Lipidwerte: Auch satt läuft die Messung glatt

13. Mai 2016
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Geht es um die routinemäßige Bestimmung von Lipiden, müssen Patienten nicht mehr nüchtern zur Blutentnahme erscheinen. Davon profitieren alle Beteiligten, vor allem auch die Labore. Nur in wenigen Ausnahmefällen sollte der alte Ratschlag beherzigt werden.

Bisher weisen Health Professionals in vielen europäischen Ländern Patienten darauf hin, vor einer geplanten Lipidbestimmung acht Stunden lang nichts zu essen. Experten der European Atherosclerosis Society (EAS) und der European Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine (EFLM) haben jetzt ein gemeinsames Konsensuspapier verabschiedet. Darin stellen sie die Praxis infrage – mit wenigen Ausnahmen.

Angenehmer für Patienten

Børge G. Nordestgaard von der Universität Kopenhagen schreibt, nur in speziellen Situationen oder bei auffällig hohen Plasmatriglyzerid-Konzentrationen von mehr als 5 mmol / l seien Blutabnahmen in nüchternem Zustand erforderlich – ansonsten jedoch nicht. Vom Verzicht würden vor allem ältere, multimorbide Patienten profitieren, beispielsweise Diabetiker. Auch seien Messungen nicht am frühen Vormittag erforderlich, was Labormitarbeiter entlasten würde. Zur Begründung verweist Nordestgaard auf diverse Kohorten- und Registerstudien. Es zeigte sich, dass Nahrungsmittel – von extrem fetten Speisen abgesehen – das  Lipidprofil deutlich geringer beeinflussen als früher vermutet. Die Änderungen seien „klinisch nicht signifikant“, argumentiert der Forscher. Unter realen Bedingungen gemessene Werte würden das kardiovaskuläre Risiko sogar besser abbilden.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Als Grenzwerte sieht Børge G. Nordestgaard bei Triglyzeriden 2 mmol / l (175 mg / dl), beim Gesamtcholesterin 5 mmol / l (190 mg / dl), beim LDL-Cholesterin 3 mmol / l (115 mg / dl) und beim HDL-Cholesterin 1 mmol / l (40 mg / dl). Liegt der Triglyzeridwert über 5 mmol / l (440 mg / dl) rät er zur Nüchternblutfettmessung. Das gilt auch bei genetisch bedingten Stoffwechselerkrankungen oder bei Pharmakotherapien, die Hypertriglyzeridämie auslösen könnten. Der Forscher nennt Steroide, Östrogene oder Retinsäure als wichtige Beispiele. Auch bei schweren Grunderkrankungen kann das alte Prinzip sinnvoll sein. Ansonsten will er Patienten nach Möglichkeit schonen.

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Forschung, Pharmazie

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1 Kommentar:

Dr. med. Michael Traub
Dr. med. Michael Traub

Meinem verehrten Herrn Prof. Peter Schwandt, dem Münchner Fettstoffwechsel-Papst,
war immer klar, daß die Blutfettwerte nicht nüchtern abgenommen werden können. Analog
der Zuckerbelastung setzte er deswegen bei seinen Untersuchungen standardisierte Provokationsmahlzeiten ein, um die wissenschaftliche Vergleichbarkeit der Werte zu verbessern.

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