Hirnströme: Schnelle Männer, flexible Frauen

18. April 2016
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Frauen und Männer gehen mit Fehlern unterschiedlich um. Ihren Hirnströmen zufolge reagiert das männliche Gehirn stärker und schneller auf Handlungsfehler als das der Frauen. Frauen sind dafür jedoch in der Lage, ihr Verhalten nach begangenen Fehlern flexibler anzupassen.

Männer sind schneller und Frauen flexibler: Die Gehirne von Männern und Frauen reagieren unterschiedlich auf eigene Handlungsfehler. Diese Unterschiede sind so signifikant, dass sich allein aus den gemessenen Hirnströmen das Geschlecht vorhersagen lässt. Die Unterschiede in der Verarbeitung von Fehlhandlungen bei Frauen und Männern zeigen außerdem die Notwendigkeit geschlechterspezifischer Diagnose und Therapie psychischer Störungen. Das sind die Ergebnisse einer internationalen Studie, die Neurowissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zusammen mit dem Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der Universität Nottingham durchgeführt haben.

Fehlernegativierung bei Männern größer als bei Frauen

Bei 895 gesunden jungen Männern und Frauen wurde mittels Hirnströmen gemessen, wie sie auf gerade begangene, eigene Handlungsfehler reagieren. Die Probanden bekamen eine Aufgabe, die sie trotz ablenkender Reize wiederholt korrekt ausführen mussten. Die dabei entstehenden Fehler sind mit Flüchtigkeitsfehlern beim Bedienen technischer Geräte durch falsche Tastendrücke zu vergleichen. „Sobald wir einen Fehler machen, reagiert unser Gehirn im Bruchteil einer Sekunde und ermöglicht es uns, unser Verhalten effektiv anzupassen“, so Prof. Dr. Markus Ullsperger, Seniorautor der Studie. „Eine mögliche Reaktion besteht darin, nachfolgende Handlungen abzubremsen, um weitere Fehler zu vermeiden. Eine andere führt dazu, dass wir die Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Reize richten und ablenkende Reize ignorieren.“ Bei den Probanden zeigte sich, dass Männer die gestellten Aufgaben etwas schneller bearbeiten konnten als Frauen. Gleichzeitig reagierten ihre Gehirne stärker auf Handlungsfehler als die der Frauen: Eine auf der Kopfoberfläche messbare Spannungsänderung, die Fehlernegativierung, ist bei Männern größer. Frauen hingegen passten ihr Verhalten nach begangenen Fehlern flexibler an und verlangsamten ihre Reaktionen deutlich stärker als Männer. Allein die Muster der fehlerbezogenen Hirnströme reichen aus, um ohne die jeweilige Person zu sehen ihr Geschlecht vorherzusagen.

„Da die Häufigkeit vieler psychischer Erkrankungen, die zu Fehlhandlungen führen, unterschiedlich auf die Geschlechter verteilt ist, versteht man vielleicht die Geschlechtsunterschiede bei den Patienten auch besser, wenn man die Abweichungen bei Gesunden erklären kann“, so Dr. Adrian Fischer, Erstautor der Studie. „Die Fähigkeit, auf Fehler zu reagieren zeigt sich verändert unter anderem bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung oder der Schizophrenie. Daher erscheint es sinnvoll, verstärkt geschlechterspezifische Studien zu Ursachen, Diagnostik und Therapie dieser Störungen vorzunehmen.“

Originalpublikation:

Gender influences on brain responses to errors and post-error adjustments
Adrian G. Fischer et al.; Scientific Reports, doi: 10.1038/srep24435; 2016

22 Wertungen (4.41 ø)

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4 Kommentare:

Intensivmediziner
Intensivmediziner

Ich stimme #1 zu, wobei in der Originalarbeit allerdings auch steht, und das wird regelmäßig in solchen “Vergleichen” überlesen,
dass die “langsamere” Reaktion für 70% der Frauen gilt,
also für 30% NICHT.
Das bestätigt auch die Alltagserfahrung in gefährlichen medizinischen Sparten (Chirurgie). Es gibt da tolle nervenstarke und handlungsmotivierte Frauen, die besser sind als manche (ängstlichen) Männer,
aber es ist halt eine Minderheit. Na und?
Unbestritten haben die Frauen andere Stärken, wozu angeblich menschliche Kommunikationsfähigkeit und Sprachtalent gehören.
Wäre totlangweilig, wenn alle gleich wären.

#4 |
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Gast
Gast

@Gertrud Klumpp, leider sagt ganz indirekt #1 genau das gleiche wie Sie,
vermutlich haben Sie den Originalartikel nicht gelesen.

Denn doccheck macht hier aus der positiven “Fehlernegativierung” (EEG) etwas negatives, eine völlig inakzeptable Manipulation.

#3 |
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Tierärztin

Der größte Fehler dürfte immer der sein, festgestellte Unterschiede, egal worin, gleich immer in ‘besser’ und ‘schlechter’ einteilen zu wollen, lieber Gast #1, anstelle es einfach mal beim ‘ A ist anders als B’ zu belassen. Ganz ohne Qualifikation. Aber ich glaube, dieser Fehler ist geschlechtsunabhängig

#2 |
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Gast
Gast

Die Überlegenheit des männlichen Gehirns sehr diplomatisch ausgedrückt.
Kennt man ja beim Autofahren.

#1 |
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