Gehirnaktivität: Stolperfallen für den Allrounder

20. April 2016
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Wer leicht zwischen Aufgaben hin und her wechselt, hat kürzere Reaktionszeiten und bessere Leistungen. Die Variabilität führt allerdings speziell in einer Gehirnregion dazu, dass diese Menschen irrelevante Reize nicht ausblenden können und sich schneller ablenken lassen..

Unser Gehirn kann auf denselben Reiz sehr unterschiedlich reagieren: Mal steigt die Gehirnaktivität stark an, ein anderes Mal nur wenig. Menschen, bei denen diese Schwankungen stärker ausgeprägt sind, zeigen kürzere Reaktionszeiten und bessere Leistungen. Psychologen der Goethe-Universität haben nun festgestellt, dass diese Menschen sich aber auch leichter ablenken lassen.

Linkes Frontalhirn als Koordinator

Die Wissenschaftler um Prof. Christian Fiebach erfassten die Gehirnaktivität mithilfe der fMRT. Sie baten ihre Probanden, im fMRT-Scanner eine Aufgabe zu bearbeiten, die zum einen erfordert, flexibel von einer Anforderung zur anderen zu wechseln, in der die Probanden manchmal aber auch stabil bei einer Aufgabe bleiben müssen und irrelevante Reize ignorieren sollen. Im Alltag begegnen uns diese wiederstreitenden Anforderungen an kognitive Stabilität und Flexibilität häufig, zum Beispiel wenn wir versuchen, in einem vollen Zug die Gespräche von Mitreisenden zu ignorieren um uns auf ein Buch zu konzentrieren (=Stabilität), jedoch bei Ankündigung des Schaffners durchaus wechseln können und zum Beispiel die Fahrkarte aus der Tasche holen (=Flexibilität).

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Das Bild zeigt fMRT-Aufnahmen von Hirnarealen, in denen ein variableres Aktivierungsmuster zu einer besseren Leistung führt. © Armbruster-Genç

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Variabilität der Hirnaktivität zum einen hilfreich ist: Personen mit einer variableren Hirnaktivität machten weniger Fehler, und zwar unabhängig von den genauen Anforderungen. Jedoch führt Variabilität speziell in einer Region im linken Frontalhirn auch dazu, dass man irrelevante Reize nicht so effizient ausblenden kann“, erklärt Erstautorin Dr. Diana Armbruster-Genç. Dieser Befund ist deshalb für Kognitionsforscher interessant, weil sie vermuten, dass besagte Hirnregion den Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben koordiniert. Diese Vermutung wird durch die Studie untermauert, denn sie zeigt, dass spontane Fluktuationen in der Aktivierung dieser Region für die Leistung beim Wechsel von Aufgaben oder aber deren Beibehaltung von Bedeutung sind. Inwiefern die Variabilität der Gehirnaktivität unter Umständen beeinflusst werden kann, muss noch untersucht werden.

Originalpublikation:

Brain Signal Variability Differentially Affects Cognitive Flexibility and Cognitive Stability
Diana J. N. Armbruster-Genç et al.; Journal of Neuroscience, doi: 10.1523/JNEUROSCI.2517-14.2016; 2016

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2 Kommentare:

Am Ende wird sich vielleicht noch herausstellen, dass ADS keine Krankheit sondern eine Begabung ist, die in unsere Gesellschaft nur leider nicht mehr passt. Dass ich das noch erleben darf…

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Gast
Gast

Wo das in meinem Kopf stattfindet, ist mir relativ egal, aber das es so ist, nicht neu. Warum sind diese Leute denn schnell beim Wechseln von einem Thema zum anderen? Sie wägen nicht lange ab, ob sich die Beschäftigung mit dem Neuen lohnt oder nicht, sondern machen einfach. Oder wie mein alter Deutschlehrer schon sagte: Er verglich und verglich und verblich.

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