Heroin-Substitution: Opioide à la carte

22. April 2016
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Patienten mit Heroin-Abhängigkeit haben schlechte Karten: Methadon zeigt nicht immer den gewünschten Effekt und reines Heroin ist vor allem politisch umstritten. Jetzt zeigen Forscher, dass sich Hydromorphon als Alternative eignet.

Heroin führt rasch zu körperlicher Abhängigkeit. Ohne weitere Gaben kommt es zum gefürchteten Craving. Betroffene geraten in einen Teufelskreislauf. Ihr Leben dreht sich nur noch um Heroin. Neben psychosozialen Maßnahmen profitieren gerade Schwerstabhängige von einer Substitution mit Methadon. Es wirkt vergleichbar mit Opioiden, ohne einen „Kick“ auszulösen. Ärzten gelingt es in einigen Fällen, durch langsames Ausschleichen eine völlige Opioidabstinenz bei tolerierbaren Entzugssymptomen zu erzielen. Bei Schwerstabhängigen führt Methadon jedoch nicht immer zum Erfolg.

Politik trifft Wahrheit

Ärzten bleibt als Alternative, mit chemisch reinem Heroin zu substituieren und Patienten sauberes Besteck bereitzustellen. Damit lassen sich Infektionen vermeiden, aber auch soziale Abstiege stoppen. Die Kehrseite: Politikern ist Heroin als Sozialleistung schon lange ein Dorn im Auge. Als Alternative kommt retardiertes Morphin zum Einsatz. Eugenia Oviedo-Joekes aus Vancouver wollte wissen, ob sich Hydromorphon als Alternative eignet. Das Betäubungsmittel kann einfach per BtM-Rezept abgegeben werden und ist in unterschiedlicher Galenik verfügbar.

Ein möglicher Ersatz

Im Rahmen der SALOME-Studie (Study to Assess Longer-term Opioid Medication Effectiveness) hat Oviedo-Joekes zusammen mit Kollegen untersucht, ob sich Heroin durch Hydromorphon ersetzen lässt, ohne Abstriche zu machen. Sie rekrutierte 202 Patienten mit Langzeitabhängigkeit. Alle Teilnehmer erwarben an 25 Tagen eines Monats Heroin auf der Straße, mit allen bekannten Risiken. Betroffene erhielten entweder reines Heroin oder Hydromorphon zur intravenösen Substitution. Auf den ersten Blick zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Während der Substitution mit Hydromorphon beschafften sich Abhängige ihre Droge noch an 5,5 Tagen pro Monat über dubiose Wege, verglichen mit 3,15 Tagen unter reinem Heroin. Berücksichtigte Eugenia Oviedo-Joekes nur Patienten, die wenigstens an 20 Tagen im Monat beim Studienteam erschienen waren, relativierte sich der Unterschied. Bleibt als Schwachstelle, dass die Daten auf Befragungen beruhen. Urintests ergaben zumindest keine großen Abweichungen. Damit steht umfangreicheren Studien nichts mehr im Wege.

20 Wertungen (4.05 ø)

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3 Kommentare:

Gast
Gast

Abstinenz im geschlossenen Camp ist der einzige Weg zurück.

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Das Problem der “Rauschgift-Sucht” besteht darin, dass die Rezeptoren an den sensorischen Synapsen so verändert werden, dass sie die Empfindlichkeit für die Neurotransmitter verlieren. Diese Rezeptoren-Empfindlichkeit ist kaum noch zu reparieren. Jede Ersatz-Droge kann als “Therapie” nur durch die Langzeitwirkung eine “Art Erfolg” versprechen. Der Schaden bleibt aber erst einmal erhalten. Es gehört zu den Seltenheiten, wenn sich Rezeptoren noch einmal selbständig reparieren. Das überaus hohe Bereitschaftspotential an den Synapsen wird zur pathologischen Hirn-Anomalie und auch die Ersatz-Drogen verschieben nur die Sucht-Empfindlichkeit. Der Psychiatrie-Patient ist nicht geheilt. Er bleibt im Durchschnitt ein “Pflegefall” für die Gesellschaft. (Natürlich kommt man um die “Austrocknung” der Mafia nicht drumherum.)

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Das Problem ist vielschichtig. Auszutrocknen ist die Heroin-Mafia nur dadurch, daß der Stoff rein und sauber über Rezept beziehbar ist, wenn jemand schon mal abhängig ist. Dann kann man mit der Entwöhnung beginnen, bis die Patienten eines Tages vielleicht nur noch mit Methadon oder mit gar nix leben können. Solange es den Schwarzmarkt und die Kriminalisierung auch der Kranken gibt, ist das Problem nicht lösbar. Das aber hat sich leider politisch bisher nicht durchgesetzt. Während es zwar dabei bleiben wird, daß eine Reihe an Menschen am Schwarzmarkt “angefixt” werden, danach aber sauberen Stoff auf Rezept (das Zeug kostet ja nix) bis zur definitiven Therapie bekommen könnten, wird sich dennoch der Schwarzmarkt finanziell nicht behaupten können, denn er lebt nur von den Dauerabhängigen. Die müsste man ihm entziehen, allein schon aus gesundheitlichen Gründen.

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