Emotionen: Zurückhaltung mit zwei Gesichtern

25. April 2016
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Männer gelten als emotional kompetenter und intelligenter, wenn sie mit ihren Gefühlen zurückhaltend sind. Hingegen wird eine verzögerte Reaktion von Frauen als unangemessen und eben nicht authentisch wahrgenommen. Weibliche Spontanität wirkt in dieser Hinsicht kompetenter.

Eine Person wird als emotional zurückhaltend bezeichnet, wenn sie ihre Reaktion auf emotionsauslösende Situationen kaum oder nur verzögert zeigt. Emotionale Zurückhaltung, oft auch als ‚männliche Emotion‘ bezeichnet, gilt in modernen westlichen Gesellschaften als eine wichtige kulturelle Norm, für Frauen wie Männer gleichermaßen. „Wir haben in zwei Experimenten untersucht, inwieweit emotionale Zurückhaltung bei Traurigkeits- und Wutreaktionen als ein Zeichen von emotionaler Kompetenz und allgemeiner Intelligenz wahrgenommen wird“, sagt Ursula Hess, Professorin für Sozialpsychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

In einem ersten Experiment untersuchten die Forscher, wie sich die emotionale Zurückhaltung einer Person auf die Wahrnehmung ihrer emotionalen Kompetenz auswirkt. Sie zeigten 59 Probanden Bilder von emotionsauslösenden Reizen und Videos von Personen, die auf diese Reize reagieren. Zuerst wurde den Probanden fünf Sekunden lang ein Bild gezeigt, das sowohl Traurigkeit als auch Wut auslösen kann (z.B. eine geprügelte Frau, geschlachtete Robben). Unmittelbar danach sahen die Probanden ein vier Sekunden langes Video, in dem ein Mann oder eine Frau entweder mit Traurigkeit oder mit Wut auf das zuvor gezeigte Bild reagierte.

Männliche Emotionen als Norm in der modernen westlichen Welt?

Die Videos starteten mit einem neutralen Gesichtsausdruck, aus dem heraus sich eine traurige oder wütende Emotion entwickelte. Die emotionalen Reaktionen zeigten sich schnell (0,5 Sekunden) oder langsamer (1,5 Sekunden) nach Ausblenden des Bildes. Dadurch sollte der Eindruck entstehen, dass die Person im Video ihre Emotion entweder sehr spontan äußert oder eben „emotionale Zurückhaltung“ übt, indem sie verzögert reagiert.

Die Probanden bewerteten im Anschluss jeweils, wie emotional intelligent, empfindsam und gesellig die Person im Video ist und wie authentisch und angemessen ihre Reaktion ist. In einem zweiten Experiment wollten die Forscher wissen, wie sich die emotionale Zurückhaltung einer Person auf die Wahrnehmung ihrer Intelligenz auswirkt. Dafür ließen sie 58 Probanden die gleichen Bilder und Videos betrachten wie im ersten Experiment. Die Probanden bewerteten im Anschluss wieder jeweils die Reaktion der Person im Video und ihre emotionale Kompetenz. Zusätzlich gaben sie an, wie intelligent sie die Person einschätzten.

Männer punkten mit emotionaler Zurückhaltung

Die Analysen zeigen: Männer werden als emotional kompetenter und intelligenter eingeschätzt, wenn sie verzögert reagieren. Diese Reaktionen werden auch als authentischer und angemessener bewertet als unmittelbare Reaktionen. „Für Männer scheint sich also die Auffassung zu bestätigen, dass emotionale Zurückhaltung auf gutes Urteilsvermögen hinweist, da es sowohl die Wahrnehmung von emotionaler Kompetenz als auch die Wahrnehmung der allgemeinen Intelligenz beeinflusst“, schlussfolgert Hess.

Für Frauen ergibt sich das entgegengesetzte Muster. Frauen, die unmittelbar reagieren, werden als emotional kompetenter und intelligenter erachtet als Frauen, die verzögerte Reaktionen zeigen. Unmittelbare Reaktionen werden zudem als angemessener und authentischer bewertet als verzögerte Reaktionen. Eine mögliche Erklärung sehen die Autoren darin, dass Frauen allgemein als emotional kompetenter bewertet werden und weniger dazu in der Lage, ihre Emotionen zu kontrollieren.

Authenzität steht für emotionale Kompetenz

Bezogen auf die Ergebnisse heißt das, dass verzögerte Reaktionen bei den eigentlich emotional kompetenteren Frauen als unnatürliche und strategische Reaktionen bewertet werden. „Für Männer und Frauen gilt gleichermaßen: werden ihre Emotionen als authentisch und angemessen bewertet, werden sie als emotional kompetent wahrgenommen“, fasst Hess die Ergebnisse zusammen. „Der Unterschied liegt in dem Verhalten, das als authentisch und angemessen bewertet wird: bei Männern ist es die emotionale Zurückhaltung, bei Frauen die emotionale Spontaneität. Man kann also sagen, dass männliche Emotionen tatsächlich nur für Männer gut sind.“

Originalpublikation:

Emotional Restraint is Good for Men Only: The Influence of Emotional Restraint on Perceptions of Competence.
Ursula Hess et al.; Emotion, doi: 10.1037/emo0000125; 2016

18 Wertungen (4.61 ø)

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25 Kommentare:

Gast
Gast

@Psychologe, Bosheit, auch Aggression, Machtstreben, Neid und was nicht alles steckt in JEDEM Menschen, auch schon im Säugling, der recht häufig auch seine Mutter beißt, auch wenn er das süßeste Kerlchen auf der Welt ist, in dem einen mehr, in dem anderen weniger.
Damit muss man sich abfinden, ebenso wie damit, dass eigentlich niemand ganz schlecht ist und auch seine guten Seiten hat.
Moderne Psychologen machen den großen Fehler, dem “Patienten” regelmäßig einzureden, dass nicht er selbst die Ursache ist für inakzeptables Fehlverhalten sondern immer ein anderer, besonders gern irgend ein traumatisches Erlebnis jenseits von allem an das man sich selbst erinnern könnte (Schwindler S.Freud).
Das hört man natürlich gerne.
Ich habe schon einen üblen Schläger kennen gelernt, der war richtig stolz auf seine Diagnose, die ihm irgend ein Gerichtspsychiater verpasst hatte. Die war dan immer seine Verteidigung, wenn er wieder mal von der Polizei (nicht ohne Gegenwehr) festgenommen wurde.
In diesen Kontext war die Kritik am “Rauslassen” bitte zu verstehen.

#25 |
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Gast
Gast

Wenn der Verursacher es abbekommt. wäre es ja besser als jemand Anderer, was häufig der Fall ist. Aber warum gelingt es nicht, den wiederholt geschilderten Zusammenhang zu sehen ?
Wer z. B. ist der Verursacher, aufgrund Kausalkette gar nicht mal so einfach..
Nehmen wir jetzt die spirituelle Sicht hinzu, stellen sich Fragen und Antworten nochmal neu.
Kurz ging es mir um in – und output von Gefühlen und sie sind halt beides.

#24 |
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@gast
Negative Gefühle kommen nicht aus dem freien Raum, sondern haben ein Ursache.
Was ist daran schlecht wenn der Verursacher die negativen Gefühle abbekommt.
Und nochmals. Ich bin kein Therapeut und will auch keiner werden. Ich bin Wissenschaftler !!!

#23 |
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Gast
Gast

Ist Ihnen wirklich nicht bekannt, Herr Bischoff, daß viele Menschen Probleme damit haben, Gefühle zuzulassen und die bekannten Abwehrmechanismen greifen ? Es geht also erst einmal um Wahrnehmung.
Dann malen Sie ein Ideal mit Ihrem rauslassen und noch einmal, haben Sie nicht gelesen, daß das dies auch – teilw. massive – Konsequenzen haben kann incl. eben auch Schädigung der Gesundheit ?
Was habe ich im übrigen mit Tierquälerei und Zerstörung zu tun ? Für halbnackte Frauen sind Psychologen/Therapeuten zuständig und es beeinflußt die Klienten-Auswahl.
Leben möchte ich aber schon mit Ihnen, überrascht Sie das ? ;-)

#22 |
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Gast
Gast

@Johannes Georg Bischoff, das kann ich ihnen leicht erklären, die Mamma beißen oder einen anderen in die Fresse schlagen und einen steilen Zahn vernaschen heißt Emotionen rauslassen, Sie wissen schon, damit diese bestimmten Stoffe, die Sie doch so gut kennen abgebaut werden, sonst werden doch die Regelkreise gestört … bei mir jedenfalls, der andere ist doch völlig Wurscht, es geht nur um MEINE Regelkreise und das Zuschlagen macht halt irre Spaß, darf allerdings bitte keiner zurückschlagen.
Aber das wird ein Sychologe nicht verstehen.

#21 |
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@gast
Ich weiß nicht was für sie der Unterschied zwischen “Zulassen” und “Rauslassen” ist. Bei Emotionen wie Wut oder Stress werden bestimmte Stoffe in den Körper gegeben die wieder abgebaut werden müssen, ansonsten werden die Regelkreise gestört. Und die Botenstoffe werden dadurch abgebaut, dass man sie an denen abbaut die diese verursacht haben, an wem den Sonst.
Ansonsten, Depression, Herzinfarkt, usw.
Wenn Sie das haben wollen, bitte. Sie müssen ja nicht mit mir leben.
Was Emotionen allerdings damit zu tun haben sollen, dass man Tiere quält und Spielzeuge zerstört und jeder Frau hinterherrennt die halbnackt herum läuft ist mir ein Rätsel.

#20 |
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Gast
Gast

Man ist nicht deshalb denaturiert, weil man nicht immer ” alles rausläßt “. Vor allem bedeutet es nicht, Emotionen zuzulassen. Haben Sie eigentlich die Vorkommentare nicht nur gelesen, sondern den Inhalten nähergetreten ?
Zulassen und ( alles ) rauslassen ist halt ein Unterschied. Kapieren Sie das eigentlich nicht, Herr Bischoff ?

#19 |
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@gast
Es mag sein, dass Sie, durch ihr “Mensch sein” so denaturiert sind, dass sie nicht mehr in der Lage sind Emotionen zuzulassen. Bei mir hilft es und ich kann es mir auch neurobiologisch erklären, dass es hilft.
Ich habe im Übrigen Psychologie als Wissenschaft (Schwerpunkt Neurobiologie) studiert, mit Psychotherapie habe ich nichts am Hut.
Ich denke eher in Regelkreisen.

#18 |
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Gast
Gast

Es ändert dennoch nichts daran, daß ” alles rauslassen ” Blödsinn ist, Herr Psychologe.

#17 |
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@gast
Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist die Sprache und ein vergrößertes Großhirn. Ansonsten kommen sie mir nicht mit dem ganzen Trullalla das im ernstfall über Bord geworfen wird. Erklären sie mir bitte was für einen Unterschied macht ob jemand auf einen Knopf drückt dass ein ihm unbekannter Mensch stirbt oder wenn jemand auf einen Kopf drückt, dass ein ihm unbekannter Mensch stirbt. (und was macht der Bomberpilot ???)
Im Übrigen:
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/potenz/geschlechtsverkehr-zur-krebspraevention-gute-nachricht-fuer-maenner-sex-mit-vielen-frauen-schuetzt-vor-prostatakrebs_id_4237052.html :-)

#16 |
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Gast
Gast

irgendwann wurde leider vergessen

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Ärztin

@8
Irgendwas irgendwo irgendwie…..

#14 |
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Gast
Gast

@Johannes Georg Bischoff “Psychologe”, Sie hängen immer noch an der völlig überholten Mode “alles rauslassen”???
Das klappt schon bei den unschuldigen Säuglingen und Kleinkindern nicht, die gerne Tiere quälen, Spielzeuge zerstören, am liebsten mit einem Hammer und ihre Mutter beißen (ist häufig!).
Und wenn ein genetisch normal veranlagter Mann auf der Straße ein fremdes besonders herausgeputztes Weib mit hautengen Hosen etc. vorbei gehen sieht, was soll er dann “herauslassen” oder lieber nicht herauslassen?
Schon bei Aristoteles könnten Sie nachlesen, was den Mensch vom Tier unterscheidet.

#13 |
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Gast
Gast

na klar haben die einen Sonderstatus, noch nicht gemerkt?

#12 |
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@gast
Warum soll ich einer Frau gegenüber keine Wut zeigen ???
Was soll denn dieser Unsinn.
Wenn mich eine Frau wütend macht dann zeige ich es ihr auch.
Frauen haben bei mir keinen Sonderstatus.
Der Unterschied zwischen Frau und Mann macht ein einziges Enzym.
Den Rest das Testosteron. Ich behandle eine Frau nicht anders als einen Mann.
Die ganze gesellschaftliche Etikette und das ganze Trullalla geht mir am .,. vorbei. Das Leben ist zu kurz sich mit so einem Quatsch zu beschäftigen.

#11 |
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Gast
Gast

Ja, es handelt sich um ein weibliches Privileg.
Wie kann man übrigens auch so einen undifferenzierten Unsinn schreiben mit der Empfehlung, die Wut IMMER rauszulassen, denn auch das kann massiv die Gesundheit schädigen..

#10 |
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Gast
Gast

Johannes Georg Bischoff es ist allerhöchst unangebracht, einer Frau gegenüber Wut zu zeigen.
Wie können Sie nur so einen unrealistischen Unsinn schreiben.

#9 |
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Psychotherapeut

Unsere Kriegsministerin Ursula von der L. ist da vielleicht ein Gegenbeispiel. Sie ist sehr vielen Menschen unsympatisch (und wird deshalb wohl auch nie Bundeskanzlerin werden.) Sie reagiert in Mimik, Gestik, Stimmlage immer irgendwie eine Spur zu viel, zu intensiv, vielleicht auch zu schnell. Das wirkt dann wohl irgendwie eindringlich und tendenziell aggressiv. Naja, manche Frauen finden das vielleicht auch gut, aus ideologischen Gender-Gründen.

#8 |
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Gast
Gast

Erst einmal geht es wohl darum, Gefühle überhaupt wahrnehmen, sie zulassen, evtl. ausleben zu können. Sie hochzupushen sowie sich zum Sklaven seiner Gefühle zu machen ist was anderes und das Gegenteil ist nicht die Abwesenheit von Gefühlen, emotional auch etwas anderes als überemotional.
Im Buch des Psychologen Grünewald ” Deutschland auf der Couch ” wie im nachfolgenden Buch ist von überdrehter Erstarrung die Rede, die Viele heute im Zeitgeist an den Tag legen.
Das muß man erst mal incl. Zusammenhang an sich rankommen lassen und mit EQ hat es wohl kaum etwas zu tun

#7 |
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Was ist denn daran “emotional kompetent” oder intelligent mit seinem vegetativen Nervensystem Schlitten zu fahren. Es ist höchst ungesund seine Emotionen zurückzuhalten und führt früher oder später zur Erkrankung des kardiovaskulären System, was dann im Schlaganfall oder Herzinfarkt endet.
Wenn man Wut hat soll man diese ausleben.

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Elvira M.
Elvira M.

Stimmt nur nicht Herr Schmidt, Männer sind kompetenter, glauben Sie mir.

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Psychotherapeut

Liebe Elvira M., ich habe genau das Gegenteil geschrieben und gemeint, als was sie da jetzt in Ihrem Satz sagen:
FRAUEN sind kompetenter in sozialer Kommunikation!

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Elvira M.
Elvira M.

Ich stimme Herrn Schmidt zu dass Männer emotional einfach viel kompetenter sind, was immer das moderne Wort auch bedeutet.

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Psychotherapeut

“Emotional intelligent” ist eine merkwürdige Wortzusammenstellung.
Als jemand, der etliche Jahre lang nur mit Frauen kommuniziert hat (Gynäkologie), mag ich wohl sagen, dass Frauen grundsätzlich emotional sehr viel offener und freier sind als Männer, denen es z.B. oft sehr schwer fällt, zu bekennen, dass sie unter Angst leiden, wenn sie die Diagnose “Krebs” erhalten haben. Das dauert oft ziemlich lange im Gespräch.

Frauen hingegen sind hier sowohl emotional wie auch im Sozialverhalten sehr viel kompetenter, indem sie sich sehr schnell zu ihrer Situation äußern können, was dann auch auf den Fortgang in einer Psychotherapie großen Einfluß hat.

Ob das überhaupt etwas mit “intelligent” zu tun hat, wage ich zu bezweifeln, wohl aber mit unterschiedlicher Kompetenzen im Äußern von Emotionen bei schweren Erkrankungen bei Frauen und bei Männern.

Ich muss gestehen, dass ich (vielleicht aus Gewohnheit) lieber mit Frauen und ihrer Offenheit arbeite als mit Männern, die eher dazu neigen verschlossen / emotional äußerungsarm zu sein.

(Natürlich sind manche “Frauen inzwischen auch nur Männer” – bedingt z.B. durch ihre beruflichen Kommunikationen und Umgebungen. Die Geschlechter gleichen sich schon an, aber zum Glück noch nicht so stark, dass man die Unterschiede nicht mehr wahrnehmen könnte.)

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