Colitis ulcerosa: Darmflora fühlt sich gebeutelt

31. März 2016
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Die Colitis ulcerosa kann man häufig medikamentös behandeln. Wenn nicht, wird ein künstliches Darmreservoir konstruiert. Doch auch dieses kann sich entzünden. Nun wurde vielversprechend getestet, ob ein Austausch der Darmflora den Zustand der betroffenen Patienten verbessert.

Etwa 200 von 100.000 Menschen leiden an einer Colitis ulcerosa, die zu einer erheblichen Einschränkung der Patienten im Alltag führt. Schafft man es nicht, die Erkrankten mit Medikamenten zu behandeln, muss der Dickdarm vollständig entfernt werden. Um die Reservoirfunktion des Mastdarms zu erhalten und eine normale Stuhlentleerung zu ermöglichen, wird anschließend aus dem Dünndarm ein künstlicher Enddarm konstruiert, ein sogenannter „Pouch“ (englisch: Beutel). „Leider kommt es auch in der Pouch immer wieder zu Entzündungen. Diese kann man mit Hilfe von Antibiotika gut bekämpfen. Schwierig wird es, wenn die Antibiotika nicht mehr wirken“, sagt Prof. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena. Außerdem ist die Rückfallgefahr bei einer Entzündung des künstlichen Darmreservoirs sehr hoch.

Stallmach und seine Kollegen am Universitätsklinikum suchten deshalb nach einer alternativen Behandlung für die Patienten, bei denen Antibiotika ihre Wirkung verfehlen. „Da Bakterien bei der Pouchitis wohl ursächlich sind, hatten wir die Hoffnung, dass man mit einer Veränderung der Zusammensetzung der Bakterien im Darm der Patienten eine Besserung erzielen kann“, sagt Stallmach.

Kleine Stichprobe erfolgreich

Diesen Transfer des Mikrobioms – der Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm – von gesunden Menschen auf kranke, führt man bereits bei anderen bakteriellen Infektionen, wie etwa bei “Clostridium difficile”, erfolgreich durch. Auch bei Stallmachs Pouchitis-Patienten zeigten sich erste Erfolge. Bei drei der insgesamt fünf behandelten Patienten verschwand die Entzündung komplett, bei einem weiteren stellte sich zumindest eine Verbesserung ein. Nur bei einer Patientin zeigte sich keine Besserung. „Natürlich ist das eine sehr kleine Stichprobe, aber es ist ein Anfang und wir können auf diesen Ergebnissen gut aufbauen“, sagt Stallmach.

Um zu verstehen, ob der Mikrobiomtransfer wirklich der Schlüssel für den Erfolg war, muss man das Mikrobiom analysieren. Dazu arbeitete Stallmach mit der Arbeitsgruppe Molekulare Interaktionen und Prozesse am HZI zusammen. „Wir haben geschaut, ob sich die Bakterien des Spenders wirklich im Patienten ansiedeln. So kann man sehen, ob der Transfer erfolgreich war“, sagt Prof. Dietmar Pieper, Leiter der Arbeitsgruppe am HZI. Das war bei zwei der drei von Piepers Arbeitsgruppe analysierten Patienten der Fall.

Jede Darmflora ist anders

„Da bei der dritten Patientin keine Ansiedlung der Bakterien nachweisbar und auch keine Besserung im Krankheitsverlauf eintrat, kann man davon ausgehen, dass der Mikrobiomtransfer, wenn er funktioniert, erfolgsversprechend ist“, sagt Stallmach. Allerdings ist die Behandlung nicht ganz trivial, da die Darmflora bei jedem Menschen aus anderen Bakterien besteht. „Deshalb kann man nicht einfach irgendeinen gesunden Menschen auswählen, man muss genau wissen, wie dessen Darmflora zusammengesetzt ist und ob sie die für die Heilung notwendigen Bakterien enthält“, sagt Pieper.

In den nächsten Schritten gilt es nun herauszufinden, welche Bakterien genau sich bei einem positiven Verlauf ansiedeln und welche für einen positiven Verlauf der Erkrankung wichtig sind. „Mit dieser Erkenntnis könnte man langfristig Tabletten entwickelt werden, die genau die Mikroorganismen enthalten, die dem Erkrankten fehlen“, sagt Pieper. Das ist noch Zukunftsmusik, denn zunächst müssen die Ergebnisse in einer größeren Studie überprüft werden.

Originalpublikation:

Fecal Microbiota Transfer in Patients With Chronic Antibiotic-Refractory Pouchitis
Andreas Stallmach et al.; AJG, doi: 10.1038/ajg.2015.436; 2016

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Innere Medizin, Medizin

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3 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Eine wirklich schwere Colitis ulcerosa hat nun wirklich nichts mit “Reizdarm” etc. zu tun.
Die Dickdarmentfernung ist für solche Fälle eine Erlösung.
Deshalb muss allerdings nicht zwangsläufig ein pouch angelegt werden.
Der ist nun mal unphysiologisch, nicht nur beim Darm, auch beim Magen.

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Frau im Gesundheitswesen
Frau im Gesundheitswesen

Das Sammelbecken des “Reizdarmes” umfasst Durchfall, Verstopfung, Schmerzen, Übelkeit & Co. Ich bin mir nicht sicher, ob die Hocke bei diesen Beschwerden hilfreich ist. Bei DF bekommen Sie die Hose nicht schnell genug runter, und bei V kommen SIE nicht runter. Und wer mit den Knien Probleme hat, der kommt u. U. nicht mehr hoch. Aber es stimmt, es ist allg. bekannt, dass die Hockstellung die Stuhlentleerung erleichtert.

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Gast
Gast

Interessanter Artikel – habe wertvolle News erfahren. Ich kann eine gute Methode aus eigener Erfahrung empfehlen, die helfen kann, verschiedene Darmkrankheiten effektiv vorzubeugen. Ich hatte häufig mit den Symptomen eines gereizten Darmes zu tun und der Leidensdruck war dementsprechend hoch. Seit ein paar Monaten habe ich einfach meine Haltung auf unseren modernen Sitztoiletten geändert. Ich habe mich aktiv für die Hocke entschieden. In der Hocke sitzt man im 35 Grad Winkel und dadurch kann der Darm sich ohne Knick gründlich und schnell entleeren. Für die regelmäßige Darmentleerung Zuhause habe ich mir einen Toilettenhocker bestellt. Der passt perfekt an mein Klo und macht die Hocke zu einer angenehmen und entspannten Toilettensitzung.

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