Handhygiene: Big Brother is washing you

2. Mai 2016
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Eine sorgfältige Händehygiene kann nosokomiale Infektionen vorbeugen und zudem Kosten einsparen. Trotzdem ist die Umsetzung der Empfehlungen in der Praxis mangelhaft. Eine Initiative der US-Hygieneindustrie will die Händedesinfektion nun elektronisch monitoren.

Am 05.05. findet der „Internationale Tag der Händehygiene“ statt. Ins Leben gerufen wurde dieser im Jahr 2009 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), um das medizinische Personal auf die Wichtigkeit der Händehygiene aufmerksam zu machen. Denn die Hände stellen den wichtigsten Weg für die Übertragung von Krankheitserregern im Gesundheitswesen dar. Wird die Händehygiene ordentlich durchgeführt, kann dies verhindern, dass mikrobielle Pathogene, insbesondere Bakterien und Viren, durch die Hände des medizinischen Personals von einem Patienten auf den Nächsten weitergegeben werden. Händehygiene beugt daher Infektionen vor und schützt zudem auch die Gesundheit der Ärzte und des Pflegepersonals.

Außerhalb medizinischer Bereiche ist das Waschen der Hände mit Seife und das anschließende Abtrocknen ausreichend, für medizinisches Personal ist jedoch eine Desinfektion zwingend notwendig. Manchmal können mechanische Barrieremaßnahmen (Handschuhe) die Maßnahmen sinnvoll ergänzen.

Händedesinfektion damals …

Wie wichtig eine gute Händehygiene, insbesondere die Desinfektion ist, fand der Gynäkologe Philipp Semmelweis vor mehr als 150 Jahren heraus. Damals war es üblich, dass Ärzte sich nach einer Leichensektion bestenfalls die Hände mit Seife wuschen. Anschließend gingen sie zu einer Entbindung und untersuchten die Patientin. Die Folge war natürlich, dass das infektiöse Material der Leiche auf die Frau übertragen wurde. Dementsprechend hoch waren auch die Fälle von Kindbettfieber. Hebammen dagegen kamen nicht mit verstorbenen Frauen in Berührung. Am Wiener Allgemeinen Krankenhaus verliefen damals in der Abteilung, in der Ärzte und Medizinstudenten – darunter auch Semmelweis – arbeiteten, etwa zehn Prozent der Entbindungen tödlich. In der zweiten Abteilung dagegen, in der Hebammenschülerinnen ausgebildet wurden, verstarben nur etwa drei Prozent der Patientinnen. Semmelweis untersuchte die vielen Todesfälle, aber erst durch den unerwarteten Tod eines Kollegen, der sich bei einer Obduktion an der Hand verletzt hatte und an einer Blutvergiftung starb, erkannte der Gynäkologe, dass die Hände der Ärzte der Grund für die vielen Fälle von Kindbettfieber waren. Semmelweis führte daraufhin das Händewaschen in Chlorkalkwasser ein, woraufhin die Sterblichkeitsrate auf etwa zwei Prozent sank.

… und heute

Das Hauptproblem heutzutage ist nicht, dass keine wirksamen Desinfektionsmittel auf dem Markt sind, sondern die Compliance der Verwender. Denn oftmals wird die Händehygiene nicht dann und so, wie es vorgeschrieben ist, durchgeführt. Die Ursachen hierfür sind verschieden. So kann sich ein unangemessenes Sicherheitsgefühl aufgrund der Nutzung von Handschuhen, eine fehlende Vorbildfunktion beispielsweise des ärztlichen Personals oder das hohe Arbeitsaufkommen negativ auf die Compliance auswirken. Wie gut das medizinische Personal die Händehygiene durchführt, wird durch die sogenannte direkte oder offene Beobachtung festgestellt. Dabei werden die Mitarbeiter während ihrer täglichen Arbeit von einer dritten Person beobachtet. Nachteil dieser offenen Beobachtung ist, dass die Mitarbeiter wissen, dass ihnen jemand zuschaut. In der Folge kann es sein, dass sie ihr natürliches Verhalten ändern, wodurch bessere Ergebnisse erzielt werden. Dieses Phänomen, das auch unter dem Namen Hawthorne-Effekt bekannt ist, muss beispielsweise in Arzneimittelstudien durch die Gabe von Placebos berücksichtigt werden. Bei der Händehygiene ist so eine Fehlerkorrektur jedoch nicht möglich. Zudem wird durch die Methode der offenen Beobachtung nur ein sehr kleiner Ausschnitt aller durchgeführten Waschungen und Desinfektionen dokumentiert. Eine weitere Möglichkeit ist, den Verbrauch an Händedesinfektionsmittel als Surrogatparameter zu ermitteln.

Elektronische Handhygiene-Monitoring-Systeme – allzeit bereit

Hier kommt nun die Electronic Hand Hygiene Compliance Organization (EHCO) ins Spiel. Dies ist ein Zusammenschluss aus acht amerikanischen Firmen, nämlich Airista, BioVigil, CenTrak®, Clean Hands-Safe Hands, DebMed, Hill-Rom, Inc., SwipeSense und Versus Technology, die alle elektronische Handhygiene-Monitoring-Systeme herstellen. Diese Geräte messen rund um die Uhr die Entnahme von Desinfektionsmittel. Dadurch kann – ganz ohne Hawthorne-Effekt – das tatsächliche Händehygiene-Verhalten bestimmt und auf dieser Basis Maßnahmen wie beispielsweise Schulungen durchgeführt werden.

Darüber hinaus haben einige Geräte eine Erinnerungs- und Kontrollfunktion oder geben an, ob nur Händewaschen mit Seife oder auch eine Desinfektion notwendig ist. Die sieben Krankenhäuser des Greenville Health sind bereits mit elektronischen Handhygiene-Monitoring-Systemen ausgestattet. „Wir konnten eine konstante zweistellige Zunahme der Händehygiene-Compliance sowie eine Reduktion der krankenhausbedingten Infektionen verzeichnen. Diese positiven Veränderungen gingen mit Kosteneinsparungen einher, die die Kosten der Systeme rechtfertigen“, so Connie Steed, Direktorin der Infektionsprävention am Greenville Health System. Auch in Deutschland sind verschiedene Systeme erhältlich, die bereits in Krankenhäusern eingesetzt werden.

Ziel: Bewusstsein schärfen

„Alle, die EHCO beigetreten sind, haben sich der Philosophie angeschlossen, über das kommerzielle sowie Wettbewerbsinteresse hinauszuwachsen, und glauben an die Zusammenarbeit für das Allgemeinwohl. […] Alle Mitglieder haben zugestimmt, eine gesteigerte Patientensicherheit und bessere Ergebnisse über ihre kommerziellen Interessen zu stellen“, so Paul Alper, Vorstand der EHCO und Vizepräsident, Strategie für Patientensicherheit, DebMed, in einer Pressemitteilung. Trotz dieser Beteuerung ist anzunehmen, dass die EHCO-Mitglieder hoffen, nicht nur die Patientensicherheit, sondern auch ihren Umsatz zu verbessern. Dennoch könnten elektronische Geräte dabei helfen, das Bewusstsein für das Problemfeld Hygiene bei Krankenhausmitarbeitern zu schärfen. Denn nosokomiale Infektionen gehören auch in Deutschland zu den häufigsten Infektionen.

Das gleiche Ziel, nämlich Ärzte und Pflegepersonal für das Thema Händehygiene und Infektionsprävention zu sensibilisieren, hat auch die nationale Kampagne „Aktion Saubere Hände“, die 2008 vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen (NRZ), dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) sowie der Gesellschaft für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen (GQMG) ins Leben gerufen wurde. Aber auch schon an Medizin-Universitäten gibt es Lehrveranstaltungen, in denen Studenten das richtige Desinfizieren der Hände lernen. Anstatt mit Keimen üben die Studenten den Händedruck mit einer fluoreszierenden Creme. Diese „Keime“ gehen dann von Hand zu Hand – am Ende werden die Hände richtig desinfiziert und mit Schwarzlicht überprüft. Diese Veranstaltungen werden bereits im Grundstudium angeboten und wiederholen sich immer wieder im Hauptstudium.

61 Wertungen (3.34 ø)

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19 Kommentare:

Chirurg
Chirurg

Danke auch Frau Kühlen, Clostridiensporen (Körperpflege Steckbecken etc) sind resistent gegen alkoholische Händedesinfektion. Die Folge ist, dass nach alkohl. Händedesinfektion danach eine Clostridienreinkultur entsteht, alles andere ist ja “desinfiziert”. Deswegen und auch wegen reflektorischer Säureblockergabe (PPI) nicht nur bestimmte Antibiotika, der rasante Anstieg auf über das 10-fache in den letzten 10-15 Jahren. Die erste Maßnahme, die sich bei potentiellem Blutkontakt wegen AIDS-Angst ja durchgesetzt hat, ist die Benutzung von Schutzhandschuhen, bei bestimmter (täglicher)Körperpflege (Darmkeime), ganz besonders wenn irgendwo so ein Cl. difficile auftritt (Serumtoxin-Test), damit die Dinger erst gar nicht auf der Hand landen können.
Und danach Händewaschen. (Das Ausziehen von kontaminierten Handschuhen macht manches wieder zunichte :-))

#19 |
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Gudrun Kühlen
Gudrun Kühlen

Die Gründe für mangelnde Hygiene sind vielfältig: Zeitdruck, Unwissenheit, Bequemlichkeit und vor allem Abstumpfung. Diese Abstumpfung ist auf der einen Seite nötig, damit Mediziner und Klinikpersonal ihren Job überhaupt machen können, ohne durchzudrehen, führt auf der anderen Seite aber zu manchmal tödlichen Nachlässigkeiten.
Ich halte im Übrigen ein gründliches Waschen der Hände für sinnvoller als ein “symbolisches” Desinfizieren, wie man es oft auch in Praxen beobachten kann. Man bedenke, dass es auch “Erreger” gibt, die sehr wohl abgewaschen, aber nicht durch Desinfektionsmittel bekämpft werden können.

#18 |
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Chirurg
Chirurg

Ignatz Semmelweis beschränkte sich KEINESWEGS aufs Händewaschen, wie hier irreführend vereinfacht wird, und auch die “Chlorkalklösung” war nicht seine Erfindung sondern schon Jahrzehnte vorher z.B. von der Marseiller Gesundheitskomission 1825 empfohlen,
sondern er nutze dieses Desinfektionsmittel vor allem auch für INSTRUMENTE, Bettgestell, Bettgeräte, “Leibschüssel”, Schwämme, Wäsche etc.
Es ist zudem falsch (wie das leider mancher Hygieniker tut), das Hände waschen mit Seife schlecht zu reden. Das zeigt das gefährliche Ansteigen von Clostridium dificile, danke Dr. Schätzler für das “normale” Hände waschen.

mfG

#17 |
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Chirurg
Chirurg

Das Thema kommt VON den Ärzten und nun springt jeder Blödman auf den Modezug auf und meint, das müsse man ausgerechnet den Ärzten beibringen.
Und bei Hygiene und “multiresistenten” ist ausgerechnet die USA KEIN Vorbild.
Die ersten “multiresistenten” kommen nun mal aus USA wo der Patient heute noch mit Stationsbett direkt bis in den Op geschoben werden.
“Laborhygieniker” sind leider nicht immer hilfreich, da sie sich einerseits unbedingt als Vorgesetzte der Ärzte aufspielen, statt als Dienstleister wie die Pathologen und andererseits den Spagat versuchen als Freund des nicht medizinischen Geschäftsführers, der nur an die Kosten denkt.
Und bzgl. Händewaschen können die nur von Chirurgen lernen.

#16 |
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Ärztin
Ärztin

Wer hier gezielt Schuld zuschiebt oder auch zurückweist trifft immer nur einen Teil des Problems. Die meisten infektiösen Patienten, denen ich begegne kommen bereits infektiös in die Klinik auch wenn hinterher immer wieder die Rede davon ist man sei im KH mit einem resistenten Keim infiziert worden, das Aufnahmescreening in vielen Notaufnahmen beweist oft das Gegenteil. Es gibt immer wieder Hygienefehler und wenn es nicht der Arzt ist oder die Pflegekraft oder die Reinigungskraft, dann bleiben immer noch Besucher, Praktikanten oder die Patienten selbst, welche sich nicht an die Vorschriften halten.
Jeder sollte zunächst mal seinen eigenen Hände ansehen, bevor er mit den Fingern auf andere zeigt und auch Patienten und Angehörige miteinbeziehen, informieren und zum Desinfizieren anleiten. Ich kann mir als Arzt die Hände desinfizieren sooft ich will, das bringt gar nichts wenn der Patient sich dann zum Rauchen aus dem Isozimmer schleicht oder an den Kiosk geht oder seine Enkel abknutscht oder einen frischoperierten Bekannten auf der Nachbarstation besucht.

#15 |
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Dr. Peter Kondor
Dr. Peter Kondor

Semmelwis’ Vorname war nicht Philipp, sondern Ignác (ungarische Schreibweise, er war aus Debrecen)

#14 |
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Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

@ #12
Ja, die Holländer zeigen uns a u c h wo die die Tiermast ungehindert ausufernd betrieben werden kann, nämlich in Deutschland, da in Holland die Anzahl der Tiermastbetriebe staatlich mittels Lizenzen geregelt wird.

Sie ruinieren unsere Natur und u. a., und verdienen ein “Mordsgeld” damit. Und dann wundern wir uns……

#13 |
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Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

Gute, sichere Hygiene braucht Personal und Zeit, PUNKT!!!!!

…und an die anderen Ursachen, siehe Dr. Schätzler (z.B. Tiermast), will eh´ keiner ran. is doch alles bekannt….da hilft die ganze Rumdiskutiererei und Schuld-Hin-und-Her-Schieberei nichts.

Ja, ja, und dann stellen wir ein Gerät auf und scheinkompensieren und bilden uns ein das würde helfen. Gelernt haben wir doch alle wie es richtig geht, oder???

Es geht doch nur noch um Geld wie in so vielen anderen Bereichen.

#12 |
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Altenpflegerin

Hallo Zusammen,

Die Idee des Monitorings wird hier bei uns bereits umgesetzt und bringt auch tatsächlich eine Steigerung der Compliance bei den Mitarbeitern aller Bereiche – solange die Testphase läuft……..
Für Herrn Stockum anbei ein Link zur Beschreibung eines solcher Systeme,welches ich im vorigen Jahr auf der Medica testen durfte.
http://www.ophardt.com/index.php/ohms.html?id=28514

Was ich, ganz ehrlich gesagt, nicht mehr hören kann, ist willkürliche Schuldzuweiserei. WER war das…..? Erst waren es die bösen Mitarbeiter der Altenpflege, dann traf es die Krankenschwestern, jetzt trifft es die Ärzte…..
Hilft doch niemandem weiter. Es wird sich erst dann etwas verbessern, wenn umfassend MITEINANDER gearbeitet wird.
Wenn der Mensch auf der Strasse,der auch dieHaltestange im Bus anfasst, sich auf der Rolltreppe im Kaufhaus festhält, ein Bewußtsein für persönliche Hygiene entwickelt.
Wenn Mastbetriebe engmaschiger kontrolliert werden, Gülle mit Antibiotikahaltigem Urin von großenStällen nicht mehr ungehindert auf die Felder und somit in unseren Wasserkreislauf gelangt , wenn kontrollierte Abgabe von Antibiotika erfolgt, bessere Händehygiene überall bei Kontakten mit Menschen, deren Immunsystem herabgesetzt ist, erfolgt, sind wir vielleicht auf einem guten Weg vorwärts.

Vorstellen möchte ich in dem Zusammenhang die MRE-Netzwerke, welche sehr gute Arbeit leisten:
http://www.mre-rhein-ahr.net/index.php?page=mre-netz-regio-rhein-ahr

Sonst können wir eines Tages in gar nicht ferner Zukunft sagen: Jetzt ist die Zeit gekommen, wo kein Medikament mehr gegen bestimmte Infektionen wirkt. Wir können sogar sagen,wir waren dabei und haben nichts getan, ausser Pläne zu schmieden.

Unsere holländischen Nachbarn zeigen uns doch deutlich, dass es machbar ist

Schönen Abend allseits von einer viel geplagten Hygienebeauftragten

#11 |
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Frank Schubert
Frank Schubert

Einige Kommentatoren fixieren sich hier ein wenig zu sehr auf multiresistente Keime. Ja, die Therapie ist schwieriger und kostenspieliger, aber es geht ja um nosokomiale Infektionen an sich. Auch z.B. ein Antibiotika-sensibles C. difficile kann große Probleme nach sich ziehen. Und bei Einhaltung der Hygienevorschriften könnte das Risiko solcher Infektionen stark reduziert werden.
Nachdem beim medizinischen Assistenzpersonal (Pflege, Arzthelfer, …) in den letzten Jahren dieses Thema durch Fortbildungen oder in der Ausbildung immer weiter aufgearbeitet wurde und mehr Gewichtung bekam, müsste dieses Thema in der Ärzteschaft auch stärker hervorgehoben werden. Im Studium viel zu kurz behandelt und praktisch nicht wirklich geübt, können die Studenten das nur von den approbierten Kollegen lernen. Hier herrscht aber leider immer noch vor allem bei den dienstälteren eine zu laxe Ansicht über dieses doch wichtige Thema. Und diese haben nun einmal eine Vorbildfunktion.

#10 |
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Dr. med. Franz-Ulrich Beutner
Dr. med. Franz-Ulrich Beutner

Schuld an mangelnder Hygiene ist nicht die Compliance sondern das DRG-System! Wenn alle Mitarbeiter zB. statt jetzt 3 Min./Arbeitsstunde 6 Min.
für Hygiene kalkuliert bekämen, sähe es besser aus. Hygiene als bezahlte
Leidtung ist in diesem System nicht vorgesehen!
Dr. Franz-Ulrich Beutner Nervenarzt 31303 Burgdorf

#9 |
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Woher kommen die multiresistenten Keime? Sind sie nicht durch unkritische Antibiotikagaben und Tonnen von unnötigen Desinfektionsmittel, die von den Haushalten in die Natur ausgeschüttet werden verursacht? Da würde einfaches Händewaschen “mit der wohlrichenden Rosenseife” (Janosch) mehr bringen. Das Überwachen der Infektionsschutzmassnahmen im OP und auf der Intensivstation oder hämatologischer Station ist eine besondere Sache. Während meiner Assistenzarztzeit sind mir diesbezüglich keine Unregelmäßigkeiten aufgefallen, wurde bei uns streng von den Oberärzten kontrolliert und ggf. abgemahnt, wenn Fehler aufgefallen sind.
Ich glaube nicht, dass ich das richtig gelernt hätte, wenn es nicht von den Oberärzten abgeschaut hätte. Die positive Statistik nach der Verwendung der Handhygiene-Monitoring-Systeme stimmt sicher, kann aber eine gute Einarbeitung und Ausbildung nicht ersetzen. Irgendwann wird ein Arzt blöd da stehen, wenn zufällig kein Piepston sein Verhalten steuert oder kein Gerät an der Wand hängt.

#8 |
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Vgl. dazu Schätzlers Blog auf DocCheck
“Nach dem Klo und vor dem Essen, ‘Handys’-Waschen nicht vergessen! . . . ” http://news.doccheck.com/de/blog/post/798-nach-dem-klo-und-vor-dem-essen-handys-waschen-nicht-vergessen/
und
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/hygiene/article/908277/unterschaetztes-risiko-multiresistente-keime-patientenhand.html
bzw. meinen Kommentar dazu:
[22.04.2016, 10:51:53] Dr. Thomas Georg Schätzler
Vor und nach der Klinik, nach dem Klo und vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen!

In Deutschland sterben pro Jahr deutlich zu hoch geschätzt 12.000 bis 15.000 Menschen in den Kliniken nicht nur, “weil sie sich dort mit einem Keim infizieren, gegen den keine Medizin hilft”, sondern weil sie bereits s e l b s t Träger multiresistenter Keime sind, b e v o r sie die Klinik erreichen.

Multi-resistente Keime kommen nicht aus heiterem Himmel und werden ausschließlich von unsachgemäß hantierenden, “unhygienischen” Krankenhaus- und Praxismitarbeitern auf arglose Patienten übertragen. Diese Keime kommen selbst auch irgendwo her. Sie werden zu einem relevanten Anteil von a u ß e n in Klinik und Praxisräume hinein getragen. Der englische Fachbegriff “communicable diseases” trifft es: Übertragbare Krankheiten, die durch interagierende, kommunizierende Personen übertragen werden.

Jeder Landwirt aus einem Tiermastbetrieb, jeder Krankenhausbesucher mit Straßenschmutz an den Schuhen, jeder Tierhalter, egal ob Hund, Katze, Maus, Pferd o. ä., jeder Klempner, Müllwerker und Entsorger, aber auch Lehrer, Erzieher und alle, die mit vielen Menschen beruflich oder privat zu tun haben, könnten Träger von potenziell multiresistenten Keimen sein. Sogar Menschen, die nur kontaminiertes Putenfleisch kaufen, gehören zum Kreis der “Verdächtigen”.

Risiko-Beweise lieferten Infektiologen und Mikrobiologen aus Leipzig mit Daten von Fernreisenden: Die Erreger werden oft mit nach Hause gebracht (J Med Microbiol 2015; 305: 148). Über 12 Monate wurde in einer infektiologischen Studie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) das Risiko des Erreger-Imports durch Fernreisen untersucht. “Wir konnten dabei erstmals für Deutschland in einer größeren Kohorte zeigen, dass fast ein Drittel der Reisenden nach der Heimkehr aus Gebieten mit hoher Erregerdichte tatsächlich Träger multiresistenter Erreger ist”, so Dr. Christoph Lübbert, Leiter des Fachbereichs Infektions- und Tropenmedizin am UKL [“Colonization with extended-spectrum beta-lactamase-producing and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae in international travelers returning to Germany”].

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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Dr.med Stephan Heinke
Dr.med Stephan Heinke

Das Monitoring ist wichtig, aber die Idee komplett verspielt. Messen Sie doch einfach den Desinfektionsmittelverbrauch. Wann wird eine Flasche ausgetauscht im Spender ? Allein die Anzahl der Nachbestellungen korrelierten gut mit dem Auftreten nosokomialer Infektionen. Wir haben das gemacht, und so gezielt sie Schwachstellen in der Desinfektion ermitteln können.

#6 |
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Dr. Gero Beckmann
Dr. Gero Beckmann

Alles, was die Compliance der Händedesinfektion erhöht, ist zu unterstützen. Mir ist bisher keine einzige Schulungsgruppe untergekommen, in der nicht m.o.w. gravierende Fehler bei der HD zu beobachten waren. Noch schlimmer ist das, was – meist unkommentiert – über die Bildschirme – z.B. bei Dokumentationen zum Thema nosokomiale Infektionen – flimmert: Personal, welches die Entnahmebügel mit den Fingern anfasst. Sogar (Chef-)Ärzte, die die Desinfektion ganz auslassen oder unzulässig um mindestens 2 von 6 notwendigen Schritten verkürzen. Hier ist im Weinberg des Herrn noch viel zu tun…..

#5 |
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Gast
Gast

Eigene Beobachtungen auf einer septischen Station in einer Klinik zeigen, daß es in der Tat an zu geringer Personaldichte wie auch an der “Abstumpfung” gegenüber Risiken sowie auch an der teilw. schlechten Schulung und Überwachung des Personals liegt. Da aber selbst Ärzte auf dieser Station von Patient zu Patient gehen und sich dazwischen nicht die Hände desinfizieren, ist fraglich, wie eine bessere Compliance erreicht werden kann. Leidtragender ist leider der Patient. Würden Entschädigungen im Infektionsfall leichter durchsetzbar werden in Deutschland, wäre sicher auch das Augenmerk mehr auf die Prävention gerichtet in dieser Sache. Denn wo es vor allem teuer werden kann, da wird auch besser aufgepasst.

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Mitarbeiter Industrie

Auch in der Pharmaindustrie ist die Handhygiene fundamental wichtig. Wenn Keime und Endotoxine ins Produkt gelangen, entstehen einerseits horente Kosten für das Pharmaunternehmen, aber im schlimmsten Fall, kann es auch zu Infektionen am Patienten kommen.

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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

es ist schon symptomatisch, daß die heutige Krankenhausmedizin in ihrer Hektik nicht nur die Semmelweis’schen Prinzipien vergessen hat. Auch die Autorin gibt den falschen Vornamen dieses Genies an: IGNAZ ist der erste Vorname ( ungarisch Semmelweis Ignác Fülöp).
Soviel Zeit muss sein: zur Händedesinfektion zwischen zwei Patientenkontakten wie zur Nennung des korrekten Namens.
Semmelweis war seiner Zeit leider zu weit voraus und wurde in der Irrenanstalt “entsorgt”. Erst als LISTER 1867 das Karbol einführte, wurde die Asepsis salonfähig…

#2 |
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Rolf Stockum
Rolf Stockum

Hallo Frau Kerscher-Hack,

Sie beschreiben hier die Compliance-Effekte, die durch die EHCO -Monitoring Systeme das tatsächliche Handhygiene-Verhalten bestimmen sollen. Dies soll auf Basis der Desinfektionsmittel-Entnahme erfolgen.
Wie aber sollen die 5 Momente der Handdesinfektion im jeweils individuellen Gebrauch (gemäß der Empfehlung des RKI) erfasst und ggf. interaktiv kommuniziert werden?
Über den reinen Verbrauch ein individuelles Monitoring abzuleiten halte ich für sehr problematisch.
Hierfür werden kontext-kommunikative Monitoring- (und Dokumentations-)Systeme benötigt und die gibt es bislang noch nicht.

Dennoch sind prinzipiell alle Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf die Compliance immer zu begrüßen – von daher ist das natürlich ein interessanter und wichtiger Artikel von Ihnen

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