Kein Hochmut vor dem Schlaganfall

9. Mai 2016
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Die transitorische ischämische Attacke (TIA) führt in jedem fünften Fall zu einem größeren Schlaganfall. Sogenannte Stroke Units in Kliniken dienen der Erkennung möglicher Ursachen eines TIA und können so das Risiko für einen weiteren, oft tödlichen Schlaganfall verringern.

Von den jährlich etwa 270.000 Schlaganfällen ist etwa ein Viertel leicht, die Symptome sind flüchtig und die Patienten erholen sich innerhalb von 24 Stunden vollständig von den neurologischen Ausfällen. Die Gefahr ist damit jedoch nicht vorüber. „Etwa 20 Prozent der Betroffenen erleiden innerhalb der nächsten drei Monate einen großen Schlaganfall, der zu bleibenden Behinderungen oder häufig zum Tod führt“, warnt Professor Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Klinik der Asklepios Klinik Altona.

Die Transitorische ischämische Attacke (TIA) und der Schlaganfall haben nämlich die gleichen Ursachen, die nach dem Abklingen der Symptome weiter bestehen. „Ein Schlaganfall ist jedoch kein unabwendbares Schicksal, und eine TIA sollte immer Anlass sein, nach den Gründen zu suchen, um diese abzustellen“, sagt Professor Röther, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).

„Stroke Units” als bester Ort für Behandlungen

Die Symptomatik wird aber in bis zu einem Viertel der Fälle durch den erstbehandelnden Arzt nicht als TIA erkannt. Damit steigt das Risiko für den Patienten, einen schweren Schlaganfall zu erleiden. Der beste Ort für die Behandlungen sind Stroke Units, Spezialabteilungen zur Behandlung von Schlaganfällen, die in den letzten Jahren von vielen Kliniken eingerichtet wurden. An diesen Abteilungen werden nicht nur Schlaganfälle behandelt, die Ärzte sind auch darauf vorbereitet, die Ursachen, die zur TIA geführt haben, zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

„In den ersten Tagen nach einer TIA ist das Risiko eines Schlaganfalls mit bleibenden Folgen besonders hoch, sodass die Patienten auf der Stroke Unit besonders intensiv ‚monitorisiert‘, also beobachtet werden müssen“, betont Professor Dr. med. Otto Busse, Geschäftsführer der DSG.

Check-Ups mit regelmäßigem Langzeit-EKG

„Wir führen bei allen Patienten eine Computertomographie oder eine Kernspintomographie durch, um das Ausmaß der Schäden zu beurteilen“, sagt Professor Röther. „Eine Ultraschalluntersuchung zeigt, ob gefährliche Engstellen an den Halsgefäßen, Carotisstenosen, vorhanden sind“, fährt Röther fort: „Zum Check-Up gehört neben Blutdruckmessung und Analyse der Blutfette sowie des Blutzuckers auch regelmäßig ein Langzeit-EKG, da ein Vorhofflimmern zur Bildung von Blutgerinnseln im Herzen führt, die ins Gehirn driften und dann einen Schlaganfall auslösen können. In einer Ultraschalluntersuchung des Herzens werden diese Gerinnsel gelegentlich sichtbar.“ Danach entscheiden die Ärzte, welche Therapie der Patient zur Vorbeugung erhalten soll, beispielsweise Medikamente zur Blutverdünnung.

Rechtzeitige Therapien senken Schlanganfall-Risiko

Wie erfolgreich eine intensive Betreuung der Betroffenen sein kann, zeigen die Ergebnisse eines internationalen TIA-Registers. „Fast 80 Prozent der Patienten waren innerhalb von 24 Stunden nach Einsetzen der Symptome von Schlaganfall-Neurologen diagnostiziert und behandelt worden“, sagt Professor Röther: „Im Fall eines Vorhofflimmerns erhielten die Patienten gerinnungshemmende Medikamente. Carotisstenosen wurden je nach Schweregrad behandelt und ein zu hoher Bluthochdruck gesenkt.“

In den ersten drei Monaten nach der TIA erlitten nur 3,7 % der Patienten einen Schlaganfall – deutlich weniger als aufgrund des Schweregrades der Erkrankung zu erwarten gewesen wäre. Nach einem Jahr waren es 5,1 %. Bereits frühere Studien hatten gezeigt, dass eine rechtzeitige und intensive Therapie von Patienten nach TIA das Risiko für einen nachfolgenden großen Schlaganfall innerhalb von 90 Tagen um bis zu 80 % senken kann. „Diese erfreuliche Verringerung des Schlaganfallrisikos bei rascher Abklärung und Behandlung einer TIA trifft auch auf Deutschland zu“, bestätigt Professor Röther.

Symptome erkennnen und sofort behandeln

„Das Stroke Unit-Konzept, das wir vor bald 20 Jahren entwickelt haben, hat in Deutschland zu einer sehr guten Versorgungssituation beigetragen“, betont Professor Busse. Wichtig sei es aber, die Symptome des leichten Schlaganfalls zu erkennen und sofort zu handeln. „Wenn beispielsweise ein Auge kurzzeitig erblindet, eine Sprachstörung auftritt oder ein Arm, Bein oder eine Gesichtshälfte gelähmt sind, muss umgehend der Notruf gewählt werden.“ Der kleine Schlaganfall ist alles andere als harmlos. Er ist ein echter Notfall und muss dementsprechend sofort behandelt werden.

Originalpublikation:

One-Year Risk of Stroke after Transient Ischemic Attack or Minor Stroke
Pierre Amarenco et al.; The New England Journal of Medicine, doi: 10.1056/NEJMoa1412981; 2016

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