Antikörper anti Allergien

18. Mai 2011
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Nun ist es eindeutig bewiesen: Zwischen Birkenpollen- und Lebensmittelallergien besteht ein direkter Zusammenhang. Es wurden jedoch spezifische Antikörper identifiziert, die vor einer allergischen Reaktion schützen. Je höher deren Anteil, umso besser ist die Nahrungsmitteltoleranz.

Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kreislaufreaktionen, Migräne, Juckreiz, Rhinitis, Larynxödem, Asthmaanfall oder eine lebensbedrohliche fulminante systemische Reaktion in Form eines anaphylaktischen Schocks: Die klinischen Symptome einer Nahrungsmittelallergie sind so unterschiedlich, wie ihre zahlreichen Allergene. Von der immunologischen Reaktion sind unterschiedliche Organsysteme in unterschiedlicher Kombination und unterschiedlicher Ausprägung betroffen. Dafür reichen bereits kleinste Mengen von Nahrungsmitteln aus. Während Kinder hauptsächlich auf Fremdeiweiß allergisch reagieren, treten im Erwachsenenalter häufig pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien auf. Getreidepollenallergiker zeigen Reaktionen auf Getreide, Hülsenfrüchte und Erdnüsse, Birkenpollenallergiker entwickeln Kreuzallergien auf Äpfel, Haselnüsse oder Gräser. Diese sind möglich, weil Pollen- und Nahrungsmittelproteine Gemeinsamkeiten aufweisen. Eine sichere Diagnose zu stellen, ist sehr aufwändig, orale Provokationstests an einer größeren Population nicht einfach durchzuführen. Daher sind über die Häufigkeit pollenassoziierter Nahrungsmittelallergien in der Bevölkerung wenig verlässliche statistische Daten verfügbar, die zudem voneinander abweichen.

Hoher Anteil mit chronischen Symptomen

Das gemeinsame Auftreten von Allergien gegen Birkenpollen und pflanzliche Nahrungsstoffe war Anlass einer Studie der Medizinischen Universität Wien. Im Labor der Biotechnologin Univ.-Prof. Dr. Barbara Bohle, Spezialistin für Zelluläre Allergologie, widmet man sich der Erforschung der Immunantwort auf Allergene. Im Fokus der jüngsten publizierten Arbeit standen Patienten, die an einer Birkenpollenallergie leiden. Marija Geroldinger-Simic aus Bohles Team stellte fest, dass 70 Prozent der 225 pollenallergischen Studienteilnehmer gleichzeitig auch Symptome einer Lebensmittelallergie zeigten. Mehr als 80 Prozent dieser Gruppe hatten bereits ein chronisches Allergiestadium erreicht. Hauptauslöser der Birkenpollen-assoziierten Nahrungsmittelallergie waren Äpfel und Haselnüsse. Sie führten am häufigsten zu diversen oralen Allergiesymptomen, wie beispielsweise zum Juckreiz im Bereich von Mund- und Rachenraum, sie lösten aber auch Heuschnupfen aus. Die Untersuchungen der Wiener Gruppe wiesen jedoch nicht nur den direkten Zusammenhang zwischen Birkenpollen- und Lebensmittelallergien nach und überraschten mit einer hohen Zahl an chronisch Erkrankten, sie identifizierten auch spezifische Antikörper für den Schutz vor allergischen Kreuzreaktionen in diesem Zusammenhang.

IgG4 Antikörper schützen

Eine Schlüsselrolle spielen dabei allergenspezifische Antikörper der Immunglobulinklasse G4. Diese IgG4 Antikörper sind Immunglobuline der humoralen Immunabwehr. Sie bekämpfen Krankheitserreger, die in Körperflüssigkeiten, wie beispielsweise in das Blut oder die Lymphe, vorgedrungen sind. IgG4 Antikörper konkurrieren jedoch mit den allergen-spezifischen Antikörpern der Immunglobulinklasse E, so genannte IgE Antikörper, die als Auslöser für Allergien bereits bekannt sind. Beide Antikörper streiten um die Bindung an das Allergen, werden daher als „blockierende“ Antikörper angesehen. Es stellte sich in der Studie heraus, dass bei nahrungsmitteltoleranten Patienten, also jene, die nicht unter einer Kreuzallergie litten, ein statistisch nachweisbar höheres Verhältnis von allergen-spezifischen IgG4 zu IgE Antikörpern vorliegt. Weiters zeigte sich, dass IgG4 Antikörper die Bindung von IgE Antikörpern an Nahrungsmittelallergene verhindern und so keine Immunreaktion erfolgt. Das Vorhandensein von allergen-spezifischen IgG4-Antikörpern kann somit mit einer Nahrungsmitteltoleranz in Zusammenhang gebracht werden. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, dass sich IgG4 Antikörper nicht als Marker für eine durch Birkenpollen ausgelöste Nahrungsmittelallergie eignen.

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Allgemeinmedizin, Medizin

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1 Kommentar:

Vorsitzende Angelika Widhalm
Vorsitzende Angelika Widhalm

Der Artikel ist einwandfrei recherchiert. Ich werde ihn auf meiner hp frulakco.at weiterempfehlen.

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