Gummihand-Effekt: Das Smartphone in dir

18. Mai 2016
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Ein Experiment zeigt nun, dass das psychologische Phänomen des „Gummihand-Effekts“ auf das Smartphone übertragbar ist. Dieses kann folglich in das körperliche Ich integriert werden. Das Ausmaß sei hierbei von der Intensität des Gebrauchs abhängig.

Eine Hand aus Gummi fühlt sich so an, als gehöre sie zum eigenen Körper. Was kaum vorstellbar klingt, ist eine in der Psychologie bekannte Illusion, die sich mit einem geschickten Versuchsaufbau erzeugen lässt. Psychologen aus Deutschland und den Niederlanden zeigten nun erstmals, dass Testpersonen auch ihre eigenen Smartphones in ihr körperliches Ich integrieren. Ob ein Gegenstand als dem Körper zugehörig empfunden wird, hängt also nicht nur davon ab, ob er eine ähnliche Form hat wie eine menschliche Hand. Auch das Ausmaß des Gebrauchs dieses Gegenstandes scheint eine wichtige Rolle zu spielen.

„Dahinter steht die Frage, wie flexibel das Gehirn ist und ob der tägliche Umgang mit modernen technischen Geräten langfristig zur Eingliederung solcher Geräte in das eigene Körperschema führt“, erklärt Dr. Roman Liepelt vom Institut für Psychologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Forscher adaptierten den Versuchsaufbau der „Gummihand-Illusion“.

Dabei legt die Versuchsperson ihre linke Hand auf einen Tisch. Die eigene Hand wird abgeschirmt, sodass die Person sie nicht sieht. Neben der verborgenen eigenen Hand platzierten die Forscher eine Gummihand, das Smartphone der Versuchsperson, eine Computermaus oder einen Smartphone-förmigen Holzklotz. Die eigene, nicht sichtbare Hand und das sichtbare künstliche Objekt wurden dann für einige Minuten synchron oder asynchron mit einem Pinsel gestreichelt. Dass die Versuchsperson zeitgleich fühlt, wie die eigene Hand gestreichelt wird und sieht, wie das Objekt synchron berührt wird, erzeugt bei ihr das Gefühl, das Objekt gehöre zum eigenen Körper – beide Informationen verschmelzen dabei zu einer Wahrnehmung.

Nur das Smartphone mit vollständigem Effekt

Um die Empfindungen der Testpersonen zu messen, setzten die Forscher einen Fragebogen ein. Außerdem fragten sie einen weiteren zentralen Aspekt der Gummihand-Illusion ab: das Gefühl, die nicht sichtbare eigene Hand verschiebe sich räumlich in Richtung der Gummihand („propriozeptiver Drift“). Bei synchroner Stimulation empfanden die Versuchspersonen alle Objekte stärker als dem eigenen Körper zugehörig. Mit anderen Worten: Der subjektiv gefühlte „Gummihand-Effekt“ ließ sich auch mit einem Smartphone, einer Computermaus und einem Smartphone-förmigen Holzklotz erzeugen. Die scheinbare räumliche Verschiebung der eigenen nicht sichtbaren Hand hin zum sichtbaren Objekt trat jedoch nur bei der Gummihand und beim Smartphone auf, nicht aber bei der Computer-Maus und beim Holzblock. Nur das eigene Smartphone erzeugte also eine ähnlich vollständige Illusion wie die Gummihand.

Multisensorische Integration ist entscheidend

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass unser körperliches Selbst viel flexibler und plastischer ist, als früher angenommen wurde“, erklärt Liepelt. „Denn ein Smartphone, das einer menschlichen Hand ganz und gar nicht ähnlich sieht, erzeugte in unserem Versuch eine ähnlich starke Illusion wie eine künstliche Hand. Vermutlich spielt dabei eine zentrale Rolle, dass die Versuchspersonen in der Vergangenheit ausgiebige Erfahrungen damit hatten, das Smartphone zu kontrollieren.“

Entscheidend sei die multisensorische Integration. „Wir schauen täglich auf unser Smartphone und fühlen gleichzeitig, wie wir es bedienen“, sagt Bernhard Hommel von der Universität Leiden. „Eine Kombination aus Fühlen, Sehen und vergangener Erfahrung sorgt wahrscheinlich dafür, dass wir bestimmte Objekte in unser Körperschema integrieren.“ Wie weit die Flexibilität des körperlichen Ichs geht, müsse in weiteren Studien überprüft werden, so die Forscher.

Originalpublikation:

Self-perception beyond the body: the role of past agency.
Roman Liepelt et al.; Psychological Research, doi: 10.1007/s00426-016-0766-1; 2016

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2 Kommentare:

Gast
Gast

Das würde im Umkehrschluss bedeuten, das Smartphone wegzulegen gleicht einer Amputation…

#2 |
  0
Arzt
Arzt

essen sie das tatsächlich?
igit

#1 |
  0


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