Behindertenwerkstätten: Die Inklusionslüge

19. April 2016
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In Deutschland stagniert die Zahl an Kindern oder Jugendlichen mit Behinderung auf niedrigem Niveau. Trotzdem arbeiten immer mehr Menschen in Behindertenwerkstätten. Dahinter verbirgt sich ein veritables Geschäft – und eine Möglichkeit, Statistiken zu frisieren.

Ende März kommentierte Andrea Nahles (SPD) aktuelle Arbeitsmarktzahlen: „Der Trend am Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin sehr gut.“ Die Zahl der Beschäftigten bleibe hoch, sagt die Bundesarbeitsministerin. Ihre Datenbasis ist umstritten, seit Menschen in Behindertenwerkstätten oder ähnlichen Einrichtungen als berufstätig im klassischen Sinne gelten. Dieser sogenannte zweite Arbeitsmarkt wächst immer stärker, was sich nicht durch medizinische Gründe erklären lässt.

Wachstum übertroffen

Schon im Jahr 2008 schlug das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Alarm. Ein Forschungsbericht ging der Frage nach, warum Zugangszahlen bei Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) derart rapide steigen. Eigentlich hatten Sozialforscher ganz andere Trends erwartet. Die con_sens GmbH prognostizierte im Jahr 2003, dass die Zahl der Werkstattbeschäftigten bis Ende 2010 auf einen Maximalwert von 254.000 Personen steige, es danach aber zu einer deutlichen Abnahme komme. Weit gefehlt: Der vermutete Gipfel von 254.000 Plätzen wurde nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) schon 2005 überschritten, ohne dass sich ein Ende des Trends absehen lässt. Im November 2015 schufteten laut Statistik 306.579 Werkstattbeschäftigte in 682 Hauptwerkstätten beziehungsweise 2.705 Betriebsstätten. Aus Sicht von Ärzten wäre eine ganz andere Entwicklung zu erwarten gewesen.

Geburten auf der Goldwaage

Hier zu Lande verändert sich die Zahl an jungen Menschen mit Schwerbehinderung über die Jahre kaum, berichtet das Statistische Bundesamt (DESTATIS). In der Altersgruppe von null bis vier Jahren waren 14.275 (2009), 14.194 (2011) sowie 13.928 Kinder betroffen. Gleichzeitig führen Ärzte immer seltener Schwangerschaftsabbrüche durch. So verringerte sich die Zahl an Aborten von 114.484 (2008) auf 99.237 (2015). Auf den zweiten Blick zeigen sich gegenläufige Trends. Im Bereich der medizinischen Indikation geht die Kurve klar nach oben – von 2.989 (2008) auf 3.879 (2015). Wissenschaftler sehen Trisomien als Grund, was auch mit dem steigenden Alter von Müttern in Zusammenhang gebracht wird. Zu diesem Schluss kommen Forscher bei der Auswertung ihrer EUROCAT-Studie. Das National Down Syndrome Cytogenetic Register aus Großbritannien berichtet seit Jahren von mehr Aborten aufgrund von Trisomien. Offizielle Statistiken gibt es für Deutschland nicht. Bleibt als Fazit, dass es aus diesen Gründen eigentlich weniger Menschen mit Behinderung geben müsste. Doch woher kommen all die Beschäftigten in WfbM?

Der Rubel rollt

Um das Phänomen zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf wirtschaftliche Hintergründe. „Werkstätten sind keine Erwerbsbetriebe, sondern Einrichtungen zur beruflichen Rehabilitation“, schreibt die BAG WfbM. „Nicht Produktion und Umsatz stehen im Vordergrund der Werkstattarbeit, sondern berufsfördernde, berufsbildende und solche Leistungen, die den behinderten Erwachsenen helfen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln.“ Diese sozialrechtliche Argumentation steht auf tönernen Füßen. Der Staat unterstützt jeden Werkstättenplatz mit etwa 13.800 Euro pro Jahr. Beschäftigte erhalten durchschnittlich 185 Euro im Monat. Sie haben bereits nach 20 Jahren in einer WfbM Anspruch auf Rente, die über eine fiktive Größe berechnet wird, nämlich 80 Prozent des durchschnittlichen Verdienstes aller Rentenversicherten.

Mehrere Betriebe wachsen in diesem geförderten Umfeld immens, wie der Jahresbericht 2015 des Rechnungshofs Rheinland-Pfalz zeigt: „Nach den veröffentlichten Jahresabschlüssen 2011 der Werkstattträger, die in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH geführt wurden, erwirtschafteten drei Träger Verluste von insgesamt 1,0 Mio. Euro und 13 Träger Überschüsse von zusammen mehr als 12 Mio. Euro. Die Gewinnrücklagen von 17 Werkstattträgern beliefen sich Ende 2011 auf insgesamt 202 Mio. Euro.“ Vielen Politikern im Bundesland fehlt mittlerweile das Verständnis. Sie stehen hinter Empfehlungen des Rechnungshofs, Vergütungen zu reduzieren, um Überschüsse abzubauen. Es geht aber nicht nur um Fördergelder, sondern um Chancen für benachteiligte Menschen, den individuell besten Weg einzuschlagen.

Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt

Hubert Hüppe (CDU), ehemals Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, kennt die Problematik nur allzu gut. Er kritisiert, viele Personen mit Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt würden davon abgehalten, diese auch zu ergreifen. Sein Lösungsvorschlag: „Für Menschen, die zum Beispiel in eine Werkstatt gehen müssen, würde ich das Budget für Arbeit einrichten. Mit diesem Geld könnten sie selbstverantwortlich schauen, ob sie in eine Werkstatt gehen wollen oder ob es nicht doch Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt gibt.“ Inklusion ist momentan eher ein frommer Wunsch als eine gelebte Realität.

160 Wertungen (3.62 ø)

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30 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Im Falle vieler psychisch Behinderter (mich eingeschlossen) möchte ich ergänzen: Wer möchte schon auf den ersten Arbeitsmarkt? Der erste Arbeitsmarkt hat uns durch Mobbing , Leistungsdruck, unmenschlichen Strukturen oft krankgemacht.Die Arbeitswelt müsste sich gewaltig ändern, dass ich mich dahin (zurück)inkludieren wollte!

#30 |
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Gast
Gast

Der Artikel hat mich entsetzt. Etwa 80% allerBehinderungen werden im Laufe eines Lebens erworben, durch Erkrankung oder Unfälle. Hinzu kommt die deutlich steigende Zahl der Menschen mit Behinderungen aufgrund psychischer Ursachen. Neben der dürftigen Recherche bin ich entsetzt über die Oberflächlichkeit in der Betrachtung des Themas. Die Bedürfnisse behinderter Menschen scheinen nach Ansicht des Autors ja allein in der Integration am 1. Arbeitsmarkt zu liegen. Dort dann allerdings einer dauernden Überforderung, hohem Leistungsdruck und dem Risiko einer immer wiederkehrenden Arbeitslosigkeit ausgesetzt zu sein, weil wir eben in einer Leistungsgesellschaft leben, wird leider nicht beleuchtet. Der Schutzcharakter, den die Werkstätten neben einer bewältigbaren Aufgabe auch bieten, fällt ebenfalls unter den Tisch. Inklusion ist ganz sicher eine wichtige Aufgabe unserer Gesellschaft, die aber wohl ihren Anfang außerhalb der Werkstätten finden muss. Die Werkstätten beschreiten den Weg über Außenarbeitsplätze längst, aber es geht eben nicht alleine.

#29 |
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Arzthelferin

Ich glaube auch, dass es möglich ist, mehr Menschen mir Behinderung auf dem 1. ARBEITSMARKT zu platzieren. Dazu bedarf es jedoch gesellschaftliche und politische Änderungen. Inklusion gibt es in Deutschland nicht und ist auch nicht gewollt. Sicher gibt es viele Behinderungen, die absolut schwer sind und dort auch WfMB nötig sind. Doch jeder Behinderte bringt Geld für die damit beauftragte Institution und daher ist man bestrebt, möglichst viele in der WfMB zu halten. Ich frage mich seit 21 Jahren wo denn die Menschen arbeiten, die inkludiert sind. Ich sehe niemanden irgendwo arbeiten. Das ist also wirklich dummes Geschwätz, dass Menschen dazu eine Chance erhalten. Somit wird für mich hier von Politik und Gesellschaft ein Grundgesetz gebrochen.

#28 |
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Thomas Pemöller
Thomas Pemöller

Im Bereich Inklusion gibt es sicher in Deutschland noch sehr viel Verbessungs- und Diskussionsbedarf. Dieser Artikel ist jedoch in einer Art und Weise “unterirdisch” platt, daß ich mich hiermit sofort vom doccheck newsletter abmelde !

#27 |
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Dr. med. Brigitte Rappholz
Dr. med. Brigitte Rappholz

Ich denke, dass Herr van den Heuvel nicht viel persönliche Ahnung vom Alltag eines Behinderten hat und eine Statistik über die Zahl der NG mit Fehlbildungen oder frühen Entwicklungsstörungen/ Behinderungen ist doch nur die eine Seite der Medaille. Es gibt auch viele erworbene Behinderungen nach Unfällen/schweren Erkrankungen etc.,die bei Menschen auftreten, die infolge immer besserer Intensivmedizin eben Unfälle und schwere Krankheiten überleben (Meningitis, Intoxikationen, Zustände nach Sauerstoffmangel und erfolgreicher Reanimation! etc.) Dr.Rappholz – Kinderärztin, in Rehabilitationsmedizin für Kinder tätig gewesen, langjährige Hausärztin und jetzt im Ruhestand ehrenamtlich in der LEBENSHILFE e.V. aktiv.

#26 |
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Wo sollen denn die Menschen mit Behinderung in der heutigen Arbeitswelt eine Stelle finden?
Früher gab es oft in Krankenhäusern in der Küche, Wäscherei oder Bettenreinigung entsprechende Stellen. Und heute? “Outgesourced”, oder es herrscht extreme Personalknappheit und extremer Leistungsdruck auf die restlichen Mitarbeiter.
Wer kann es sich leisten, in seiner Praxis eine Mitarbeiterin mit z. B. Down Syndrom beschäftigen?
Wir sollten nicht die Werkstätten schlechtreden, die oft hervorragende Arbeit leisten, sondern langsam unsere gesellschaftlichen Prinzipien bezüglich Menschlichkeit überdenken!

#25 |
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Mitarbeiter von DocCheck

Sehr geehrter Herr Ulrich (#5),

vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben die entsprechenden Passagen geändert und korrigiert.

Beste Grüße
Die DocCheck News Redaktion

#24 |
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Jochen Halbauer
Jochen Halbauer

Das größte Defizit in unserer Gesellschaft sehe ich in der Bereitschaft von Arbeitgebern, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Vielen bleibt somit trotz genügender Qualifikation eine Chance im 1. Arbeitsmarkt verwehrt.
Hinzu kommt noch eine in vielen Fällen völlig ungenügende Vermittlungstätigkeit der Bundesanstalt für Arbeit.
Dass den WfbM, die Menschen mit Behinderungen eine berufliche Tätigkeit und ein strukturiertes Leben ermöglichen, hier durch den Autor ein generelles Profitdenken vorgehalten wird, ist völlig realitätsfern.

#23 |
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Roland Plath
Roland Plath

Sicher ist dieses Thema wert, dass darüber gesprochen wird. Doch auch ich bin der Meinung, dass es von Menschen bearbeitet werden sollte, die Ahnung von der Materie haben. Der Artikel suggeriert, als gäbe es nur eine Art der Behinderung, das Down-Syndrom. Doch gibt es eine Vielzahl von Behinderungen, die es notwendig machen dort einer geregelten Beschäftigung mit der Möglichkeit dazuzulernen. Schaut man sich der sog. “ersten Arbeitsmarkt” und hier u.a. auch die Stellenausschreibungen an, so ist dort immer weniger Platz für Menschen die nicht überdurchschnittlich Leistungsfähig und hoch qualifiziert sind. Dann gibt es immer weniger Arbeitgeber, die sich auf Menschen mit Unterstützungsbedarf einstellen und damit umgehen können und wollen. Ich selbst betreue als Heilpädagoge Menschen mit leichten geistigen Behinderungen. Von diesen Menschen sind nur extrem wenige in der Lage eine Perspektive auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Es fehlt ihnen oft nicht nur an der körperlichen und geistigen Leistungsfähig, sondern auch an vielen anderen Kompetenzen (z. B. Sozialkompetenz), um auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen zu können. Zudem kommt, dass sich unsere Gesellschaft immer noch viel zu sehr von Menschen mit Einschränkung abwendet! Sicher ist auch eine WfbM bestrebt die Verträge mit Hilfe von möglichst leistungsfähigen Mitarbeitern zu erfüllen, doch die Mehrzahl der sind dabei immer bestrebt, den behinderten Menschen eine realistische Perspektive zu bieten, auch wenn dieses bedeutet immer in der WfbM tätig zu sein! Also müsste sich erst unsere Gesellschaft an sich selbst und den Arbeitsbedingungen arbeiten, bevor solch platte Kritik an den WfbM’s heran getragen wird!

#22 |
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Dipl.-Psychologe Lothar Murzik
Dipl.-Psychologe Lothar Murzik

Eins hat die undifferenzierte Herangehensweise und mangelhafte Darstellung des BTHG( Bundesteilhabegesetz) schon jetzt erreicht, dass Mitarbeiter mit Behinderungen in einer WfbM sich vor englischen Zuständen fürchten, wo alle WfbM schon abgeschafft worden seien (Gerücht oder Wahrheit?)

#21 |
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Gast
Gast

Ganz so einfach ist die Betrachtungsweise jedoch nicht. In den Behindertenwerkstätten gibt es eine Anzahl “fitter” Mitarbeiter/innen mit Behinderung, die integrationsfähig sind. Diese schätze ich auf ca. 10 – 15% der jeweiligen Belegschaft. Ob dieser Personenkreis auch integrationswillig ist, möchte ich bezweifeln, denn es gibt eine ganze Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich aus eigenem Entschluss entscheiden, in einer Werkstatt zu bleiben. Dort sind sie die Spitze des Eisberges, verdienen meist nicht schlecht und können ihre sozialen Kontakte -oft auch zum wohl stärker behinderter Menschen- pflegen.
Natürlich wollen auch die Werkstattträger diese Personengruppe nicht unbedingt verlieren, sorgen sie doch dafür, dass Werkstätten auch anspruchsvollere Aufgaben (Außenarbeitsplätze, etc.) erledigen können und sich nicht nur auf die klassischen einfachen Werkstattarbeiten (zählen, wiegen, etc.) beschränken müssen.
Unabhängig davon ist natürlich auch in unserer Arbeitswelt zu sehen, dass Menschen, die nicht zu 100% leistungsfähig sind (aus welchen Gründen auch immer), immer schwerer einen Zugang zum sog. 1. Arbeitsmarkt bekommen bzw. diesen behalten können.
Ich denke, insgesamt wäre ein gesellschaftliches Umdenken notwendig, um auch den leistungsgeminderten oder leistungseingeschränkten Menschen eine auskömmliche Tätigkeit in beruflichen Bezügen sichern zu können.
Hier den schwarzen Peter allein den Werkstätten, die hervorragende Arbeit leisten. zuzuschieben ist weder fair noch zielführend.

#20 |
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Meine Patienten, die in solchen Werstätten arbeiten, hätten früher den Hof gekehrt oder Ziegen gehütet, heute wären sie dauerarbeitslos. Nicht jeder ist für komplexere Dinge schulbar.
Die Dummheit, mit die Bewertung solcher gesellschaftl.Probleme rangegangen wird, ist einfach unerträglich. Gut dass wir diese Werkstätten haben.

#19 |
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Gast
Gast

Schlecht recherchierter Artikel.
“Der Rubel rollt”. 13 Träger erwirtschaften Überschüsse von 12 Mio?! Herr von den Heuvel, was wollen sie damit sagen? Nicht einmal 1 Mio Pro Einrichtung!! Das ist lächerlich. Seien sie froh, dass es Träger gibt , die sich um Menschen mit Behinderungen kümmern. Offensichtlich haben sie nie in einer WfbM gearbeitet und sind nicht informiert über die Leistungsfähigkeit dieser Einrichtungen.
Als Arzt, der täglich mit Schwerbehinderten zu tun hat, kann ich nur sagen:” auf solch “Medizinjournalisten” können wir herzlich verzichten “…. Bei dem Herrn Diplom Chemiker hat es wohl für Chemie nicht gereicht. Für sozialmedizinische Themen reicht es aber noch viel weniger. Selten einen so oberflächlichen und schwach recherchierten Artikel bei doccheck gelesen.

#18 |
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Gast
Gast

Ein paar Eindrück aus der Praxis:
Mein Sohn hat gerade ein Praktikum in einer Behindertenwerkstatt absolviert. Wenn ich nach seinen Schilderungen gehe, wäre es mir ein Rätsel, wie diese Menschen im ersten Arbeitsmarkt unterkommen sollten. Es fehlt an Sozialkompetenz, Sachverständnis, Fingerfertigkeit. Die meisten brauchen allzeit verlässliche Ansprache, Führung und viel Zuwendung/Zeit.
Eine Frau allerdings stellte sich meinem Sohn als krank vor (vielleicht burnout?). Sie wäre hier, weil sie “draußen” nicht mehr als Bibliothekarin arbeiten könne und hat nun in der Behindertenwerkstatt wieder eine kleine Bibliothek aufgebaut. Für sie schien das segensreich zu sein. In der BHW wird mehr Rücksicht auf die Anliegen der Menschen genommen, der 1. Arbeitsmarkt ist viel härter und nicht jeder ist gewillt, sich mit Inklusion zu beschäftigen (auch wenn es verlangt wird). Das hastige Effizienzstreben in weiten Teilen des 1.Arbeitsmarktes verhindert mehr und mehr die menschliche Begegnung, die aber im Umgang mit Behinderten unumgänglich ist.

#17 |
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Gast
Gast

Also wirklich ein sehr undifferenzierter und inhaltlich zum Teil daher sehr schlechter Artikel! in einer WfbM arbeiten bekanntlicherweise nicht nur Menschen mit geistiger sondern auch zunehmend mit seelischer Behinderung, hier könnte sich also auch die beschriebene Zunahme erklären lassen…Und eine WfbM eher nur als schlecht zu beschreiben finde ich wirklich sehr einseitig und absolut undifferenziert, es gibt ja kaum andere Möglichkeiten gerade für Menschen die es auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht schaffen und nicht mehr in eine (Beschäftigungs-)tagesstätte gehen und für die es keinen Zuverdienst gibt. Wo bitte sollten diese Menschen integriert, gefördert werden und tagesstrukturierenden und nun mal auch sinnvollen Beschäftigungen nachgehen?

#16 |
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Gast
Gast

Leider ist der Artikel zu diesem wichtigen Thema sehr undifferenziert und lässt mangelnde Sach-und Fachinformationen erkennen.
Dem Autor möchte ich einen Besuch (besser noch ein Praktikum) in einer WfbM insbesondere mit ‘lern- und/oder geistig behinderten’ Menschen empfehlen. Das lehrt den Blick auf die Komplexität der Themen jenseits vereinfachender Allgemeinplätze, Zahlen und fragwürdigen Statistiken.

#15 |
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Barbara Lammers
Barbara Lammers

Wie kommt jemand in eine Behindertenwerkstatt ? Wie lange arbeitet er /sie täglich ? Was arbeitet er/sie ?

Barbara Lammers

#14 |
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sdfg sdfgh
sdfg sdfgh

Er ist doch bekannt für schlechte Berichte.

#13 |
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Biologin

Vermeintlich gemeinnützig. Aber nur solange sie Gewinner erwirtschaften. Auf den Werkstätten kommt kaum einer mehr in den ersten Arbeitsmarkt, weil man ohne die, die eventuell auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten könnten, die Quote nicht erreichen könnte. Längst sind die Werkstätten ein profitables Geschäft geworden und dienen genauso wie Sonderschulen der Exklusion.

#12 |
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Studentin der Humanmedizin

Bitte Abruptio schreiben, ein Abort ist kein SS-Abbruch!!!

#11 |
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Gast
Gast

Und natürlich:
umverteilen!
Ja klar!

#10 |
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Gast
Gast

Als Psychiaterin erlebe ich es immer wieder und zunehmend, dass Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit bei z.B. grenzwertiger Intelligenz, die auf dem ersten Arbeitsmarkt über viele Jahre eine Art beschützte Stelle hatten, mit klaren Anweisungen und auch einer gewissen Rücksicht gut klar kamen, mit jetzt zunehmendem Arbeitsdruck nicht mehr zurecht kommen, dann hin- und her-versetzt werden, weil man sie letztlich loswerden will, aufgrund ihrer konstitutionell geringeren Flexibilität dann immer mehr Schwierigkeiten bekommen und schließlich die Kündigung erhalten, dann früher oder später in der WfbM evtl. eine neue Stelle finden, weil es passende Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr gibt. Das liegt nicht an der WfbM, sondern an den Leistungsanforderungen unserer Gesellschaft.

#9 |
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Heilpraktiker Winfried Richter
Heilpraktiker Winfried Richter

Gast: wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt….. Wo sind die schlauen Köpfe die für eine gerechte Verteilung des Geldes der hart arbeitenden Bürger sorgen- Macht und Geld regiert die Welt

#8 |
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Als Neuropädiater und rehabilitationsmediziner gebe ich zu bedenken, dass Rehabilitatioinsmassnahen in Sonderschulen und WfB’s auch einen familienentlastenden Auftrag haben. Früher und jetzt bei einer Inklusion a tou prix wurde bzw. wird die Belastung wieder auf die familien übetragen. Bis die alten Eltern (meist Mütter) unter der Last zusammenbrechen

#7 |
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Abteilungsleiter Alexander Repp
Abteilungsleiter Alexander Repp

Unsere Gesellschaft produziert immer mehr Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen (Burn-out/Depressionen). Viele dieser Patienten haben auf dem 1. Arbeitsmarkt keine Change und landen in diesen Werkstätten. Diese wiederum versuchen diese Kräfte bestmöglich einzusetzen und teilweise auch wieder auf den 1. Arbeitsmarkt zu integrieren.
Oft handelt es sich dabei um ausgebildete Fachkräfte, die jedoch den Druck des 1. Arbeitsmarktes nicht mehr standhalten.

#6 |
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Ralf E. Ulrich
Ralf E. Ulrich

Spannendes Thema, spannender Artikel. Leider sind einige Passagen inhaltlich nicht zu verstehen, da Sätze unvollständig bzw. fragmentarisch geschrieben wurde.

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Dietmar Lindebner
Dietmar Lindebner

In meiner Einschätzung kann die angesprochene Thematik nicht alleine bei den Werkstätten ergründet werden. Man müsste deshalb zuerst erheben, wer mittlerweile in Werkstätten beschäftigt wird. Das sind nicht ausschließlich Menschen mit Behinderung, sondern zusehends Menschen, welche am 1. AM nicht bestehen können/konnten. Insofern würde eine Diskussion über einen menschenwürdigen, wertschätzenden, der Region und den Menschen verantworteten Arbeitsmarkt dem Thema besser stehen!

#4 |
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Michael Ziegert
Michael Ziegert

“ein veritables Geschäft” – ach ja…
Mit Verlaub, eine seriöse journalistische Recherche sollte dann doch anders aussehen.
Dass mehr Menschen in den Werkstätten sind, liegt ja wohl kaum an den Werkstätten. Oder liegt es an der Existenz der Arztpraxen, wenn mehr Menschen krank werden?
“Doch woher kommen all die Beschäftigten in WfbM?” Diese Frage wird gestellt, aber der Verfasser versucht nicht mal ansatzweise, sie zu beantworten. Vielleicht gibt es ja mehr Menschen, die eine frühe Geburt überleben? Vielleicht gibt es mehr Menschen mit Hirnschädigungen als früher, die Unfälle oder Erkrankungen überleben? Vielleicht gibt es ja immer mehr Menschen mit Burn-Out, die froh sind, in den Werkstätten arbeiten zu können?
Und “Gewinnrücklagen” – was soll der Quatsch, das sind doch alles gemeinnützige Träger, die nachweisen müssen, wo sie ihr Geld lassen?!
Und das “Budget für Arbeit” – auch das hätte man leicht herausfinden können – gibt es in einigen Bundesländern schon. Leider führt dies nicht messbar zu mehr Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt – was aber eher am 1. Arbeitsmarkt als an den Werkstätten liegt.

Also bitte, vor so einem Bericht erst mal Hausaufgaben machen.

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Ralf Beckert
Ralf Beckert

Ich schlage als Überschrift des Artikels vor: Die Anti-Inklusions-Lüge. Nicht gut, aber in der gleichen Qualität wie die Originalüberschrift.
Meines Erachtens spielt der Autor, wie viele Andere auch, mit der Inklusions-Illusion: Teilhabe geht ohne, oder zumindest mit wenig(er) Steuermitteln! Ich behaupte, gezielte Teilhabe-Förderung braucht mehr gesellschaftlichen Einsatz, mehr finanzielle Mittel.

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Ralf Beckert
Ralf Beckert

Der Autor hat recht. Die “Werkstätten für behinderte Menschen” (WfbM) werden nachgefragt, von den Kunden, den behinderten Menschen. Auch mehr, als “dürften”: Es stimmt auch, dass mehr Menschen, als sozialrechtlich eng gefasst (!) normiert, in die Wfbm gehen. Da scheint eine gute Arbeit gemacht zu werden? natürlich stimmt auch, dass die Vermittlungszahlen auf den ersten Arbeitsmarkt nur marginal sind? Kann man das nur den WfbM zurechnen, oder gibt es dort auch andere Barrieren? Ich kann und will hier nicht umfassend kommentieren. Mir scheint aber der Autor über Gemeinplätze nicht hinauszugehen! Ich empfehle dringend die sachliche vertiefende Befassung mit dem Thema, am besten in einer WfbM, oder auch bei den Anbietern, die Job-Coaching betreiben. Ein interessanter Ansatz zur Beschreibung der Leistungen der Werkstätten für behinderte Menschen ist übrigens der Social Return On Investment (SROI). Interessieren die Leistungen, übrigens auch die Schwierigkeiten, oder geht es nur um billige Angriffe? Wenn es um Angriffe geht, sind die Interessen zu prüfen, um die es geht. Apropos Interessen: Natürlich haben auch die WfbM und deren Träger Interessen… das ist weiter zu untersuchen, hier machen sich gegebenenfalls Untersuchungs-Gegenstände auf.

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