LSD: Im Schmelztiegel der Hirnregionen

19. April 2016
Teilen

LSD-Konsumenten berichten von einem Zustand der „Ich-Auflösung“, in dem die Grenzen zwischen Selbst und Umwelt verschmelzen. Im fMRT konnte das Gefühl anhand der stärkeren Kommunikation zwischen den Hirnarealen der Außen- und Selbstwahrnehmung nachempfunden werden.

Bekannt ist schon lange, dass psychedelische Drogen die Fähigkeit nehmen können, sich selbst als getrennt von der Umwelt wahrzunehmen und stattdessen einen Zustand „allumfassenden Bewusstseins“ entstehen lassen. Dieser Zustand ähnelt solchen Zuständen, die bei bestimmten psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen vorkommen. Die genaue organische Wirkung von LSD auf die Gehirnfunktion wurde bisher allerdings nicht untersucht. Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität haben mittels fMRT die Gehirnaktivität von 15 gesunden Menschen untersucht, denen zuvor eine niedrige Dosis LSD verabreicht worden waren. Die Aufnahmen haben sie mit Bildern einer Kontrollgruppe verglichen, die Kochsalzlösung erhalten hat.

Konnektivität nimmt zu

„Wir konnten feststellen, dass unter Einfluss der Droge die Vernetzung von Regionen höherer Hirnfunktion signifikant zunimmt“, erklärt PD Dr. Helmut Laufs von der Klinik für Neurologie der CAU. „Diese Hirnregionen entsprechen genau den Bereichen, in denen sich die Rezeptoren befinden, die auf LSD reagieren.“ Die Zunahme der Gesamtvernetzung im Gehirn unter LSD-Gabe entsprach dem Grad der Ich-Auflösung, den die Probanden berichteten.

1616_LSD_BLOCK

Unter Einfluss von LSD (rechts) nimmt die Vernetzung von Regionen höherer Hirnfunktion (Konnektivität) zu. © Enzo Tagliazucchi

Die Forscher lokalisierten eine besonders starke Zunahme der Vernetzung innerhalb von fronto-parietalen Hirnregionen, die führend verantwortlich sind für die Ausbildung einer Selbstwahrnehmung. Insbesondere beobachteten sie eine Zunahme der Kommunikation zwischen diesen Teilen des Gehirns und sensorischen Arealen, die Informationen über die äußere Umgebung des Körpers empfangen und sie für die weitere Verarbeitung anderen Gehirnbereichen weitervermitteln. „Die Hirnscans der Probanden deuten darauf hin, dass LSD die Sinneseindrücke aus der Umwelt unmittelbarer in die Selbstwahrnehmung miteinbeziehen lässt“, sagt der Erstautor, Dr. Enzo Tagliazucchi. „Dieses Verschmelzen der Außenwelt mit der eigenen Innenwelt entspricht der Bewusstseinsänderung unter LSD mit Ich-Auflösung.“ In weiterführenden Studien wollen die Wissenschaftler künftig auch andere psychedelische Drogen und deren mögliche Verwendung bei der Behandlung von Erkrankungen einschließlich Depressionen und Angstzuständen untersuchen. „Die Ergebnisse dieser Studie zeigen auch den grundsätzlichen Nutzen der bildgebenden Verfahren für die Untersuchung verschiedener Bewusstseinszustände wie Schlaf und Narkose, aber zum Beispiel auch bei bestimmten Epilepsiesyndromen“, sagt Laufs.

Originalpublikation:

Increased global functional connectivity correlates with LSD-induced ego-dissolution
Enzo Tagliazucchi et al.; Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2016.02.010; 2016

30 Wertungen (4.1 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

10 Kommentare:

Primarius Rainer Maria vonBacher (Sozialanalyst)
Primarius Rainer Maria vonBacher (Sozialanalyst)

welche objektiven Antworten?
Wenn Sie Versuche mit illegalen Drogen befürworten, müssen Sie das schon irgendwie begründen.
Stänkern gegen Anonymität ist nun wirklich kein Grund für Drogen.
Für mich sind Sie doch auch anonym.

#10 |
  7
Apotheker

@Gast
Ja, das dürfen Sie gerne kritisieren und Sie haben recht damit.
O.K.
Der Artikel über den wir uns hier austauschen handelt aber nicht vom “war on drugs” und dem Anstieg der Drogenkriminalität …
Ich habe mich – nicht im Schutze der Anonymität wie Sie – um objektive Antworten bemüht, auch wenn das einige hier nicht so sehen. Von Ihnen wissen wir eigentlich sehr wenig außer knappen Antworten. Haben Sie sich in diese Richtung belesen? Nach Hintergründen gesucht.
Nachdem wir hier aber nicht weiterkommen, ich nicht weiss mit wem ich auf welcher Ebene kommuniziere, wird dies mein letzter Beitrag zu diesem Thema sein. In Zukunft werden wir am besten nur noch anonym bloggen, dann kann jeder alles schreiben … herrliche Aussichten

#9 |
  1
Gast
Gast

@Dr. Christian Beck, möchten Sie was zur Sache sagen? Eine Frage beantworten?
Offenbar nicht.
Global sind Drogen eindeutig auf dem Vormarsch, das darf man noch kritisieren, oder nicht?

#8 |
  10
Apotheker

@ Gast #1, #2, #3, #6
Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie nicht persönlich ansprechen kann. Ihre hochgelobte Anonymität – von der ich sehr viel halte – verhindert die persönliche Ansprache.
# Gast 6: Was halten Sie denn davon einfach mal selbst nachzulesen? Im Internet oder noch besser in einer Bibliothek. Hab´ich selbst schon häufiger gemacht – macht Spaß und erweitert den Horizont.
Über die Gründe eines Verbotes im Kontext der 60er Jahre dürfen Sie selbst spekulieren. Aber wenn man diese Massstäbe ganz streng anlegen würde, gäbe es bedeutend weniger “”Rauschmittel”” und Medikamente. Schon mal darüber nachgedacht, wieviele Tote auf das Konto von Alkohol und/oder Drogen gehen? Ja, ich weiss – das ist so in unserem Kulturkreis üblich mit dem Alkohol und ich konsumiere auch. Aber was ist mit “Kath”? Hier verboten – im Jemen an jeder Straßenecke seit Jahrhunderten wenn nicht schon länger … oder die südamerikanischen Koka-Kauer.
Die Sache mit dem Ritalin (Methylphenidat): Ich mache Ihnen einen Vorschlag … bei der nächsten Mutter mit Ritalin-Rezept stellen Sie sich in die Apotheke mit Ihrem Namensschild “Gast” und erklären dieser Mutter das Ihr Kind eigentlich gesund ist und Sie und der Arzt das nur nicht verstehen bzw. falsch sehen – ich bin gespannt.
Ich möchte hier nicht der Ritalinanwendung bei Kindern einen Persilschein erteilen, aber Sie könnten sich dazu bitte exakter auslassen – am besten unter Angabe Ihrer Profession damit das einzuordnen ist.
Danke!

#7 |
  2
Gast
Gast

Ich stimme #1 und #2 zu,
was hat die Anonymität damit zu tun???
Ein Schutz gegen lästige ad hominem-Attakken,
die leider heute im Internet Mode sind.
Bei welcher Krankheit soll den LSD helfen?
Das Verbot ist ja nicht ohne Grund ausgesprochen worden.
Außerdem verstehe ich den Einwand von Ritalin bei Kindern nun überhaupt nicht.
Meinen Sie, dass das auch vorsätzlich bei gesunden Kindern angewendet wird?
Dann gehören die selbstverständlich auch in den Knast.

#6 |
  11
Apotheker

@ Frau Dr. Habersetzer: Danke für Ihre Klarstellungen!

LSD ist eine hochinteressante Substanz und wurde bis zum Verbot 1966 auch sehr intensiv beforscht. Stichwort hierzu: Psycholytische Therapie und Hanscarl Leuner. Sandoz gab die Substanz als Präparat “Delysid” an Mediziner ab und bat im Gegenzug um Erfahrungsberichte und andere Ergebnisse.
Stanislav Grof in Prag arbeitete ebenfalls mit LSD und konnte bei schweren psychischen Störungen und anderen Krankheiten beeindruckende Ergebnisse vorweisen.
Sämtliche Therapien und Studien wurden unter ärztlicher Kontrolle/Begleitung durchgeführt und haben nichts mit unkontrollierten Rauscherlebnissen im privaten Bereich zu tun.
Zur Zeit erlebt die Forschung/Therapie in diesem Bereich wieder mehr Interesse. In Deutschland müssen diese Studien genehmigt werden und auch die Hersteller des verwendeten LSD benötigen für eben diese Herstellung eine Erlaubnis der Bundesopiumstelle (BtmG Anlage 1 Substanz).

Zu #3: Es wurden mit LSD zu Beginn mehr “Menschenversuche” gemacht als Tierversuche. Der Grund: bei Erstsynthese 1938 durch Albert Hofmann durchlief die Substanz die (damals möglichen/durchgeführten) pharmakologischen/toxikologischen Prüfungen ohne besondere Ergebnisse. Nur beim Menschen scheint die halluzinogene Wirkung in geringsten Mengen so ausgeprägt zu sein (entdeckt 1943 durch Albert Hofmann) –> nachzulesen in: Albert Hofmann “LSD – mein Sorgenkind”
Geplant war durch A. Hofmann die Entwicklung eines neuen Analeptikums ähnlich des damaligen “Coramin” (= Nicotinsäurediethylamid).

#5 |
  6

Es ist merkwürdig, dass auf diesen fachlich so anspruchsvollen Artikel nur “No-Names” Kommentare abgeben.
@1 es ist noch kein “Wissenschaftler” verhaftet worden, der an minderjährige Kinder ohne ihre Zustimmung Methylphenidat verabreicht hat, die dann Amoklaufen. Studien zu LSD werden unter strengen Bedingungen mit freiwilligen Probanden durchgeführt
@2Lesen Sie die Zeitungen, dann haben Sie es in Deutsch
@3Mit den Tieren sind solche Studien mehrfach durchgeführt worden und auch viel schlimmere!

#4 |
  7
Gast
Gast

nur mit Tieren ist so was verboten

#3 |
  9
Gast
Gast

nee, es genügt, wenn man das alles englisch schreibt,
dann darf man alles,
sogar Bomben werfen und sagen, das sei wichtig für die Demokratie

#2 |
  16
Gast
Gast

müssen diese “Wissenschaftler” jetzt nicht verhaftet werden?
wie kann man nur!

#1 |
  14


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: