BÄK-Wahl (5): Der Adlige

30. Mai 2011
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Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach entstammt einem uralten hessischen Adelsgeschlecht. Der 63-Jährige ist neben Grauduszus der zweite Niedergelassene, der sich Hoffnungen auf den Ärztechefposten macht.

Sie haben sich ja quasi in letzter Minute entschlossen, sich zur Wahl zum Präsidenten der Ärztekammer zu stellen. Wann und warum ist bei Ihnen diese Entscheidung gefallen?

1978 stand zuletzt ein niedergelassener Arzt an der Spitze der Bundesärztekammer. Angesichts der demographischen Entwicklung und des zunehmenden Ärztemangels gerade im niedergelassenen Bereich ist es heute wichtiger denn je, dass auch die ambulant tätigen Kolleginnen und Kollegen auf Bundesebene vertreten werden. Der Präsident der Bundesärztekammer muss einer für alle sein und sich für die Belange von angestellten und selbstständigen Ärztinnen und Ärzte stark machen. Ich will, dass die Ärzteschaft laut und mit einer Stimme spricht. Nur so kann es uns gelingen, ein leistungsstarkes Gesundheitswesen in Praxis und Krankenhaus mitzugestalten – und dies in ärztlich-ethischer Verantwortung!

Nicht böse sein, aber Sie gehören sicher nicht zu den bekanntesten Gesichtern unter den Kandidaten. Beschreiben Sie sich kurz. Wo liegen Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Meine Stärken: Zusammenführen statt spalten. Überzeugen, nicht überreden. Da, wo es sinnvoll ist, kooperieren, um Ziele durchsetzen zu können.

Meine Schwächen: hartnäckig den angestrebten Weg verfolgen; ungeduldig auf Verzögerungen reagieren

Als Vorsitzender des Ärztekammer Hessen hatten Sie stets die Förderung des Nachwuchses im Fokus. Wie sollen junge Menschen wieder zum Arztberuf motiviert und dort auch gehalten werden?

Wir können junge Menschen für den Arztberuf begeistern, wenn die Voraussetzungen wieder stimmen: Dazu gehören die gesellschaftliche Wertschätzung ärztlicher Tätigkeit, die Verbesserung der beruflichen Rahmenbedingungen und die Vereinbarkeit von Beruf, Freizeit und Familie. Neben einer stärkeren Praxisorientierung des Studiums ist die Qualität der Weiterbildung für die Nachwuchsförderung von besonderer Bedeutung.
Die Gestaltung der Weiterbildung muss sich an den heutigen Gegebenheiten und den Lebensrealitäten junger Ärztinnen und Ärzte ausrichten. Eine umfassende Weiterbildung ist nur unter Mitwirkung der niedergelassenen Ärzteschaft möglich.

Für den beruflichen Nachwuchs in Praxis und Krankenhaus müssen Beruf und Familie miteinander vereinbar sein. Dafür sind flexible Arbeitszeiten, ein Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, aber auch die Entbürokratisierung des Arztberufes dringend erforderlich. Der Nachwuchs geht dort hin, wo Arztsein Freude macht! Gemeinsam mit der Politik müssen wir neue Wege und Hilfen der Berufsausübung, zum Beispiel in Berufsausübungsgemeinschaften entwickeln und sektorenübergreifende Versorgung anbieten, ohne dass dadurch der Bestand der Einzelpraxen gefährdet wird. Das geplante Versorgungsgesetz zielt inhaltlich in die richtige Richtung. Darüber hinaus sind Politik und Gesellschaft gefordert, auch in ländlichen Gebieten strukturelle Bedingungen zu schaffen, die eine Niederlassung oder Anstellung im Krankenhaus für Ärztinnen und Ärzte attraktiv machen. Zwangsmaßnahmen und Planwirtschaft sind dagegen völlig fehl am Platz.

Sie haben sich zuletzt für eine Überarbeitung der GOÄ stark gemacht? Wie lauten Ihre Kernforderungen?

Die 1996 teilnovellierte GOÄ bildet weder die demographische Entwicklung noch die erfolgten Lohnsteigerungen und schon gar nicht mehr die rasante medizinische Entwicklung ab. Auch die Preissteigerungen der vergangenen 15 Jahre finden sich in der GOÄ nicht wieder. Ich mache mich für die Umsetzung der neuen GOÄ – wie sie die Bundesärztekammer bereits erarbeitet hat – stark. Die überarbeitete GOÄ muss „Gold-Standard“ für die ärztliche Vergütung werden!

Mit den neuen Arzt-Navigatoren von AOK und Barmer sind Praxis- und Klinik-Bewertungsportale wieder in der Diskussion. Viele Ärzte reagieren skeptisch bis verunsichert auf solche Online-Tools. Wie stehen Sie dazu?

Ja, wenn diese „Tools“ sachlicher Information dienen. Nein, wenn sie zum öffentlichen Pranger werden.

Kollegenaustausch über Arztforen, Praxis- und Klinikmarketing via Newsletter, Homepages oder Facebook, Datentransfer zu KVen, Kassen, Kammern oder Kollegen – das Internet hat auch die Arztwelt verändert. Wie stehen Sie grundsätzlich zu den Entwicklungen im Online-Bereich?

Niemand kann sich den elektronischen Medien heute mehr verschließen. Sie unterstützen die innerärztliche Kommunikation und machen schnellen Informationsaustausch möglich. Allerdings unter den strengen Auflagen des Datenschutzes. Sensible Patientendaten dürfen nur von Arzt und Patienten einsehbar sein!

Und jetzt noch ein paar Stichworte – was fällt Ihnen ganz spontan dazu ein?

Ausstieg aus dem Kassensystem
Die finanziell unzureichende, pauschale Vergütung der gesetzlichen Krankenversicherung spiegelt nicht die tatsächliche ärztliche Leistung wider. Daraus leitet sich jedoch nicht der Ausstieg aus dem Kassensystem, sondern die Forderung dach einer gerechten Vergütung der ärztlichen Tätigkeit mit der überarbeiteten GOÄ als „Gold Standard“ ab.

Sterbehilfe
Voraussetzung für die erfolgreiche Arzt-/Patientenbeziehung ist Vertrauen. Dazu gehört eine klare ethische Grundhaltung der Ärztinnen und Ärzte, die sich auf den Menschen in allen Phasen seines Daseins bezieht, also auch am Beginn und am Ende des Lebens. Als erstes Ärzteparlament hat die Delegiertenversammlung der hessischen Ärzteschaft am 26. März 2011 die Änderung der Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung in der Entwurfsfassung vom Februar 2011 abgelehnt und in einer Resolution die Mitwirkung des Arztes bei einer beabsichtigten Selbsttötung eines Patienten grundsätzlich ausgeschlossen. Für diese Überzeugung stehe ich!

Evidenzbasierte Medizin
Ist nicht alles. Patienten lassen sich nicht normieren, Evidenzbasierte Medizin kann nur ein Gesichtspunkt sein, unter dem Patienten behandelt werden.

Hausarzt-/Facharzt-Debatten
Ein Unding, weil sie spaltend wirken.

Priorisierung im Gesundheitswesen
Jeder Arzt priorisiert, wenn er die Probleme seiner Patienten ernst nimmt. Der Kränkere, Schwächere wird zuerst behandelt, das Notwendige vor dem weniger Notwendigen erledigt. Ärzte müssen sich nach ihren Patienten richten.

Verpflichtung zur Zertifizierten Fortbildung
Kompetenzerhalt durch Fortbildung ist schon immer Selbstverpflichtung des freien Arztberufes gewesen.

Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach wurde am 3. Dezember 1947 in Hameln an der Weser geboren. Nach einjährigem Biologiestudium widmete er sich von 1969 bis 1974 der Humanmedizin an der Philipps-Universität Marburg. 1976 erlangte er die Approbation, 1982 die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin. Von Knoblauch zu Hatzbach ist niedergelassen in fachärztlich internistischer Versorgung in Marburg. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Sein berufspolitischer Werdegang:

Seit 1993: Stellvertetender Vorsitzender des Landesverbands Hessen im Berufsverband deutscher Internisten
Seit 1996: Delegierter der Landesärztekammer Hessen (LÄKH)
1997 bis 2008: Vorstandsmitglied, stellvertretender Vorstand und zuletzt Vorstand der Carl-Oelemann-Schule in Bad Nauheim
Seit 2000: Mitglied des Präsidiums der LÄKH
2000 bis 2004: Mitglied im Vorstand des Berufsverbands deutscher Internisten
2000 bis 2010: Mitglied der Abgeordneten- /Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen
Seit 2005: Präsidiumsbeauftragter Palliativmedizin
Seit August 2008: Präsident der Landesärztekammer Hessen

Lesen Sie hier noch einmal die vorangegangenen Teile der Reihe mit den Kandidaten Martin Grauduszus, Dr. Theodor Windhorst, Dr. Frank Ulrich Montgomery und Dr. Günther Jonitz.

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