Problempatienten: Die Dislike-Diagnose

13. April 2016
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Wenn Patienten schwierig sind, erhöht das die Wahrscheinlichkeit für fehlerhafte Diagnosen. Denn ihr Verhalten lenkt Ärzte ab und hindert sie daran, klinische Informationen angemessen zu verarbeiten. Eine Reihe von Maßnahmen könnte helfen, „emotionale“ Fehler zu vermeiden.

Menschen, die als unsympathisch oder „unangenehm“ empfunden werden, haben es im Leben schwerer: Sie werden zum Beispiel zu härteren Gefängnisstrafen verurteilt [Paywall]. Medizinische Fachartikel [Paywall] legen nahe, dass Ähnliches auch für „schwierige“ Patienten gilt: Nämlich, dass sie häufiger falsche Diagnosen und eine nicht-angemessene Behandlung erhalten. Bislang fehlten allerdings wissenschaftliche Belege für diese Annahme.

Ein Forscherteam um Henk Schmidt und Silvia Mamede vom Erasmus Medical Center in Rotterdam hat nun in zwei Studien erstmals untersucht, wie sich schwieriges Patientenverhalten auf die diagnostische Genauigkeit auswirkt. Die Ergebnisse publizierten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „British Medical Journal Quality & Safety“. In ihrer ersten Studie [Paywall] legten die Forscher 63 Ärzten im letzten Jahr ihrer Facharztausbildung in Allgemeinmedizin eine Reihe von Fallvignetten vor. Darin wurden sechs verschiedene Krankheitsbilder beschrieben: drei weniger komplexe, nämlich Lungenembolie, Lungenentzündung und Hirnhautentzündung, sowie drei komplexere, nämlich Blinddarmentzündung, Schilddrüsenüberfunktion und akute Bauchspeicheldrüsenentzündung durch erhöhten Alkoholkonsum.

Jeweils eine Version der sechs Fallbeschreibungen schilderte einen Patienten mit schwierigem Verhalten, in der anderen Version wurde ein neutrales Patientenverhalten geschildert. Die „problematischen“ Falldarstellungen beschrieben dabei Patienten, die die Kompetenzen des Arztes in Frage stellen, den ärztlichen Rat ignorieren, sich aggressiv oder sehr fordernd verhalten oder vollkommen hilflos wirken.

Dieses heikle Verhalten beeinflusste die Diagnosestellung der Mediziner deutlich: So war die Wahrscheinlichkeit für eine Fehldiagnose bei den komplexen Krankheitsbildern um 42 Prozent erhöht, wenn es sich um einen schwierigen Patienten handelte. Bei weniger komplexen Fällen erhielten solche Patienten immerhin sechs Prozent häufiger eine falsche Diagnose. Die Unterschiede zwischen einfachen und schwierigen Patienten blieben auch bestehen, wenn die Ärzte in einem weiteren Durchgang mehr Zeit hatten, um ihre Diagnose zu überdenken. Darüber hinaus gaben die Mediziner an, die Problempatienten deutlich weniger zu mögen als die unkomplizierten.

Problemverhalten beansprucht gedankliche Ressourcen

Eine zweite Studie [Paywall] des Forscherteams mit 74 Ärzten in der Facharztausbildung für Innere Medizin bestätigte die Ergebnisse: Hier war die Wahrscheinlichkeit für eine falsche Diagnose bei schwierigen Patienten um 20 Prozent erhöht. Zugleich untersuchten Schmidt, Mamede und ihr Team, auf welche Art das Problemverhalten die diagnostische Genauigkeit beeinträchtigt. Dabei stellten sie fest, dass sich die Ärzte bei schwierigen Patienten – im Vergleich zu unkomplizierten Patienten – später an weniger klinische Informationen und an mehr Details des Patientenverhaltens erinnern. „Das legt den Schluss nahe, dass das heikle Verhalten die gedanklichen Ressourcen der Ärzte stark beansprucht und sie davon abhält, die klinischen Informationen angemessen zu verarbeiten“, schreiben die Autoren.

Zwar wurde die Reaktion der Ärzte nur anhand von schriftlichen Fallvignetten untersucht – was sich deutlich von einem realen Arzt-Patient-Gespräch unterscheidet. „Andererseits würde man erwarten, dass die gleichen Effekte im ‚wahren Leben‘ noch stärker sind“, betonen die Forscher. „Schwierige Patienten werden bei einer realen Begegnung vermutlich deutlich stärkere Gefühle hervorrufen und zu mehr diagnostischen Fehlern führen.“

Ärzte sollten sich ihre Gefühle eingestehen

Im ärztlichen Alltag sind komplizierte Patienten nicht gerade selten: Niedergelassene Ärzte berichten, dass etwa 15 Prozent ihrer Patienten im Umgang schwierig sind. Solche Patienten werden von ihren Behandlern als „frustrierend“ oder sogar „verhasst“ beschrieben – was ihre negativen Gefühle gegenüber den Patienten deutlich zeigt.

In ihrer Ausbildung lernen Ärzte von Anfang an, ihre Gefühle zu kontrollieren, sodass sie sich nicht störend auf ihre ärztliche Aufgabe auswirken. „Es wird daher automatisch angenommen, dass Ärzte auch bei schwierigen Patienten ‚über den Dingen stehen‘ und sich nicht von subjektiven Reaktionen und negativen Gefühlen leiten lassen“, so das Forscherteam um Schmidt und Mamede. „Tatsache ist aber, dass schwierige Patienten Reaktionen auslösen können, die einer sachlich-reflektierten Diagnosestellung im Wege stehen.“

Aus Sicht der Wissenschaftler sollten Ärzte deshalb genau das Gegenteil tun: Sich ihre Gefühle gegenüber dem Patienten eingestehen. „Es wäre von Vorteil, wenn Ärzte und Medizinstudenten lernen würden, ihre emotionalen Reaktionen bei einem Patienten stärker zu beachten – und sich klar zu machen, dass dies ihre klinische Urteilsbildung beeinträchtigen kann“, so die Forscher. „Gleichzeitig sollten sie Strategien lernen, um solchen ungünstigen Einflüssen entgegenzuwirken.“

Teamwork und strukturierte Diagnostik könnten helfen

Insgesamt sollte dieses Thema im Medizinstudium und im klinischen Alltag mehr Beachtung finden, schreiben Donald Redelmeier und Edward Etchells von der kanadischen Universität Toronto in einem begleitenden Editorial. Möglichkeiten, um der Gefahr von Fehldiagnosen entgegenzuwirken, könnten bewusste Reflexion, Teamwork und Rücksprache mit Kollegen sowie diagnostische Checklisten und computergestützte Diagnostik sein.

Ein strukturierteres diagnostisches Vorgehen könnte dazu beitragen, Urteilsfehler zu vermeiden, wenn der Arzt durch einen schwierigen Patienten durcheinandergebracht wird. „Symptomchecklisten oder Computerprogramme, die umfassende Differentialdiagnosen bereitstellen, könnten dazu beitragen, auch in einem solchen Fall die wesentlichen Informationen nicht zu übersehen“,  schreiben Redelmeier und Etchells. So zeigt auch eine Review-Studie, dass gerade computerbasierte Entscheidungshilfen die diagnostische Genauigkeit deutlich erhöhen können.

Weiterhin sei es nicht nur wichtig, seine Gefühle wahrzunehmen, sondern sich auch bewusst zu machen, was diese bedeuten können. „Ein Patient mit schwierigem Verhalten ruft beim Arzt manchmal das Bedürfnis hervor, das Gespräch einfach abzubrechen“, so Redelmeier und Etchells. „Dieses Gefühl könnte für den Behandler ein Signal dafür sein, dass die Gefahr besteht, eine fehlerhafte Diagnose zu stellen.“

Wer sich bewusst ist, dass seine Gefühle ihn zu Fehlern verleiten können, könnte bei schwierigen Patienten verstärkt im Team arbeiten oder einen Kollegen zu Rate ziehen. „Dazu ist natürlich eine gewisse Offenheit nötig – und beim beratenden Kollegen die Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, betonen Redelmeier und Etchells. Neben diesen menschlichen Fähigkeiten bräuchte es zudem noch eins: Ausreichend Zeit, um solche Maßnahmen im ärztlichen Alltag umzusetzen.

Originalpublikationen:

Why patients’ disruptive behaviours impair diagnostic reasoning: a randomised experiment [Paywall]
Sílvia Mamede et al.; BMJ Qual Saf, doi:10.1136/bmjqs-2015-005065; 2016

Do patients’ disruptive behaviours influence the accuracy of a doctor’s diagnosis? A randomised experiment [Paywall]
H. G. Schmidt et al.; BMJ Qual Saf, doi: 10.1136/bmjqs-2015-004109; 2016

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39 Kommentare:

Heilpraktikerin

Danke Herr Bernd Weinert, Sie haben es für mich auf den Punkt gebracht.

#39 |
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Ärztin
Ärztin

Ich hatte schon viele Patienten, die sich selbst als “schwierig” bezeichnet haben, von “traumatischen Arztkontakten” berichtet oder sich selbst gar eine “Arztphobie” diagnostiziert haben. Insgesamt waren das für mich komischerweise häufig die fachlich zielführendsten und für beide Seiten somit befriedigensten Gespräche (wenn man dem Feedback glauben darf). Ehrlichkeit gewinnt! Man darf auch ruhig nachfragen inwiefern sich die Kollegen in den Augen des Patienten fehlverhalten haben, da lernt man viel, vor allem wie auch das eigene Auftreten fehlinterpretiert werden kann, manchmal reichen da Kleinigkeiten.
Die für mich “problematischsten” Patienten sind meistens jene die mir jeden Tag bei der Visite auch nach mehrfachem Nachfragen erzählen es gehe ihnen gut/besser und ihre eigentlichen Beschwerden und ihre Unzufriedenheit für sich behalten oder davon nur den Angehörigen berichten. Das führt dann manchmal dazu dass plötzlich wütende Angehörige auftauchen und (zu Recht) kritisieren dass ihren Liebsten nicht adäquat geholfen wird. Natürlich halten die einen dann für unfähig und werfen einem vor man würde sich nicht für seine Patienten interessieren. Wirklich schade!

#38 |
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Gast
Gast

Mich nervt es als “Kunde” allerdings langsam,
der ganze “professionelle” Wohlfühl-Feundlichkeits pipapo mit :
wollen Sie wirklich keine Tasse Kaffee bis Sie an der Reihe sind etc.
Mir ist die hilfreiche Behandlung wichtig, nicht nur beim Arzt, auch beim Anwalt oder beim Friseur.
Vielleicht brauchen das ja die Frauen, ich nicht.

#37 |
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Arzt
Arzt

@Karl-Heinz Licht, “Rang-Denker” sind immer negative Erscheinungen, egal auf welcher Seite, die einer Problemlösung im Weg stehen.

#36 |
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Niklas Timmermann
Niklas Timmermann

@ #26
Vor ziemlich genau 2000 Jahren gab es mal jemanden, den der Rang nicht interessiert hat. Könnte hier ein Lösungsansatz in dieser Problematik liegen?
Ich zumindest bin davon überzeugt…

#35 |
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Gast
Gast

@#27 Ärztinnen sind eindeutig schwieriger,
ich hätte aber doch sofort gefragt, ob ich mich wieder anziehen kann!

#34 |
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Chirurg
Chirurg

zu#32, ich bin #11. Mit kleinen Kindern und alten Menschen ist es in der Regel für einen erfahrenen Dr. recht einfach, ein Vertrauensverhältnis zu schaffen, es geht dabei nicht nur um die Wahrheit – die Vorgeschichte enthält immer >50% der Diagnose, also wirklich extrem wichtig – , sondern z.B. erfordert die “simple” Untersuchung bei Verdacht einer Blinddarmentzündung auch Kooperation und Entspannung, wofür Kinder schlicht abgelenkt werden müssen. Alte Menschen sagen nicht selten, hören Sie auf mit Ihrer Aufklärung, ich glaube Ihnen, helfen Sie mir, machen Sie was Sie für notwendig halten.
Problematisch ist die “aufgeklärte Mitte” insbesondere “Pädagogen”, oder auch “Chefs”, die es gewohnt sind, selbst zu befehlen und zu entscheiden.
Wie sollen die den locker sein oder gar “gut drauf”, wenn sie sich einem Wildfremden anvertrauen sollen, oder gar stationär ins Krankenhaus, wo Schwester Nixnutzia über sein leibliches Wohl entscheidet.
Ich erinnere mich da an einen älteren Direktor, bei dem ich natürlich “erbarmungslos” vor einem Eingriff die juristisch nun mal vorgeschriebene Risikoaufklärung gemacht habe (mündlich).
Er war ausgesprochen schlechter Laune auch noch nach dem Eingriff, die Schwestern getrauten sich kaum sein Zimmer zu betreten.
Schließlich nach einem Verbandwechsel am 3.Tag frage er mich ganz direkt:
“Immer noch keine Komplikation?” Worauf ich grinsend antwortete:
“Aber Herr xy wie kommen Sie denn auf den Unsinn, Ich hatte doch ausdrücklich betont max.2%, Sie gehören natürlich zu den 98%, es sieht im Gegenteil besonders gut aus, übermorgen können Sie gefahrlos nach hause.”
Darauf war er tatsächlich wie umgedreht, nicht mehr wiederzuerkennen und auch freundlich zum Personal mit einer Spende für die Schwestern-Kasse,
weis nicht ob es heute noch so was gibt (Schwestern-Kasse).

#33 |
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Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast
Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast

Ärzte wie #11 sind zwar nicht die berühmte Ausnahme von der Regel aber leider doch insgesamt noch zu selten. Ich würde schätzen ungefähr bei knapp der Hälfte der in meiner Patientenkarriere kennenglernten Ärzte auf solche mit vergleichbarer Einstellung wie die von #11 gestoßen zu sein.

Relevant erscheint mir die Rangproblematik, die auch in den Kommentaren erwähnt wurde. Bewusst oder unbewusst wird die in den meisten Fällen ein Rolle spielen, weil es ja gar nicht sein *kann*, dass jemand auf einem sehr speziellen Feld auch nur ansatzweise auf Augenhöhe dieskutieren könnte, der nicht eine zehjährige medizinische Ausbildung genossen hat, und der deshalb automatisch mit jedem Vorschlag oder Einwand die Kompetenz und damit den höheren Rang des Mediziners infrage stellt.

Dass Hinweise, Vorschläge und auch hin und wieder Einwände auch *hilfreich* sein könnten, wird dann oft erst gar nicht in Betracht gezogen.

Offenheit sollte auf beiden Seiten das Stichwort sein.

#32 |
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Dr.med Ilse Verena wolfrum
Dr.med Ilse Verena wolfrum

Zur Bearbeitung dieser Problematik gibt es die Balintgruppenarbeit (Arzt-Patienten-Beziehungsanalyse)- auch schon im Studium für Studenten erfahrbar und berufsbegleitend eine hilfreiche Möglichkeit

#31 |
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Nichtmedizinische Berufe

Nach langer Beschäftigung in eigener Sache und vielen Beobachtungen, wie herablassend sich alle Seiten gegenseitig von Zeit zu Zeit angehen können, hatte ich selbst dann so einiges probiert.
Ich kann nur sagen, dass offene Gespräche zu gegenseitigem Verständnis beitragen können.
So ein Gespräch ist noch gar nicht so lange her und dies nur durch meine Forderung entstand, warum es mir gegenüber so eine schlechte Stimmung gab.
Hierbei kam dann heraus, dass ein Mediziner eben auch Frust haben kann, wenn Behandlungserfolge jeweils nicht nachhaltig genug waren und dies nur auf ein wiederholtes Versagen von Implantaten zurückzuführen war.
Ich hatte als Betroffener natürlich auch Frust und vielleicht hatte ich unabsichtlich zu hohe Forderungen gestellt, wobei ich mir sicher war, dass es nicht so war.
Mediziner stehen dann aber oftmals auch unter Erfolgsdruck, mal von den (gesundheits)systemischen Zwängen mal ganz abgesehen.
Nun jedenfalls führte diese gegenseitige Erdung zum gegenseitigen Verständnis, welche Erfolge mit welchen Mitteln überhaupt zu erreichen sind und damit in der Folge zur gegenseitigen Entspannung und die Stimmung seit diesem Tag sehr gut war.
Mir wurde auch wieder gut geholfen, mit dem Bewusstsein, dass es eben so ist, wie es ist und eine Notfallversorgung eben noch lange keine Lebensqualität bedeuten muss, dies von mir für diese mich versorgende Fachdisziplin auch gar nicht gefordert war.
Dafür sorge ich dann schon selbst, auch wenn es manchmal schwierig ist.
Und so stellte ich schon vor langer Zeit fest, dass nicht nur Ärzte, sondern auch Patienten sogenannt kompetent werden sollten…

#30 |
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Eva Callesen
Eva Callesen

Immer wieder wird hier von Vertrauen in den Arzt geredet. In dem Artikel geht es aber schlicht darum, dass man als Arzt auch ein gewisses Mindestmaß an Vertrauen in den Patienten haben muss.
Wenn mir schon beim Hereinkommen eine Wolke Unzufriedenheit entgegen kommt, weil alles nicht passt. Und ich es anspreche und zu hören bekomme, dass ich sowieso nichts tun kann, was meinen Patienten zufrieden stellen wird.
Dann bin ich geneigt, meinem Patienten zu empfehlen, er möge sich doch an den Arzt seines Vertrauens wenden.
Es ist mir schlicht zu riskant, hier eine Behandlung zu starten. Was ich erstaunlich finde: nicht nur ich habe scheinbar mit vertrauensunwürdigen Patienten zu tun.

#29 |
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Zahnärztin

Das Problem ist vielschichtig- menschliche Kommunikation ist immer fehlerbehaftet. Auf der einen Seite ein Mensch mit Erwartungen, Beschwerden, Schmerzen, Ängsten und möglicherweise frustrierenden Erlebnissen und auf der anderen Seite ein weiterer Mensch von dem erwartet wird, daß er in jeder Situation professionell mit sämtlichen Befindlichkeiten seines Gegenübers umgehen kann und gleichzeitig eine einwandfreie Diagnostik und Therapie durchführt. Hinzu kommen noch viele Variablen: Angehörige, Zeit- und Erfolgsdruck, Altersunterschiede, Sprachbarrieren,….
Insofern halte ich den ” Wer hat Schuld? Arzt oder Patient? ” Ansatz für falsch. Die äußerst schlichte Erkenntnis, daß niemand fehlerfrei ist, ist m.E. der richtige Weg. Ich darf mich irren und mache Fehler, ich mag den einen oder anderen Patienten nicht, aber bin mir dessen bewußt und habe so die Möglichkeit Fehlern entgegenzuwirken: Anhand von standardisierten Abläufen, dem Gespräch mit Kollegen und Mitarbeitern UND dem aufrichtigen Dialog mit dem Patienten. Und auch der Patient kann ” schwierig” sein- aber IHN kann ich nicht ändern……

#28 |
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Dagmar Boecker
Dagmar Boecker

Sie schreiben:”In ihrer Ausbildung lernen Ärzte von Anfang an, ihre Gefühle zu kontrollieren, sodass sie sich nicht störend auf ihre ärztliche Aufgabe auswirken.”
Schön wär’s.
Ich habe schon so oft genervte, (unterschwellig) aggressive Ärzte erlebt. Besonders im Krankenhaus. Ist ja auch kein Wunder bei den Arbeitszeiten.
Aber oft sind die dann sehr verwundert, wenn Patienten nicht einfach jede Behandlung befürworten. Dann gilt der Patient als “schwierig”.
Seltsam ist auch immer wenn frau mit nacktem Oberkörper da steht und der Arzt erzählt und erzählt. Ich glaube das hat was mit Macht zu tun.

#27 |
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Medizinjournalist

In Wahrheit handelt es sich um Störungen/Irritationen, die der kurzzeitigen Herausforderung, den eigenen (gewohnten) Rang jetzt sofort verteidigen zu müssen, entspringen. Die brutalste evolutionäre Einordnung unserer Kommunikation ist ganz unten drin in uns, die Beobachtung Respekt (Freund), Gefährdung des Ranges (Feind). Das ist nicht auf der geistigen Ebene angesiedelt. Das mussten Menschen von Anbeginn der Spezies mitbringen. Vor jeder Kommunikation zählt der persönliche Eindruck: Haltung, Auftritt, Ausstrahlung werden unmittelbar von unserem evolutionären Teil bemerkt und eingeordnet. Abwehr wird unmittelbar bereit gestellt, wenn der Rang auch nur erreicht zu werden droht = Vorsichtshaltung = Befehl: Obacht geben! Der Rang ist für uns das elementare Steuerungsmittel, mit dem wir uns jedem Einzelnen und jeder Gruppe gegenüber einordnen. Es keine gibt Kommunikation ohne diese Einschätzung. Alles unterliegt der Einordnung von, wo steh ich im Verhältnis zum anderen. Unser Verhalten entspringt genau hieraus. Absolut jeder verteidigt seinen Rang. Lampenfieber ist Angst, freundlich ist passiv, laut und frech ist Kampf. Den homo sapiens gibt es nur deshalb. Das machte uns zur überlegenen Spezies und es wird irgendwann unser Untergang sein, weil wir in Wahrheit nicht miteinander können – niemals. Der Rang steht immer im Weg.

#26 |
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Wir sind bei aller Professionalität auch nur Menschen, und die machen halt Fehler. Der eine beim leisen Patienten (weil unauffällig), der andere beim nervigen Patienten (weil ausufernd), der dritte hat vielleicht einfach einen schlechten Tag… Also anstatt nur einem eigentlich unerreichbaren Ideal nachzuhecheln ist es doch gut, alle Hilfsmittel zu nutzen, die es gibt, und seien es die erwähnten Checklisten. Selbstverständlich ist auch Selbstreflexion nötig, damit rechtzeitig erkennt, dass was falsch läuft, oder wenigstens aus den Fehlern lernt.

#25 |
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Gast
Gast

Tauschen sich Ärzte nicht regelmäßig in “Balint-Gruppen” aus?

#24 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Es ist in diesem Bereich nicht anders wie in allen aderen bereichen des Lebens. Ob Schüler-Lehrer Eltern beziehung, oder Mitarbeiter auf behörden wie Arbeitsämter, Jobcenter, Kindergärten – überall wäre mehr Offenheit bei “schlechten Verhaltem” manchmal von Nöten. jedoch ist es immer eine frage wie konstriktiv und angemessen die kririk am anderen “gefordert” oder einfach nur freundlich angebracht wird. In er Ich Botschaft zu sprechen ist deshalb wichtig, aber ehrlich..wann gelingt uns das, wenn wir streßgeladene auch unfreundliche und ungerechte Menschen vor uns haben. Sorry, da hilft oft nur, sich selbst ersteinmal zu reflektieren. kritik ist angebracht, wenn das Gegenüber anscheinend selbst sein Verhalten nicht bemerkt… und das gibt es in allen soz. Schichten und in allen berufen…wir sind eben alles nur unvollkommene Menschen

#23 |
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Gast
Gast

Hier wird den Ärtzen unprofessioneslles Verhalten unterstellt. Kommunikation ist immer eine Wechselwirkung, wobei viele Patienten schweirig sind, weil sie Patienten sind.
Ich habe die Erfahrung gemacht, je schwieriger ein Patient ist, desto mehr wird hingeschaut, damit es ihm besser geht.
Es sind die leisen, freundlichen, die übersehen werden.
Wir wollen doch mündige Patienten, die hinterfragen und sich nicht mehr alles gefallen lassen.Dann gibt es auch mal Streit, kein Grund den Patienten raus zu werfen. Das ist richtig unprofessionell.

#22 |
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Ärztin

Ich muss hier nicht alle Kommentare durchlesen. Aber zum Text: ja leider erlebe ich es auch, dass angeblich Patienten schwierig sein sollen.
Ich frage mich wirklich, was mit den Kollegen los ist?!?! Was mit dem Krankenhauspersonal los ist?! Es kommen kranke Menschen und wir treten als Ärzte auf und wollen mit den Patienten keinen Drink trinken gehen!!! Diese Studie stimmt leider- sehe ich viel zu oft!:/

#21 |
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Gast
Gast

Manchmal braucht der Patient selber noch garnicht schwierig zu sein. Hat er eine Psychodiagnose, wird er teilweise sofort als schwieriger Patient empfunden, dahat er sich noch garnicht anders verhalten als ein anderer Patient :) Die nun folgenden Informationen werden direkt anders gewertet, was dann zu falschen Ergebnissen bei der Diagnostik führen muss.
Das kommt leider recht häufig vor. Wir raten unseren Klienten inzwischen, ihre Psycho-Diagnose erst nach Anamnese und Diagnostik zu erwähnen, da es sonst zu häufigen Fehldiagnosen kommt. Insbesondere wird häufig unterstellt, der Patient würde übertreiben oder Aufmerksamkeit benötigen, obwohl es sich teilweise um Patienten handelt, die von ihrer Persönlichkeit her eher geneigt sind, erst zum Arzt zu gehen, wenns garnicht mehr anders geht. Das weiß nun der Arzt nicht, wenn es nicht gerade der Hausarzt ist, was häufig dazu führt, dass diese Menschen mit allen anderen ebenfalls psychisch kranken Patienten, mit denen der Arzt eben auch negative Erfahrungen gemacht hat, in einen Topf geworfen werden. Schubladen helfen aber bei der Diagnostik nicht weiter. Die ist meiner Erfahrung nach durchaus genauer, wenn die Patienten sich nicht outen. Übersehene Erkrankungen sind da doch recht häufig, z.b. eine Patientin, die über ein Jahr Bauchschmerzen hatte und damit mehrfach beim Arzt gewesen war, der ihre Beschwerden als klassisch psychosomatisch diagnostizierte. Letztlich ergriff die Gynäkologin, der bereits im Vorjahr von den Schmerzen berichtet wurde, bei der folgenden Routineuntersuchung die Initiative und wies die Patientin in eine Klinik zur Diagnostik ein. Es stellte sich heraus, das die Beschwerden tatsächlich eine körperliche Ursache hatten, nach einer OP war die Patientin beschwerdefrei. Ebenso habe ich schon Lähmungen gesehen, die angeblich psychosomatisch waren, bis ein fähiger Neurologe mal eine Bildgebung veranlasste. Auch hier wurde sofort operiert. Leider war es durch die späte Diagnose bereits zu spät und der Patient muss nun mit einer dauerhaften Behinderung leben. Alles nur, weil Untersuchungen unterblieben, weil zu früh in Richtung psychosomatisch gedacht wurde. Psychosomatische Patienten sind oft schwierige Patienten, ja. Dennoch verdienen sie eine vernünftige Diagnostik. Selbst wenn sie dazu neigen zu somatisieren, könnten sie Läuse und Flöhe haben. In dem Bereich scheint mir (vielleicht aber auch aufgrund meines Einblickes in diesen Bereich) die Fehlerquote doch recht hoch zu sein.

#20 |
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Arzt
Arzt

…ein Patient kommt als Notfallpatient in die HNO Sprechstunde und meint “sein Meister habe ihn nach Hause geschickt, er solle sich krankschreiben lassen”- ” er huste zuviel rum…” Nach Untersuchung und unauffälligem HNO Status und keinerlei Anzeichen eines relevanten Infektes, habe ich dem Patienten (sachlich und freundlich) mitgeteilt, dass aus meiner Sicht kein Anlass für eine AU (= ArbeitsUNFÄHIGKEIT) besteht. Das hat bei dem Patienten (bei der Erwartungsshaltung mehrere Tage krank geschrieben zu werden) offensichtlich für Unmut gesorgt und er hat mich im Nachhinein als “unfreundlich und schlechten Arzt” bezeichnet. Kommt wohl immer auf die Sicht der Dinge an…

#19 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich kann Gast #14 hier nur zustimmen. Ich habe aus eigener Erfahrung und aus Berichten weiterer Patienten eine ganze Reihe an problematischem Arztverhalten kennen gelernt. Ich sage hier ausdrücklich nicht “schwierige/problematische” Ärzte, sondern beziehe mich ausschließlich auf ihr Verhalten.

So kommt es häufig vor, dass Ärzte
– beim Erstbesuch keine oder nur eine unzureichende Anamnese/Famlienanamnese durchführen
– den Patienten nur unzureichend über die Untersuchung und die vorgeschlagene Therapie informieren
– sich bei bekannten Patienten nicht die Minute Zeit nehmen, um im System schnell die Vorgeschichte anzuschauen, sondern, dies erst tun, wenn der Patient bereits da ist, was die Kommunikation von Anfang an behindert.

Folgende Situationen haben sich zugetragen (sie entbehren nicht einer gewissen Komik, die sich den Patienten im Moment des Erlebens jedoch entzog):

Eine Frau wird von der Helferin (oben unbekleidet) in ein recht kühles Untersuchungszimmer auf eine Liege gelegt. Daneben steht bereits das Ultraschallgerät bereit. Nach ca. 30 Minuten betritt der Kardiologe (Erstbesuch) das Zimmer, sagt kurz guten Tag, ohne Blickkontakt aufzunehmen und setzt sich mit dem Rücken zur Patientin an einen Schreibtisch und fragt ca. 10 Minuten stichwortartig von ihr Informationen ab, bevor er sich ohne weitere Kommentare zum Ultraschallgerät begibt.

Ein Endokrinologe führt einen Ultraschall der Schilddrüse durch und stützt sich dabei die ganze Zeit auf dem Busen der Patientin ab. Ich unterstelle mal keine Absicht, sondern nur fehlende Umsicht.

Eine Frau hat eine akute Verschlechterung ihres Asthmas durch eine Infektserie. Sie bekommt nach 5 Wochen endlich einen Termin beim Pneumologen. Der Hausarzt hatte ihr, da sie sehr schlecht Luft bekam, Cortison oral verschrieben. Da die Patientin nicht auf der Höhe der Zeit ist, hat sie das Cortison brav geschluckt, schließlich ging es ihr ja damit gut. Der Pneumologe fährt die Dame dann an, sie solle sofort einen Entzug machen, Cortison sei eine Droge und unterstellt ihr, sie sei ein Cortisonjunkie.

Und dann gibt es da noch die Augenärztin, die den Patienten ihre eigene Krankengeschichte erzählt und schlecht gelaunt ist, weil sie auch noch Leute behandeln muss, wo es ihr selbst doch so schlecht geht.

Da hätte ich noch so einiges zu erzählen, aber ich glaube, das reicht.

Natürlich gibt es auch schwieriges Patientenverhalten. :-)

#18 |
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Arzt
Arzt

auf doccheck sind immer die Ärzte schuld :-)
ist schon etwas langweilig.

#17 |
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Gast
Gast

Zunächst einmal sollte man mit vorschnellen Pauschal-Urteilen zurückhaltend sein, denn es kommt immer auf den individuellen Einzelfall an. Es kann sicher niemand verlangen, dass man den Durchschnittspatienten im 5-10 min Kontakt noch psychologisch durchanalysiert. Es gibt sicherlich auch unter Ärzten einige, die nur Dienst nach Vorschrift machen. Der Großteil der Kollegen hat aber sicher ein gewisses Gespür “wenn etwas faul ist” und handelt dementsprechend. Aber es gibt auch Patienten, die mehr oder weniger Therapie- resistent und oder unbelehrbar sind. Wenn man solche Patienten hat, sollte man sie zumindest (zB bei Verweigerung einer Untersuchung ) über die Möglichkeit schwerwiegender DD schriftlich und mündlich aufklären. Damit bin ich bis jetzt gut gefahren (und hatte meistens den richtigen “Riecher”).

#16 |
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Studentin der Pharmazie

Ehrlichkeit,Freundlichkeit, Humor, Verständnis und Direktheit und das von beiden Parteien! Dann läuft es schon…bisher nur gute Erfahrungen gemacht!

#15 |
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Gast
Gast

Mir fiele da sofort ein Bonmot ein: Es gibt keine “schwierigen Patienten”, es gibt nur emotional schwingungsunfähige Ärzte. Also eine Frage der Perspektive.

Ich hoffe daher, man hat auch den umgekehrten Fall empirisch untersucht: Den Umgang mit schwierigen Ärzten. Denn den weit größeren Teil derer, die ihr Gegenüber für schwierig halten, dürfte durch sich in der Patientenschaft rekrutieren.

Es ist eher die absolute Ausnahme, dass Patienten in der Absicht zu ihren Arzt kommen, ihm “aufzumischen”. Vielmehr steht in den meisten Fällen doch die Frage im Raum, was den Patienten unzufrieden gemacht haben könnte. Dazu sollte jeder einmal in sich gehen und sich für die Sitzung mit seinen “Problempatienten” u.a. folgende Fragen stellen:

Hat der Patient einen der Schwere der Erkrankung angemessenen Termin erhalten? Waren die Wartezeit und die Freundlichkeit des Praxispersonals zumutbar? Wurde der Patient stets respektvoll behandelt? Wurde ausreichend auf seine Fragen, Ängste oder Bedenken eingegangen? Wurde das vom Patienten vorgebrachte Problem beseitigt (bzw., wenn medizinisch nicht möglich: Wurden die Gründe und mögliche Alternativen verständlich erklärt)?

#14 |
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Dipl.-Med. Bernd Weinert
Dipl.-Med. Bernd Weinert

Diese Problematik ist in den psychodynamischen Therapien als “Gegenübertragung”, also auf mein Antwortgefühl
bekannt. Prinzipiell kann man davon ausgehen, dass ein dysphorischer Patient psychische Konflikte hat und dass seine Symptome, die ihn zum Arzt führen, durch sie mitbedingt sein können. Somit ist der kreative Umgang mit der negativen Gegenübertragung durchaus auch Teil der somatischen Therapie.
Nach Prof Student besteht die ärztliche Tätigkeit in Begleitung – Symptomkontrolle – Wiederherstellung der Gesundheit und Abwendung des Todes, wobei er die Prophylaxe nicht nennt. Die Therapie beginnt also mit der Begrüßung.
Eine Ausbildung in ärztlicher Kommunikation kann den Umgang mit negativer Gegenübertragung verbessern und dient damit dem Heilungsprozess.
Ein Tipp für die Praxis. Wohlwollen des Arztes vorausgesetzt, gibt es am unangenehmen Patienten immer auch schöne Aspekte: ein Blick, ein Kleidungsteil, die Hand, die Frisur, eine Geste, die Wortwahl…. Wer das bemerkt und gesprächsmäßig seine Gefühlsebene an dieser Stelle einbeziehen kann, dem gelingt bessere Kommunikation.
Es gibt keine schwierigen Patienten, jedoch schwierige Ärzte!

#13 |
  7

Ganz ehrlich. Ich liebe differenzierte, anspruchsvolle, informierte Patientinnen, die landläufig als schwierig bezeichnet werden. Es gibt keine dankbarere Aufgabe, die sogar noch Spaß macht, als mit diesen Patienten einen Konsens zu erzielen. Wir haben die gleichen Ziele, die sind die Probleme der Patientin zu lösen oder zumindest einen Lösungsansatz aufzuzeigen.
Versteht die Patientin, dass wir dasselbe wollen und die Kompetenz eindeutig beim Arzt liegt, hat man in der Regel sehr einfache Patientinnen, die einem vertrauen und nie wieder Probleme machen. Auch die Information, daß man erst mal nachlesen oder einen Spezialisten fragen muss, ist kein Problem. Wir wissen eine Menge, aber nicht alles. Patienten sind unsere Partner bei der Suche nach Lösungen.

#12 |
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Arzt
Arzt

Mich stört es NICHT, wenn Patienten “schlecht drauf” sind,
wenn sie nur ehrlich sind.
Sonst kann ich Ihnen nicht helfen.

#11 |
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Gast
Gast

Manche Patienten schwindeln ja leider auch,
da hilft keine “psychologische Schulung” und noch viel weniger ein Komputerprogramm für den Arzt.
Das ist natürlich auch zum Schaden des Patienten selbst.
Auch ein Grund für die zunehmende “Verrechtlichung” der Medizin.
Damit sie nicht schwindeln ist der Datenschutz besonders wichtig.
Gerade hier geht der Trend aber genau in die andere Richtung.
Man schimpf wieder auf die Ärzte, wenn sie den Datenschutz ernst nehmen.

#10 |
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Heilpraktikerin

…es wäre schon oft psychologischer Schulungsbedarf vorhanden.

#9 |
  6
Heilpraktikerin

Ich habe gerade meine 5. Kiefer-OP hinter mir. Hatte immer noch Schmerzen; mein Doc war nicht da und seine Kollegin sagte mir “das kommt sicher nicht von den Zähnen, ich soll zum Kieferchirurgen gehen (hatte da schon ein paar OP´s). Ich ging zu einem anderen Kollegen (der meinige war noch nicht zurück) und der sagte mir, er könne auf dem Röntgenbild nichts sehen, ich soll zum Hausarzt gehen. Ich hatte glücklicherweise den Termin bei meinem Doc noch (den ich sicherheitshalber ausgemacht hatte für nach Ostern) und der sagte mir “ja ich kann es sehen, gratuliere, übermorgen 12 Uhr.”
Den Spruch “das kann ja gar nicht sein” oder “das gibt es ja nicht” kann ich nicht mehr hören. So oder ähnlich erlebe ich mich beim Arzt seit Jahren und immer öfter.
Möglich, dass mir als Patient dann auch mal die verbale Kontrolle entgleitet.

#8 |
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Christine Osiw
Christine Osiw

Als Patientin erwarte ich Verständnis, Empathie und natürlich auch Sachkompetenz – in dieser Reihenfolge. Wo das nicht gegeben ist, gehe ich nicht mehr hin, weil kein Vertrauen möglich ist. Umgekehrt erlebe ich als Therapeutin, dass mir manche Menschen einfach nicht liegen – und ich weiß, dass meine Erfolgsaussichten damit deutlich eingeschränkt sind. Seit vielen Jahren praktiziere ich deshalb eine gezielte Weitervermittlung – ehrlich und mit Wertschätzung. Damit bin ich immer gut gefahren.

#7 |
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Robert Dettmann
Robert Dettmann

Hm, vielleicht werden auch so einige Patienten wegen schwieriger Ärzte erst schwierig?

#6 |
  9
Dr. Susanne Schuberth
Dr. Susanne Schuberth

Im Arbeitsalltag hat sich bei mir ( niedergelassene Gynäkologin) brutale Ehrlichkeit bewährt. Wenn mir eine Patientin auf die nerven geht sage ich das deutlich, in einfachen Worten und auf deutsch. ” Frau Müller, sie sind mir heute zu aggressiv, was ärgert, ängstigt, nervt Sie so, das Sich so ungewöhnlich benehmen? “. Die meisten Problem Patienten rudern dann zurück, die anderen fliegen nach kurzer Ansprache raus.

#5 |
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Weitere medizinische Berufe

@ Herrn Kolb:
es ist sehr gut, wie Sie erfassen, dass es eigentlich im gesamten Gesundheits- Bereich darum geht, die Gefühle des Gegenübers (egal ob Patient, Angehöriger, andere Pflegepersonen oder Ärzte) nicht auf sich selbst zu beziehen, denn schwierige, evtl. auch fordernde Patienten haben oft schon etliche Horrorszenarien hinter sich, wenn sie endlich da landen, wo sie sich eigentlich gut aufgehoben fühlen sollten.

#4 |
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Dipl. Psychologe Rainer Keller
Dipl. Psychologe Rainer Keller

Die Äußerung des Gasts ist uneingeschränkt zu unterstützen. Ich kenne nahezu keine Praxis, die in ihren Verhaltensweisen, inkl. der Ärztin bzw. des Arztes, nicht dringend eine intensive psychologischen Schulung im Umgang mit Patienten benötigen würde. Durch den künstlichen Abstand beraubt sich die / der Behandler/In um wichtige Informationen und erzeugt zu dem leicht den Eindruck eines arroganten, abgehobenen Menschen.

#3 |
  11
Gast
Gast

Ärzte bedürfen dringend psychologischer Schulung und zwar in jeder Beziehung, dann werden Probleme minimiert.

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Gesundheits- und Krankenpfleger

Ein, wie ich denke, uns allen bekanntes Problem. Herausfordernde Patienten und auch Angehörige stellen alle an der Versorgung beteiligten Personen vor teilweise immer wiederkehrende Probleme.
Wenn in den beiden Studien, auch nur der ärztliche Dienst, untersucht worden ist, gilt dieses beschriebene „Verhalten“ auch für andere Berufsgruppen, wie z.B. der Pflege. Die genannte und durchaus gewünschte Offenheit innerhalb eines Teams ist zu begrüßen, die aber oftmals leider, vor allem interdisziplinär zwischen den Berufsgruppen, nicht anzutreffen ist.
Meiner Meinung nach geht es aber nicht nur um Gefühle, die erstmal eine völlig normale Reaktion eines Menschen auf einen anderen sind. Die Punkte Arbeitsbelastung, Zufriedenheit in der Abteilung etc. spielen dabei ebenfalls eine nicht unwichtige Rolle, aber auch dieses ist gewiss nichts Neues.

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