Lebensende: Engagement stärkt Wohlbefinden

11. März 2016
Teilen

Es gibt einen Zusammenhang zwischen sozialem Engagement und dem Wohlbefinden in der Zeit vor dem Tod. Menschen, die sich vor ihrem Tod sozial und politisch engagieren, schätzen ihre Lebenszufriedenheit im letzten Lebensabschnitt höher ein als nicht derart engagierte Menschen.

In den letzten Jahren vor dem Tod nimmt das Wohlbefinden häufig stark ab. Doch wer mit mehr sozialen Werten in die letzte Phase des Lebens geht und auch bei einem schlechten Gesundheitszustand sozial aktiv bleibt, dem geht es besser, besagt eine neue Studie. Häufig beginnt das Wohlbefinden von Menschen bereits einige Jahre vor ihrem Tod rapide abzunehmen. Warum hierbei jedoch große Unterschiede zwischen den Betroffenen bestehen, ist bislang wissenschaftlich nicht genau geklärt. Dass der Gesundheitszustand für das Wohlbefinden gerade am Ende des Lebens zentral ist, ist offensichtlich. Weniger klar war bisher jedoch, welche Rolle psychosoziale Faktoren spielen. Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin untersuchten den Zusammenhang zwischen sozialem Engagement und Wohlbefinden im letzten Lebensabschnitt.

Gesteigertes Selbstwertgefühl durch Engagement

Für die Studie wertete die Forschergruppe Daten der Längsschnittuntersuchung SOEP aus. Untersucht wurden die Daten von 2.910 verstorbenen Personen, die vor ihrem Tod bis zu 27-mal an der jährlich durchgeführten Erhebung teilgenommen hatten. Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt ihres Todes betrug 74 Jahre und das Verhältnis von Männern und Frauen war ausgeglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl ein sozial aktives Leben als auch das Verfolgen von sozialen Zielen unabhängig voneinander mit einem höheren Wohlbefinden in dieser letzten Lebensphase in Verbindung stehen. Der Zusammenhang ist unabhängig von anderen bereits bekannten Faktoren wie dem Gesundheitszustand, Behinderungen oder Krankenhausaufenthalten sowie beispielsweise dem Geschlecht, dem sozio-ökonomischen Status und dem Bildungsstand zu beobachten.

Die Stärke des Effektes liegt bei annähernd zehn Prozent im Hinblick auf die Höhe des Wohlbefindens und bei beinahe zwanzig Prozent in Bezug auf dessen Abnahme kurz vor dem Tod. „Wir fanden es erstaunlich zu sehen, dass die Zusammenhänge von sozialer Teilhabe und Wertschätzung mit dem Wohlbefinden […] auch am Ende des Lebens so ausgeprägt sind. Das hätten wir so nicht erwartet“, so Erstautor Denis Gerstorf. „Menschen mit sozialer Orientierung sind daran interessiert, anderen zu helfen und engagieren sich in sozialen und politischen Initiativen. Offensichtlich ist dies auch und gerade am Ende des Lebens für das eigene Wohlbefinden von Bedeutung.“

Wenn die Personen sowohl weniger sozial aktiv waren als auch soziale Ziele weniger wichtig fanden, verstärkten sich die an sich schon einzeln vorhandenen Effekte erheblich. Sie schätzten ihre Lebenszufriedenheit ein Jahr vor ihrem Tod besonders niedrig ein. Außerdem konnte gezeigt werden, dass soziale Teilhabe nicht nur an sich wichtig ist, sondern dass es auch darauf ankommt, sozial aktiv zu bleiben. So war die Abnahme des Wohlbefindens vor dem Tod weniger ausgeprägt bei Menschen, deren hohes Niveau an sozialen Aktivitäten kaum abnahm. „Sozial aktive ältere Menschen fühlen sich gut, wahrscheinlich weil sie etwas machen, was ihnen Freude bringt. Indirekt kann die allgemeine Lebenszufriedenheit dadurch gestärkt werden, weil das Selbstwertgefühl steigt ebenso wie das Gefühl, noch etwas bewegen zu können“, erklärt Gert Wagner.

Originalpublikation:

Terminal decline in well-being: The role of social orientation.
Denis Gerstorf et al.; Psychology and Aging, doi: 10.1037/pag0000072; 2016

17 Wertungen (3.82 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

8 Kommentare:

Gast
Gast

“sich regen bringt Segen”

#8 |
  0
Dr.Paul
Dr.Paul

Statistiken sagen, dass heute in Deutschland die Kinder in der Regel nichts mehr für die Eltern machen, sondern im Gegenteil, die Eltern noch bis im Alter von über 70 ihre Kinder unterstützen.
Statistik, wohl gemerkt, was heist, dass das nicht für alle zutrifft.
Die wesentliche Ursache dafür ist eigentlich “der Staat” mit seiner Kollektivierung der Sozial- und Rentenversicherung. Und kein Mensch oder keine Firma kann so unsolide mit Geld umgehen wie der Staat, der das Geld, dass man für die eigene Altersversorgung einzahlt, SOFORT im gleichen Jahr für andere wieder ausgibt. Ausnahmen sind einige davon abgetrennte berufsgebundene “Versorgungskassen”.
Nur so kann das Gefühl entstehen, ich brauch für meine Familie nichts tun, das macht ja der Staat. Gibt es wie aktuell zu wenig Nachwuchs, geht die Rechnung nicht mehr auf und die “Antipathie” richtet sich groteskerweise gegen die Eltern, die immer weiter GEBEN sollen.
Ich stimme daher auch finanzieller Belohnung bei sinnvoller Tätigkeit im Alter ausdrücklich zu, danke #1
alles andere ist scheinheilig

#7 |
  0
Dr.Paul
Dr.Paul

zu#5 Sie bestätigen hier Altersdiskriminierung.
Jeder Mensch möchte neben der Freude an sinnvoller Tätigkeit auch Anerkennung.
Und in unserer dollarorientierten Zeit gilt der,
der etwas kostenlos macht, eher als Idiot.
Quatschen reicht nicht.

#6 |
  0
Gast
Gast

# 4 : Doch, finanziell honorierte Tätigkeiten allerdings nicht

#5 |
  3
Gast
Gast

Gast#2, im Gegenteil,
es ist ein GENERELLES Lob für Aktivität im Alter.
Und noch einmal, der Tod gehört da nicht hin.

#4 |
  1
Gast
Gast

Das leuchtet ein und macht Sinn, kümmerten sich doch traditionell die Großeltern um die Enkel. Ist heutzutage leider die Ausnahme, die Eltern als Sandwichgeneration zahlen den Preis dafür. Egoistisches Verhalten fordert scheinbar seinen Tribut, selbstloses Engagement wird belohnt.
Mich würde interessieren, ob soziales Engagement innerhalb der eigenen Sippe das Wohlbefinden nochmals zu steigern vermag, evtl. durch höhere Sinnhaftigkeit?

#3 |
  1
Gast
Gast

# 1 : Welch empathischer Beitrag, Kompliment

#2 |
  2
Gast
Gast

Hat eigentlich mit dem Tod überhaupt nichts zu tun!
Noch besser ist eine finanziell honorierte Tätigkeit.

#1 |
  5


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: