Die Lymphknoten-Dickmacher

27. Dezember 2011
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Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover konnten jetzt eine neue Funktion für dendritische Zellen aufzeigen. Die Ergebnisse könnten helfen, neue Therapieansätze für Autoimmunerkrankungen und Tumoren zu finden.

Dendritische Zellen (DCs) sind wichtige Zellen des Immunsystems und in vielen Organen vorhanden – vor allem in der Haut und in Schleimhäuten. Dort bilden sie mit bis zu 1.000 Zellen pro Quadratmillimeter ein wahrhaft dichtes und engmaschiges Netzwerk, das Krankheitserreger nicht unbemerkt überwinden können. Dringen diese ein, alarmieren DCs das Immunsystem. Sie selbst nehmen die Erreger auf, zerstören sie und wandern anschließend in Lymphknoten, wo sie anderen Immunzellen die Abbauprodukte präsentieren. Ziel ist es, eine schützende Immunantwort auszulösen. Für diese Erkenntnisse erhielt der Entdecker der DCs, Professor Dr. Ralph Steinman, dieses Jahr posthum den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Forscher des Instituts für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nun eine weitere, vollkommen unerwartete Funktion der DCs gefunden: Sie fanden heraus, dass diese Zellen festlegen, wie viele Immunzellen sich in einem Lymphknoten aufhalten. Somit bestimmen DCs, wie dick Lymphknoten anschwellen. Die MHH-Forscher veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse jetzt in der angesehenen Fachzeitschrift “Immunity”.

Lockstoff für Lymphozyten

„Nachdem DCs in einen Lymphknoten eingewandert sind bilden sie Wachstums- und Differenzierungsfaktoren für Blutgefäße, die zur Ausbildung so genannter hoher endothelialer Venolen (HEVs) benötigt werden. Da Immunzellen aus dem Blut ausschließlich über diese Blutgefäße in den Lymphknoten gelangen, regulieren DCs somit, wie vielen Zellen Zugang gewährt wird“, sagt Dr. Meike Wendland, Mitarbeiterin des Instituts und Erstautorin der Studie. „Darüber hinaus stimulieren DCs im Lymphknoten die Produktion eines Lockstoffs, den sie an sich binden. So locken sie Lymphozyten an, die sich dann länger im Lymphknoten aufhalten“, ergänzt Professor Dr. Reinhold Förster, Leiter der Studie und Direktor des Instituts.

Hilfe bei Autoimmunkrankheiten

Mit Hilfe dieser neuen Erkenntnisse sollte es zukünftig möglich sein, das Einwandern von Immunzellen über HEVs in Gewebe und deren Verweildauer besser zu kontrollieren. Dies ist beispielsweise bei Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis von Interesse. Bei dieser Erkrankung wandern Immunzellen ständig über HEVs in die Gelenkkapseln ein und zerstören so den Gelenkknorpel. „Ein Rückbilden der HEVs wäre daher bei dieser und auch anderen Autoimmunerkrankungen von hohem Interesse“, erläutert Professor Förster. Im Gegensatz dazu sei es wünschenswert, dass sich in Tumoren solche Gefäße in hoher Anzahl ausbilden. So könnten Killerzellen effektiv einwandern, dort lange verweilen und die entarteten Zellen zerstören. „Die DCs sind als Regulatoren der HEV-Differenzierung ein neuer möglicher Ansatzpunkt zur Behandlung dieser Erkrankungen“, sagt Professor Förster.

Originalpublikation:
Lymph node T cell homeostasis relies on steady state homing of dendritic cells.
Wendland M et al., Immunity. 2011 Dec 23; 35(6): 945-57

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