerztagebüchern und Schmerzskalen ist auch in der Ärzteschaft das Verständnis für die Wichtigkeit einer guten Einstellung auf die Medikamente und eine länger andauernde Therapie gewachsen. “Nun werden Patienten mit chronischen Schmerzen kontinuierlich behandelt und bekommen auch die notwendigen Folgeverordnungen”, so Müller-Schwefe.

Pflaster kleben ist zu einfach

Diese positive Entwicklung bestätigt auch Prof. Dr. rer. nat. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, er sieht aber gleichzeitig eine problematische Entwicklung. Nach seinen Untersuchungen werden Rückenschmerzen oder Osteoporoseschmerzen inzwischen häufig als Ersttherapie mit starken Schmerzmitteln behandelt, was bei Opioid-naiven Patienten zu einer Über- und Fehlversorgung führen kann. Hier seien oftmals leichtere Medikamente – wie z.B. Ibuprofen – ausreichend wirksam. Der übermäßige Einsatz von starken Analgetika hat, so warnt die Arzneimittelkommission der Ärzteschaft, mitunter schwerwiegende unerwünschte Wirkungen wie Atemdepression zur Folge oder kann zu Überdosierungen führen. Prof. Glaeske beobachtet, dass in 60 bis 70 % der Verordnungen von Pflastern mit dem Wirkstoff Fentanyl gleich die höchste Dosierung gegeben wird. “Die Einfachheit der Therapie mit Pflastern – verordnen, auftragen, fertig – scheint Ärzte dazu zu verführen, sie schneller zu verordnen”, so Glaeske.

Bedenklich ist in diesem Zusammenhang auch, dass die meisten Verordnungen starker Schmerzmittel, nämlich 56 %, von Allgemeinmedizinern vorgenommen werden. Bei Allgemeinmedizinern steht die Schmerztherapie im Verhältnis zu den zahlreichen anderen Symptomen, die jeden Tag in der Praxis auftauchen, nicht im Vordergrund. Daher fordert Prof. Glaeske eine Absprache zwischen behandelnden Allgemeinmedizinern und speziell ausgebildeten Schmerztherapeuten, die in der Behandlung chronischer Schmerzen viel Erfahrung haben. Günstig wäre es auch, die Einstellung direkt bei Schmerztherapeuten durchführen zu lassen, die Weiterbehandlung kann dann ein Allgemeinmediziner vornehmen.

Das Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential bei einer Dauertherapie mit schweren Schmerzmitteln sehen beide Experten für nicht entscheidend an. “Es gibt sicherlich auch einen geringen Prozentsatz von Fehlgebrauch, doch durch den überwiegenden Einsatz von retardierten Substanzen in Form von Retard-Tabletten oder Pflastern gibt es keine schnellen Konzentrationsanstiege, wie sie Abhängige benötigen, um durch die relative Überdosierung eine euphorisierende Wirkung zu erzielen”, erklärt Dr. Müller-Schwefe. Zudem sei es nicht vertretbar, Patienten mit chronischen Schmerzen aufgrund der geringen Möglichkeit einer Abhängigkeit eine adäquate Schmerztherapie vorzuenthalten, wie Prof. Glaeske ergänzt.

Selbstmedikation ist ein großes Problem

Ein viel größeres Problem, auch hier sind sich die beiden Experten einig, besteht in der großen Menge an Schmerzmitteln, die in der Selbstmedikation eingenommen werden. Von den jährlich verkauften 150 Mio. Packungen an Schmerzmitteln, entfallen 120 Mio. auf die Selbstmedikation. Das bedeutet, dass die Schmerztherapie – mengenmäßig betrachtet – überwiegend nicht unter ärztlicher Kontrolle stattfindet. Die Daten der Apothekerverbände müssen daher auch in diesem Punkt differenziert betrachtet werden. Mit ziemlicher Sicherheit gibt es einen beträchtlichen Prozentsatz von Patienten mit chronischen Schmerzen, die aufgrund einer schlechten Einstellung unterversorgt sind und zusätzlich dauerhaft zu frei verkäuflichen Präparaten greifen. “Die frei verkäuflichen Analgetika sind aber keineswegs Lutschbonbons, sondern haben, dauerhaft angewendet, schwere toxische Wirkungen. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie hält sie für wesentlich gefährlicher als Opiate, weil sie in willkürlicher Dosierung und Zusammensetzung eingenommen werden”, erklärt Dr. Müller-Schwefe. Jedes Jahr sterben beispielsweise 2.000 – 3.000 Menschen an Magenblutungen durch Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) – die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen.

Dosierung reduzieren

Obwohl der medikamentösen Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen eine zentrale Rolle zukommt, darf nicht vergessen werden, dass sich die Behandlung aus einem komplexen Konzept an Maßnahmen zusammensetzt. Dabei soll die Störung von Bewegungseinschränkungen ebenso verbessert werden, wie die Aktivität insgesamt, Depressionen und die soziale Einbettung der Patienten. Doch die medikamentöse Therapie schafft häufig erst die nötigen Voraussetzungen, damit ein Patient Kraft- und Ausdauertraining und Verhaltenstherapie durchführen sowie Schmerzkontrollmechanismen erlernen kann. Langfristig wird immer versucht, die Dosierung der Medikamente zu verringern oder diese möglicherweise sogar ganz abzusetzen.

Von den gesteigerten Verordnungen profitiert natürlich auch die Pharmaindustrie. “Die Schmerztherapie ist mit den vorhandenen Präparaten aber gut umzusetzen. Wir stellen fest, dass die neuen Arzneimittel der letzten ein bis zwei Jahre keinen Zusatznutzen für die Patienten bringen. Dafür sind sie häufig um ein Vielfaches teurer”, erklärt Prof. Glaeske die Veränderungen im Medikamentenregal. Dr. Müller-Schwefe erklärt jedoch, dass es gerade für neuropathische Schmerzpatienten dringend Neuerungen bräuchte, weil bei der Behandlung mit einzelnen Substanzen keine ausreichende Wirkung erzielt werden könne und immer Kombinationen von Medikamenten notwendig seien.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die stark gestiegene Zahl von Schmerzmittelverordnungen sowohl positive, als auch negative Aspekte hat. Sofern Patienten mit chronischen Schmerzen eine verbesserte, angepasste Behandlung mit starken Schmerzmitteln erhalten, ist das als gut zu werten. Doch sollte nicht aus den Augen gelassen werden, dass Übertherapien und Fehlversorgung vermieden werden müssen und viele Patienten auch mit schwächer wirkenden Präparaten zurechtkommen könnten.

173 Wertungen (3.94 ø)
Medizin, Pharmazie

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23 Kommentare:

Wer gelernt hat , die Patienten körperlich und seelich buchstäblich anzufassen , wird sicher denen hier nicht zustimmen , die – analog der abstrusen Entwicklung des ” Weichmachens ” und ” Stastlich-Bürokratisierens” in der Gesellschaft – aktive Selbstbestimmung und -Verantwortung durch angebl. Empathie ( in Wirklichkeit Entpersönlichung ) ersetzen wollen ! Wie Nr. 4,7,8 ( ?),10 , 11, 15,17,19,21,22und 27 nachweisen , steht allein die ( schöpfergewollte )individuelle strukturgebundene Schmerzkontrolle natürlich im Vordergrund …Es stellt sich auch die Frage , was verstehen die ” Schmerztherapeuten “eigentlich von Psycholgie und Chirotherapie ? )Aha , freundlich rassistisch wird von einem Teilnehmer einem Deutschen Schmerzaushalten nicht mehr erlaubt… dann oute ich mich mal nur noch als Indianer!
Dr. Eisenbarth

#23 |
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In einer Beziehung gebe ich dem Pharmakologen Gläske Recht: Die Opioid-Therapie in D wird, gerade im Bereich Orthopädie, oftmals dilettantisch und ohne Kenntnis der Substanzen vorgenommen, die Äquivalenzdosen sind meist nicht bekannt.
Wenn im Rheinischen Ärzteblatt im Zusammenhang mit einer Opioidintoxikation eine Dosierung von 30mg Oxycodon p.d. und 50 mcg Fentanyl/h (=1.2 mg/d) für eine 80-Jährige als “niedrig” bezeichnet wird, sträuben sich mir die Nackenhaare.
Diese Dame erhielt pro Tag 180mg parenterales Morphinäquivalent, entsprechend etwa 270mg oralem Morphin!!!
Die transdermalen Fentanyle werden völlig unkritisch und ohne Kenntnis der verabreichten Dosis eingesetzt, wir sehen in der Suchtmedizin immer häufiger Abhängigkeit und Mißbrauch dieser Stoffe, Verordnungen sind offenbar problemlos bei mehreren Ärzten “auf Zuruf” zu erhalten.
Fentanylpflaster werden inzwischen von “Usern” zerschnitten und gelutscht bzw gekaut, um einen Kick auszulösen, Morphin, Hydromorphon und Oxycodon durch zermörsern “entretardiert” und was da sonst noch alles gemacht wird – ein weites Feld für eifrige Staatsanwälte, die mit dem BtmG und der BtmVV unter dem Arm bisher nur substituierende Ärzte verfolgen…
Opioide in der Schmerztherapie sind unverzichtbar – aber bitte richtig dosieren und zwar in Kenntnis der Wirkungen und vor allem der Äquivalenzdosen – ein einziges “niedrig dosiertes” 25er Fentanylpflaster entspricht 62,5 mg parenteralem Morphin p.d. oder ca 100-180mg oralem Retardmorphin!

#22 |
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Dr. med. Pavel Chudoba
Dr. med. Pavel Chudoba

Was die Schmerztherapie betrifft, steht Deutschland auf dem Niveau eines Entwicklungslandes, in mancher Hinsicht sogar eine Stufe darunter. Ob dahinter die Pharmalobby, Dilettantismus der behandelnden Ärzte oder die Verlogenheit der Politiker steckt ist für den leidenden Patienten irrelevant. Er möchte von den quälenden Schmerzen befreit werden und wir Ärzte sind nicht nur aus ethischen Gründen dazu verpflichtet ihm zu helfen. Wer außer Ibuprofen und Paracetamol keine wirksameren Präparate verschreibt, gleichwohl aus welchen Gründen, soll die Approbation freiwillig abgeben, da er nicht nur den Hippokrates-Eid missachtet sondern auch gegen die Richtlinien der WHO verstößt.

#21 |
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Irgendwie gibt es immer noch Tendenzen die adäquate Therapie mit Opioiden zu diffamieren. Vielen Patienten wird oft zu lange diese Substanzgruppe vorenthalten.
Mich stößt diese führsorgliche “Suchtpolitik” ab.

Natürlich sind Ärzte mit Zusatz spezieller Schmerztherapie einfach mal nebenan verfügbar.
Wie weit weg sind dise Leute von der Realität?

#20 |
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Da muss ich mich doch zum allerersten Mal bei Docchek äußern: Die Aussage “Patienten mit neuropathischen Schmerzen und Rückenschmerzen müssen mit starken Analgetika behandelt werden” ist nicht nur völlig neben der aktuellen Studienlage sondern auch ziemlich gefährlich.
Es impliziert, dass starke Schmerzen immer medikamentös einstellbar sind, was nicht einmal bei Tumorschmerzen so stimmt. Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen hat so viele erfolgversprechende Ansätze, die individuell erarbeitet werden müssen. Die Patienten (und Behandler) in der Vorstellung zu lassen, es müsse nur das richtige Präparat gefinden werden, hält davon ab, Schmerzen als multifaktorielles Geschehen zu begreifen, das individuell analysiert und meistens auch sehr eigenverantwortlich durch die betroffenen Patienten selber gemanagt werden kann.
In diesem Zusammenhang wünsche ich mir einen differenzierteren Artikel über Sinn und Unsinn der Therapie mit starken Opioiden vor allem bei nicht-Tumorschmerzen auch unter Berücksichtigung der sog. LONTS-Leitlinie, die den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Dinge gut zusammenfasst und zu einer kritischen Indikatiosstellung und einer individuell wohl überlegten und konzipierten Opioidtherapie mahnt.

Und zu Herrn Freye: wie bemerkt man denn, dass ein nicht-Tumorschmerz “maligne” geworden ist und wie leitet sich denn daraus eine Opioidindikation ab?? Sollen wir mal gemeinsam drüber reden, bevor das als Empfehlung in ein Lehrbuch übernommen wird?

#19 |
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Prof. Dr. med. Christian Albrecht May
Prof. Dr. med. Christian Albrecht May

Eigentlich wollte ich mich nicht in diese Kommentierung mit einbringen, aber mir scheint doch eines wichtig, was grundsätzlich zum Schmerz gesagt werden muss: Schmerz ist ein subjektives Erleben, einer Emotion gleich, das durch keine objektive Skala erfasst werden kann und starken sozialen und lernstrategischen Parametern unterliegt. Nicht zuletzt deshalb wird die Bildung des Schmerz mit dem Mandelkern des Telencephalons in Verbindung gebracht.
Schmerzbahnen, wie sie gerne postuliert werden, gibt es in dieser Form nicht. Das ist leider ein hartnäckiger Fehler in den Lehrbüchern seit Descartes!
Der Artikel will aber nicht über die Grundlagen des Schmerz reden, sondern über seine Behandlung, und da ist klar, dass Analgetika eine Schlüsselrolle spielen, die frühzeitig angewand das Schmerzgedächtnis unterdrücken sollen; allerdings ist auch klar, dass wie bei anderen emotionalen Pathologien Medikamente alleine nicht ausreichen, und andere Therapiekonzepte ebenso wirksam sind. Gerade für den Hausarztbedarf sind unter Kosten- und Zeit-Aspekten alle Möglichkeiten der Behandlung von Patienten mit Schmerz zu berücksichtigen. Dies erfolgt in der klassischen Ausbildung zum Schmerztherapeuten und natürlich in der Basisausbildung (Studium) viel zu wenig.

Ich hoffe mein Beitrag klingt nicht zu belehrend; er ist mehr empathisch gemeint.

#18 |
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Dr. med. Pavel Chudoba
Dr. med. Pavel Chudoba

Erstaunlich, wie viele “Experten” zum Thema Schmerztherapie, insbesondere Therapie eines chronischen Schmerzsyndroms ihre z.T. dilettantischen Ansichten hier publizieren. Jeder Schmerz hat ein biochemisches Korrelat und ist unverzüglich kausal und symptomatisch zu behandeln. Wenn man keine eigenen Schmerzerfahrungen hat, sollte sich aus einschlägiger Fachliteratur die notwendigen Grundkenntnisse über Zellularbiologie und Neuropathologie aneignen. Die hysterischen Parolen einiger Ignoranten, die von einer Abhängigkeit von Opoiden bei organisch bedingten Schmerzen fachsimpeln, sind aus kurativer Sicht kontraproduktiv und dem Patienten gegenüber direkt unmoralisch.

#17 |
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Dr. Tenbrock bringt es auf den Punkt, Prof. Freye nicht.

Bei muskuloskeletalen Schmerzen bringen Opiate rein gar nichts, kausal orientierte Therapieformen wie Muskelkräftigungstherapie und begleitend Akupunktur oder Neuraltherapie dagegen sehr viel – nur wollen das die Kassen nicht. Es kostet eben Zeit.

Inzwischen wissen wir sogar daß betriebliches Gesundheitsmangement mehr einbringt als es kostet, ein großer Teil davon ist Streßmanagement und Rückenschmerz kausal therapiert.

Als im Erstberuf Krankenpfleger im Intensivdienst und mit Hirnverletzten, darunter zahlreiche Ösophagogastrektomien, Sportler in verschiedenen Disziplinen, zertifizierter Neuraltherapeut, Patient nach einem Unfall und langjährig in der Geriatrie tätiger Arzt erheische ich eine gewisse Kompetenz.

In einer Rehaklinik sah ich einen seit 2 Jahren arbeitsunfähigen Patienten mit chronischem Rückenschmerz, z.N. opiatindiziertem Ileus den ich dort entzog bei laufender Physiotherapie – beschwerdefrei nach 2 Wochen. Er hatte haufenweise MRI’s dabei aber keinen Nachweis einer systematisch geführten Kräftigungstherapie.

Ich sah keinen Anlaß für eine Berentung, was die Psychotherpeuten daraus machten weiß ich nicht. Medizinisch war er gesund. Ursprünglich hatte er wohl eine schwere Depression/Anpassungsstörung, verlor dadurch seine Muskeln und konnte dann seinem Beruf nicht mehr nachgehen.

Statt Psychotherapie und gezieltem Muskelaufbau bekam er Opiate und Krankschreibung auf Dauer bis die Rentenversicherung dem via psychosomatischem Rehaverfahren vor Rente Einhalt gebot.

#16 |
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Pamela Richter
Pamela Richter

Die mulimodale Schmerztherapie mußte ich mir als Krankenschwester und neuropathischer Schmerzpatient mal eben selbst zusammenbasteln…prickelnd wenn man sich so gar nicht danach fühlt,Wartezeit beim Neurologen 3 Monate und das obwohl ich dort Pat.war.Wie gut das man Schmerztherapeuten kennt und zumindest dort nicht warten mußte,da Wartezeit für stat.Schmerztherapie auch minimum 3 Monate waren.Von einem Allgemeinmediziner erhielt ich ein Opioid,lt.Tabelle 5x so stark wie Morphin…es ging mir wahnsinnig gut danach,ich hatte keine Schmerzen,aber so stelle ich mir einen Drogenrausch vor.Gut das das heut anders ist.Ich bin sehr froh,das ich heute wieder meine Patienten versorgen kann…

#15 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Chronische Schmerzen, meißt “erlernte” Schmerzen, unser Gehirn ist klug, merkt sich viel, “gewöhnt” sich daran..ich schließe mich dem Artikel von Prof.Dr.O. Berndt Scholz voll und ganz an. Wenn man die Menschen oft ansieht, kann man die ” dauerhafte Schmerztherapie” schon durchaus oft im Gesicht sehen, man sieht es den Patienten an, daß Sie nicht “nur” unter den Schmerzen leiden. Abgsehen von der manchmal paralell schlechten köroerlichen Verfassnung und den event.Nebenwirkungen. Depressive Verstimmungen, oder eine handfeste Depression begleitet die meißten Menschen, bei denen der Schmerz bereits chronifiziert ist. Wie wärs, wenn man da mal genauer hinschaut, bevor man das nächste Rezept “zückt”. Aber das funktioniert auch wieder nicht, weil einfach die Zeit für Gespräche fehlt und es muß ja nicht unbedingt gleich eine klassische Therapie sein, manchmal hilft vielleicht schon ein aufmunterndes Wort oder der Hinweis, daß man es mit einer verminderten Dosis erst einmal weiter versucht, bevor man “weiter hämmert”.

#14 |
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Dr med Franz Tenbrock
Dr med Franz Tenbrock

Immer wieder nett diesen Theoretiker Herrn G zu hören oder zu lesen. Er scheint irgendwie in einer anderen Welt zu leben. Mit Zahlen kann man ja so maches machen.
Wie sieht denn die Realität aus.
Ich prktiziere seit 19 Jahren am Rande des Ruhrgebiets, also noch nicht im Ärztemangelgebiet.

Wochenlange Wartezeit beim Orthopäden. Aktue Schmerzkranke werden dort erst gar nicht angenommen. Ein Termin , dann sofort Rö MRt etc. Der arme Orthopäde hat dann nicht einmal ein ausreichendes Budegt für gescheite Medikamente. 5 Euro für 3 Monate oder auch etwas mehr reichen kaum um einmal das billigste rezeptpflichtige Präparat zu verodnen.
Das Budget für Krankengymnastik für mich als Hausarzt in der KVWL liegt gemittelt bei 7 Euro pro Patient für 3 Monate.
Psychotherapeuten wenn überhaupt, Termine erst nach 3 Monaten Wartezeit, da ist die Lumbago schon fast chronifiziert.
Schmerztherapeuten noch längere Wartezeiten, da ist das Kind schon lange im Brunnen ertrunken. Auch diese Kollegen sind mangels Alternativen gezwungen hochpotente Media aufzuschreiben. In einem Fall hatte der Patient anschließend eine Therapie die 3mal so teuer war ohne das sich am VAS was getan hat.
Als Hausarzt hat man gar keine Chance eine Ausbildung zum Schmerztherapeuten nachzuholen da man die praktischen Tätigkeiten ( spezielle Inkjektionstechniken) gar nicht im Berufsalltag unterbringen kann.
Ich selbst habe die Kurse speziele Schmerztherapie und auch palliativ Medizin schon vor vielen Jahren gemacht, aber was nützt es wenn von der finanziellen Seite eine Engament in diesem Bereich zum familiären Ruin führt.

Aber lange wird es ja eh nicht mehr in Deutschland dauern dann gibt es die Hausäezte halt gar nicht mehr.

Erst dann wird man bei unseren 3x schlauen merken welche qualitativ hochwertige Arbeit wir als einfache dumme leisten.

Schade das ich dann wenn ich mal alt bin wohl in eine anonyme medizinische Großfabrik mit tausenden Qualitätssiegeln muss.
Das jahrelange Ärztebashing funktioniert immer besser.

#13 |
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Dr. med. Heidrun Kerecz
Dr. med. Heidrun Kerecz

Als Gutachterlich tätige Ärztin prüfe ich bei Angabe einer Opoidtherapie den Nachweis im Urin. Man sollte nicht glauben, wie oft dieser negativ ausfällt, obwohl ( vielleicht rasch vor der Untersuchung nochmals in der Toiletteein Pflaster geklebt wurde.
Ich bin erstaunt wie locker mit dieser Therapieform umgegangen wird. Manchmal habe ich auch die Vermutung, dass mit diesen Verordnungen Mißbrauch gefördert werden könnte
Ich bin vollkommen konform mit der Therapie bei chronisch schwer Kranken, aber bei jungen Menschen mit psychosomatischen Beschwerden ist diese Therapieform kontraindiziert. Dr Heidrun Kerecz

#12 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Ich denke es wurde früher zu verhalten mit Schmerzmedikation umgegangen (Angst, Bürokratie, etc.) Mittlerweile hat sich Gott sei Danke einiges getan. Wir sprechen oft von multimodaler Schmerztherapie, doch diese muß weiterausgebaut und auch entsprechend bezahlt werden, sonst macht es wenig Sinn. Auch das mehr Allgemeinmediziner sich in dieser Richtung schulen und rechtzeitig an den Fachkollegen überweisen ohne kompetenzgerangel ist Wegweisend.Deutschland steht hier noch am Anfang.Eine effiziente Schmerztherapie frühstmöglich einzusetzen verhindert Spätfolgen die mitunter teuerer ausfallen. Geschultes Personal sollte gefördert und effizient in den Einrichtungen eingesetzt werden, auch zur Prävention.

#11 |
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Gabriele Wamsler
Gabriele Wamsler

sorry – ich meinte den Beitrag 1

#10 |
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Gabriele Wamsler
Gabriele Wamsler

schließe mich vollkommen meiner Vorrednerin bzw. dem vorherigen Kommentar meiner Kollegin an!!! :-)

#9 |
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Emin  Arpaci
Emin Arpaci

Der Mensch und alle Wirbeltiere haben ein Endocannabinoidsystem.Viele Schmerzen könnten mit Cannabinoiden der Hanfpflanze behandelt werden oder in Kombination mit Opiaten…..

#8 |
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Die Schmerztherapie ist nicht immer besser geworden. Der Umgang mit bzw. die Verordnung von zentralen Schmerzmitteln wird jedoch immer hemmungsloser vorgenommen. Die Regelverordnung bei akuter Lumbago ist heutzutage bei der Vorstellung in der Krankenhaus-Notfallambulanz immer Tramadol oder Tilidin. Damit beginnt für vile Patienten die direkte Hinführung in die Abhängigkeit von Medikamenten. Das hat mit Qualtätssteigerung wohl nichts zu tun. Auch die sofortige Verordnung von NSAIR bei jedem kleinen Gelenkschmerz ist fehlindiziert. Führt regelmäßig zu vermeidbaren Problemen. Nicht mal die Patienten selbst wollen diese Flut an Medikamenten, die reflexhaft verordnet werden.

#7 |
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In unserer Kultur nimmt der Verstand unverhältnismäßig viel Raum ein und erstickt, Schritt für Schritt, unsere Emotionen, die wir in der Kindheit viel natürlicher ausdrücken konnten. Demnach speichern wir allmählich die unterdrückte Lebenskraft als negative emotionale Ladung und Energie-Kontraktionen. Wir gewöhnen uns an diesen Energiezustand und meinen, dass Leid und Schmerz zum Normalzustand gehören. So kommen wir dann auf den Gedanken das wir eigentlich aus einem Schmerzkörper bestehen. Unbewusst werden wir zum Opfer und erleben eine Enttäuschung nach der anderen, bis zur letzen, nämlich der des Todes.

Eckhart Tolle in seinem Buch: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart (The Power of Now) sagt: “Es gibt zwei Ebenen von Schmerz: der Schmerz, den man jetzt erschafft, und der Schmerz der Vergangenheit, der weiter im Geist und im Körper lebt. Der Geburtsschmerz gehört auch dazu. Der angesammelte Schmerz ist eine negative Energie, die den Geist und den Körper beherrscht. Wenn man ihn als eine unsichtbare, selbstständige Wesenheit betrachtet, kommt man der Wahrheit schon näher. Es ist der Schmerzkörper.”

#6 |
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Cornelia Klettke
Cornelia Klettke

Liest sich ja alles ganz gut, wäre da nicht das Zeitproblem. Patienten die auf Opioide eingestellt werden, sollten in der Startphase nicht nur alle vier Wochen einen Termin beim Schmerztherapeuten bekommen. Was bringt das beste Medikament wenn die Betreuung nicht stimmt und der Patienet mit den Problemen in der Anfangszeit allein gelassen wird.
Auch daran sollte dringend gearbeitet werden.

#5 |
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Man muss es wohl immer wieder feststellen: Akute Schmerzen haben Signalfunktion; chronische Schmerzen haben Appellfunktion. Chronische Schmerzen haben für den Pat eine Be-Deutung. Dies können nicht allein mit Medikamenten unter Kontrolle gebracht werden. Ärztliche Kolleginnen und Kollegen sind gut beraten, wenn sie sich nicht nur an dem biologischen Substrat festhalten, sondern – insbesondere bei einem unzulänglichen Therapieschema – die psychischen Begleitbedingungen (Angst, Verzagtheit, Bewegungseinschränkung, fehlende oder problematische Sozialkontakte, Familie, Beruf) ebenso wie den sozialen/soziologischen Hintergrund (Araber, Italiener u.v.a. drücken ihren Schmerz anders aus als Niederländer, Dänen, Deutsche u.v.a.) gleichermaßen ins Kalkül nehmen. Bei chronischen Schmerzpatienten ist Gesprächsmedizin gefragt. Wenn dafür die Voraussetzungen fehlen: Einschaltung eines psychologischen Schmerztherapeuten – eher früher als später!

#4 |
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Medizininformatiker

Bei chronischen Schmerzpatienten helfen sehr oft auch Alternative Behandlungsmethoden, diese sollten stärker erforscht und angewandt werden.
Dies würde auch unser Gesundheitssystem finanziell entlasten.
Es sollte auch mehr Usachenforschung betrieben werden, anstatt einfach immer mehr Schmerzmittel zu verschreiben.

#3 |
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..ein positives Ergebnis, dass man jetzt verstanden hat, vor (!) einer Chronifizierung ausreichend starke Opioide in entsprechnder Formulierung zu verordnen. Bei den nichtumor-bedingten Schmerzen gilt: Ist der Schmerz mittlerweile maligene, so sollte auch er mit Opioiden behandelt werden-es muss nicht gleich ein Fentanylpflaster sein !
Werde diese Entwicklung auch in meine Neuauflge des Buches “Opioide in der Medizin” mitaufnehmen.

#2 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Dass die Selbsttherapie sehr hoch ist, dürfte eigentlich schon lange bekannt sein.
Ich sehe aber eine Besserung der Versorgung in der eigentlichen Schmerztherapie, gerade bei onkologischen und chronischen Schmerzpatienten. Endlich tut sich langsam was, denn es war teilweise nicht mehr mit anzusehen, wie sehr sich Ärzte gegen eine adäquate und lebensqualitätsteigernde Therapie gewehrt haben.Und das Hauptargument war immer wieder: könnte süchtig machen :-(

#1 |
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