Tierversuche vordeMaus

25. Mai 2016
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Tierversuche sagen vielfach wenig über die Wirkungen und Nebenwirkungen einer Substanz beim Menschen aus. Neue Methoden, etwa mit Stammzellen oder „Organs-on-Chips“, könnten solche Tests reduzieren. Viele US-Projekte zeigten erste Erfolge. Europa hinkt noch hinterher.

Experimente mit Tieren spielen in der medizinischen Forschung nach wie vor eine zentrale Rolle. Sie kommen in vielen Bereichen zum Einsatz: in der Grundlagenforschung, zur Entwicklung neuer Medikamente und medizinischer Geräte, zur Sicherheitsüberprüfung neuer Wirkstoffe oder in der Genforschung. Doch sie werden nicht nur aus ethischen Gründen kritisiert – zunehmend stellen Forscher auch den Nutzen solcher Experimente in Frage.

Um ein wirksames, sicheres Medikament auf den Markt zu bringen, dauert es in der Regel 10 bis 15 Jahre – die Kosten belaufen sich dabei auf mehr als eine Milliarde Dollar. Eine Analyse [Paywall] der letzten 60 Jahre zeigt außerdem, dass es pro investierter Milliarde Dollar immer weniger Substanzen auf den Markt schaffen. Das Hauptproblem liegt darin, dass Substanzen, die in präklinischen Studien – also meist in Tierversuchen – erfolgreich getestet wurden, sich in Versuchen am Menschen als nicht geeignet erweisen. So fallen 92 bis 95 Prozent [Paywall] der Wirkstoffe, die in Tierversuchen erfolgversprechend erscheinen, in Studien am Menschen durch. Die Hauptgründe dafür sind fehlende Wirksamkeit – in etwa 40 Prozent der Fälle – und Probleme mit der Sicherheit des Wirkstoffs – bei etwa 20 Prozent.

Dramatische Ereignisse, bei denen solche Medikamente in ersten Tests am Menschen zu gravierenden Nebenwirkungen führen, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs: Etwa, als im Januar dieses Jahres beim Test eines Schmerzmittels in Frankreich ein Mensch starb und fünf zum Teil schwere Hirnschäden erlitten. Ein ähnlicher Fall ereignete sich 2006, als in London sechs Männer nach einem Arzneimitteltest mit Antikörpern auf der Intensivstation behandelt werden mussten. Beide Male war die getestete Substanz in Tierversuchen als unbedenklich eingestuft worden.

Tiere sind keine Modell-Menschen

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Tiere häufig keine geeigneten „Modelle“ sind, mit denen sich Prozesse beim Menschen simulieren lassen. Vieles funktioniert bei ihnen anders: etwa die Organe, der Stoffwechsel oder das Immunsystem. So sagen Ratten und Mäuse nur zu 43 Prozent die Giftigkeit einer Substanz beim Menschen vorher, schreibt der Pharmakologe Thomas Hartung von der John Hopkins University in Baltimore (USA), der auch eine Zweitprofessur an der Universität Konstanz innehat. Auch die Mechanismen bei Krankheiten – die bei Versuchstieren künstlich induziert werden, um Medikamente zu testen – können sich von denen beim Menschen deutlich unterscheiden. All das führt dazu, dass unverhältnismäßig viele Versuchstiere benötigt werden.

Die Zahl der Tiere, die für wissenschaftliche Experimente verwendet werden, ist auch in Deutschland nach wie vor hoch: Im Jahr 2014 wurden laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) über zwei Millionen Tiere für Tierversuche eingesetzt, weitere 790.000 wurden getötet und für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Am häufigsten sind dies Mäuse und Ratten (zusammen 78 Prozent), am zweithäufigsten Fische (10 Prozent). Hunde, Katzen, Affen und Halbaffen machen zusammen unter 0,5 Prozent der Versuchstiere aus.

Organe auf Chips, bildgebende Verfahren und Bioinformatik

Allerdings gibt es sowohl in den USA als auch in Europa zunehmend Bestrebungen, Tierversuche wenn möglich durch alternative Methoden zu ersetzen. Dabei wird häufig das 3R-Prinzip zugrunde gelegt: Tierversuche sollen wenn möglich vermieden („replace“), die Zahl der Versuchstiere reduziert („reduce“) und das Leiden der Tiere vermindert („refine“) werden.

1621_Fliegen_SchmuckIn den USA werden solche Bestrebungen durch die die Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (Food and Drug Administration, FDA) und die National Institutes of Health (NIH) koordiniert. So strebt die Initiative „Toxicology Testing in the 21st Century“ [Paywall] an, die Giftigkeit von Substanzen auch ohne Tierversuche zu bestimmen. In diesem Rahmen ist eine Reihe von Projekten entstanden, etwa „Tox21“, bei dem tausende von Substanzen in Hochdurchsatz-Screenings getestet werden, oder das „NIH Human Toxome Project“, das einen Gesamtkatalog der Schädigungsmechanismen durch Chemikalien beim Menschen erstellen soll.

Auch andere innovative Methoden und Technologien könnten in Zukunft dazu beitragen, Tierversuche zu ersetzen oder zumindest zu reduzieren: Die Forschung mit menschlichen Zellkulturen und Stammzellen, die Nachbildung von Organen oder Organismen auf einem Mikrochip („Organs- on-Chip“), Ansätze der Bioinformatik, die Daten aus verschiedenen Experimenten kombinieren oder moderne bildgebende Verfahren, die Mechanismen auf der Ebene von Molekülen und Zellen abbilden können. Solche Verfahren könnten nicht nur die Zahl der Versuchstiere reduzieren. Sie könnten auch die Wirkungen und Gefahren einer Substanz beim Menschen wesentlich genauer vorhersagen.

Deutschland hinkt USA noch hinterher

In Deutschland gibt es mehrere Institutionen, die Alternativen zum Tierversuch fördern. So wurde im September 2015 das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) eröffnet. Auch das „Zentrum für Alternativen zum Tierversuch in Europa“ (CAAT-Europe) an der Universität Konstanz hat sich zum Ziel gesetzt, wissenschaftlich fundierte Alternativverfahren zu Tierexperimenten zu etablieren.

„Deutschland hat neben England und den Niederlanden die stärkste Förderung für Ersatzmethoden in Europa“, sagt Hartung, der CAAT-Europe als Co-Direktor leitet. „In den USA gibt es allerdings eine Reihe von Großprojekten, die zu ersten Erfolgen beim Ersatz von Tieren geführt haben. Hier hinken Deutschland und Europa noch hinterher. Es fehlt vor allem an einer übergeordneten Institution, die die Maßnahmen strategisch koordinieren könnte – zum Beispiel zwischen Wissenschaft und Politik.“

In einigen Bereichen ist es bereits gelungen, Tests an Tieren (weitgehend) durch andere Methoden zu ersetzen, etwa bei Tests auf Haut- oder Augenreizungen. So werden in Europa bei der Verträglichkeitsprüfung von Kosmetika seit 2013 keine Tierversuche mehr durchgeführt. Auch ein Medikament gegen resistente Tuberkulose-Keime wurde gänzlich ohne Tierversuche entwickelt. „Bisher wurden etwas mehr als 50 Tests als Ersatzmethoden für Tierversuche validiert, hauptsächlich im Bereich der Sicherheitsprüfung“, erläutert Hartung. „Auch in der Pharmaforschung werden zunehmend Methoden eingesetzt, die keine Tiere verwenden: Hier ging die Zahl der Versuchstiere in Europa in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent zurück.“

Manche Tierversuche fragwürdig oder überflüssig

Allerdings gibt es immer noch Bereiche, in denen Tierversuche eingesetzt werden, obwohl ihr Nutzen fragwürdig ist. So kommt der Pyrogentest bei Kaninchen, mit dem Entzündungsreaktionen untersucht werden, inzwischen zwar seltener zum Einsatz – doch trotz alternativer Möglichkeiten wird er immer noch häufig genutzt. Auch die krebserregende Wirkung von Substanzen wird aus Mangel an Alternativen weiterhin im Tierversuch getestet – obwohl dies kaum etwas über das Krebsrisiko beim Menschen aussagt.

„Viele Versuchstiere werden auch verwendet, um menschliche Gene einzusetzen und so Erkrankungen, die nur beim Menschen vorkommen, nachzubilden“, erläutert Horst Spielmann, Professor für Pharmakologie an der Freien Universität (FU) Berlin und Tierschutzbeauftragter des Landes Berlin. „Solche Modelle haben aber für die Wirkung einer Behandlung beim Menschen oft eine geringe Aussagekraft.“

Auf der anderen Seite gibt es Fragen, die man bisher nur im Tierversuch untersuchen kann. „Wenn ein Tier über längere Zeit behandelt wird, um alle möglichen Effekte zu betrachten und so die chronische Toxizität zu untersuchen, ist das sehr schwer durch Alternativen zu ersetzen“, sagt Thomas Hartung. Auch Verhaltenseffekte könne man kaum in Zellkulturen, sondern nur am lebenden Tier beobachten.

„Möglicherweise wird es auch neue Forschungsbereiche geben, in denen sich Tierversuche als die geeignetste Methode erweisen. Auf Tierversuche ganz zu verzichten, ist daher wissenschaftlich unseriös“, sagt Spielmann. Dennoch sollte es das erklärte Ziel von Forschung und Politik sein, Tierversuche wann immer möglich durch alternative Methoden zu ersetzen, betont der Tierschutzexperte.

Originalpublikation:

Evolution of Toxicological Science: The Need for Change
Thomas Hartung

39 Wertungen (4.36 ø)

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28 Kommentare:

Neurophysiologe
Neurophysiologe

Hat schon mal jemand versucht Hören, Sehen und Riechen an einer Zellkultur zu untersuchen anstatt im intakten Organismus (Tier)?!?! Es gibt Mäuse die 1:1 dieselben Gendefekte haben wie Menschen. Anhand dieser Tiere versucht man den physiologischen Ursachen auf den Grund zu gehen und Heilmethoden zu finden. Wer gegen Tierversuche ist, Fleisch verzehrt weiß vermutlich auch nicht, daß Ferkeln im Alter von 3 Wochen OHNE NARKOSE bei lebendigen Leibe die Hoden abgezwickt werden nur damit das Fleisch besser schmeckt! Guten Appetit!

#28 |
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Hannelore Risa
Hannelore Risa

Ich weis auch nicht,
was man an dem Mikro-Kurs mit Ratten zum Wohle von verletzte Patienten auszusetzen hat,
kann das vielleicht einer erklären?
Ich kenne auch so einen Unfall mit einem Fahrrad, da ist leider nicht nur das Schlüsselbein auf einer Seite gebrochen, sondern der Arm war gelähmt.
Soll man den jetzt das Fahrradfahren verbieten?

#27 |
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Gast
Gast

Sehr modern war ja schon der Paps Innocenz II,
der Operationen ganz verboten hat.
Schon Kontakt mit Blut war verboten.
Die Zeit danach nennt man “finsteres Mittelalter”.

#26 |
  35
Gast
Gast

ja die vielen kompetenten Grünen mit den Daumen
wollen sicher die LD50 nur noch bei Menschen bestimmen ha, ha

#25 |
  35
Gast
Gast

Ich bin sicher, dass 99% der “Tierversuchgegner” keine Ahnung haben, wie sowas abläuft.
Komischerweise fehlt denen aber der Mut,
was gegen Schächten zu unternehmen.

#24 |
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Gast
Gast

die glauben ja auch, dass 0,04% CO2 in der Luft die Erde erwärmen könnte.

#23 |
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Chirurg
Chirurg

Die vielen grünen “Daumen-runter” erinnern mich an einen überzeugten “Grünen Lehrer”, den der Hausarzt wegen akuten Bauchschmerzen zu mir geschickt hatte. Seine Diagnose akute Appendizitis war nach klinischer Untersuchung korrekt, das wusste er eigentlich auch, sonst wäre er ja nicht gekommen. Trotzdem wollte er mir noch einen Vortrag über die Wunder und den Willen der Natur halten, in dessen Plan er nicht eingreifen wolle. Nun da konnte ich ihn “beruhigen” und erklären, dass ich genau wüsste, was die Natur mit ihm geplant hätte:
Das wollte er natürlich wissen:
“Sie plant Ihren Tod”, war meine ehrliche Antwort, deshalb müssen wir in den Plan der Natur eingreifen und das wäre natürlich nicht ohne seine ausdrückliche Einwilligung möglich.

mfG

#22 |
  58
Gast
Gast

Man hätte diese dummen “Grünideologen” nie wählen und an politische Macht kommen lassen dürfen.
Jetzt haben wir den Salat.
Das “Klima” wollen die ja auch “retten”
und gegen “Atom” sind sie auch.
Wo ist der Verstand und die Humanität geblieben?

#21 |
  65
Gast
Gast

@Stewie Schmidt, Sie scheinen ja richtig Spass am “Sterben von Menschen” zu haben, weil Sie wünschen, das ausgerechnet deshalb Tierversuche verboten werden sollten.

#20 |
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Neurochirurg
Neurochirurg

III das war natürlich für die externen Tierschützer auch suboptimal und man beschloss, das ganz zu verbieten.
Das Ergebnis ist naheliegend. Die guten Operateure sterben aus, die jungen Kollegen machen entweder Murks beim Menschen, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, oder diese Technik wird wegen schlechter Ergebnisse beim Menschen auch nicht mehr durchgeführt. Nervenschäden werden nicht mehr repariert. Ist Realität in der Mehrzahl.
Die erste Lebertransplantation in Deutschland (Bonn 1969) wurde übrigens auch an Ratten getestet und war operationstechnisch sofort erfolgreich. Der rel. junge Patient, ein Student, konnte die Klinik verlassen. Leider gab es später hier noch immunologische Komplikationen, die zu der Zeit noch nicht ausreichend bekannt und beherrschbar waren.
Vielleicht wird das ja auch vom grünen doccheck gelöscht

#19 |
  64
Neurochirurg
Neurochirurg

II In einem “Refresh-Kurs” mehrere Jahre später, so viele Nerventransplantationen beim Mensch gibt es nun mal nicht,
war es nicht mehr erlaubt, diese Op´s abheilen zu lassen, die Ratten mussten sofort aktiv getötet werden und wachten von der Op, bei der sie noch lebten, nicht mehr auf. Ergebnis es wurden für den gleichen Zweck doppelt so viele Ratten (oder mehr) benötigt, die alle getötet wurden.

#18 |
  65
Neurochirurg
Neurochirurg

Dazu muss ich eine traurige Geschichte erzählen von einem mikrochirurgischen Kurs unter dem Mikroskop bei Ratten, den es nicht mehr gibt.
Alles war professionell organisiert mit optimaler Tierhaltung einschl. Tierarzt, da leben die bekanntlich gesünder und länger als in der herzlosen Natur. Der kurs natürlich auch perfekt mit erfahrenem Tutor optimaler Narkose etc.pp.
Da diese Eingriffen sehr schonend sind, heilen die auch sofort, schneller als beim Mensch und man konnte das Ergebnis seiner eigenen Bemühungen schon nach einer Woche selbst nachkontrollieren und mit weiterem Training verbinden.

#17 |
  66
Gast
Gast

Wer gegen Tierversuche argumentiert spricht damit gewollt oder ungewollt FÜR Menschenversuche.
bitte nicht schon wieder löschen!!!!!!!!!!!!

#16 |
  74
Gast
Gast

@Dr. med. Ernst Walter Henrich, welche Tierversuche haben Sie denn mit ihrer großen Erfahrung genau unternommen?

#15 |
  74
Elvira M.
Elvira M.

Danke #13, endlich wird das mal deutlich gesagt!
Wer gegen Tierversuche ist, ist für Menschenversuche.
Das macht man ja nicht aus Jux und Dollerei,
ist übrigens auch enorm teuer geworden mit vielen fragwürdigen Auflagen.
Allein deshalb sind mögliche Alternativen immer willkommen.

#14 |
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Arzt
Arzt

Die übliche Grünsprech-Diktatur:
Tiere sind wichtiger als Menschen!
Ich kann es kaum noch hören.
Alles was man für Menschen tun kann ist schlecht.
Hier zeigen auch Tierärzte, die immer von der Humanmedizin profitiert haben keinerlei Solidarität mit Menschen.

#13 |
  85
Biochemiker

Obschon ich generell das Tiermodell schon deshalb kritisch sehe, da viele Krankheiten wie zB. CRC und MS vermittels unorthodoxer Methodik induziert werden, die wohl kaum die Genese der humanen Form abbilden. Dennoch gestatte ich mir den Hinweis, dass gerade die FDA sich stets aufs Tiermodell berufen hat, zB. bei der Zulassung von Aspartam, obwohl beim Tier die Methylgruppe nicht wie beim Menschen in Formaldehyd umgewandelt wird… Erst jetzt, nach der Seralini Studie, deren Dauer >90 Tage Karzinogenität sowohl bei Glyphosat wie auch bei GMOs separat nachgewiesen hat, fällt den in die Behörde umgesiedelten Monsanto Mitarbeitern ein, dass man eigentlich das Tiermodell abschaffen sollte… Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

#12 |
  6

Gute Dokumentation: “Sind Tierversuche notwendig? – Tierversuchsfreie Forschung”

Der Doku-Film: http://www.youtube.com/watch?v=m_a92xvL5is

Einige Zitate zu Tierversuchen:

„Der Mensch ist keine 70-Kilogramm-Ratte“, sagt der Toxikologe Thomas Hartung, wenn er über Tierversuche spricht.

„Egal, ob Sie mit Mäusen, Hunden oder Affen experimentieren, die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen ist nicht gegeben.“ – Dr. Dr. Christopher Anderegg (ehemaliger Tierexperimentator)

„99,7 % der Tierversuche sind nicht auf den Menschen übertragbar.“ – Prof. Dr. Tony Lindl

„Die Vivisektion(=Tierversuch) ist das schwärzeste aller schwarzen Verbrechen.“ – Mahatma Gandhi

„Wer nicht davor zurückschreckt, Tierversuche zu machen, der wird auch nicht zögern, darüber Lügen zu verbreiten.“ – George Bernard Shaw, Nobelpreisträger

„Wenn Du Tierquäler stoppen möchtest, dann beginn bei Dir selbst und werde vegan.“ – Jamison Scala

Meine Erfahrung: Tierversuche dienen in erster Linie dazu, „wissenschaftliche“ Arbeiten zur Förderung der eigenen Kariere zu generieren und um Steuergelder als Forschungsgelder von strohdummen Politikern zu erhalten, die denken, dass Tierversuche notwendig seien.

#11 |
  40
Klaus Samer
Klaus Samer

Das man versucht Tierversuche zu ersetzen wo das sinnvoll und möglich ist, ist für jeden der mit Versuchstieren beruflich zu tun hat selbstverständlich.
Die Versuche müssen durch fachkundige Gremien genehmigt werden.
Im Gegensatz zu den Tierversuchsgegnern müßen Menschen die mit Versuchstieren umgehen die entsprechenden Kenntnisse nachweisen.

Man wird mittelfristig nicht um Tierversuche in bestimmten Bereichen herumkommen.

Diejenigen die hier platt behaupten Tierversuche würden generell nix bringen sollten sich vielleicht einmal den Text von Herrn Dittrich oder den Artikel nochmal durchlesen, am besten beides.

Und ohne das eigene Thema Tierversuche, dass es Wert ist gesondert betrachtet und aufmerksam begleitet zu werden, zu bagatelliseren aber man sollte vielleicht noch eine andere Zahl betrachten :

In Deutschland werden pro Jahr 750 Millionen Tiere geschlachtet obwohl man sicherlich auch ohne täglichen Fleischkonsum überleben kann:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article123700329/Deutsche-schlachten-pro-Jahr-750-Millionen-Tiere.html

Nur um mal die Relation darzustellen.

#10 |
  16
Tierärztin

Jeder Tierarzt weiß, dass es durchaus möglich und sinnvoll sein kann, Arzneimittel für Menschen von für eine bestimmte Tierart oder auf eine andere “umzuwidmen”. Das ist immer dann nötig, wenn für die zu behandelnde Tierart keine zugelassenen Medikamente verfügbar d.h. zugelassen sind. Natürlich sollte man sowohl über die tierartlichen Unterschiede als auch über die Medikamente Bescheid wissen. Es zeigt aber auch, dass es prinzipiell schon so ist, dass ähnliche Wirkungen/Nebenwirkungen bei der einen Tierart auch bei der anderen zu erzielen sind. Ohne eine solche Umwidmung wäre die Behandlung vieler Tiere und ihrer Krankheiten in einer tierärztlichen Praxis überhaupt nicht möglich. Täglich zeigt es sich aber in den Praxen, dass es klappt. Und was ist ein Mensch sonst – außer einer anderen “Tierart”?

#9 |
  5
Gast
Gast

Ärzte gegen Tierversuche weisen gerade auf einen Kongreß hin der die Relevanz von Tierversuchsergebnissen zum Thema hat.

#8 |
  17
Gast
Gast

Wenn sich “die lästigen Tierschützer” durch Beschmieren von Uni-Gebäuden oder sonstigen Vandalismus: ja. Lästig und unnötig.
Wenn Sachen, die nicht stimmen einfach in den Raum geworfen werden und solange lautstark wiederholt bis niemand mehr Lust hat zu widersprechen: ebenfalls lästig und unnötig. Dazu zählen sicherlich Behauptungen wie z.B. dass Tierversuche Forschung behindern würden (???, niemand wird gezwungen, etwas tierexperimentell zu untersuchen) oder dass Tierversuche generell nichts bringen würden (eben bis auf die große Menge an z.B. Wirkstoffen oder Grundlagenforschung, die mit einigen Ausnahmen eben sehr wohl ganz gut vom Tiermodell auf den Menschen übertragen werden kann)
Wenn sachlich arumentiert wird, dass mit dieser oder jener Methode ein Tierversuch sinnvoll ersetzt oder reduziert werden kann redet doch auch niemand von “den lästigen Tierschützern” – zumal damit ja unter Umständen auch einfach Geld einzusparen ist.
Im übrigen steht im Artikel explizit nicht, Tierversuche seine generell unsinnig. Sowas wird dann nur von einigen Ideologen ganz schnell daraus gemacht, weil es besser in die eigene Meinungswelt passt.

#7 |
  8
Gast
Gast

Finde ich gut, dass Ihr so was bringt. Und das jetzt auch immer mehr renommierte Wissenschaftler sich für Ersatzmethoden und die Abschaffung der Tierversuche einsetzen. Ist ja noch nicht lange her und teilweise ja auch immer noch so, dass Leute, die gegen Tierversuche sind, als nicht ganz ernst zunehmende realitätsferne Hypersensibelchen abgestempelt werden. Die lästigen Tierschützer eben, auch unter Medizinstudenten gibt es noch einige die so denken, von Dozenten ganz zu schweigen.

#6 |
  17
Stewie Schmidt
Stewie Schmidt

Die Tierversuche haben leider oft genug schon bewiesen, dass sie nichts bringen.

Woher soll man denn wissen, ob der Mensch gleich, entgegengesetzt oder überhaupt nicht wie Maus, Ratte, Kaninchen oder Affe reagiert.

Das Risiko wird aber eindeutig minimiert, wenn verstärkt und ohne Tierversuche auf Alternativen geforscht wird, dies ist ja auch der Grund für die Fokussierung der Forscher auf alternativen Testmethoden, gerade in der Toxikologie – Aus Tierliebe sicherlich nicht –

Genauso wenig wissen wir, dank den Tierversuchen, heute nicht was für Medikamente oder ähnliches uns, in den letzten Jahren entgangen sind, oder erst später entwickelt wurden.

Als Beispiel wäre der Bypass, Ärzte wagten sich erst Jahrzehnte nach der Entwicklung an den Menschen, da diese Methode bei Hunden (die damals für diese Versuche herhalten mussten) nicht funktionierte, weil die Körper eigenen Venen des Hundes sich nicht für ein Bypass eignen.

#5 |
  28
Gast
Gast

@Stewie Schmidt: Das in der Zulassung nicht alle Nebenwirkungen ausgeschlossen werden können hat doch nichts mit Tierversuchen zu tun, dazwischen stehen ja noch jahrelange Studien an Menschen.
Und die Behauptung, zukunftsweisende Forschung wäre nur ohne Tierversuche möglich bzw. die indirekte Unterstellung, Wirkstoffe seien dann sicherer, ist doch aus der Luft gegriffen.
Klar kann und sollte in Bereichen, in denen das möglich ist, eine Reduktion von Tierversuchen stattfinden.
Aber sicherlich nicht von Ideologie geleitet. Und da gehört das lautstarke Geschrei nach sofortigem Verbot genauso dazu wie die nicht weiter belegte Behauptung, Forschung mit Tierversuchen sei generell unsinnig und schlecht.

#4 |
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Stewie Schmidt
Stewie Schmidt

Jedes Jahr werden alleine in Deutschland ca. 210 000 Menschen, wegen akuten medikamenten Nebenwirkungen ins Krankenhaus eingeliefert, von denen dann im Schnitt 58 000 sterben.

(Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR))

Wenn die präklinische Phase, so zuverlässig wäre, würden die Zahlen weit aus weniger Geschädigte vorweisen.

Alleine schon die jüngsten medikamenten Skandale, wie z.B Vioxx, Lippobay und TGN 1412, kräftigen diese Aussage.

Wir müssen den Weg für eine zukunftsweisende Forschung frei machen und den Tierversuch endlich hinter uns lassen und ihn als das erkennen was er ist, nämlich ein Relikt aus der Steinzeit.

Ich habe mich neulich mit einem Arzt über die Forschung unterhalten und er meinte dazu:

Man kann nicht nur auf Tierversuche verzichten, sondern man muss auf Tierversuche verzichten, um den medizinischen Fortschritt nicht aufzuhalten.
Die heutige Auflehnung gegen Tierversuche hat nicht nur noch tierschützerische Ursachen mehr, wir müssen von einer wissenschaftlichen Auflehnung sprechen.

#3 |
  30
Lars Dittrich
Lars Dittrich

“So fallen 92 bis 95 Prozent der Wirkstoffe, die in Tierversuchen erfolgversprechend erscheinen, in Studien am Menschen durch.” Das kommt darauf an, was sie mit “erfolgsversprechend” meinen. In den toxikologischen Tierversuchen, auf die sich diese Statistik bezieht, wird lediglich getestet, ob ein Wirkstoff sicher genug ist, ihn an Menschen zu testen. Dass das sehr gut funktioniert, sehen Sie daran, dass Sie aus den letzten Jahrzehnten nur zwei Faelle zitieren konnten, in denen Probanden in Phase-1 Studien ernsthaft geschaedigt wurden, trotz der abertausenden solcher Studien, die im gleichen Zeitraum durchgefuehrt wurden. Es passiert oft, dass Hinweise auf eine Nebenwirkung im Tierversuch erkannt werden, und der Wirkstoff trotzdem am Menschen getestet wird. Eben in ausreichend niedriger Dosierung. Wenn der dann aussortiert wird, weil die Nebenwirkung doch zu hoch ist, um von der Wirkung gerechtfertigt zu werden, kann man wohl kaum von einem Versagen des Tierversuchs sprechen. Der hat die Nebenwirkung ja vorausgesagt. Daher ist die von ihnen nahegelegte Interpretation, die Uebertragbarkeit von Tieren auf Menschen sei nur 5-8%, einfach falsch. Nebenwirkungen, die in klinischen Studien auftreten, decken sich zu 71% mit den vorklinischen Ergebnissen (Olson et al. 2000, PMID: 11029269). Klinisch relevante Nebenwirkungen zugelassener Medikamente sind zu 81% aus der Vorklinik vorhersagbar (tamaki et al. 2013, PMID: 23824014).

#2 |
  3
Lars Dittrich
Lars Dittrich

Sehr missverstaendlich formuliert: “Solche Verfahren könnten nicht nur die Zahl der Versuchstiere reduzieren. Sie könnten auch die Wirkungen und Gefahren einer Substanz beim Menschen wesentlich genauer vorhersagen.” Das liest sich, als waere das alles der Fall, wenn man diese Methoden nur benutzen wuerde. In Wirklichkeit ist das “koennte” als eine Spekulation zu verstehen. Es ist unsere Hoffnung, dass in Zukunft neue tierfreie Methoden das alles leisten koennen. Aber das ist abzuwarten. Und bis dahin muessen wir weiter auf Tierversuche zurueckgreifen, wenn wir nicht die Gesundheit der Patienten von morgen aufs Spiel setzen wollen.

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