Krebszellen den Boden unter den Füßen wegziehen

17. Mai 2016
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Bei etwa 30 Prozent der AML-Patienten beschleunigt eine Mutation im Enzym FLT3 den Krankheitsverlauf. Nun wurden AML-Krebszellen, die diese Mutation aufweisen, gezielt abgetötet – mit einem Wirkstoff gegen Brustkrebs. Klinische Studien sind schon in Planung.

Die krebsfördernde Wirkung vom FLT3-Enzym bei AML-Patienten (Akute myeloische Leukämie) ist bekannt. Laut Iris Uras vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Vetmeduni Vienna sind bei einer Unterform von AML die Krebszellen vollständig abhängig von der Wirkung von FLT3. Wird FLT3 blockiert, stirbt die Krebszelle ab.

Es gibt deshalb auch Medikamente, die die Wirkung des Enzyms bremsen. Durch diese Wirkstoffe wird die Teilung der Krebszellen allerdings nur abgeschwächt. „Möglich ist, dass die Funktion von FLT3 nicht vollständig unterbunden ist, oder dass sich eine Abwehr gegen den Wirkstoff entwickelt“, erklärt Uras.

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Krebszellen wachsen sehr schnell und bilden Aggregate im Zellkulturversuch. © Iris Uras/Vetmeduni Vienna

Brustkrebsmedikament blockiert wichtigen Einflussfaktor

Die Erstautorin fand in ihrer Studie einen möglichen, neuen Therapieansatz für diese speziellen AML-Patienten. Sie zeigte, dass ein weiterer, krebsfördernder Faktor, der Wachstumsregulator CDK6, das mutierte FLT3 direkt beeinflusst. Die FLT3-Produktion wird von CDK6 sozusagen angetrieben und gesteuert. Der Wachstumsregulator CDK6 spielt bei Brustkrebs eine entscheidende Rolle.

Die Entwicklung von Wirkstoffen gegen CDK6 ist dementsprechend weit vorangeschritten. In Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg, zeigte Uras nun zum ersten Mal, dass einer dieser Wirkstoffe, ein Brustkrebsmedikament, gleichzeitig gegen CDK6 und damit auch gegen FLT3 wirkt. Entfernt man CDK6 aus den Tumorzellen, verschwindet auch FLT3 und die Zelle kann nicht überleben.

Durch die Behandlung mit dem Brustkrebsmedikament wird den Zellen FLT3 vorenthalten und sie sterben ab. © Iris Uras/Vetmeduni Vienna

Durch die Behandlung mit dem Brustkrebsmedikament wird den Zellen FLT3 vorenthalten und sie sterben ab. © Iris Uras/Vetmeduni Vienna

„Wir haben einen Therapieansatz entdeckt, der die Abhängigkeit der Krebszelle von Faktoren ausnutzt, die das Wachstum regulieren“, sagt Uras. „Durch den Wirkstoff aus der Brustkrebstherapie wird den Krebszellen sozusagen der Boden weggezogen.“ In den Versuchen starben AML-Krebszellen mit der Mutation in FLT3 sofort ab. Auf Zellen ohne Mutation wirkt sich der Wirkstoff nicht aus.

Wirkstoff bereits zugelassen

Der verwendete Wirkstoff aus der Brustkrebstherapie verdoppelt die Lebenserwartung der Brustkrebspatientinnen und wurde 2015 zugelassen. Das erlaubt nun die rasche Planung klinischer Studien und verkürzt damit die sonst üblichen langen Zeiten, bis ein Medikament verwendet werden darf. Eine Kombination mit Medikamenten, die FLT3-Aktivität direkt blockieren, erwies sich als zielführend. „Dadurch beschießen wir FLT3 von zwei Seiten“, sagt Uras. „Wir blocken die Produktion und hemmen die Aktivität.“ Eine Kombinationstherapie könnte einen Durchbruch für viele Leukämiekranke bedeuten.

Originalpublikation:

Palbociclib treatment of FLT3-ITD+ AML cells uncovers a kinase-dependent transcriptional regulation of FLT3 and PIM1 by CDK6
Iris Uras et al.; Blood, doi: 10.1182/blood-2015-11-683581

; 2016

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1 Kommentar:

Weitere medizinische Berufe

Dieser Ansatz klingt vielversprechend; hoffentlich hält das Medikament dann sowohl bei Brustkrebs als auch bei AML sein Versprechen.

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