Herzinfarkt: Troponin legt falsche Fährte

13. April 2016
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Erhöhte Troponinwerte treten bei Herzinfarkten, aber auch bei einem Schlaganfall auf. Bislang beinhaltet die leitliniengerechte Herzinfarkttherapie eine starke Blutverdünnung, die aber für Schlaganfallpatienten gefährlich sein kann, da keine akute Erkrankung der Herzkranzgefäße vorliegt.

Eine erhöhte Konzentration des Herzenzyms Troponin im Blut eines Menschen kann auf eine akute Erkrankung der Herzkranzgefäße hinweisen. Troponin wird deshalb zur Diagnose eines Herzinfarktes eingesetzt. Allerdings tritt ein erhöhter Troponinspiegel auch bei vielen Schlaganfallpatienten auf.

Jedes Jahr erleiden fast 270.000 Menschen eine Durchblutungsstörung des Gehirns – einen Schlaganfall. Einige dieser Patienten weisen zudem eine erhöhte Konzentration des Herzenzyms Troponin auf. „Die Entstehungsmechanismen erhöhter Herzenzyme bei Patienten, die sich vordergründig mit Schlaganfallsymptomen in der Notaufnahme vorstellen, sind unklar“, sagt Privatdozent Dr. Christian Nolte, Oberarzt an der Klinik für Neurologie am Campus Benjamin Franklin und Wissenschaftler am Centrum für Schlaganfallforschung Berlin. „Wir wollten daher herausfinden, wie häufig eine koronare Pathologie die Ursache für den erhöhten Enzymspiegel ist“, fügt Dr. Hans-Christian Mochmann, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie hinzu.

Nicht gerechtfertigte Koronarangiographie für Schlaganfallpatienten

Mittels Herzkatheter untersuchten die Wissenschaftler aus der Klinik für Kardiologie und Neurologie Schlaganfallpatienten mit erhöhten Enzymwerten sowie Patienten, die sich aufgrund von Brustschmerz in der Notaufnahme vorstellten und deren Blut ebenfalls eine erhöhte Konzentration an Troponin zeigte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten mit akutem Schlaganfall und einem erhöhten Troponinspiegel deutlich weniger wahrscheinlich eine therapiebedürftige Herzkranzgefäßerkrankung aufweisen als Patienten mit Brustschmerzen.

Der Unterschied war mit 24 Prozent gegenüber 79 Prozent hochsignifikant, obwohl beide Patientengruppen ähnlich hohe Ausgangswerte hatten. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse erscheint es nicht gerechtfertigt, bei Patienten mit akutem Schlaganfall und erhöhtem Troponin routinemäßig invasive diagnostische Verfahren wie die Koronarangiographie durchzuführen. „Diese Erkenntnis ist für die Behandlungsrichtlinien entscheidend, die in diesem Punkt bisher vage formuliert sind“, kommentiert Privatdozent Christian Nolte die Ergebnisse der Studie.

Originalpublikation:

Coronary Angiographic Findings in Acute Ischemic Stroke Patients With Elevated Cardiac Troponin: The Troponin Elevation in Acute Ischemic Stroke (TRELAS) Study
Hans-Christian Mochmann et al.; Circulation, doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.115.018547; 2016

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2 Kommentare:

Elvira M.
Elvira M.

Eine sehr gute Empfehlung, da Deutschland ja inzwischen Weltmeister in Koronarangiographieen geworden ist.
Dafür wird dann zu wenig bei uns operiert :-)

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Troponin ist natürlich kein Herzenzym, wie durchgehend falsch ausgeführt, sondern als Strukturprotein Teil des kontraktilen zellulären Apparates.

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