A-Streptokokken: Immunstoff-Duo in der Abwehr

15. März 2016
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Unser Immunsystem muss ständig Bakterien und Viren abwehren und dabei eine kritische Gratwanderung zwischen Über- und Unterreaktion schaffen. Bei der Abwehr von Gruppe-A-Streptokokken spielt ein perfekt abgestimmtes Wechselspiel von IFN-I und IL-1β eine Schlüsselrolle.

Eine Über- oder Unterreaktion unseres Immunsystems kann für den Menschen lebensgefährlich werden. Welche molekularen Schalter die Immunantwort ausbalancieren, erforschen Pavel Kovarik und sein Team von der Universität Wien. „Für unsere Untersuchungen haben wir Infektionen mit Gruppe A-Streptokokken nachgestellt, die als die häufigsten Erreger von Mandelentzündungen bekannt sind. In manchen Fällen können sie jedoch auch schwerwiegende invasive Infektionen verursachen.

Diese als Toxisches Schocksyndrom und Nekrotisierende Fasziitis bezeichneten Erkrankungen können bis zum Tod führen“, erklärt Erstautorin Virginia Castiglia. Sie untersuchte, was auf molekularer Ebene bei invasiver Streptokokkeninfektion passiert. Ihre Ergebnisse zeigen, dass dem Molekül IL-1β eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Streptokokken zukommt: Gibt es zu wenig, nehmen die Bakterien Überhand und es kommt zur Blutvergiftung; gibt es zu viel, sind übermäßige Entzündungen die Folge. Beides kann fatal enden.

Das Zünglein an der Waage: Interferone vom Typ I

Wie aber wird die Menge an IL-1β reguliert? „Dafür sind Interferone vom Typ I (IFN-I) verantwortlich“, sagt Kovarik: „Seit langem wissen wir, dass IFN-I bei der Abwehr von Viren helfen, ihre Rolle bei der Abwehr von Bakterien war jedoch bisher stark umstritten. Nun konnten wir in unserem Modellsystem zum ersten Mal zeigen, dass sie auch bei Bakterieninfektionen eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Menge an IL-1β reduzieren und so eine übermäßige Entzündung verhindern.“

Neue Therapien zur Behandlung invasiver Streptokokkeninfektionen

Diese Ergebnisse dürften nun die medizinische Forschung befeuern: Nach dem Modellsystem gilt es nun zu verstehen, wie die Menge an IL1-β im Patienten ausbalanciert wird und auch, wie sie mit dem Schweregrad der Infektion zusammenhängt. Virginia Castiglia erläutert: „In unserem Modell konnten wir zeigen, dass bei verminderter IFN-I Wirkung eine Behandlung mit Hemmern der IL-1β Synthese positive Effekte hat, weil die Balance wieder hergestellt wird. Hat man die Zusammenhänge zwischen IFN-I und IL-1β im Menschen verstanden, kann man solche und ähnliche Therapieansätze testen.“

Bisher lässt sich schwere invasive Streptokokkeninfektion nämlich nur symptomatisch behandeln. Antibiotika helfen nur im Frühstadium, und auch entzündungshemmende Mittel zeigen wenig Wirkung. Oft führt der Weg zur Heilung nicht an einer großflächigen Entfernung des entzündeten Gewebes vorbei. „Es gibt also noch viel zu tun“, sagt Kovarik.

Originalpublikation:

Type I Interferon Signaling Prevents IL-1β Driven Lethal Systemic Hyperinflammation during Invasive Bacterial Infection of Soft Tissue
Virginia Castiglia et al.; Cell Host & Microbe, doi: 10.1016/j.chom.2016.02.003; 2016

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1 Kommentar:

Gesundheits- und Krankenpfleger

Mann hat Rheuma schon vergessen… oder?

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