Zinkoxid: Viren springen über die Klinge

6. Mai 2016
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Rezepturen mit Zinkoxid sind seit Jahrzehnten Standard in öffentlichen Apotheken. Das Mineral hat in Form von Nanopartikeln auch virostatische Eigenschaften, berichten Forscher. Es wirkt im Tierexperiment gegen Herpes-simplex-Viren vom Typ 2.

Herpes simplex-Viren vom Typ 2 (HSV 2) stecken hinter der Mehrzahl aller genitalen Herpes-Manifestationen am Penis, an der Scheide sowie im Analbereich. Bei gesunden Blutspendern schwankt die Rate seropositiver Personen in den USA zwischen drei und 23 Prozent, bei Personen mit Infektion der Geschlechtsorgane waren es bis zu 55 Prozent. Ärzten und Apothekern blieb bislang nur, Virustatika einzusetzen. Eine neue Studie zeigt, dass Zinkoxid zumindest im Tierversuch interessante Eigenschaften zeigt.

Klein und reaktiv

Wissenschaftler der University of Illinois und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erinnerten sich an eine altbekannte anorganische Verbindung. Zinkoxid wird schon seit Ewigkeiten zur Wundbehandlung eingesetzt. „Es ist uns gelungen, eine effektive Kombination aus Mikrobizid und einem intravaginalem Impfstoff zu entwickeln, um Genitalherpesviren einzudämmen“, sagt Deepak Shukla. Das Microbivac-Konzept basiert auf Zinkoxid-Strukturen, sogenannten Tetrapoden. Diese 3D-Strukturen entstehen über Flammentransport-Synthesen. Mit ultraviolettem Licht erhöhten Forscher die Zahl an Defekten, um für mehr Reaktivität zu sorgen.

Zinkoxid-Tetrapoden. Rechts wird ein Virus an eine Tretrapode gebunden. © Deepak Shukla

Microbivac – gut kombiniert

Neben ihren antiviralen Eigenschaften verbessern Zinkoxid-Tetrapoden auch die Immunreaktion. Sobald ein Virus an das Zinkoxid gebunden hat, schreiten Zellen des Immunsystems zur Tat. Sie interagieren mit dem Virus und regen die Produktion von Antikörpern an. „Die antiviralen und immunaktivierenden Eigenschaften machen die Zinkoxid-Tetrapoden zu Mikrobizid und Impfstoff in einem“, schreiben die Autoren. Ihre Microbivac-Technologie haben sie sich mittlerweile patentieren lassen. Nach positiven Resultaten aus dem Tierexperiment sind jetzt klinische Studien geplant.

11 Wertungen (4.36 ø)
Forschung, Pharmazie

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6 Kommentare:

Gast
Gast

find ich auch nicht nett von dem Apotheker #2,
ist doch aber schön, dass die alte sehr bewehrte Zinksalbe,
wenn auch in leicht modifizierter Form wieder zu Ehren kommt.
5 Punkte!

#6 |
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Edith Enners
Edith Enners

Muss ich das jetzt verstehen, warum bei einem wissenschaftlichen Artikel gleich Arzt und Apotheker übereinander herfallen, und gleich die Pharmaindustrie mit ihr Fett abbekommt? Hoffe mal, dass diese dogmatischen Diskussionen irgendwann mal der Vergangenheit angehören.
E. Enners, Apothekerin

#5 |
  2
Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Es gibt auch Zinkschüttelmixturen. Diese habe ich einfach mit siedendem Wasser zubereitet, was wohl die Löslichkeit und Aufschlämmung erhöhte. Beim Abkühlen können wohl auch vermehrt Nanoartikel aus Zinkoxid entstanden sein, wodurch auch eine antivirale und antibakterielle Wirkung resultieren konnte. Jedenfalls waren diese Suspensionen homogener, als die herkömmlich (nach DRF-Vorschrift) angeriebenen.

#4 |
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Arzt
Arzt

Ach Herr Apotheker @Rolf K. Becker, verdienen Sie wohl zu wenig an Zinksalbe?
Die kann man zwar schlecht in die Scheide schmieren, aber durchaus auf die äußere Haut und vor allem auf den Poo und Umgebung wo sich all diese kleine Condylömchen mit den Vieren breit machen.
Fehlt wohl etwas an medizinischer Grundkenntis.
Ich weis schon was ich in den Poo schmieren kann, der Bedarf dafür ist übrigens gigantisch!

#3 |
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Apotheker

@Gast:
Thema verfehlt – hier geht’s nicht um Wundversorgung, sondern Herpes-simplex Infektionen!

#2 |
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Gast
Gast

Zinksalbe oder -Paste ist ein uraltes und sehr bewährtes Lokalmittel für geschlossene Wunden, oder zur sinnvollen Wundrandabdeckung bei noch offenen Wunden, aber offenbar zu billig (und aufwendig) für die moderne industriegelenkte Wundbehandlung.

#1 |
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