Sterblichkeitsrate: Der arme, aufsteigende Ast

26. April 2016
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Ärmere Kinder haben heute bessere Überlebenschancen als früher. Dies zeigt eine Untersuchung unterschiedlicher Altersgruppen in den USA. Zudem ist es möglich, dass auf Grund verbesserter Lebensbedingungen eine Ungleicheit der Sterberate in Zukunft abnehmen wird.

Lebenserwartung und Sterblichkeit sind sozial ungleich verteilt, so das Fazit vieler Studien, welche auf die zunehmenden Unterschiede der Lebenserwartung von Personen in wohlhabenden und armen Regionen in den USA verweisen. Parallel zur Einkommensschere öffnet sich gemäß den Forschenden die Schere der Gesundheits- und Lebenserwartung.

Ein differenzierterer Blick auf die Sterblichkeitsraten lässt durchaus positive Trends erkennen: Zwischen 1990 und 2010 verringerten sich die Unterschiede der Überlebenschancen von Kindern und Jugendlichen aus diversen US-Regionen. Wirtschaftlich benachteiligte Kinder haben heute stark verbesserte Überlebenschancen, wie Hannes Schwandt vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich zusammen mit Janet Currie von der Princeton University zeigt.

Sterblichkeitsrate von Säuglingen aus Armenvierteln sinkt

Zwischen 1990 und 2010 nahm die Sterblichkeitsrate der Säuglinge in allen US-Regionen ab – am stärksten zeigte sich dieser positive Trend in den ärmsten Regionen. Während im Jahr 1990 von 1.000 männlichen Neugeborenen in den ärmsten Regionen der USA 18,3 in den ersten drei Lebensjahren starben, waren es im Jahr 2010 nur noch 9,8 – ein Rückgang von 8,5. In den reicheren Regionen sank die Rate im selben Zeitraum um 4,3 pro 1.000 Neugeborene (von 9,8 auf 5,5). Diese Abnahme der Ungleichheit ist in Bezug auf die Mortalitätsrate zwischen reichen und armen Regionen bis zum Alter von knapp 40 Jahren sichtbar.

Im höheren Erwachsenenalter sinkt die Mortalitätsrate in armen und reichen Regionen etwa in gleichem Maße, nur im Seniorenalter nimmt die Ungleichheit der Sterblichkeit zu: „Die Jüngsten in den ärmsten Regionen profitieren am stärksten und schnellsten sichtbar von den Wohlfahrtsverbesserungen, während Ältere eine gesundheitliche Lebensgeschichte haben, die von der Vergangenheit geprägt ist”, erklärt Schwandt. Er nimmt an, dass aufgrund der verbesserten Lebensbedingungen zukünftig auch die Ungleichheit der Mortalitätsraten im Alter abnehmen wird.

Lebenserwartung als Zahl ist kein guter Prädiktor

In der Regel basieren frühere Untersuchungen zur Sterblichkeitsrate entweder auf dem Einfluss von Einkommen und Bildung auf die Überlebenswahrscheinlichkeit im mittleren oder hohen Alter oder sie beobachten die veränderten Lebenserwartungen bei der Geburt. Diese Studien fokussieren sich zudem entweder nur auf eine Bevölkerungsgruppe oder sie basieren auf den kumulierten Effekten der Vergangenheit und gelten nur, solange die Einflussfaktoren konstant bleiben.

„Die Lebenserwartung als Zahl ist kein guter Prädiktor für die Anzahl der Jahre, die ein Mitglied einer bestimmten Gruppe leben wird. Es ist sinnvoller, die Entwicklung der einzelnen altersspezifischen Sterblichkeitsraten zu analysieren”, erklärt Schwandt.

Originalpublikation:

Inequality in mortality decreased among the young while increasing for older adults, 1990–2010
Janet Currie et al.; Science, doi: 10.1126/science.aaf1437; 2016

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1 Kommentar:

Gast
Gast

USA ist weder Deutschland noch Vorbild.
Und “sozial” ist zwar ein politisches Schlüsselthema, aber kein medizinisches.
Medizinisch ist dagegen “life-stile”, also Ernährung, Alkohol, Zigaretten und Co sowie körperliche Bewegung. Das kann alles auch ein “Arbeiter” und das hat alles weniger mit dem Monatseinkommen zu tun.
Anders formuliert Statistik ist nicht (immer) Kausalität.

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