Varizellen: Impfung beweist langen Atem

16. März 2016
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Ein indirekter Effekt der Varizellenimpfung ist ein möglicherweise erhöhtes Risiko einer Gürtelrose-Erkrankung bei nicht gegen Windpocken geimpften Erwachsenen. Die Analyse dieses Zusammenhangs zeigt, dass die Impfung vor allem langfristig zu weniger Gürtelrosefällen führt.

Der Zusammenhang zwischen Gürtelrose und Windpocken ist seit langem bekannt. Während der ersten Infektion, die meist im Vorschulalter geschieht, löst das Varizella-Zoster-Virus Windpocken aus. Wie auch bei anderen Herpesviren verbleibt das Varizella-Zoster-Virus auch nach überstandener Krankheit im Körper und kann in jedem Alter zur Gürtelrose führen.

Auch wenn der endgültige Beweis dafür fehlt, weisen inzwischen mehrere epidemiologische Studien darauf hin, dass Kontakt mit an Windpocken erkrankten Kindern das Risiko für Gürtelrose senken kann. „Damit würde der positive Effekt der allgemeinen Windpockenimpfung auf die Krankheitslast bezüglich Windpocken im Kindesalter, wie er seit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Jahr 2004 zu beobachten ist, sich für Ältere eventuell nachteilig auswirken“, sagt Erstautor Johannes Horn. Darüber hinaus besteht ein Risiko, dass sich das Erkrankungsalter für Windpocken bei bisher ungeimpften Personen nach oben verschiebt, mit dadurch einhergehenden deutlich schwereren Krankheitsverläufen und erhöhten Komplikationsraten. Umgekehrt haben gegen Windpocken geimpfte Personen ein deutlich reduziertes Risiko, je an Gürtelrose zu erkranken. Diese komplexen Zusammenhänge in Bezug auf die Windpockenimpfung werden immer wieder kontrovers diskutiert.

Am Modell betrachtet

Horn und seine Kollegen haben die möglichen Auswirkungen der Windpocken-Impfung mithilfe eines mathematischen Modells analysiert. „Wir haben festgestellt, dass der diskutierte indirekte Effekt der Windpockenimpfung auf die Gürtelrose zwar kurz- bis mittelfristig eintreten kann, langfristig aber die positiven Effekte überwiegen“, sagt Horn. „So kann es für circa 30 Jahre zu einer Erhöhung der Fälle von Gürtelrose kommen, langfristig werden die Erkrankungszahlen jedoch deutlich fallen.“

Darüber hinaus zeigte das Modell eine dauerhafte Absenkung der Windpockenfälle in der Altersgruppe der unter Zehnjährigen, wohingegen in den älteren Altersgruppen die Anzahl der Windpockenfälle wahrscheinlich stabil bleibt, beziehungsweise im sehr ungünstigen Fall auch steigen kann. Werden Erkrankungsfälle bezüglich Windpocken im Kindes- und Erwachsenenalter sowie Gürtelrose systematisch beobachtet, so kann das Ausmaß der genannten Effekte der Windpockenimpfung korrekt erfasst werden. Bei Anzeichen von negativen Effekten gibt es die Möglichkeit – zum Beispiel mit einer Impfung gegen Gürtelrose oder einem systematischen Nachholen von Windpocken-Impfungen – gegebenenfalls gegenzusteuern.

Originalpublikation:

Current and future effects of varicella and herpes zoster vaccination in Germany – insights from a mathematical model in a country with universal varicella vaccination
Johannes Horn et al.; Human Vaccines & Immunotherapeutics, doi: 10.1080/21645515.2015.1135279; 2016

14 Wertungen (4.21 ø)

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8 Kommentare:

Dr.Paul
Dr.Paul

zur Gürtelrose, eine Sekundärertrankung:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=57636.
Der neue Impfstoff ist KEIN Lebendimpfstoff und kann daher keine Windpockenerkrankung auslösen,
aber die Immunität gegen die vorhandenen so weit verbessern,
dass keine Gürtelrose mehr ausbricht.

#8 |
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Dr.Paul
Dr.Paul

hallo@Arzthelferin, das mit dem Titer, oder Titeranstieg ist leider weniger zuverlässig als man immer sagt oder auch gutgläubig denkt.
Ich kenne das von der Rötelnimpfung, auch ein Virus, da will man ja sicher sein, wenn man eine Schwangerschaft plant.
Ich vermute daher, dass Sie Windpocken schon vorher hatten, denn Zoster ist KEINE Ersterkrankung.

Über die Häufigkeit weis ich nichts genaues, jedenfalls sind Windpocken halt sehr ansteckend, besonders ungünstig für Säuglinge und Kleinkinder und dann wieder schwere auch bei Erwachsenen als Ersterkrankung. Ähnlich wie bei Masern.

#7 |
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Dr.Paul
Dr.Paul

Vielleicht hätte man erwähnen sollen, weis ja nicht jeder,
dass herpes zoster eine FOLGEERKRANKUNG von einer früheren Windpockeninfektion ist, verursacht durch Virenpersistenz wegen geschwächtem bzw. stark gestörtem Immunsystem.
Dann kann man den Text besser verstehen, tritt ja generell erst ab ca. 50J. auf, wenn das Immunsystem schwächer wird, interessanterweise nicht über die ganze Haut, wie bei den Windpocken sondern “segmental” in einem Nervensegmentbereich. Und meist ist da auch eine segmetale Störquelle oder Erkrankung dabei sozusagen als Auslöser, z.B. eine infektiöse Lungenaffektion, nicht mit dem Windpocken-Virus.
Eine Herpes-zoster-Impfung (ab 50J) ist daher eine Windpocken-Impfung, nach RKI-Angaben nur zu ca. 50% wirksam im höheren Alter noch weniger.

#6 |
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Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

Sach ich doch, eine der überflüssigsten Impfungen ist die Varizellenimpfung. Es gibt zuhauf die Varizellenerkrankung durch die Impfung. Selbst x-mal gesehn!!!

Es geht immer wieder nur ums Geld, Geld, Geld…………………..

Wie es den Menschen danach geht hat noch nie jemanden interessiert….immer schön weggucken.
Selbst die offensichtlichsten Impfkomplikationen bzw. der Verdacht (nicht Reaktionen) werden nicht gemeldet.

Gürtelrose ist sehr, sehr schmerzhaft, aber macht ja nix, Hauptsache die Kohle stimmt

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Arzthelferin
Arzthelferin

Mich würde vielmehr interessieren wie hoch die Gürtelrose-Rate nach einer Varizellen-Impfung im Erwachsenenalter ist. Ich selbst habe bei negativen Varizellen-Titer bei meiner Ausbildung im Kinderkrankenhaus 2 Impfdosen gegen Windpocken erhalten. Nach der 1. Impfdosis kam es bei der Titerkontrolle nur zu einem unzureichenden Titeranstieg, so dass eine 2. Impfdosis verabreicht wurde. In zeitlichem Zusammenhang dazu erkrankte ich dann an einer Gürtelrose welche stationär behandelt werden musste. In der Fachliteratur findet man immer wieder Informationen zu ähnlichen Fällen. Mich würde interessieren, wie hoch prozentual die Wahrscheinlichkeit ist, bei Impfungen im Erwachsenenalter an einer Gürtelrose zu erkranken.

#4 |
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Ina Maria Schaper
Ina Maria Schaper

Wie rede ich mir eine Statistik schön!

#3 |
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“Darüber hinaus zeigte das Modell eine dauerhafte Absenkung der Windpockenfälle in der Altersgruppe der unter Zehnjährigen, wohingegen in den älteren Altersgruppen die Anzahl der Windpockenfälle wahrscheinlich stabil bleibt, beziehungsweise im sehr ungünstigen Fall auch steigen kann.”

Hat man auch schon berechnet, wie sich das voraussichtlich auf die Inzidenz der Varizellenembryopathie auswirken wird?

#2 |
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Ärztegemeinschaft Amedis
Ärztegemeinschaft Amedis

und was bewirkt die Impfung gegen Gürtelrose in diesem Zusammenhang?

#1 |
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