Virusinfektion: Hand in Hand mit der Depression

22. April 2016
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Virusinfektionen können depressiv-ähnliche Verstimmungen auslösen. Das Protein CXCL10, das eigentlich die Virusabwehr steuert, hemmt eine Hirnregion, die auch bei Depressionen vermindert aktiv ist. Eine Blockade des Proteins könnte Verhaltensänderungen vorab unterbinden.

Virale Infekte verursachen häufig Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und ein für Depressionen typisches Verhalten. Bislang war aber völlig unklar, wie Immunabwehr und psychische Veränderungen miteinander zusammenhängen. „Wir konnten jetzt die Mechanismen identifizieren, durch die das Immunsystem den Gemütszustand beeinflusst“, sagt Dr. Thomas Blank, Biologe am Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Die Forscher um Studienleiter Prof. Dr. Marco Prinz, Ärztlicher Direktor des Instituts für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg, wiesen im Mausmodell nach, dass bei der Vermittlung zwischen Immun- und Nervensystem die Blutgefäßzellen im Gehirn eine wichtige Rolle spielen. Diese Endothel– und Epithelzellen bilden das Protein CXCL10, das bislang dafür bekannt war, Immunzellen anzulocken und so zur Virusabwehr beizutragen.

Neurale Plastizität ist auch bei einer Depression verringert

Wie die Forscher nun zeigten, hemmt das Protein außerdem Nervenzellen im Hippocampus und damit auch die zellulären Grundlage des Lernens. Diese Eigenschaft einzelner Synapsen und Nervenzellen, sich in Abhängigkeit ihrer Nutzung zu verändern, wird als neuronale Plastizität bezeichnet und ist im Hippocampus auch bei einer Depression verringert.

Symptome einer Depression können auch durch Typ-I-Interferone verursacht werden. Diese Proteine werden zur Behandlung von Hepatitis C, bestimmten Krebsarten und Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Wie die Freiburger Forscher feststellten, wirken Interferone über denselben, neu beschriebenen Signalweg.

Einfluss von Virusinfektionen und Typ I-Interferonen auf Tiere

Den Einfluss von Virusinfektion und Typ I-Interferonen auf das Verhalten der Tiere untersuchten die Forscher in etablierten Experimenten, in denen Lernvorgänge, aber auch die Stimmung der Tiere gemessen wird. Tiere mit Virusinfektion oder Typ-I-Interferonen zeigten deutlich eingeschränktes Lernvermögen und waren weniger aktiv als die Kontrollgruppe, was als depressionsartiges Verhalten gewertet wird. Um Effekte durch die Krankheit selbst auszuschließen, verabreichten die Forscher den Tieren zusätzlich ein künstliches Virus-Erbgut sowie einzelne Bestandteile des Virus. Beides aktiviert das Immunsystem, ohne die Tiere krank zu machen. In beiden Fällen zeigten die Mäuse ein depressionsartiges Verhalten. Damit lässt sich der Verhaltenseffekt auf den neu entdeckten Signalweg zurückführen.

In zukünftigen Studien werden die Forscher die molekularen und zellulären Grundlagen untersuchen. „Unsere Daten lassen aber bereits vermuten, dass zumindest zu Beginn einer Virusinfektion oder bei einer Typ I-Interferon-Therapie eine Blockade von CXCL10 oder seiner Rezeptoren die ersten krankheitsbedingten Verhaltensänderungen unterbinden können“, sagt Prof. Prinz.

Originalpublikation:

Brain Endothelial- and Epithelial-Specific Interferon Receptor Chain 1 Drives Virus-Induced Sickness Behavior and Cognitive Impairment
Thomas Blank et al.; Cell Immunity, doi: 10.1016/j.immuni.2016.04.005; 2016

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2 Kommentare:

Gast
Gast

so isses, mit Grippe bin ich auch nicht so gut drauf.

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Heilpraktiker

Könnte es nicht vielleicht sein, dass keineswegs die bösen Viren den ohnehin schon geplagten Menschen jetzt auch noch mit einer Depression schlagen, sondern die ganze Sache vom Kopf auf die Füße gestellt gehört:
Ein Mensch mit einem Virusinfekt benötigt seine Energie für das Abwehrsystem.
Dieses sorgt mit Hilfe einer kleinen Modulation des psychischen Befindens dafür, dass diese Energie in die richtigen Kanäle geleitet wird, indem es Unlust zum Discogang, Sex, sprich: zu energieraubenden Aktivitäten, erzeugt.
Die “Depression” medikamentös bekämpfen hieße dann, den Heilungsprozess zu stören.
Nur so ein Gedanke, basierend auf der Grundannahme. dass physiologische Regelprozesse sich meistens entwickelt haben, weil sie evolutionär einen Sinn, sprich einen Überlebensvorteil, haben.

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