Erektile Dysfunktion: Flavonoide im Höhenflug

18. März 2016
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Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe in Nahrungsmitteln stehen bei Forschern hoch im Kurs. Flavonoide sollen antiallergisch, antioxidativ, antiviral und antiproliferativ wirken. Eine kürzlich veröffentlichte Arbeit zeigt nun auch protektive Effekte gegen erektile Dysfunktionen.

Deutschlands Bevölkerung altert – und immer mehr Männer leiden an einer erektilen Dysfunktion. Sind in der dritten Lebensdekade allenfalls zwei bis drei Prozent betroffen, schnellt der Wert auf 50 bis 55 Prozent in der siebten Lebensdekade nach oben. Nicht selten stecken kardiovaskuläre oder metabolische Erkrankungen hinter dem Standverlust, was klassische Therapien mit PDE-5-Hemmern stark einschränkt. Vermeintlich harmlose Kräuterprodukte aus dem Ausland enthalten FDA-Angaben zufolge ebenfalls recht häufig synthetische Wirkstoffe. Grund genug für Forscher, nach sekundären Pflanzeninhaltsstoffen mit der erwünschten Wirkung zu fahnden.

Flavonoide für ihn

Aedín Cassidy von der University of East Anglia, Norwich, hat zusammen mit Kollegen Flavonoide als vielversprechende Naturstoffgruppe untersucht.  Sie rekrutierte 25.096 Männer aus der Health Professionals Follow-Up Study. Alle vier Jahre erfassten Wissenschaftler per Fragebogen konsumierte Lebensmittel, um die Flavonoidaufnahme zu errechnen. Teilnehmer wurden auch gebeten, ihre erektile Funktion auf einer fünfstufigen Skala einzuschätzen. Innerhalb des zehnjährigen Follow-ups trat bei 35,6 Prozent eine erektile Dysfunktion auf.

Cassidy berücksichtigte bekannte Risikofaktoren, etwa kardiovaskuläre Vorerkrankungen oder Lebensgewohnheiten, über multivariate Analysemethoden. Bei Probanden im Quintil mit der höchsten Flavonoidaufnahme fand die Wissenschaftlerin eine um 9,0 bis 11,0 Prozent verminderte ED-Inzidenz. Sie schreibt, der Effekt entspräche zwei bis fünf Stunden Bewegung pro Woche. Nahmen Männer viele Flavonoide auf und bewegten sich gleichzeitig, verminderte sich das ED-Risiko sogar um 21 Prozent. Besonders stark profitierten junge, übergewichtige Männer.

Neue Studie – bessere Informationen

Bei der Untersuchung ging es aber nicht ausschließlich um die Manneskraft. Auf erektile Dysfunktionen folgen mehrere Jahre später oft kardiovaskuläre Erkrankungen; ED gilt hier als Risikofaktor für die Morbidität und Mortalität. Umso wichtiger sind präventive Ansätze. Die jetzt vorgelegte Arbeit liefert wie jede prospektive Studie Argumente für Hypothesen. Im nächsten Schritt wünscht sich Aedín Cassidy eine interventionelle Studie.

42 Wertungen (4.45 ø)

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3 Kommentare:

Gast
Gast

Sie haben ja vielleicht eine Priorität, Herr Licht…

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Medizinjournalist

Auch die Erektion hängt am Allgemeinzustand: Ich schwör’s !

Das Wort “bewegen” ist die massenhafte falsche Botschaft. Anstrengen bis der Atem richtig knapp wird und lernen, genau dort verstärkt willentlich zu atmen, damit der Körper kapiert, was man will und diese Schwelle überwindet. Dann macht er, was man will, er baut auf und überwiegt dieser Aufbau den Abbau, wird alles gut – Knochen auch, vor allem Kreislauf, Herz. Hat der Körper es kapiert, ist Schluss mit der angeblichen Quälerei, denn wenn das Belohnungssystem den Trick kapiert hat, wird es zur Lust, egal wie alt man ist. Bloß bewegen ist da sehr weit weg. Wiederholt: Auf dem Laufband bergauf gehen, mehr muss nicht. Da kann auch dem lahmsten Anfänger nix passieren, nach einem halben Jahr rennt er wieder.

#2 |
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Gast
Gast

Lt. Bundesinstitut für Risikoforschung ( BfR ) ist entweder nachgewiesen oder besteht der Verdacht, daß zum. bestimmte Flavonoide – wohl bei Supplementierung – in geringer Dosis krebsfördernd und erst in hoher Dosis krebshemmend sind. Wenn man berücksichtigt, daß die Existenz von Krebszellen teilw. aber nicht bekannt ist, stellen sich Fragen…

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