Brustkrebs: Therapeutische EntscheidunGEN

1. April 2016
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Ärzte berücksichtigen bei der Behandlung von Brustkrebs immer häufiger tumorgenetische Aspekte. Eine aktuelle Veröffentlichung zeigt, dass bestimmte Patientinnen mit HER2-negativem Mammafrühkarzinom keine Chemotherapie benötigen.

Um Brustkrebs erfolgreich zu behandeln, setzen Ärzte in erster Linie auf chirurgische Eingriffe inklusive Entfernung regionaler Lymphknoten. Je nach genauem Befund schließen sich Polychemo- und Hormontherapien sowie Bestrahlungen an. Oleg Gluz aus Mönchengladbach berichtet jetzt von einer neuen Möglichkeit, Patientinnen zu identifizieren, denen Onkologen eine Chemotherapie ersparen können.

Therapie nach Maß

Forscher der Westdeutschen Studiengruppe (WSG) rekrutierten im Rahmen ihrer planB-Studie 3.198 Frauen mit einem HER2-negativen Mammafrühkarzinom. Bei ihnen waren maximal drei Lymphknoten befallen. Im Labor untersuchte Gluz Biopsien auf molekularbiologische Besonderheiten. Anhand der Expression von 21 Genen entwickelte er einen Risikoscore mit maximal 100 Punkten. Unter allen Patientinnen waren 348 Frauen, deren Score bei maximal elf Zählern lag. Das bedeutet für Onkologen, auf Chemotherapien zu verzichten, da Rezidive aller Wahrscheinlichkeit nicht auftreten. In dieser Gruppe kamen lediglich Hormonersatztherapien zur Anwendung. Nach 55 Monaten hatten 94 Prozent überlebt, ohne dass ihre Krebserkrankung wieder aufgetreten wäre. Molekularbiologische Marker könnten prognostische Faktoren wie die Tumorgröße, den Befall von Lymphknoten sowie den Nachweis von Fernmetastasen ergänzen, hoffen Wissenschaftler.

Gezielt verzichten

Hier schließt sich die ADAPT-Studie nahtlos an, eine multizentrische, randomisierte Phase II/III Studie mit voraussichtlich 5.000 Patientinnen und 80 Einrichtungen. Inhaltlich geht es nicht nur um genetische Risikofaktoren, sondern um das individuelle Ansprechen auf eine Behandlung. Forscher arbeiten mit einem sogenannten „Umbrella“-Protokoll. Bei allen Teilnehmerinnen werden Stanzbiopsien genommen, um den Tumor zu klassifizieren und um Marker zu finden. Eine dreiwöchige Induktionstherapie folgt. Auf Basis weiterer Gewebeentnahmen wird jede Patientin einem bestimmten Prüfarm zugeordnet, etwa HR+/HER2-, HER2+/HR+ oder Triple Negative. Gluz hofft, mit dem Protokoll bis zu 60 Prozent aller Frauen adjuvante Chemotherapien zu ersparen, ohne dass sich ihre Prognose verschlechtert.

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Forschung, Pharmazie

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