Krankenhauskeime: Stoppt die Kommunikation

31. März 2016
Teilen

Weltweit werden Therapieansätze gegen gefährliche Krankenhauskeime gesucht. Nun wird ein Enzym untersucht, das eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Infektionen mit dem Krankenhauskeim „Pseudomonas aeruginosa“ spielt.

Krankenhauskeime können für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem zur Gefahr werden. Das gilt vor allem, wenn die Keime gegen ein oder mehrere Antibiotika resistent sind und sich durch einen Biofilm mit einem Schutzschild umgeben. Mikrobiologen der Universitäten Münster und Nottingham haben nun ein Enzym untersucht, das eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Infektionen mit dem Krankenhauskeim „Pseudomonas aeruginosa“ spielen könnte. Sie haben die dreidimensionale Struktur des Enzyms entschlüsselt und seine Funktion aufgedeckt.

Antivirulent wirkende Stoffe geben Hoffnung

Das Bakterium „Pseudomonas aeruginosa“ ist der weltweit vierthäufigste Erreger von Infektionen, die sich Patienten in Krankenhäusern zuziehen. Der Keim ist weit verbreitet. Er kommt beispielsweise an feuchten Orten wie Waschbecken und Duschen vor. Bei Menschen mit Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem kann er unter anderem Lungenentzündungen und Blutvergiftung auslösen. „Das Bakterium ist unter Krankenhaus-Hygienikern gefürchtet“, sagt Prof. Dr. Susanne Fetzner. Pseudomonas aeruginosa bildet eine Vielzahl von Virulenzfaktoren. Dazu gehören Zellgifte und Gewebe schädigende Enzyme, die den Bakterien unter anderem zur Verteidigung gegen die Immunabwehr des Menschen dienen und die Erregerausbreitung im Körper begünstigen.

Da es zunehmend Probleme durch Antibiotika-Resistenzen gibt, verfolgen Wissenschaftler weltweit neue Therapie-Ansätze. Dazu zählt die Entwicklung antivirulent wirkender Stoffe. Diese Substanzen beeinträchtigen nicht das Bakterien-Wachstum, hemmen aber die Ausbildung der Virulenzfaktoren. Das Enzym, das die Wissenschaftler untersuchten, spielt bei der Produktion der Virulenzfaktoren von Pseudomonas aeruginosa eine wichtige Rolle. Könnte man es durch Medikamente ausschalten, würden die Bakterien krankmachende Eigenschaften gar nicht erst entwickeln.

Vielversprechendes Enzym

Steffen Drees, Erstautor der Studie, erklärt diesen Ansatz: „Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa haben eine spannende Eigenschaft: Sie kommunizieren untereinander mithilfe von Signalmolekülen. So können sie feststellen, wie viele Bakterienzellen es in ihrer Nachbarschaft gibt. Erst wenn die ‚Armee‘ stark genug ist, bilden die Bakterien ihre Virulenzfaktoren. Würde man das von uns untersuchte Enzym durch Medikamente blockieren, könnten die Bakterien keine Signalmoleküle mehr bilden. So würden sie nicht merken, dass die Population die nötige hohe Dichte an Bakterienzellen erreicht hat – entsprechend würden sie keine Virulenzfaktoren bilden.“

Das Enzym ist nicht das einzige Protein, das auf molekularer Ebene als Ziel für therapeutische Wirkstoffe dienen könnte. Andere Studien zeigen Alternativen auf. „Das von uns untersuchte Enzym ist jedoch besonders vielversprechend, da es ein Schlüsselenzym bei der Ausbildung von Signalmolekülen und somit von Virulenzfaktoren ist“, unterstreicht Fetzner. Die Wissenschaftler sehen ihre Arbeit als ersten Schritt auf dem Weg zu einer möglichen neuen Therapie.

Originalpublikation:

PqsBC, a condensing enzyme in the biosynthesis of the Pseudomonas aeruginosa quinolone signal: crystal structure, inhibition, and reaction mechanism.
Steffen Lorenz Drees et al.; The Journal of Biological Chemistry, doi: 10.1074/jbc.M115.708453; 2016

13 Wertungen (4.54 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

4 Kommentare:

Arzt
Arzt

@Frau im Gesundheitswesen vermuten Sie etwa, dass Ärzte sich nach dem Toilettengang NICHT die Hände Waschen?
Das kann doch wohl nicht Ihr ernst sein.

#4 |
  1
Frau im Gesundheitswesen
Frau im Gesundheitswesen

Wir könnten mit der Desinfektion ja schon mal in dem Maße beginnen, dass sich ärztliches und Pflegepersonal nach dem Toilettengang die Hände wäscht. Mit Seife und ausreichend lange. Diese 20-30 Sekunden sollten drin sein. Für eine Zigarettenpause reicht’s doch auch.
Liebe Politiker, es ist kurzsichtig gedacht, die Pflege für das Volk einzuschränken. Die Patienten kehren dann u. U. ganz schnell mit viel schlimmeren Krankheiten, hervorgerufen durch Keime, wieder ins Krankenhaus zurück. Und DANN wird’s teuer und dauert richtig lange. Aber wer sich in Privatkliniken behandeln lassen kann, den interessiert natürlich nicht, was das Wahlvieh denkt und leidet.

#3 |
  0
Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

Hallo “Gast”!

Gute Hygiene braucht Zeit (sprich Einwirkungszeit) und Personal. So und nur so wird es funktionieren.

Doch dies, Zeit und Persona,l werden seit Jahren gekürzt, egal mit welchen Folgen. Doch was soll schon rauskommen wenn fachfremde Minister das Gesundheitssystem “wuppen” wollen, die Lobbyisten im Bundestag ein und ausgehen, Kliniken wie ein Supermarkt Gewinn erwirtschaften sollen, Verwaltungsdirektoren bestimmen wieviel Ärzte und wieviel Pflegepersonal eingestellt wird, so mancher Arzt denkt die Mikroben prallen sowieso an ihm ab usw..
Eine nicht unerhebliche Quelle ist die Massentierhaltung. Da will aber auch keiner ran!

Wenn korrekte Hygienemaßnahmen umgesetzt werden kommen da in einer Schicht bei einer Pflegeperson schon mal 2 Std. reine Desinfektionszeit zusammen.

Und es macht nun mal keinen Sinn nur nach der Therapie zu forschen und die Ursachenbekämpfung völlig außen vor zu lassen.

Und noch was , lieber Gast:
In Holland versorgt eine Pflegekraft im Durchschnitt wesentlich weniger Patienten als in Deutschland (hier arbeitet das Personal nur in Hetze, unter Druck und Stress).
Und nein, die Erkenntnisse sind sicher nicht vergessen, es geht leider nur um Geld….und nicht um Patienten, schon lange nicht mehr.

#2 |
  0
Gast
Gast

Die beste Prävention wäre, das Krankenhauspersonal genauso wie Ärzte nach holländischem Vorbild zu verpflichten, sich erst einmal genau an d Hygienevorschriften zu halten. Solange das nicht passiert, werden weiter neue Keime entstehen u übertragen. Anscheinend hat man Dr. Semmelweis i Deutschland bereits wieder vergessen.

#1 |
  2


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: