SIDS: Tod im Nähebett

7. Juni 2013
Teilen

Ein internationales Forscherteam ging der Frage auf den Grund, ob „Bedsharing“ mit einem erhöhten SIDS-Risiko verbunden ist und wie sich zudem zusätzliche Risikofaktoren auswirken.

Trotz des markanten Rückgangs beim plötzlichen Kindstod (Sudden Infant Death Syndrom: SIDS), was vor allem auf das Schlafen legen auf dem Rücken zurückzuführen ist, bleibt SIDS in den einkommensstarken Industrieländern die häufigste Todesursache bei Säuglingen zwischen der fünften Lebenswoche und einem Jahr. So starben 2008 in den USA 2.353 Babys an SIDS, was einer Sterberate von 0,6 pro 1.000 Lebendgeburten entspricht. In Deutschland starben laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2010 immer noch 164 Kinder an SIDS (0,2/1.000).

Weltweit größte SIDS-Analyse

Die  Forscher aus Großbritannien, Irland, Neuseeland, Schottland und Deutschland (Universität Münster) unter der Leitung von Prof. Robert Carpenter von der London School of Hygiene & Tropical Medicine haben für ihre Arbeit Daten aus fünf europäischen Fall-Kontrollstudien miteinander verglichen. Insgesamt analysierten die Wissenschaftler 1.472 SIDS-Fälle und 4.679 Kontrollfälle, die innerhalb des ersten Lebensjahres auftraten. Die internationale Studie „Bed sharing when parents do not smoke: is there a risk of SIDS?“ wurde kürzlich im „British Medical Journal“ veröffentlicht. Die wichtigsten Ergebnisse: Von den 1.472 Säuglingen, die einem plötzlichen Kindstod erlagen, schliefen 22,2 Prozent (323) mit den Eltern im selben Bett, bei der Kontrollgruppe waren es nur 9,6 Prozent. Die statistische Wahrscheinlichkeit, am plötzlichen Kindstod zu sterben, lag bei Babys, die mit den Eltern im selben Bett schliefen, bei 2,7 und zwar über alle Altersgruppen hinweg. Babys, die gestillt und in Rückenlage im Schlafzimmer der Eltern – die weder Alkohol oder Drogen konsumierten und Nichtraucher waren –  schlafen gelegt wurden, hatten eine statistische Sterbewahrscheinlichkeit von 0,08/1.000 Lebendgeburten.

Schliefen die Babys hingegen im Bett der Eltern und blieben alle anderen Risikofaktoren unverändert, erhöhte sich die Sterbewahrscheinlichkeit auf 0,23/1.000. Unter den Babys, die jünger als drei Monate waren, stieg die SIDS-Wahrscheinlichkeit  sogar um den Faktor 5,1. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Sterberisiko für Kinder, die mit den Eltern im selben Bett schlafen mit steigendem Alter abnimmt, während Eltern, die Raucher sind und Drogen konsumieren, das Risiko, das durch Schlafen im gemeinsamen Bett entsteht, noch zusätzlich erhöhen“, fasst Carpenter die Studienergebnisse zusammen. So hatten zwei Wochen alte Säuglinge, die mit ihren Raucher-Eltern im gemeinsamen Bett schliefen, ein um den Faktor 65 erhöhtes SIDS-Risiko im Vergleich zu gleichaltrigen Säuglingen von Nichtraucher-Eltern, die im selben Zimmer aber in getrennten Betten übernachteten. Bei zehn Wochen alten Säuglingen sank im Bett der rauchenden Eltern das SIDS-Risiko auf den Faktor 28, bei 20-Wochen-Babys auf den Faktor 9,7. „Wenn rauchende Eltern nicht mit ihren Kindern im gemeinsamen Bett schliefen, war das SIDS-Risiko vergleichsweise gering“, analysiert Carpenter. Wie fatal sich die Kombination mehrerer Risikofaktoren auf das SIDS-Risiko auswirken kann, zeigten die Forscher anhand eines drastischen Beispiels: Demnach haben 2,25 kg leichte Säuglinge, die im Bett der Eltern schlafen und von 18-jährigen rauchenden und Alkohol konsumierenden Müttern mit dem Fläschchen ernährt werden – deren Partner ebenfalls rauchen – eine statistische SIDS-Wahrscheinlichkeit von 125/1.000.

88 Prozent der SIDS-Fälle vermeidbar

„Unsere Modelle zeigen, dass 88 Prozent der Todesfälle, die beim Schlafen im gemeinsamen Bett aufgetreten sind mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht passiert wären, wenn die Babys in einem separaten Kinderbett in Rückenlage im gemeinsamen Schlafzimmer niedergelegt worden wären“, so die Studienautoren. Sogar bei den unter drei Monate alten Säuglingen, die gestillt wurden, wären 81 Prozent der Todesfälle vermeidbar gewesen, rechnen die Wissenschaftler anhand ihrer Modelle vor. Man müsse sich daher schon fragen, ob es das Risiko wert ist, ein Baby zu verlieren, wenn sich dies so leicht vermeiden lasse. Da als eines der wichtigsten Argumente für das gemeinsame Schlafen im Bett Eltern das häufigere und längere Stillen gilt, empfehlen die Studienautoren: „Um maximale Sicherheit für das Baby und optimale Voraussetzungen für das Stillen zu schaffen, raten wir Müttern ihre Säuglinge innerhalb der ersten drei Monate während der Nacht zu stillen, aber anschließend wieder in Rückenlage im separaten Babybett im gemeinsamen Schlafzimmer niederzulegen.“

BZgA empfiehlt folgende Vorbeugungsmaßnahmen gegen SIDS

Die BZga rät, Babys im ersten Lebensjahr beim Einschlafen grundsätzlich auf den Rücken zu legen. Laut Ansicht der BTgA-Experten ist ein Schlafsack gegenüber Decken zu bevorzugen, damit der Kopf des Säuglings durch nichts bedeckt wird, was einen Atemrückstau oder Überwärmung verursachen kann. Außerdem raten die Experten das Babybett im gemeinsamen Elternschlafzimmer aufzustellen, weil sich die regelmäßigen Atemgeräusche der Eltern positiv auf die Atemregulation des Babys auswirken. Das Babybett sollte „spartanisch“ ohne Kopfkissen, Fellunterlage und weiche Umpolsterung, dafür aber mit einer festen luftdurchlässigen Matratze ausgestattet sein. Die ideale Raumtemperatur liege bei 16 bis 18 Grad Celsius. Die Eltern sollten zumindest im ersten Lebensjahr für eine rauchfreie Umgebung sorgen.

Darüber hinaus empfiehlt die BZgA, Babys mindestens sechs Monate lang zu stillen, weil regelmäßig gestillte Kinder während der Nacht häufiger und leichter aufwachen, was die Gefahr eines Atemstillstandes reduziere. Weiterhin raten die BzgA-Experten den Eltern rechtzeitig einen Kinderarzt zu konsultieren, wenn das Baby häufig schwitzt oder auffallend blass ist, wenn Atempausen von über 15 Sekunden im Schlaf beobachtet werden, wenn es sich schwer wecken lässt oder sich das Baby häufig verschluckt, erbricht oder Probleme beim Trinken hat. Bereits im Februar berichtete DocCheck über SIDS und die wichtigsten Erklärungsmodelle wie Zwerchfell- und Triple-Hypothese, die zum Plötzlichen Kindstod führen können.

221 Wertungen (4.05 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

28 Kommentare:

Dr. Peter Mandry
Dr. Peter Mandry

Dr. Vera Scheibner bei Wikipedia:
In 1997, the Australian Skeptics awarded her the “Bent Spoon Award”. This award is presented annually to the Australian “perpetrator of the most preposterous piece of pseudoscientific piffle”:
“The unanimous choice of the judges was Dr Viera Scheibner for her high profile anti-immunisation campaign which, by promoting new age and conspiracy mythology and by owing little to scientific methodologies or research, poses a serious threat to the health of Australian children.”[2]

#28 |
  0
Dr. med. Wolfgang P. Bayerl
Dr. med. Wolfgang P. Bayerl

verehrte Frau Annette Peter,
das klingt ja bei Ihnen so,
als ob die “besten” Kinder Heimkinder wären :-)

#27 |
  1
Heilpraktikerin Marion Wolf
Heilpraktikerin Marion Wolf

Heilpraktikerin Marion Wolf
Hallo Frau Annette Peter, geben Sie doch bei Google einfach mal “Dr. Viera Scheibner ein, dann können Sie alles nachlesen.

#26 |
  1
Annette Peter
Annette Peter

Zu Nr. 24: Welche Untersuchung hat einen Zusammenhang zwischen Impfungen und SIDS gefunden ? Ich bin kein Statistikfreak, aber es gibt ein paar wissenschaftliche Grundregeln, die schon beachtet werden sollten. Also würde mich interessieren, auf welche Untersuchung Sie sich mit Ihrer Behauptung berufen. Ich bedanke mich schon mal für Ihre Antwort.

#25 |
  0
Heilpraktikerin Marion Wolf
Heilpraktikerin Marion Wolf

Marion Wolf
Heilpraktikerin
Die Tatsache, dass SIDS in allererster Linie mit dem Impfen zu tun hat, bleibt gerne unerwähnt. Die nächste Frage, die niemand stellt ist die, ob der Säugling einen starken Mangel an Enzymen u.o. Mineralien hat. Die Ernährung der werdenden Mütter ( und der übrigen Bevölkerung )lässt schon seit den 50ziger Jahren zu wünschen übrig. Vielleicht war der an SIDS verstorbene Säugling darum garnicht in der Lage sich weiterhin am Leben zu halten ???? Der Einfluss der Ernährung wird absolut unterschätzt, der Enzymgehalt in Fast Food Nahrung geht bedrohlich Richtung 0. Normalerweise bekommt ein Säugling mit der Muttermilch Enzyme, aber wenn die Mutter bereits fehlernährt ist, wo soll es dann herkommen. Ganz sicher nicht von Säuglingsfertignahrung. Und Enzyme sind nun mal überlebenswichtig.

#24 |
  3
Annette Peter
Annette Peter

Ich bin Ärztin und nicht Mutter. Und deshalb ist eine Entwicklung an mir vorbeigerauscht, auf die ich, hätte ich sie mir ausdenken sollen, nie im Leben gekommen wäre: das Baby mit ins Bett zu nehmen. Ich kann mich täuschen, aber dennoch möchte ich hier jetzt meinen allerersten Gedanken zum Besten geben: Was hat ein kleiner Säugling, den man im Schlafsäckchen auf den Rücken legen soll, ohne Decken und Kissen, zwischen 2 Riesen, die auf großen Kissen und unter warmen Decken liegen, zu suchen ? Ich finde, dass dieser Gedanke seine Berechtigung hat und dass man ihn nicht einfach – „sich tierisch über das Thema aufregend“ – beiseite schieben sollte.
Andererseits ist die Art, das Kind zu betten, wie sie wg. des SIDS-Risikos empfohlen wird, schon eine leere, einsame Sache: im nackten Kinderbettchen im Schlafsack auf dem Rücken, nichts, woran das Baby sich hinein(!)kuscheln kann. Es scheint, dass die Empfehlung der „idealen Säuglingslagerung“, die bzgl. des SIDS herausgeben wird, das genaue Ggt. von dem ist, was passiert, wenn das Baby bei der Mutter / bei den Eltern schläft, insbesondere, wenn Mutter und Kind beim Stillen einschlafen und sich die Mutter dann im Schlaf evtl. IRGENDWIE bettet und dabei das Kind evlt. IRGENDWO hinrutscht, möglicherweise mit dem Gesicht nach unten halb unter der Mutter und ganz unter einer schweren Decke zu liegen kommt …Wie gesagt: der fehlende Kuscheleffekt bei der „Anti-SIDS-Lagerung“ gefällt mir auch nicht, aber wg. der Unsicherheit, wo und wie das Baby letztlich in der Nacht zwischen den Erwachsenen (oder auch nur bei der Mutter) zu liegen kommt, gefällt es mir nicht, wenn man einfach sagt: „das Thema regt mich tierisch auf, natürlich wollen die Eltern ihr Kind mit ins Bett nehmen“. Und wenn jetzt jemand sagt: „Das passiert nicht, das hat man als Mutter oder Vater automatisch im Griff, da legt man sich doch nicht auf sein Kind“, dann würde ich antworten, dass niemand im Schlaf die Kontrolle über seine Motorik behält, es sei denn, er traut sich nicht, richtig fest einzuschlafen, und dann ist der Erholungseffekt einer solchen Nacht vielleicht noch schlechter als wenn man in der Nacht definitiv aufsteht und sich dann wieder alleine hinlegt und wirklich in den Schlaf fallen kann.
Dennoch bleibt der Eindruck, dass die „Anti-SIDS-Lagerung“ eine kühle, einsame Sache ist und ich verstehe einmal mehr, dass man dem Baby früher wenigstens einen Teddy ins Bett gesetzt hat, und zwar so, dass das Baby ihn auch spürt.
Ansonsten habe ich mich gerade mal so quer durchgegoogelt durch das Thema: Vergleiche aus den Entwicklungsländern hinken, denn dort schlafen möglicherweise sowieso mehrere Personen in einem Bett, da wird ein Baby kein Bett für sich alleine haben.
Vielen Diskussionsseiten kann man außerdem entnehmen, dass es die Mütter, ggf. auch die Eltern, sind, die nicht ohne die Kinder schlafen wollen, selbst wenn die Kinder älter sind. Da sollten die Erwachsenen schon ehrlich sein, wem sie wirklich einen Gefallen tun wollen (oder zumindest AUCH tun wollen).
Irgendwann muß aber jeder Mensch lernen, auch alleine schlafen zu können, je länger das hinausgeschoben wird, desto schwieriger ist es möglicherweise. Nimmt der Erwachsene das Kind zunächst regelmäßig mit in sein Bett, und dann soll das Kind plötzlich alleine schlafen, gibt es aus Sicht des Kindes keinen Grund, plötzlich so zurückgestoßen zu werden, und es wird sich immer wieder durchsetzen und doch bei der Mutter schlafen, die sich diesen Vorwurf nicht anhören möchte.
Weil es aus Sicht des Kindes keinen Grund gibt, einmal bei Mama schlafen zu dürfen und dann wieder nicht, denke ich, dass ein Säugling – mal ganz abgesehen von der SIDS-Geschichte – nicht gewohnheitsmäßig ins Erwachsenenbett gehört. Der kleine Mensch muß wissen, das er nicht alleine ist, das weiß er aber auch, wenn der die Eltern z.B. in der Wohnung hört (oder, wenn er mit im Schlafzimmer liegt, die Eltern atmen hört), das weiß er vor allem, wenn sofort jemand kommt und er hochgenommen wird, wenn er aufwacht und weint und nicht alleine gelassen sich wieder in den Schlaf weinen muß. Ich möchte sogar folgende These aufstellen: je früher (und damit: je „automatischer“) ein Mensch lernt, dass er zwar für sich in seinem „Bettbereich“ liegt, aber dennoch NICHT alleine IST, desto selbstverständlicher und angstfreier wird er später „alleine“, in seinem Zimmer, einschlafen können, weil er weiß: ich liege hier für mich, aber ich bin nicht allein.

#23 |
  0
Gesundheits- und Krankenpflegerin

Ich finde diese Spekulationen für werdende und frischegewordene Eltern eine Zumutung! Entweder man weiß, warum SIDS oder man sollte sich mit nicht-standhaften Aussagen zurückhalten.
Mich persönlich regen solche Diskussionen tierisch auf…
Ich bin selbst Mutter und war total verunsichert, weil es regelmäßig zu Diskussionsrunden kam, sei es in Familie, Krabbelgruppe, Kinderarzt … u.u.u.
Ich konnte es irgendwann nicht mehr hören!!!
Ist doch klar, daß die Eltern ihr Kind lieber mit ins eigene Bett nehmen…. wundert mich auch nicht!!!

Ps. Ich kritisiere nicht den Artikel, sondern das Thema allgemein!

#22 |
  1
Dr. Rüdiger Posth
Dr. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth, Kinder- und Jugendarzt u. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut
Fast hätte ich gesagt “alle Jahre wieder” werden wir Kinder- und Jugendärztinnen und-ärzte mit diesen Statistiken beglückt, die reine “Erbsenzählerei” sind und wenig über das Leben mit einem Säugling aussagen. Es mutet einen als zugleich Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut schon merkwürdig an, wenn man liest, was für komplizierte Rechnungen angestellt werden müssen, um zu dem Schluss zu gelangen, dass ein kleiner Säugling besser im eigenen Bettchen schläft als bei den Eltern im Ehebett. Und dann liegen die Risiken irgendwo im Zehntausenstel-Bereich. Mit viel höheren Risiken lebt jeder Mensch jeden Tag, auch was die Gesundheit seiner Kinder angeht. Der Verkehrstod ist nach wie vor das höchste Risiko, aber gehen wir deswegen mit unseren Kindern nicht mehr auf die Straße?
Aber abgesehen von solchen eher polemischen Argumenten: was wird denn hier überhaupt gerechnet? Die Prämisse des SIDS ist unbestritten eine multikausale, wobei das Raucherverhalten der Eltern, das Nicht-Stillen und die Frühgeburtlichkeit wohl das höchste Risiko darstellen. Bauchlage und Überwärmung (im gemeinsam geteilten Bett) sind nachrangige Risiken. Mögliche Gefäßanomalien im Bereich der Arteria basilaris oder der Vertebralarterien (anatomisch wie funktionell) sind diskutierte Mit-Ursachen. Das alles ist wissenschaftlich wie auch empirisch eindeutig erwiesen. Aber wieso geht man nun hin und zieht aus einer multikausalen Prämisse eine unikausale Conclusio, sprich Schlussfolgerung. So etwas gilt als klassische statistische Verzerrung. Ich persönlich halte das sogar für einen logischen Fehler.
Dazu kommt, dass man eine nachrangige (und nicht erstrangige) Prämisse für diese Conclusio wählt. Gerade das lässt, offen gesagt, auf eine weltanschauliche Beeinflussung des statistischen Ergebnisses schließen. Und noch ein Irrtum kommt dazu: hat man denn untersucht (wie auch immer möglich, Video-Installation?) wie die Mutter in der Nacht mit dem an SIDS verstorbenen Säugling umgegangen ist? Lag der Säugling mit dem Kopf vielleicht mit auf ihrem Kissen? Wie war er zugedeckt? Wie warm war es im Eltern-Schlafzimmer? Wie war die Matratze der Eltern beschaffen, – zu weich? Damit sind nur die verschiedenen weichen Risiken zitiert. Aber die Kernfage muss doch lauten, lag der Säugling nach dem Stillen vielleicht sogar in der Bauchlage? Hat die Mutter beim Einschlafen über das Stillen nicht beachtet, ihn rechtzeitig wieder in die richtige Position zu legen? Geht das überhaupt? Denn wenn der Säugling von der Brust “abdockt”, kann er sowohl in die Rückenlage wie die Bauchlage rutschen. Also Fragen über Fragen.
ber eine Schlussfolgerung wird als eine Wahrheit verkauft, und der/die niedergelassene Kinderarzt/ärztin, der/die die Eltern berät, vertraut auf diese “Wahrheit” und schadet womöglich der glücklichen und entspannten Nachtruhe von Eltern und Kind. Auf diese Weise lässt sich vielfältig der Bindung schaden, deren Gelingen positive Auswirkungen lebenslang für Kind und Eltern hat. Dr. med. Rüdiger Posth, http://www.rund-ums-baby.de/entwicklung

#21 |
  0

Fall-Kontrollstudien geben Hinweise, keine Fakten.

Ein Teil des Rätsels Lösung findet sich in der Zusammenfassung der von Michael Strausz referierten, r e t r o s p e k t i v e n Fall-Kontroll-Studie: “Conclusions – Bed sharing for sleep when the parents do not smoke or take alcohol or drugs increases the risk of SIDS. Risks associated with bed sharing are greatly increased when combined with parental smoking, maternal alcohol consumption and/or drug use. A substantial reduction of SIDS rates could be achieved if parents avoided bed sharing.”

Wenn Eltern Raucher sind, die Mutter des Säuglings Alkohol und/oder Drogen konsumiert bzw. z u s ä t z l i c h das Kind m i t im Bett der Mutter schläft, ist das SIDS-Risiko s t a r k erhöht. Wenn bei der nachträglichen Befragung nach einem SIDS-Fall diese Risikofaktoren alle n i c h t vorliegen, gibt es auf Seiten der Eltern einen verständlichen Mechanismus, der den plötzlichen Tod des Säuglings (“sudden infant death syndrome”) irgendwie plausibel erklärbar machen soll. Diese Eltern werden sich viel häufiger daran erinnern, dass ihr jetzt totes Kind zur Erleichterung des nächtlichen Stillens gelegentlich gemeinsam im Bett der Mutter (und des Vaters) gelegen hat. Eine wie auch immer geartete Vergleichsgruppe mit weiter gut gedeihenden Kindern wird sich nicht mal konkret erinnern wollen oder können, ob ihr Säugling jemals mit im Bett der Eltern geschlafen hat.

In der empirischen Sozialforschung ist das “social desirability”, die soziale Erwünschtheit von Antworten – ein Phänomen, das viele Studienergebnisse verfälscht. Die hier publizierte Schlussfolgerung ist mit einem einfachen Vergleich unlogisch: Weil Rauchen, Alkohol und/oder Drogen konsumieren das Autofahren sehr gefährlich werden lässt, würde man beim F e h l e n dieser Risiken doch nicht von jeglichem Autofahren abraten?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

#20 |
  0
Alexander Imtiaz
Alexander Imtiaz

In alle Entwicklungsländern ,Mutter und Säugling schlaffen zusammen in einem Bett .
Habe noch nie von einem “plötzlichen Tod” gehört.
Bei Seiten Wechsel nimmt die Mutter gleich das Säugling auch mit auf die andere Seite.
Egal welche Entfernung , zwichen Mutter und Säugling .bringt Risiken mit sich.

#19 |
  1
Hebamme

Die Überschrift lautet “Tod im Nähebett” – leider wird im gesamten Artikel über diese Schlafvariante nichts berichtet.
Denn in Deutschland schlafen die meisten Kinder während der Hauptstillzeit (0-6 Lebensmonate) nicht IM Bett der Eltern, sondern in einem separaten Babybett, das mit seiner offenen Seite am Bett der Mutter befestigt ist.
Fällt das Schlafen im Nähebett nun unter “Elternbett – bitte abraten” oder unter “eigenes Bett – bitte zuraten”?
Da hierzu Aussagen fehlen, hat der gesamte Artikel für meine Tätigkeit keinen Nutzen, schade!

Und wir sind ebenfalls eine von SIDS betroffene Familie (der Bruder meines Mannes und unsere Tochter sind daran verstorben) – jedoch wurden wir alle nie nach der Ernährung, der Schlafumgebung oder -position der Kinder oder unseren Drogen-, Alkohol und Nikotinkonsum befragt. Wie Glaubhaft sind somit die der Studie zugrunde liegenden Auswertungen von “Fallakten”?

#18 |
  0
Claudia Kneuker
Claudia Kneuker

Zitat : “Man müsse sich daher schon fragen, ob es das Risiko wert ist, ein Baby zu verlieren, wenn sich dies so leicht vermeiden lasse. Da als eines der wichtigsten Argumente für das gemeinsame Schlafen im Bett Eltern das häufigere und längere Stillen gilt,…”

Nach meiner Erfahrung ist das Stillen auf keinen Fall das wichtigste Argument das Kind mit im Elternbett schlafen zu lassen. Vielmehr haben die Eltern das Problem das ihr Kind nicht alleine schläft. Wie soll denn auch ein Neugeborenes verstehen das die Trennung von der Mutter (nach ca. 40 gemeinsamen Wochen ohne jede Trennung) jetzt auf einmal völlig normal sein soll ??? Die Babies schreien nach ihren Eltern damit sie die Sicherheit haben dass sie nicht alleine gelassen werden (ist ja auch für das Überleben absolut notwendig) und ich kann jede Mutter verstehen, die nach dem 5.,6.,7.,… mal aufstehen, Kind beruhigen, wieder hinlegen, gerade eingeschlafen, wieder aufstehen müssen, da das Kind wieder schreit… dann irgendwann mal auf dem Zahnfleisch gehen. Sie haben irgendwann einfach keine Kraft mehr und dann darf das Kind eben im Arm der Mutter oder des Vaters schlafen. Dort schlafen die Kinder in der Regel 3-4 Stunden ohne Probleme. Eines kann ich jedenfalls versichern, die meißten Eltern machen sich viele Gedanken um das Thema SIDS und schlafen mit schlechtem Gewissen und einer großen Anspannung weil sie ihr Kind im Bett lassen. Aber wie soll es denn sonst gehen ?? Sollen die Eltern gar nicht mehr schlafen ?? Am besten in Schichten am Bettchen sitzen ??? Die Eltern versuchen eh schon mit allen Mitteln das schlafen im Elternbett so minimal wie möglich zu halten.
Ich möchte damit jedenfalls sagen dass ich die Aussage : “Man müsse sich daher schon fragen, ob es das Risiko wert ist, ein Baby zu verlieren, wenn sich dies so leicht vermeiden lasse” den Eltern gegenüber eine Unverschämtheit finde!!! So etwas kann nur jemand schreiben der keinen Umgang mit verzweifelten Eltern hat. Ich finde da machen Sie es sich etwas zu leicht Herr Strausz!

#17 |
  0
Ärztin

Gute Zusammenfassung über bekannte Risikofaktoren.
Da es sich bei SIDS offensichtlich um ein Geschehen mit multifaktoriellen Ursachen handelt, sollten auch die Interventionsmaßnahmen sinnvollerweise alle Risikofaktoren mit einschließen.
Bei der Überwachung sollte man sich hinsichtlich Indikation und Art des Monitorings unbedingt von Experten beraten lassen. Die Überwachung der Atmung (Matten oder Anzüge) verhindert SIDS nicht.Sollen

#16 |
  0
Rettungssanitäterin

Man sollte sich einmal die Zahlen ansehen von Kindern die alleine in ihrem Zimmer schlafen müssen,diese dürfte um ein vielfaches höher sein.

#15 |
  0
Sebastian Gürtler
Sebastian Gürtler

@ #10: ja. so steht’s da und ist so zu verstehen. Das bezieht sich auf die verstorbenen Kinder. In der Kontrollgruppe, d.h. Kinder die unter möglichst gleichen Bedingungen (das ist natürlich der Knackpunkt bei allen Studien dieser Art: je nach dem, wie man die Kontrollgruppe zusammensetzt, kann man auch nur eine bestimmte Art von Antworten geben, wie Fr. Keim ja auch betont…) lagen die Kinder viel häufiger im separaten Bettchen, was die Vermutung unterstreicht, dass das Schlafen im Elternbett ein Risikofaktor ist.
Oder: worauf das “hä?” wohl zielt… Plakativ formuliert: Wie man die 78 % im separaten Bettchen hätte retten können, ist den Angaben im Artikel nicht zu entnehmen…
Die Überschrift “88% der SIDS-Fälle vermeidbar” ist FALSCH, was allerdings bei genauem Lesen darunter klarer wird…

#14 |
  0
Klaus Samer
Klaus Samer

Die genannten Zahlen reduzieren alles auf die SIDS Perspektive und dort letztendlich nur auf die Korrelation zwischen schlafen im Bett der Eltern und erhöhter SIDS Wahrscheinlichkeit.
Das schlafen im elterlichen Bett ist aber nur eine von vielen Korrelationen die SIDS beeinflußen. Das Risiko an SIDS zu sterben lag 2008 für Säuglinge bei 0,04% oder 215 Kindern.
SIDS ist für die Betroffenen schrecklich und man sollte sinnvoll Risikofaktoren ausschließen.
Aber deswegen alle Kinder die dieses Risiko nicht tragen und das sind 99,96% desewegen so zu behandeln als wären sie potentielle SIDS Kinder erscheint mir wenig sinnvoll. 2008 hätte man dann 651.000 Kinder nach den Regeln für SIDS Riskikokinder versorgen müssen, um die Kinder zu erreichen die es wirklich betrifft.
Das man Kinder nach Möglichkeit keinem Tabakrauch aussetzt und dass die Eltern nicht drogenabhängig sein sollten, ist wünschenswert oft aber unrealistisch auch dies sind Risikofaktoren.

Es gibt keinen Test der SIDS Kinder sicher indentifiziert, das man deshalb alle Kinder, auch die die kein SIDS haben, wie SIDS Kinder behandelt , darüber sollte man mal nachdenken. Auch darüber allen Eltern die ihr Kind im Bett in ihrem Bett schlafen lassen ein schlechtes gewissen zu machen denn 99,96% der Kinder haben gar kein SIDS Risiko.

SIDS muß weiter erforscht werden und vielleicht kann man irgendwann mal sicher und einfach darauf testen, bis dahin kann man SIDS auch als schicksalhaft und mit dem Leben verbundenes Risiko betrachten.

#13 |
  0
Ärztin

Sehr geehrter Herr Strausz,

Unicef UK distanziert sich von der Ihnen besprochenen Studie: http://www.unicef.org.uk/BabyFriendly/News-and-Research/News/UNICEF-UK-Baby-Friendly-Initiative-statement-on-new-bed-sharing-research/

Es wurden einfach zu viele Dinge in einen Topf geworfen und in keinem Fall geschaut, wie es ausschauen würde, wenn man sich an die Empfehlungen für den sicheren Babyschlaf im Elternbett hält.

Mit freundlichen Grüßen
C. Baris

#12 |
  0
Altenpflegerin

viele Hypothesen, kommt denn keiner auf die Idee,.. dass es mit dem Impfen zu tun haben könnte. Die meisten Kinder werden zwischen dem 2. und 4. Monat geimpft.
Eine Studie mit geimften und ungeimften Baby´s wäre eine interessante Alternative.

#11 |
  1
Dipl.-Heilpäd. ellen messerschmidt
Dipl.-Heilpäd. ellen messerschmidt

wenn von 100% Todesfällen 22% im Bett der Eltern stattfanden, dann starb der überwiegende Teil der Kinder78% im separaten Bettchen-hä?

#10 |
  0

na klar ist es die Bauchlage, kombiniert mit weichem Kissen.
Es fehlt mir da auch ein bischen das für und wider,
die Kräftigung von Rücken und Nackenmuskulatur ist auch nicht unwichtig
ebenso wie die NOTWENDIGE emotionale Bindung,
die in den “Nicht-westlichen Ländern” selbstverständlich ist.
Auch Babies unter einem Jahr haben so was wie Alpträume.

Gruß

#9 |
  0
Dr. med. Frauke Eisenhardt
Dr. med. Frauke Eisenhardt

Ist es nicht die Bauchlage bei Babies, die vermehrt für den plötzlichen Kindstod verantwortlich sein soll?

#8 |
  0

Kleiner Korrekturvorschlag, Herr Strausz: Gleich im zweiten Absatz wird Rückenlage fälschlicherweise als Haupt-Riskofaktor deklariert! Sie meinten aber sicherlich die Bauchlage.

MfG, M. Elliß

#7 |
  1

Ich frage mich nur, wie das in Afrika oder Asien aussieht? Schlafen die Mütter ohne Babys? Meiner Meinung nach, sind diese Kinder später selbständiger und selbstbewusster. Noch eine Frage: Wie schlafen die Tiere? Man sollte nichtrauchende Eltern, die auch keine Droge konsumieren, die mit Babys schlafen, mit eine selbe Gruppe von Eltern, die ohne Babys schlafen, vergleichen. Oder besser gesagt, Mütter. Dann ist in einem Bett genug Platz.

#6 |
  0

Bei der Koinzidenz zwischen drastisch erhöhter Mortalität und Faktoren, die nicht für einen fürsorglichen Umgang mit dem Säugling sprechen (Rauchen, Drogen, Alkohol) muss man sich fragen, ob es sich wirklich um natürliche Todesfälle handelt oder um Tötungen, z.B. durch Ersticken (weil z.B. das Kind im gemeinsamen Bett durch Schreien den Schlaf stört…) Solange nicht alle Fälle obduziert werden, bleibt diese Frage offen, wobei “spurenarmes Töten” sich auch bei der Obduktion dem Nachweis entziehen kann.

#5 |
  0
Nichtmedizinische Berufe

Liebe Leser,

vielen Dank für Ihr Feedback! Es handelt sich tatsächlich um “0,08/1.000 Lebendgeburten”, die Zahl wurde im Artikel bereits angepasst.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr DocCheck News-Team

#4 |
  0
Heilpraktiker

Bereits vor vielen Jahren stellten Ethnomediziner Erstaunliches fest:
Nach dem Sistieren der kindlichen Atmung ist der nächste mütterliche Atemzug offenbar der ‘Initialzünder’ für das Wiedereinsetzen der kindlichen Atmung, die dann zunächst exakt synchron dem mütterlichen Atemrhythmus läuft, um erst später zu einem eigenen Rhythmus zurückzukehren.
Aber das war natürlich nur eine empirische Beobachtung der Feldforschung (wenn auch durch Messungen von Atemfrequenz und -rhythmus gesichert), die heutzutage sicherlich angesichts der immensen Aussagekraft der rein statistischen Auswertung vernachlässigbar erscheint.

#3 |
  0
Heilpraktiker

Das mit den Zahlen ist mir auch aufgefallen. Aber für mich stimmt da vor allem etwas mit der Empfehlung der BZgA nicht: “Die Eltern sollten zumindest im ersten Lebensjahr für eine rauchfreie Umgebung sorgen.” Was heißt denn hier bitte “zumindest im ersten Lebensjahr”??? Ist Passivrauchen danach wohl unkritisch?

#2 |
  0
Weitere medizinische Berufe

“…hatten eine statistische Sterbewahrscheinlichkeit von 0,8/1.000 Lebendgeburten. Schliefen die Babys hingegen im Bett der Eltern und blieben alle anderen Risikofaktoren unverändert, erhöhte sich die Sterbewahrscheinlichkeit auf 0,23/1.000.”

Die Wahrscheinlichkeit erhöhte sich von 0,8/1000 auf 0,23/1000? Da stimmt etwas mit den Zahlen nicht…

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: