Rabattverträge: Wir pressen weiter

15. April 2016
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Rund 1,5 Milliarden Euro hat die AOK-Gemeinschaft im letzten Jahr durch Rabattverträge eingespart. Dahinter verbirgt sich politischer Sprengstoff: Immer weniger Generikahersteller haben die Ressourcen, sich daran zu beteiligen.

Jubelstimmung in der Vorstandsetage: „Nach 1,3 Milliarden Euro im Vorjahr haben wir das Ergebnis 2015 noch einmal verbessern können“, sagt Dr. Christopher Hermann. Er ist Chef der AOK Baden-Württemberg und Verhandlungsführer bundesweit gültiger Rabattverträge. Als Ergebnis für 2015 gibt er knapp 1,5 Milliarden Euro an. Zum Vergleich: Alle gesetzlichen Krankenkassen hatten im letzten Jahr auf diesem Weg rund 3,6 Milliarden Euro eingespart. Hermann weiter: „Durch die Arzneimittelrabattverträge haben die AOKs 2015 knapp elf Prozent bei den Arzneimittelausgaben einsparen können. Der GKV-Schnitt liegt bei 9,7 Prozent.“ Seine Kasse baut die bewährte Strategie deshalb weiter aus.

Neue Verträge, neues Glück

Seit April greifen zwei neue Verträge, nämlich „AOK XV“ und „AOK XVI“ mit insgesamt 106 Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen. Darin sind weitere, mittlerweile patentfreie Pharmaka enthalten, beispielsweise das atypische Neuroleptikum Aripiprazol und der Aldosteron-Antagonist Eplerenon. Laufende Verträge decken zusätzlich 276 Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen ab. Christopher Hermann bewertet die neuen Vereinbarungen mit Herstellern als „unverzichtbares Instrument, mit dem eine Krankenkasse ihre Arzneimittelausgaben individuell besser steuern kann“. Er rechnet – auch durch neue Pharmaka – bei allen GKVen mit einem Ausgabenanstieg von bis zu 40 Milliarden Euro.

Weniger Wettbewerb

Mittlerweile häufen sich die Anzeichen, dass bei Rabattverträgen das Ende der Fahnenstange erreicht sein könnte. Pro Generika zufolge liegt der Versorgungsanteil von Generikaunternehmen bei 77 Prozent. Eine Studie des IGES-Instituts zeigt jetzt gefährliche Trends: Hatten zwischen 2006 und 2009 noch rund 26 Hersteller Arzneimittel unmittelbar nach dem Patentablauf angeboten, so sank die Anzahl zwischen 2012 und 2013 auf lediglich 16 Unternehmen. „Setzt sich diese Tendenz weiter fort, wird das nicht ohne Folgen für den Wettbewerb und die Sicherheit der Arzneimittelversorgung bleiben“, sagt Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika. „Denn Wettbewerb und Versorgungssicherheit haben eine gemeinsame Grundlage: die Teilnahme möglichst vieler Generikaunternehmen an der Versorgung.“ Daher sei der zu beobachtende Rückgang „kein gutes Signal“.

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