Schlaganfall: Keine Konkurrenz unter Hirnhälften

30. März 2016
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Je aktiver die Zellen in der betroffenen Hirnhälfte nach einem Schlaganfall sind, desto besser ist auch die langfristige Gesamterholung. Zudem erholen sich Patienten besonders gut von einem Neglect, wenn das Areal, das rechts geschädigt wurde, links besonders aktiv war.

Patienten mit Neglect verhalten sich so, als hätte eine Seite des Raumes oder des eigenen Körpers aufgehört zu existieren. Die neuen Ergebnisse könnten zukünftig helfen, Patienten mit schlechter Heilungsprognose früh zu identifizieren und durch besonders intensive Rehabilitations-Maßnahmen zu unterstützen.

Frühe Verschaltung zwischen Gehirnhälften ist wichtig

„Wir haben in der Analyse der Hirnaktivität zwei wesentliche Parameter gefunden, mit denen wir den Heilungsverlauf bei Schlaganfall-Patienten sehr gut vorhersagen können“, sagt Prof. Dr. Cornelius Weiller, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurologie und Neurophyisologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Ich rechne damit, dass wir in drei bis vier Jahren ein zuverlässiges Prognosewerkzeug für den klinischen Alltag haben werden“, so Weiller weiter. Bislang war eine frühzeitige Prognose nur durch sekundäre Parameter wie Alter, Gesundheitszustand und Größe der betroffenen Gehirnregion möglich. Die Forscher untersuchten Schlaganfall-Patienten mittels funktioneller Magnetresonanztomografie zwei bis drei Tage, acht bis zehn Tage und vier bis sechs Monate nach dem Schlaganfall.

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Ein Schlaganfall führt häufig zu einer räumlichen Wahrnehmungsstörung. Diese fällt wesentlich schwächer aus, wenn die Kommunikation zwischen linker und rechter Gehirnhälfte intensiv ist. © Universitätsklinikum Freiburg

Überraschend war, dass sich eine hohe Aktivität der linken Hirnhälfte positiv auf die Erholung vom Neglect auswirkte. Bisher wurde vermutet, dass ein Ungleichgewicht in der Aktivität der Hirnhälften den Zustand der Patienten verschlechtert. „Unsere Ergebnisse widerlegen die Hypothese der konkurrierenden Gehirnhälften als Ursache für das Auftreten von Neglect und sprechen eher für eine gegenseitige Unterstützung. Insbesondere wenn die Hirnschäden sehr groß sind, ist eine frühere Verschaltung zwischen betroffener und gesunder Gehirnhälfte wichtig, damit sich der Patient bereits in den ersten Wochen nach dem Schlaganfall gut erholt“, sagt Erstautorin Dr. Roza Umarova. Ob eine therapeutische Stimulation des Gehirns von außen bei der Rehabilitation förderlich sein kann und welches Hirnareal dafür infrage käme, sollen weitere Untersuchungen zeigen.

Originalpublikation:

Predictors and signatures of recovery from neglect in acute stroke
Roza Umarova et al.; Annals of Neurology, doi: 10.1002/ana.24614; 2016

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