Digitale Mediennutzung: Klassisch oder modern?

23. März 2016
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Im Studium gibt es große Unterschiede zwischen den Studienfächern bei der Nutzung digitaler Medien. Besonders Informatikstudenten greifen bereits auf die ganze Bandbreite der technischen Möglichkeiten zurück. Größtenteils werden digitale Medien jedoch noch eher konservativ eingesetzt.

Etwa ein Fünftel der Studierenden in Deutschland (21 %) nutzt im Studium die gesamte Vielfalt digitaler Medien. Das ergab die Studie „Lernen mit digitalen Medien aus Studierendenperspektive“, die von Mitgliedern der Themengruppe „Innovationen in Lern- und Prüfungsszenarien“ im Hochschulforum Digitalisierung ausgewertet wurde.

Um den Grad der Nutzung digitaler Medien im Studium zu charakterisieren, unterscheiden die Autoren der Studie vier Nutzertypen. Dies sind „PDF-Nutzer“, „E-Prüflinge“, „Videolernende“ und „Digitale Allrounder“.

Klassische digitale Medien am meisten genutzt

Die größte Gruppe (30 %) sind die „PDF-Nutzer“. Sie arbeiten nach wie vor überwiegend mit klassischen digitalen Medien, mit PDF-Dokumenten, PowerPoint-Präsentationen und kommunizieren über E-Mails. Ihr Anteil ist unter den untersuchten Fächern mit 56 % in den Pflegewissenschaften besonders hoch.

Jeder vierte Studierende in Deutschland kann der Kategorie der „E-Prüflinge“ zugeordnet werden. Diese nutzen im Verlauf ihres Studiums auch E-Assessment-Formate und legen digitale Prüfungen ab. Ihr Anteil ist im Bereich der Medizin (47 %) und Zahnmedizin (35 %) aufgrund der standardisierten Prüfungen besonders hoch.

Informatik-Studiengänge mit hohen Anteil an „Allroundern“

Die dritte Nutzergruppe sind die „Videolernenden“ mit 23 %. Während beispielsweise in der Zahnmedizin nur 12 % „Videolernende“ sind, weist diese Gruppe in der Informatik mit 34 % einen besonders hohen Anteil auf. Auch die „Digitalen Allroundern“ sind in diesem Fach (31 %) weit stärker vertreten als im fächerübergreifenden Durchschnitt (21 %).

Hier zeigt sich auch die Abhängigkeit des Digitalisierungsgrades vom entsprechenden Lehrangebot. Einer der Autoren, Julius-David Friedrich, verdeutlicht: „Die weit verbreitete private Nutzung digitaler Medien übersetzt sich nicht zwangsläufig in den Hochschulalltag. Nur wo digitale Medien einen obligatorischen Bestandteil des Lernprozesses ausmachen, ist die Verbreitung bereits heute hoch.“

Hochschulen sollen digitale Lernformate nutzen

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Nutzung digitaler Medien in einem Fach unterscheidet sich deutlich zwischen den Hochschulen. Auch dies belegt den wesentlichen Einfluss der konkreten Lehrpraxis und -kultur einer Hochschule auf die Nutzungsvielfalt digitaler Medien bei ihren Studierenden.

Die Studienautoren fordern deshalb, digitale Medien jenseits der punktuellen Anreicherung systematisch in der Hochschullehre zu verankern. „Wo digitale Lernformate einen didaktischen Mehrwert für Studierende haben, sollte dieser von den Hochschulen und den Lehrenden proaktiv genutzt werden“, so Friedrich.

Originalpublikation:

Lernen mit digitalen Medien aus Studierendenperspektive
Julius-David Friedrich et al.; Hochschulforum Digitalisierung; 2016

7 Wertungen (2.71 ø)
Studium

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1 Kommentar:

Gast
Gast

Digitale Logik hat logische Grenzen ebenso wie die Mathematik (Gödel etc.)
Die Natur ist nicht digital, der Mensch noch weniger.
Schon die Sprache, also die verbale Kommunikation überfordert den Rechner.
Der kommerzielle und politische Druck zur “Digitalisierung” und die extreme Tendenz alles zu registrieren, zu speichern und zu überwachen,
schränkt die persönliche Freiheit ein.
Ich finde es zum Kotzen wenn gerade bei großen Konzernen wie der Telekom der Kundendienst -Anruf immer bei so einem bescheuerten Automat landet.
Eine negative Entwicklung.
Auch das Prüfen und folglich das Lernen mit multiple Choice ist ein Rückschritt, kein Fortschritt.

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