Fettverbrennung: Marker misst Malocher

28. April 2016
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Braune Fettzellen können überflüssige Pfunde schmelzen lassen. Ein vielversprechender Biomarker zeigt die Aktivität der Fettverbrennung an. Dieser Marker soll Wirkstoffe testen, die weiße in braune Fettzellen umwandeln und somit bei der Gewichtsreduktion helfen.

Wer starkes Übergewicht hat, stößt beim Abnehmen häufig schnell an seine Grenzen: Trotz aller Diäten und Zurückhaltung beim Essen wollen die überflüssigen Pfunde nicht so richtig verschwinden. Das hat meist auch Konsequenzen für die Gesundheit der Betroffenen, da übergewichtige Menschen ein höheres Risiko zum Beispiel für Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen haben.

Prof. Dr. Alexander Pfeifer vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Bonn erforscht seit Jahren an Mäusen, wie sich unerwünschte weiße Fettzellen in energiezehrende braune Fettzellen umwandeln lassen. Die braunen Zellen „verbrennen“ überschüssige Energie und wandeln sie in Wärme um, was sich sonst als Röllchen vor allem an Hüften und Bauch ansetzt.

Verschicken von Exosomen-Päckchen im Blut

Pfeifer hat inzwischen modellhaft an Nagern zahlreiche Signalketten im Stoffwechsel entschlüsselt und Ansatzpunkte gefunden, wie sich die unerwünschten weißen Fettzellen in die Fettverbrenner umwandeln lassen. Die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung lassen sich aber nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen. „Es müsste deshalb an Probanden getestet werden, welche der inzwischen gefundenen Wirkstoffe besonders effizient und schonend weiße in braune Fettzellen verwandeln“, sagt Pfeifer. Doch gibt es derzeit keine Methode, die mit geringem Aufwand, kostengünstig und ohne gesundheitliche Risiken die Aktivität der braunen Fettzellen misst.

Zusammen mit Wissenschaftlern der Universitäten Maastricht (Niederlande) und Turku (Finnland) sowie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf hat das Forscherteam um Prof. Pfeifer einen Marker gefunden, der auf vergleichsweise einfache Art und Weise die Aktivität der braunen Fettzellen anzeigt: die exosomale microRNA miR-92a. Von solchen microRNAs ist bekannt, dass sie bei der Genregulation eine Rolle spielen. Das Team um Prof. Pfeifer hat nun entdeckt, dass braune Fettzellen microRNAs in Exosomen verpacken und ins Blut abgeben. „Bei den Exosomen handelt es sich um eine Art Päckchen, die von den braunen Fettzellen im Blut verschickt werden – den Päckchen-Inhalt, die mircoRNAs, konnten wir aufklären, aber der Adressat ist uns noch nicht bekannt“, berichtet der Pharmakologe.

Kampf gegen Fettleibigkeit und ihre Folgen

Das Forscherteam hat ganz verschiedene microRNAs untersucht. Davon kommt miR-92a sowohl in Mäusen als auch in Menschen vor und steht mit der Aktivität von braunen Fettzellen in Zusammenhang. Immer dann, wenn sehr wenig miR-92a im Blut vorhanden ist, verbrennen die braunen Fettzellen besonders viel Energie. Dass dies auch im Menschen funktioniert, haben die Wissenschaftler an insgesamt 41 Probanden aus den Niederlanden und Finnland nachgewiesen.

„Es ergibt sich ein signifikanter statistischer Zusammenhang, der jedoch noch mit einer größeren Stichprobe unterfüttert werden müsste“, berichtet Erstautor Joschka Johannes Buyel. Dann ließe sich die Aktivität der braunen Fettzellen mit miR-92a noch genauer einschätzen. Doch solche Paralleluntersuchungen mit verschiedenen Methoden sind teuer und aufwendig.

„Nichtsdestotrotz erscheint miR-92a als ein vielversprechender Biomarker, mit dem neuartige Wirkstoffe zur Gewichtsreduktion durch Umwandlung von weißen in braunen Fettzellen am Menschen überprüft werden könnten“, sagt Pfeifer. Ein einfacher Bluttest könne dies absehbar leisten. Diese Methode könnte in Zukunft möglicherweise neue Behandlungsverfahren im Kampf gegen Fettleibigkeit und viele Folgeerkrankungen vorantreiben.

Originalpublikation:

Exosomal microRNA miR-92a concentration in serum reflects human brown fat activity
Yomg Chen et al.; Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms11420; 2016

18 Wertungen (4.22 ø)

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4 Kommentare:

Medizinjournalist

1. Frieren reicht. Frieren ist evolutionär gelöst, braunes Fett verbrennt sofprt für Wärme. Anstrengung ist nur 2. Immer wenn der Atem nicht reicht, legt der Schalter um. Am absinkenden Sauerstoffgehalt in den benutzten Muskeln entscheidet sich die Atmung für Verlangsamung der Atmung, Ermattung des Muskels signalisiert aufzuhören. Hyperatmung stoppt diesen Reiz sofort. Der Sauerstoffspiegel steigt schnell an und die Müdigkeit ist weg und die Verbrennung läuft dann richtig hoch, weil eine Grenze überschritten wurde. Das muss man nur immer machen, wenn man müde wird, macht bloß keiner. Den heutigen Menschen fehlt nur die Erfahrung, was unsere Körper drauf haben, wenn ein hungriger Bär hinter dir her ist. Die Zivilisation versteht halt die Evolution nicht.

#4 |
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Gast
Gast

bravo !!!!!!!!!!!!!!

#3 |
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Gast
Gast

vermutlich denkt (wünscht) man dabei, dass es halt sehr viele Zellen auf eine Haufen sind, die (letzten) sollen zwischen den Schulterblättern sitzen,
die dann so heftig Wärme erzeugen, dass sie rotglühend werden,
und dann das Nachbarfett langsam einschmilzt.
Egal, Hauptsache wir futtern weiter wie bisher.

#2 |
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Arzt
Arzt

“Braune Fettzellen können überflüssige Pfunde schmelzen lassen”.

Immer wieder der gleiche Unsinn,
richtig ist: braune Fettzellen, soweit vorhanden, können Wärme erzeugen, müssen sie aber nicht. Wie kann ma denn da gleich von “überflüssige Pfunde schmelzen” reden???

#1 |
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