Prostatakrebs: Immer der Nase nach

30. März 2016
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Maligne Erkrankungen der Prostata gehören zu den zehn häufigsten Todesursachen bei Männern, berichtet das Statistische Bundesamt. Vielfach kommen Therapien zu spät, weil die Erkrankung keine Beschwerden verursacht. Ein neues Screening-Verfahren könnte Abhilfe schaffen.

Für Urologen und Onkologen bleiben Prostatakarzinome eine große Herausforderung. Die Erkrankung verläuft lange Zeit weitgehend symptomlos. Blasenentleerungsstörungen, Knochenschmerzen, Gewichtsverlust und Blutarmut treten erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Oft kommt jede Hilfe zu spät: Laut Todesursachenstatistik starben in 2014 genau 13.704 Männer an bösartigen Neubildungen der Prostata. Ärzte haben kaum Alternativen – PSA-Screenings gelten nach wie vor als umstritten. Nach rund 20-jähriger Arbeit fanden Wissenschaftler der herstellerunabhängigen „Canadian Task Force on Preventive Health Care“ keinen Hinweis, dass sich die Gesamtmortalität verringert. Jetzt hoffen Forscher stark auf metabolomische Ansätze: Bei Patienten verändert sich die Stoffwechsellage schon bei Prostata-Ca im Anfangsstadium.

Markante Moleküle

Gianluigi Taverna aus Mailand schlägt deshalb vor, Hunde beim Screening von Urinproben einzusetzen. Anhand flüchtiger organischer Verbindungen (volatile organic compounds, VOC) erkannten die Tiere erkrankte Menschen mit hoher Sensitivität und Spezifität. Britischer Forscher um Chris S. J. Probert haben das Grundprinzip labortauglich gemacht. Sie kombinierten gaschromatographische und statistische Methoden, um molekulare Fingerabdrücke zu identifizieren. Probert nahm 155 Männer in seine Pilotstudie auf. Von ihnen litten 58 nachweislich an Prostatakrebs, weitere 24 an Harnblasenkarzinomen, und 73 an Miktionsstörungen und/oder an Hämaturie. Durch die kombinierte Analytik gelang es dem Team, Prostata-Ca mit einer 95-prozentigen Sensitivität und einer 96-prozentigen Spezifität nachzuweisen. Bei Blasenkrebs betrug die Sensitivität 96 Prozent und die Spezifität 100 Prozent. Probert zeigt auch, dass statistische Verfahren bei gleicher Analytik einen extrem starken Einfluss auf die Qualität von Messungen haben. Um Muster zu erkennen, wählten Forscher die Support Vector Machine als rein mathematisches Verfahren.

Große Kohortenstudien geplant

Ergebnisse der Pilotstudie zeigen, dass gaschromatographische Systeme zusammen mit Programmen der Mustererkennung in der Lage sind, Tumormarker zu identifizieren. Das jetzt vorgestellte System könnte dazu beitragen, Biopsien auf ein Minimum zu verringern. Jetzt planen die Forscher große Kohortenstudien. Sie halten Atemgasanalysen ebenfalls für denkbar.

72 Wertungen (4.71 ø)

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9 Kommentare:

Arzt
Arzt

Selbstverständlich ist PSA nicht umstritten!
Ärzte sind wohl dazu da, den Patienten zu erklären, dass es kostengünstiger ist, sie nicht zu behandeln.
Da hat es ein Auto besser.

#9 |
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Arzt
Arzt

@Michael Blumenstein, prakt. Arzt, dacht ichs mir doch,
dass Krebsoperationen überflüssig sind :-)

#8 |
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Michael Blumenstein, prakt. Arzt
Michael Blumenstein, prakt. Arzt

Endlich keine PSA-Krüppel mehr? Zu schön um wahr zu sein. Ganz schnell in der kassenärztlichen Versorgung etablieren um unnötige (und sehr teure) Eingriffe nur bei klarer Indikation durchführen zu müssen. Die Verzögerung zwischen Forschung und Praxis wird da noch vermeidbares Leid produzieren.

#7 |
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Gast
Gast

# 5 : Na und ?

#6 |
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Gast
Gast

Im nächsten Beitrag wird dann wieder über das “screening” geschimpft,
es sei zu teuer und zu gefährlich bla bla bla,
wie beim Mamma-Ca-screening.
Und die Ärzte würden ja sowieso alles falsch machen.

#5 |
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In dem Artikel die Rede von “nachweislich erkrankten Testpersonen”, d.h. sie befanden sich vermutlich nicht unbedingt im Frühstadium, bzw. wiesen schon Symptome auf. Interessant wäre eine Studie mit Männern, die (noch) kein nachgewiesenes Prostata Ca haben. Eine Schlussfolgerung über die Tauglichkeit zur Früherkennung wäre (mit entsprechender Nachbeobachtung) dann eher zu treffen.

#4 |
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Klaus Fischer, Chemiker
Klaus Fischer, Chemiker

Warum ist nicht mehr zu den gas-chromatografischen Untersuchungen zu erfahren, z.B. welche Substanz/Substanzen wird/werden festgestellt/untersucht?
Also, welche VOC’s sind’s?

#3 |
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Korrelation mit freiem PSA?

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Dr. med. Walter Müller
Dr. med. Walter Müller

Schön möglichst früh zu wissen, das der Patient ein Prostataca hat bzw im Frühstadium entwickelt. Wonach richte ich mich aber, ob Op oder nicht, da sich ja bei vielen Männern das Ca nicht als Todesursache darstellt, sondern sie vorher an anderen Grunderkrankungen sterben. Bietet dieses kombinierte Testverfahren auch die Aussage, ob aggressiv und progressiv oder langsam
und weniger gefährlich bzgl. der Lebenserwartung ?

#1 |
  6


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