Fasten für die Skinny-Leber

12. Mai 2016
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Je größer der Hunger, desto mehr wird von dem Protein GADD45β in der Leber produziert. Das Molekül reguliert die Fettsäureaufnahme und verhindert das Entstehen einer Fettleber. Diese Erkenntnis erklärt erstmals die positiven Auswirkungen des Fastens auf den Stoffwechsel.

Die steigende Zahl an übergewichtigen Menschen entwickelt sich schon seit Jahren zu einem drängenden Problem in der Gesellschaft. Insbesondere die dadurch verursachten Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes und entsprechende Folgeerkrankungen können schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen haben. Eine reduzierte Aufnahme von Kalorien, etwa im Rahmen einer Intervallfastenkur, kann helfen, den Stoffwechsel wieder auf Vordermann zu bringen – aber warum eigentlich?

Diese Frage wollten Prof. Dr. Stephan Herzig, Direktor des Instituts für Diabetes und Krebs (IDC) am Helmholtz Zentrum München, und Dr. Adam J. Rose vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ), beantworten. „Wenn wir verstehen, wie das Fasten unseren Stoffwechsel beeinflusst, könnten wir versuchen, diesen Effekt therapeutisch herbeizuführen“, so Herzig.

GADD45ß-Protein steuert Fettsäureaufnahme

In der aktuellen Studie suchten die Wissenschaftler nach fastenbedingten Unterschieden in der Genaktivität von Leberzellen. Mithilfe so genannter transcript arrays konnten sie zeigen, dass speziell das Gen für das Protein GADD45β je nach Ernährung unterschiedlich oft abgelesen wurde: Je mehr Hunger, desto öfter produzierten die Zellen das Molekül, dessen Bezeichnung eine Abkürzung für das englische ‘Growth Arrest and DNA Damage-inducible’ ist. Wie der Name sagt, war das Molekül bis jetzt im Zusammenhang mit der Reparatur von Schäden am Erbgut und dem Zellzyklus bekannt und nicht aus der Stoffwechselbiologie.

Anschließende Modellversuche ergaben, dass GADD45β dafür zuständig ist, die Fettsäureaufnahme in der Leber zu steuern. Mäuse, denen das Gen fehlte, entwickelten leichter eine Fettleber. Stellte man das Protein aber wieder her, so normalisierte sich der Fettgehalt der Leber. Zudem verbesserte sich der Zuckerstoffwechsel. Auch beim Menschen konnten die Wissenschaftler das Ergebnis bestätigen: Niedrige GADD45β-Spiegel gingen mit einer erhöhten Fettanreicherung in der Leber und einem erhöhten Blutzuckerspiegel einher.

Eingriff in Fett- und Zuckerstoffwechsel

„Der durch das Fasten verursachte Stress auf die Zellen der Leber scheint also die Produktion von GADD45β anzukurbeln, was dann den Stoffwechsel an die geringe Nahrungsaufnahme anpasst“, fasst Herzig zusammen. Die neuen Ergebnisse wollen die Forscher nun nutzen, um therapeutisch in den Fett- und Zuckerstoffwechsel einzugreifen und die positiven Effekte von Nahrungsentzug mit Wirkstoffen nachzuahmen.

Originalpublikation:

Fasting‐induced liver GADD45β restrains hepatic fatty acid uptake and improves metabolic health
Jessica Fuhrmeister et al.; EMBO Molecular Medicine, doi: 10.15252/emmm.201505801; 2016

29 Wertungen (4.76 ø)
Diabetologie, Medizin

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6 Kommentare:

Medizinjournalist

Nachahmen ! ?

#6 |
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Studentin der Pharmazie

In beide Richtungen….falsch! Was nun? Doch der Mittelweg…

#5 |
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Studentin der Pharmazie

Frau Chiappa, da gebe ich Ihnen recht! Hatte mit einer Anorexie-Patientin zu tun, die ebenso an einer Fettleber entwickelte…..

#4 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

So “erstmalig” sind diese Erkenntnisse und Erklärungen überhaupt nicht.

Man recherchiere mal die Forschernamen Mark P. Mattson, Christiaan Leeuwenburgh, Daniel Klionsky, dazu die Begriffe Autophagie und “Intermittierendes Fasten”. Ein Riesenforschungsgebiet seit mehreren Jahren.
Dabei geht es nicht primär ums Abnehmen bei Übergewicht.
Es geht auch nicht nur um die Leber, sondern besonders auch um Muskelzellen und Gehirn.

#3 |
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dipl. oec.troph. Andrea Chiappa
dipl. oec.troph. Andrea Chiappa

Auch schlanke Menschen koennen innerlich (Leber)verfetten.. TOFI, thin-outside fat-inside Menschen sind hinreichend bekannt. Und richtig durchgeführt und in Kombination mit einem entsprechenden Schulungsprogramm kann eine Gesundheitsfastenkur auch einen gesundheitsorientierten Lebensstil herbeiführen. Das zeigt u.a. die Gesundheitsfastenstudie der Deutschen Fastenakademie und Prof. Hottenrott vom ILUG-Institut an der Uni Halle-Wittenberg.

#2 |
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Dipl. Psychologe Rainer Keller
Dipl. Psychologe Rainer Keller

Das zielt alles immer nur auf die Gruppe der Übergewichtigen ab. Diabetes und Fettleber haben aber auch sehr schlanke Menschen. Wie passt das ins Konzept ? Sollen die auch Fasten [und noch mehr abnehmen] ???
Dass der Körper Stress hat, wenn er seine gewohnten Rationen nicht bekommen, ist nachvollziehbar, doch warum sollten die Zellen nicht ins allte Muster zurückkehren, wenn alles wieder “normal” läuft. Ob Fasten wirklich etwas Positives ist, bleibt dahingestellt. Der Stress, den es erzeugt, ist real. Und wer kennt nicht die Übellaune der Mitmenschen, die nichts im Magen haben… von denen, die Fasten, ganz abgesehen….

#1 |
  5


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