Wenn der Zahnstocher in den falschen Hals gerät

9. Mai 2016
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Löffel, Käsepieker, Batterie – was tun bei verschluckten Gegenständen? Wird ein Arzt mit einem solchen Fall konfrontiert, muss er schnell und klug handeln. Hilfe zur Diagnose, Bergung des Gegenstands und Therapie gibt dabei eine europäische Leitlinie.

Kann man einen Löffel verschlucken? Einen Käsepieker? Sogar eine Rasierklinge? Ja, man kann. Unklar war bisher häufig, was genau ein Arzt in solchen Fällen tun sollte: Abwarten, den Gegenstand endoskopisch entfernen oder gar operieren? Bei einer verschluckten Knopfbatterie muss sofort gehandelt werden, bei einer kleinen Murmel nicht unbedingt.

Jetzt haben Wissenschaftler aus ganz Europa unter Federführung der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin I für die Europäische Fachgesellschaft (European Society of Gatrointestinal Endoscopy, ESGE) eine Leitlinie zu dem Thema veröffentlicht. Sie gibt nach Auswertung der zur Verfügung stehenden internationalen Fachliteratur Diagnose- und Therapieempfehlungen.

Empfehlungs-Leitlinie

Nicht nur Kinder, auch Erwachsene, vor allem ältere Menschen, verschlucken Gegenstände. Von 100.000 Menschen trifft dies jährlich rund 13 Personen, schätzen die Wissenschaftler. „Häufig werden Gebissteile oder ungeeignete Bestandteile des Essens verschluckt, beispielsweise ein zu großes Stück Steak vom Grill oder Fischgräten. Wir haben aber auch Patienten, die eine Glasscherbe verschlucken oder mit Käse und Traube zusammen den spitzen Plastikpieker“, berichtet Prof. Dr. Alexander Meining von der Ulmer Universitätsklinik. „Ein besonderer Fall sind Menschen mit psychischen Erkrankungen, die absichtlich Gegenstände verschlucken, vom langen Eislöffel bis hin zu Pflaster oder Rasierklingen“, so Meining. Die neue Leitlinie gibt Empfehlungen zum passenden Diagnoseverfahren, zur Dringlichkeit und zu den verschiedenen Bergungsmöglichkeiten.

„Wenn jemand eine Knopfbatterie verschluckt, muss der Arzt sofort handeln, denn durch elektrische oder chemische Reaktionen können die Magen- oder Darmschleimhäute geschädigt werden. Auch Magneten müssen sofort entfernt werden, da sie mit ihrer Anziehungskraft beispielsweise zwei Darmschlingen zusammenkleben und verletzen können“, so Meining. Auch scharfe und große Gegenstände müssen lokalisiert und je nach Lage entfernt werden. Dazu gibt es spezielle endoskopische Instrumente mit verschiedenen Greifarmen, mit Schlingen oder Körbchen zum Schutz des umgebenden Gewebes.

Gegenstands-Double mitbringen

Sitzt ein ungefährlicher Gegenstand noch vor dem Magen, lässt er sich mitunter in den Magen hineinschieben. Im Extremfall muss ein Gegenstand durch eine Operation entfernt werden. „Wichtig ist auch zu wissen, wann man nichts unternehmen, sondern nur beobachten muss, nämlich im Regelfall bei kleineren stumpfen Gegenständen“, erläutert Meining. Für Betroffene gilt: Wer etwas Ungenießbares verschluckt, sollte wenn möglich einen identischen Gegenstand, also beispielsweise noch einen Käsepieker, mit zum Arzt bringen. Das erleichtert Diagnose und Therapie.

Originalpublikation:

Removal of foreign bodies in the upper gastrointestinal tract in adults: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Clinical Guideline.
Michael Birk et al.; Endoscopy, doi: 10.1055/s-0042-100456; 2016

33 Wertungen (3.21 ø)

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9 Kommentare:

@#8: Daß der Kommentar #8 besonders aussagekräftig ist, lässt sich m. E. Nicht sagen. Eben

#9 |
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Julia Krämer
Julia Krämer

Nichtssagend und Null Information.Zeitverschwendung und gar nichts Neues.Gähn!

#8 |
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@#4/5: Das mit dem Englisch stinkt mir auch. Habe das schon anläßlich der Kommentierung anderer Artikel bei der DocCheck-News Redaktion moniert.
Dort scheint man ziemlich beratungsresistent zu sein.

#7 |
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Arzt
Arzt

Sehr schöne Sammlung verehrter HNO-Arzt,
auch der Urologe und Proktologe hat seine Sammlung, was er da alles in Blase und Rektum schon entfern hat,
ich erinnere mich da an eine Tonvase im Rektum, die der “Notfallpatient”, ein junger Mann, selbst nicht mehr rausbekommen hat,
fragen Sie mich nicht, wie er die da rein bekommen hat. Sie musste durch den Chirurg erst vorsichtig zertrümmert werden, bevor man sie stückweise extrahiere konnte.
Und bei Ihrem schönen Röntgenbild ist auch der Bauchchirurg gefragt, wie bei allem, was komplett runter gerutscht ist und meist auch noch locker den Magen passiert aber dann halt im Dünndarm hängen bleibt (Perforation, Peritonitis).
Ich erinnere mich da an eine ältere Dame (Gebissträgerin), die hatte mit dem ragout fin aus der Dose gleich ein Stück vom Blech der Konservendose verschluckt, das dann zur Dünndarmperforation geführt hatte.

Gruß

#6 |
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Arzt
Arzt

#4 völlig richtig, wer nur ein bischen über Sicherheitsregeln im Medizinbetrieb informiert ist (MPG, MPBetr.V), weis dass hier die deutsche Sprache gesetzlich vorgeschrieben ist (Gerätebuch). Und das ist auch verdammt sinnvoll.

#5 |
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Gast
Gast

gilt leider nicht für Deutschland, da in Englisch.

#4 |
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@Bettina: Danke, ich vermute aber, die HNO-Ärtztin hätte sich zu erkennen gegeben und wäre sicher dabei geblieben.
Selbst HNO-Ärztin ?

#3 |
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Dr. Bettina Kunze
Dr. Bettina Kunze

Danke, Rolf, für den exzellenten Artikel. Aber, muss man wirklich die Mutter rausschicken? Was, wenn sie die HNO Ärztin ist???

#2 |
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http://news.doccheck.com/de/575/aus-dem-hno-nahkastchen/

Hier nachzulesen,was ich bereits im Mai 2012 zu diesem Thema bei DocChek-News veröffentlicht habe.
Erstaunlich, daß Internisten jetzt auch darauf gekommen sind.

#1 |
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