Immunologie: Allergen im Schlummerschlaf

14. April 2016
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Durch die Kopplung von Allergenen an körpereigene Leukozyten könnten Allergien schon vor dem Auftreten unterdrückt werden. Im Mausmodell wurden den Tieren Zellen entnommen, mit dem Allergen versetzt und wieder injiziert. Dies hatte eine Toleranzreaktion zur Folge.

Forschern der MedUni Wien ist es gelungen, Allergene an köpereigene weiße Blutkörperchen zu binden, um bei einem zukünftigen, möglichen Kontakt mit dem betreffenden Allergen eine Toleranzreaktion auszulösen. Die Ergebnisse im Tiermodell sind viel versprechend und geben Anlass zur Hoffnung, dass es künftig möglich sein könnte, Allergien noch vor dem Auftreten zu verhindern – sei es durch eine „Impfung“ mit körpereigenen Zellen oder mittels anderer Impfstrategien. Die Forscher bedienten sich dazu einer Methode, die ursprünglich eigentlich in der Transplantationsmedizin eingesetzt wird – nämlich das Auslösen einer immunologischen
Toleranzreaktion für das Spenderorgan.

Allergene als „trojanisches Pferd“

Das zentrale Ergebnis: Die Mäuse, deren weiße Blutkörperchen mit den jeweiligen Allergenen verbunden wurden, blieben auch nachhaltig gegenüber der Allergie resistent. Zuerst werden dafür die weiße Blutkörperchen entnommen, mit dem Allergen „versetzt“ und anschließend gemeinsam mit einem Biologikum, das aus der Rheumatologie bekannt ist (Wirkstoff Abatacept) und einem Mittel aus der Immunsuppression und Onkologie (Sirolimus) wieder in den Organismus injiziert. Das derart eingeschleuste Allergen schlummert praktisch wie ein „trojanisches Pferd“ auf der Zelle – kommt es dann zu einem Kontakt mit dem Allergen, etwa mit Gräserpollen, ist der Körper immun gegen diesen „Angriff“ von außen.

Vision einer einzigen Impfung gegen Allergien

„Die nachhaltige Wirkung erweckt Hoffnung auf unsere Vision eines lebenslangen Schutzes vor Allergien mit nur einer einzigen Impfung. Für einen Einsatz in der Klinik ist es aber noch viel zu früh“, sagt Thomas Wekerle, Experte für Transplantationsimmunologie an der MedUni Wien. Dazu sind noch weitere, jahrelange Studien notwendig. Generell könnten aber vor allem zunächst Risikogruppen geimpft werden – zum Beispiel Kinder, deren Eltern an Allergien leiden. Ziel: Die Allergie überhaupt nie zum Ausbruch kommen zu lassen, damit schwere Folgen wie etwa Asthma ausbleiben.

Die Früherkennung und entsprechende Behandlung bei Allergien ist von zentraler Wichtigkeit. Mit den neuen Erkenntnissen könnte ein wichtiger Schritt in diese Richtung getan sein. Das Praktische sei, dass es sozusagen eine Landkarte der Allergene gebe, so Rudolf Valenta, einer der Autoren der Studie. „Man weiß ganz genau, welche Allergene bei einer Allergie wirken, daher könnte man das nützen, um die Zellen ganz gezielt zu immunisieren und tolerant zu machen.“

Originalpublikation:

Cell Therapy for Prophylactic Tolerance in Immunoglobulin E-mediated Allergy
Ulrike Baranyi et al.; EBioMedicine, doi: 10.1016/j.ebiom.2016.03.028; 2016

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