Arachnophobie: Das zu große Krabbeln

13. April 2016
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Menschen, die an Arachnophobie leiden, überschätzen die Größe von Spinnentieren. Die Betroffenen können die angstbezogene visuelle Information nicht angemessen verarbeiten. Durch eine Expositionstherapie können die verzerrten Größeneinschätzungen korrigiert werden.

Phobien sind die häufigste Form von Angststörungen, die durch eine irrationale Furcht vor bestimmten Objekten oder Situationen gekennzeichnet sind. So kann schon die Vorstellung der Konfrontation mit einer Spinne bei Betroffenen mit Spinnenphobie ein Angstgefühl von lähmender Intensität auslösen. Eine Hypothese zur Ursache dieser Angst besagt, dass bei den Betroffenen die angstbezogene visuelle Information nicht angemessen verarbeitet wird.

Expositionstherapie korrigiert Verzerrungen

Zur Klärung dieser Hypothese ließen die Forscher um Dr. Youssef Shiban von der Universität Regensburg mehrere Patienten mit Spinnenangst sowie gesunde Probanden die Größe von Spinnen einschätzen – vor und nach einer Expositionsbehandlung. Bei dieser Therapieform werden Personen, die beispielsweise an Höhenangst oder eben Spinnenphobie leiden, wiederholt mit dem angstauslösenden Objekt oder der entsprechenden Situation konfrontiert. Ziel ist es, einen Lernprozess in Gang zu setzen, der den Betroffenen verdeutlicht, dass die Situation harmlos ist.

Der Versuch zeigte, dass die Patienten mit Spinnenangst die Tiere vor der Behandlung deutlich größer einschätzten als die gesunde Vergleichsgruppe vor Beginn der Therapie. Allerdings verringerte sich diese Verzerrung der Größeneinschätzung im Verlauf der Expositionsbehandlung deutlich, sodass nach der Behandlung keine Unterschiede zwischen den beiden Untersuchungsgruppen mehr festgestellt werden konnten. Die Beobachtungen der Wissenschaftler bestätigen die Annahme, dass Patienten mit Spinnenangst angstbezogene visuelle Informationen generell anders verarbeiten als gesunde Menschen, sich diese Verzerrungen aber durch eine Expositionstherapie korrigieren lassen.

Originalpublikation:

Treatment effect on biases in size estimation in spider phobia
Youssef Shiban et al.; Biological Psychology, doi: 10.1016/j.biopsycho.2016.03.005; 2016

17 Wertungen (4.35 ø)
Medizin, Psychiatrie

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9 Kommentare:

Gast
Gast

@Kathrin Hauseur, haben sie keinen Mann der das niedliche Krabbeltier entsorgt um Sie zu beruhigen?

#9 |
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Elisabeth Spies
Elisabeth Spies

@ Kathrin Hauseur: Und was wenn der Infarkt und die “Klappse” ausblieben und die Spinne einfach nur herumklettert? Letztlich ist das nur eine Überzeugung und keine feststehende Tatsache, was passieren wird. Maximal ließen sich Wahrscheinlichkeiten angeben und aus meiner Sicht (!) ist die für meine Variante deutlich höher.

#8 |
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Kathrin Hauseur
Kathrin Hauseur

Ich selbst habe eine unwahrscheinliche Angst vor Spinnen. Solang sie sich nicht bewegt ist auch alles gut. Da ekelt es mich. Dann versuche ich ganz Tapfer zu sein und sie zu töten. Aber das schaffe ich nicht vor Angst das sie schneller ist als ich. Also stehe ich Ewigkeiten bewaffnet mit was zum Schlagen also Schuh oder ähnliches habe Gummihandschuhe an und bin fast vermutlich wie ein Astronaut. Ich stehe und stehe und dann bewegt sie sich und ich bin Staar vor Angst kann nicht mehr atmen oder mich bewegen bis kurz vor der Ohnmacht. Dann laufe ich schnell aus dem Raum.
Meine Tochter sie wohnt nicht mehr Zuhause hat drei Vogelspinne. Sicher im terarium. Ich kann die größe sehr wohl beurteilen und so eingesperrt geht es auch gerade so. Zur Therapie… niemals würde ich egal was für eine Spinne diese auf mir laufen lassen. Ich würde einen Infarkt bekommen und wäre reif für die klappte.

#7 |
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Arzt
Arzt

ist zwar nicht angeboren,
aber trotzdem kein Grund für eine “Therapie”,
schon gar keine “Exposition”.
Ein paar vernünftige Worte sind genug.

#6 |
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Vielleicht helfen solche Bilder wie das Foto über dem Artikel. Schaut Euch das putzige Tierchen doch mal genauer an: macht Männchen und guckt aus treu-doofen Augen wie ein Schoßhündchen. Muss man davor Angst haben? Ganz abgesehen, von wieviel lästigen Schädlingen es uns im Lauf seines Lebens befreit. Da kann Spiderman nicht mithalten.

#5 |
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Nic. Kelling, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
Nic. Kelling, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

Interessant finde ich, dass viele Therapeuten mit Vogelspinnen arbeiten bei Arachnophobie- hat ja eine unwahrscheinliche Alltagstauglichkeit, wenn man in MItteleuropa lebt!;) Warum soll man denn massiert konfrontieren, wenn es dazu im Alltag keinerlei Veranlssung gibt? Mit Ki und Ju arbeite ich nur gestuft und dann auch nur so, das es in der Alltagsbewältigung Sinn ergibt! Wenn ich als Schüler eine soziale Phobie habe, muss ich ja auch keine Rede im Bundestag halten können… Also bitte: bleiben wir doch mal bei einer realitischd durchgeführten Konfrontation: verhindert auch genannte “Nebenwirkungen”

#4 |
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Frau im Gesundheitswesen
Frau im Gesundheitswesen

#2: Ich glaube kaum, dass ich 15 Minuten eine Tarantel auf mir herumlaufen lassen würde. Das Endergebnis wäre wahrscheinlich eine vollgemachte Hose, eine unheilbare Psychose oder ein Herzinfarkt. Nein danke.

#3 |
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Heilpraktiker

Nach Moshe Zwang ist die Phobie nach 15 Minuten weg (Dutzende Male durchgeführt)

#2 |
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Jürg Hurter
Jürg Hurter

Expositionstherapien können zu erheblichen körperlichen Verletzungen führen. Selbst erlebt, als ich eine Kollegin von ihrer Arachnophobie heilen wollte. Sie hat zugeschlagen. Die Kollegin.

#1 |
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