Entlassrezepte: Aus der Klinik, aus dem Sinn

10. Mai 2016
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Eigentlich sollten GKV-Patienten schon seit Januar nach stationärer Behandlung Entlassrezepte erhalten. Doch wieder einmal steckt der Teufel im Detail: Ärzte und die KBV konnten sich nicht einigen. Jetzt hoffen alle Beteiligten auf die Schiedsstelle.

Mit seinem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz verfolgt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) große Pläne. Ihm geht es nicht nur um Servicestellen für Facharzttermine oder um Verbesserungen bei der flächendeckenden medizinischen Versorgung. Schnittstellen sind ebenfalls ein zentrales Thema. „Die Krankenhausbehandlung umfasst ein Entlassmanagement zur Unterstützung einer sektorenübergreifenden Versorgung der Versicherten beim Übergang in die Versorgung nach Krankenhausbehandlung“, heißt es dazu im Bundesgesetzblatt.

Umfangreiche Vorbereitungen

Bislang sahen sich Apotheker mit der Situation konfrontiert, dass Patienten am Wochenende mit ihrem Arztbrief in der Offizin aufschlugen und um Medikamente baten. Lege artis blieb Kollegen nur der Hinweis auf dienstbereite Arztpraxen. Gröhes Ziel ist, dass Kliniken Medikamente, aber auch Hilfsmittel, für bis zu sieben Tage verordnen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat bereits eine Arzneimittel-Richtlinie vorbereitet. Schön und gut – nur konnten sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband nicht auf einen Rahmenvertrag verständigen.

Formalien mit Konfliktpotenzial

Ihr Zwist entzündete sich bei der Frage, ob Klinikärzte eher Verordnungen ausstellen oder Präparate mitgeben sollten. Im Beschlusstext des G-BA heißt es dazu: „Vor einer Verordnung von Arzneimitteln nach § 39 Abs. 1a SGB V hat das Krankenhaus zu prüfen, ob für die Versorgung der oder des Versicherten mit Arzneimitteln unmittelbar nach der Entlassung eine Verordnung erforderlich ist. (…) Sofern auf die Entlassung der oder des Versicherten ein Wochenende oder ein Feiertag folgt, kann die Sicherstellung auch durch Mitgabe der für die Versorgung erforderlichen Arzneimittel nach § 14 Abs. 7 ApoG erfolgen. Dabei ist die Mitgabe nach § 14 Abs. 7 ApoG insbesondere dann vorrangig, wenn die medikamentöse Behandlung durch die Reichweite der mitgegebenen Arzneimittel abgeschlossen werden kann.“ Das sehen DKG-Funktionäre anders. Sie fordern, vorrangig Rezepte auszustellen und erst in zweiter Linie Präparate mitzugeben. Muster-16-Vordrucke wären nach diesem Modell nur drei Werktage gültig. Unterläuft Ärzten dabei ein Fehler, müssen Patienten zurück in ihr Krankenhaus. Änderungsmöglichkeiten nach telefonischer Rücksprache der Apotheke hat der G-BA nicht vorgesehen. DKG-Experten ärgern sich auch über die Pflichtangabe eines verantwortlichen Arztes und über lebenslange KV-Nummern für alle Ärzte der Klinik, um Rezepte auszustellen.

Hilfe von der Schiedsstelle

Allen Beteiligten bleibt nur, wie im Gesetz vorgesehen, die unparteiische Schiedsstelle anzurufen. Bislang hat sich der Bundesgesundheitsminister noch nicht zu dem Meinungsverschiedenheiten geäußert.

6 Wertungen (4.67 ø)

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2 Kommentare:

Arzt
Arzt

Es ist nun mal so, dass nur der aktuell behandelnde Arzt zu entscheiden hat wie behandelt wird, also gerade auch der Medikamenteneinsatz.
Und dass Ärzte nun mal nicht machen können was sie wollen, ist erkennbar nicht ihnen zuzuschreiben, sondern dem “System”, also das was die Politiker und die AOK vorschreibt. Der ferngelenkte Dr. kann hier schnell und völlig unberechtigt zum Bu-Mann werden.

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Apotheker

nun ja, was soll ich dazu sagen,

hatte letzte woche am freitag, dem brueckentag, genau so einen fall!
ne frau aus dem krankenhaus ins soniorenheim abgeschoben , ohne jegliche medikation , nur mit nem plan der letzten medikation vom krankenhaus!

das altenheim ruft uns an, da unsere apo die altenheim-versorgende apo ist, mit der bitte wir moechten doch .ca 8-10 verschreibungspflichtige AM vorstrecken! der verantwortliche hausarzt im urlaub…usw, ich denk das szenario kennen viele!

die richtige antwort von apothekers seite konnte eigentlich nur sein, ohne rezepte keine AM ….dan kam dann am nachmittag doch noch ein vertretungsarzt in das heim und nach mehreren zeitrauben gespraechen sowohl mit pflege-personal, wie auch vertretungsarzt selbst , wurde dann ein plan erstellt….(die frage vom arzt wann ich die rezepte denn spaeteswtens brauchen wuerde hab ich mal wohlwollenderweise als scherz aufgefasst….ich sagte nur – hmm eigentlich vorher , sie wissen schon erst rezept an die apo dann AM an den kunden, aber des war dem arzt wohl entfallen……

aber seis drum zurueck zum thema, krankenhauser muessen sich offensichtlich nicht an rabattvertraege halten , wie sonnst seterbliche mencshen im gesundheitsystem, des fuehrt zu problemen….dass sie immer noch nicht fuer mind. 3 tage an medikation mitgeben, wie sie eigentlich schon lange sollten, hilft uns apotheker auch ned…und die unwissenheit der aerzte, dass wir als apotheker die rezpte VOR abgabe brachen, nun ja, da fehlen dann gern die worte!!!

kann sein, dass es nur bei uns in der provinz so laeuft, aber schoen ist anders!

gruesse,

C.

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