Heller Hautkrebs: Der Schatten der Sonne

20. Mai 2011
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Früher ein selteneres Leiden, zählt der helle Hautkrebs heute zu den häufigsten Erkrankungen. Therapie und Prophylaxe erfordern einen hohen Beratungsaufwand – der Einsatz von Kollegen in öffentlichen Apotheken ist gefragt.

Waren vom hellen Hautkrebs bis dato meist Menschen jenseits der 60 betroffen, gibt es mittlerweile immer mehr jüngere Patienten. Vor allem regelmäßige Besuche im Solarium sowie Fernreisen in tropische Regionen fordern eben ihren Preis – die Deutsche Krebshilfe spricht von rund 170.000 Neuerkrankungen pro Jahr.

Durch natürliche oder künstliche UV-Strahlung entarten dabei die hornbildenden Zellen der Haut. „Dieser Zusammenhang ist inzwischen eindeutig durch Studien belegt – sogar noch deutlicher als beim schwarzen Hautkrebs“, betont der Münchener Dermatologe Professor Dr. Dietrich Abeck. Meist erwischt es die besonders exponierten „Lichttreppen“: Tumoren entstehen bevorzugt im Gesicht, im Nacken, an den Ohren, auf der Kopfhaut oder auf dem Handrücken.

Stachelzellen und Basalzellen

Beim hellen Hautkrebs unterscheiden Dermatologen zwei Varianten: Stachelzellkrebs entsteht aus Vorstufen wie den aktinischen Keratosen, also schuppigen, geröteten Hautstrukturen. Diese bösartigere Form zerstört immer mehr Gewebe, bei fortgeschrittenen Stadien sind auch Metastasen möglich. Hingegen entsteht Basalzellkrebs ohne erkennbare Vorstufen. Sichtbar werden flache Knötchen, die sich gelegentlich dunkler verfärben oder ins Rötliche gehen. Diese Version vernichtet das Gewebe lokal, neigt nicht zur Bildung von Tochtergeschwülsten, kann aber in tiefere Gewebeschichten bis hin zum Knochen einwachsen.

Sonnenschirm aus der Tube

Vorbeugen ist und bleibt die beste Alternative – Patienten in der Apotheke sollten deshalb über konkrete Schutzmaßnahmen informiert werden. Eine Studie der Berliner Charité zeigt die Notwendigkeit: Zwar cremen sich viele Menschen vor dem Sonnenbad ein. Allerdings wird meist deutlich zu wenig aufgetragen – im Schnitt nur ein Viertel der erforderlichen Menge. Besonders sparen die Sonnenhungrigen bei Formulierungen mit hohem Lichtschutzfaktor. „Dadurch war der Schutz oft noch geringer als bei denjenigen, die Cremes mit niedrigem Lichtschutzfaktor aufgetragen hatten“, so Dr. Claas Ulrich von der Charité. Deshalb ist gerade bei diesen Präparaten eine entsprechende Beratung im HV erforderlich.

Besonders gefährdet sind Patienten mit ausgeschaltetem Immunsystem: Versagen die körpereigenen Mechanismen der Tumorabwehr, lässt der weiße Hautkrebs nicht lange auf sich warten. Ärzte gaben jetzt im Rahmen einer Untersuchung 60 Probanden mit Immunsuppression, die bereits Anzeichen dieser Tumorerkrankung zeigten, ein Sonnenschutzpräparat mit Lichtschutzfaktor 50 plus. Jeden Morgen mussten sie sich damit einreiben, bevor sie das Haus verließen. Nach zwei Jahren war die Zahl der aktinischen Keratosen um die Hälfte gesunken, und die Zahl der manifesten Krebserkrankungen hatte nicht zugenommen. Privatdozent Dr. Günther Hofbauer von der Uni Zürich: „Wir empfehlen unseren immunsupprimierten Patienten, sich mit einem Lichtschutzfaktor über 50 einzucremen, und zwar täglich, sogar im Winter.“ Dieser Rat sollte in der Apotheke bereits bei der Abgabe entsprechender Präparate erfolgen.

Kürzlich machte eine Entdeckung Schlagzeilen: Reparatursubstanzen wie das aus Algen gewonnene Enzym Photolyase können nach einer Sonnenexposition körpereigene Reparaturmechanismen unterstützen. In Liposomen verpackt, gelangen die Stoffe direkt an den Ort des Geschehens. Hier sind allerdings noch weitere Untersuchungen erforderlich.

Viele therapeutische Strategien

„Heller Hautkrebs lässt sich fast immer heilen. Aber dafür muss er unbedingt so früh wie möglich medizinisch behandelt werden“, so Dr. Günther Hofbauer. Leider nutzen noch zu wenige Menschen das kostenlose Screening der Krankenversicherungen – Versicherte ab 35 können sich alle zwei Jahre untersuchen lassen. Hier sind Apotheken gefragt, auf diese Leistung mit hinzuweisen, etwa im Rahmen von Aktionen zum Sonnenschutz. Haben Dermatologen einen hellen Hautkrebs entdeckt, greifen sie angesichts pharmazeutischer Möglichkeiten eher zum Rezeptblock als zum Skalpell. Oft verordnen sie das Zytostatikum 5-Fluoruracil. Mehrere Wochen lang regelmäßig aufgetragen, hemmt diese Substanz zuverlässig die Zelleilung. Studien haben jetzt bewiesen, dass bereits eine 0,5-prozentige Formulierung zu ähnlichen Ergebnissen führt wie die die altbekannte 5-prozentige Salbe. Mehrere Arbeitsgruppen fanden, dass zwischen 50 und 90 Prozent der Patienten damit den hellen Hautkrebs besiegen konnten.

Als weitere Option steht Diclofenac zur Verfügung, um die Enzyme COX-1 und COX-2 zu blockieren. Vor allem letzteres wird mit Prozessen wie der Bildung neuer Blutgefäße, der Hemmung des kontrollierten Zelltods oder der Proliferation von Tumorzellen in Verbindung gebracht. Durch Hyaluronsäure erhöht sich die Bioverfügbarkeit des Wirkstoffs, ganz verstanden ist der Effekt allerdings noch nicht. Auch hier liegt der Erfolg bei rund 80 Prozent.

Imiquimod, ein Immunmodulator, kurbelt hingegen die körpereigene Tumorabwehr an. Es kommt zur Ausschüttung von Zytokinen, körpereigenen Botenstoffen, und damit zur Aktivierung von Killerzellen gegen den Krebs. Studien bescheinigten der Therapie ebenfalls eine nahezu 80-prozentige Erfolgschance.

Vor allem bei fortgeschrittenen bzw. metastasierenden Basalzellkarzinomen waren die Erfolgsaussichten bis dato eher mager. Eine Phase II-Studie hat jetzt den Erfolg von Vismodegib, einem 2-Arylpyridin, unter Beweis gestellt: 104 Patienten, bei denen die Krebserkrankung weder chirurgisch noch klassisch-pharmakologisch in Griff zu bekommen war, erhielten täglich 140 Milligramm dieses Wirkstoffs. Laut dem Hersteller Roche sei der primäre Endpunkt der Studie jetzt erreicht worden – bei einem vorgegebenen Prozentsatz der Studienteilnehmer ließ Vismodegib die Tumore schrumpfen. Genaue Zahlen sollen noch veröffentlicht werden.

Helles Licht gegen hellen Krebs

Als eine der effektivsten Methoden gilt die photodynamische Therapie: Stoffe wie 5-Aminolävulinsäure oder Methyl-5-amino-4-oxopentanoat reichern sich vor allem in den stoffwechselaktiven Tumorzellen an und machen diese lichtempfindlich. Bei der Bestrahlung mit Rotlicht entstehen dann reaktive Sauerstoffspezies, und die malignen Zellen gehen im programmierten Zelltod zu Grunde.

Jetzt wird die Gabe des Photosensibilisators durch ein neues Pflastersystem deutlich einfacher: Forscher konnten bei einer Phase III-Multicenter-Studie den Vorteil dieser Methode zeigen. Es kam nicht nur zu hohen Abheilungsrate von rund 90 Prozent, sondern auch zu besseren kosmetischen Resultaten durch die standardisierte Freisetzung des Pharmakons. Auch eine Vorbehandlung, etwa durch eine Kürettage, war nicht erforderlich.

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Pharmazie

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